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[De Profundis] De Profundis û ein cthuloides Briefrollenspiel


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3 Antworten in diesem Thema

#1 medusa

medusa

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Geschrieben 21. April 2006 - 06:39

Da ich offenbar mit zu viel Freizeit gesegnet bin, habe ich mich neulich drangesetzt, die wichtigsten Fragen, die hier im Forum oder in der Praxis auftauchten, zusammenzufassen - eine Art kurzer, praktischer Leitfaden zu Michal Oraczs Ideen sozusagen, auch wenn das ein wenig zu wichtig klingtà :) Ihr könnt mir ja mal mitteilen, was ihr davon haltet.



Lieber Andreas,

es freut mich, dass dir Annettes und meine Schilderungen von unserem De Profundis-Netzwerk so gefallen haben, dass du dir nun selbst das äRegelwerkô zugelegt hast! Vielleicht bekommst du ja Lust, mitzuschreiben? Wir können immer wackere Investigatoren gebrauchen, da der Schwund selbst ohne Stabilitätswürfe nicht zu unterschätzen ist û meine arme Charlotte fristet ihr Dasein zur Zeit in einer privaten Heilanstalt, wobei ich mir noch nicht sicher bin, ob nicht ihr Bruder in Wahrheit der Verrückte ist, der sich einfach besser unter Kontrolle hat als sieà Wir werden es herausfinden!
Damit sind wir auch schon beim Thema. Ob zur ?berbrückung zwischen Spielrunden oder als Selbstzweck, De Profundis bietet Möglichkeiten, die dem klassischen Pen&Paper-Rollenspiel verschlossen bleiben müssen. Tatsächlich ist das Briefspiel den Werken Lovecrafts näher als dem Rollenspiel, aus dem es hervorgegangen ist, denn die Handlung eröffnet sich dem Leser ausschlie?lich über schriftliche Berichte und nimmt mitunter sehr überraschende und abenteuerliche Wendungen. Aber deine Fragen kann ich sehr gut nachvollziehen; mir ging es anfangs nicht anders. Wie du so treffend bemerkt hast, ist das Regelwerk kein Regelwerk im eigentlichen Sinne, sondern mehr eine Sammlung und Gliederung von Ideen, die nicht sehr konkret sind. Ich werde mich bemühen, deine Fragen soweit zu beantworten, wie es mir aus meiner jetzt einjährigen Erfahrung mit De Profundis möglich ist. Eines kann ich dir jedenfalls im voraus versprechen: Die praktische Ausführung des so genannten Psychodramas ist weniger schwierig als man zuerst denkt.

Ja, es ist richtig, De Profundis-Spieler sind auf sich selbst gestellt. Statt in geselliger Runde begegnen sie dem Grauen allein, statt eines Spielleiters, der die Handlung vorgibt, existieren keine Begrenzungen und somit auch kein festgeschriebenes Ende des Szenarios. Beides mag auf den ersten Blick abschreckend wirken. Ein Spiel ohne Regeln, ohne Handlungsstrang, ohne jemanden, der die letzte Entscheidungsgewalt innehat û wie soll das überhaupt ablaufen?
Die Antwort lautet, in gewissem Sinne ähnlich wie eine Autorenkooperation. Die Mitspieler können vorab oder während des Spiels verabreden, welche Richtung ihre Handlung einschlagen soll. Interessanter, jedoch auch völlig unvorhersehbar, ist aber das freie Schreiben. Die Spieler sind durch einen gemeinsamen äAufhängerô miteinander verbunden, doch jeder erlebt seinen eigenen, persönlichen Teil des Gesamtabenteuers. Was am Ende dabei herauskommt, ist eine Sammlung von Briefen, Tagebucheintragungen, Telegrammen und Handouts ähnlich dem klassischsten Beispiel aller Briefromane, Dracula (du solltest es wirklich mal lesen!). Dabei ist es nicht nötig, in manchen Fällen sogar höchst unwahrscheinlich, dass alle Mitglieder des Netzwerks miteinander in Kontakt stehen oder sich auch nur kennen. So schickt zum Beispiel Person A während einer Auslandsreise Person B, mit der sie von früher bekannt ist, einen Brief, in dem B gebeten wird, ein bestimmtes Buch ausfindig zu machen. B stellt betreffende Nachforschungen an und kommt dabei in Kontakt mit Person C. C wiederum heuert Privatdetektiv D an. Weder zwischen A und C noch A und D oder B und D besteht Korrespondenz; sie erfahren nur durch die Berichte ihrer jeweiligen Kontaktpersonen voneinander. (Wohlgemerkt: Dies bezieht sich auf die Charaktere innerhalb des Spiels, nicht ihre Spieler!)
Aufhänger können sein:

  • Reise ins Ausland, dabei auffallende historische Gebäude, Inschriften etc. und ein daraus resultierender Bericht an einen Freund oder Bekannten mit entsprechenden Berufs-/Hobbyinteressen
  • Ein Detektiv wird beauftragt, eine Person zu überwachen / zu finden
  • Die Erinnerung an ein Erlebnis / eine Entdeckung in Kinderjahren wird durch irgendetwas ausgelöst und ein Bericht an einen Freund aus der Zeit geschrieben
  • Ein Notar muss den Nachlass eines Verstorbenen ordnen und Kontakt zu dessen Freunden und/oder Familie aufnehmenà
Die Möglichkeiten sind unendlich.
Eine Tatsache, der man jedoch ins Auge sehen muss, ist der Spielerschwund. Wie du ja aus Annettes und meinen Berichten wei?t, springen viele Mitglieder des Netzwerks im Laufe der Zeit ab; die meisten kommen nicht einmal über das erste Anschreiben hinaus, so begeistert sie vorher auch geklungen haben mögen. Es empfiehlt sich daher, von Anfang an ein gro?es Netzwerk aufzubauen, um den unvermeidlichen Verlust ausgleichen zu können. Die beliebteste Erklärung für das Verstummen eines Briefpartners ist in unserem Netzwerk übrigens das mysteriöse Verschwinden der betreffenden Person im Zuge ihrer Ermittlungen!

Der Brief selbst: Da sprichst du ein Thema an, das so vielschichtig ist, dass ich gar nicht wei?, wo ich anfangen soll. Glücklicherweise stellst du gleich danach eine Frage, die man wohl schon zu den F.A.Q.s zählen darf: äWarum schreibt ihr keine E-Mails? Das geht doch viel einfacher und schneller.ô Und als Kind des elektronischen Zeitalters weist du natürlich darauf hin, wie antiquiert Michal Oraczs Ansicht sei, keine E-Mails zuzulassen.
Nun, wie immer und überall sind die Regeln auch bei De Profundis nicht in Stein gemei?elt. Wenn sich ein Netzwerk lieber über E-Mail austauschen möchte, wird es ihnen niemand verbieten, und für die ?stheten unter ihnen gibt es Word-Anhänge mit verschiedensten Schriftarten. Atmosphärischer ist und bleibt meiner Meinung nach aber doch der Brief, allen Krakelschriften und schmerzenden Fingern bei einem zehnseitigen Bericht zum Trotz. Eine Ausnahme haben wir gemacht, als es sich aus Zeitgründen anbot, unsere Charaktere miteinander telefonieren zu lassen. Natürlich hätten wir es live durchspielen können (auch eine nette Variante), aber wir haben das Gespräch auf den sonst bei uns verpönten E-Mail-Weg verlegt.

Zur Gestaltung des Briefes: Entscheiden sich die Spieler für ein Psychodrama in den 1920ern, 1890ern oder û sehr reizvoll û 1000 AD, wird im allgemeinen viel Wert auf grö?tmögliche Authentizität gelegt, aber an der praktischen Umsetzung scheitert es. Wer kann heutzutage noch deutsche Schreibschrift lesen, geschweige denn schreiben? Gänsekiele sind selten geworden, und die Verwendung von historisch korrekten Briefmarken oder gar Schriftrollen bringt gewisse postale Probleme mit sich. Abstriche zu machen ist daher unvermeidlich.
Da nicht jeder den Füllfederhalter aus der Schulzeit aufbewahrt oder Gro?vaters Schreibmaschine mit den klassischen Typenrädern zur Hand hat, werden häufig Kugelschreiber oder Gelstift benutzt. Von Bleistift sollte abgesehen werden, da er schnell verblasst; ausgenommen sind Skizzen oder Zeichnungen.
Altmodisches, pastellfarbenes Briefpapier gibt es in jedem Schreibwarenladen zu kaufen und kann für die Korrespondenz einer Dame genutzt werden (meine Briefpartner träumen wahrscheinlich schon von dem himmelblauen Papier, das ich ständig verwende), für geschäftlichen Verkehr empfiehlt sich neutral wei?es Papier. Wem sich die Möglichkeit bietet, der sollte sich an geeignetem Hotelbriefpapier bedienen û auch Investigatoren gehen auf Reisen, und es verleiht dem Brief den gewissen äTouchô.
Beim Adressieren des Umschlags gibt es zwei vorherrschende Varianten. Entweder werden der Charaktername verwendet und Name und Adresse des Spielers mit schlichtem c/o ergänzt oder man versendet Umschläge mit kompletter Charakteradresse und von Omas Postkarten abgelösten Marken innerhalb eines Umschlags mit der Spieleradresse. Hier entscheiden die persönlichen Vorlieben des Netzwerks.
Postkarten sind eine sehr feine Sache! War es Mark Twain, der sagte, die Deutschen seien ein Volk der Ansichtskartenschreiber? Es gibt unzählige Nachdrucke historischer Karten aus allen Jahrzehnten, so dass man ohne Schwierigkeiten ein passendes Exemplar finden kann. Bei einschlägigen Quellen wie eBay oder Flohmärkten kann man häufig sogar noch unbeschriebene Originalpostkarten erstehen.

Du erinnerst dich bestimmt, wie lange Annette an dem Tagebuch sa?, das sie in zweifacher Ausfertigung schreiben musste? Es war die Arbeit auf jeden Fall wert û ich habe mich selten bei einer Lektüre so gegruselt wie bei den Erlebnissen dieses armen namenlosen Smutjes!
Handouts sind interessant und lockern den Spielverlauf auf. Wer möchte nicht gern einmal ein Mythosbuch in seiner Post finden oder eine rätselhafte Skulptur von der Post abholen? Als Material eignet sich alles, was man auf Dachböden und Trödelmärkten finden oder selbst herstellen kann: Zeichnungen, Poesiealben, halbverkohlte Briefe und zerrissene Fotos, Landkarten, Ergebnisse des silvesterlichen Bleigie?ens oder verunglückte Töpferversuche, aus allem lässt sich eine Geschichte spinnen. Im Internet finden sich viele nützliche Anleitungen zur Herstellung von Handouts.

Dies ist in groben Zügen die Praxis zu der faszinierenden Idee des Psychodramas. Ganz sicher habe ich längst nicht alle Aspekte berücksichtigt, zum Beispiel bin ich auf De Profundis in der Jetzt-Zeit nicht näher eingegangen, weil mir schlicht und ergreifend die Erfahrung dazu fehlt. Wenn du dich für ein Netzwerk in diesem Setting interessierst, wird es genug Spieler geben, die dir weiterführende Informationen zukommen lassen können.
?berleg dir, ob du Gefallen an dieser Art des Rollenspiels finden könntest, und im Zweifelsfall versuch es einfach mal! Wir haben immer Platz für Probespieler û zum Beispiel wäre da der Part des undurchsichtigen Antiquitätenhändlers zu besetzen oder eines Arztes in besagter Anstalt oderà

Mit vielen Grü?en,
Clarissa


#2 Pascal Kamp

Pascal Kamp

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Geschrieben 28. April 2006 - 22:21

28.04.2006

Lieber Julius,

wie ich schon in den letzten Tagen zu berichten wu?te, bin ich einem ungeheuerlichen Mythos auf der Spur, dessen finstere Energien sich an den feinen Windungen meines einst so emsig arbeitenden Gehirns zu schaffen machen.

Ich wei? nicht, wie lange ich diese Qualen noch aushalte und dies könnte wahrhaftig mein letzter Brief an dich sein!
Daher möchte ich dir gerne all meine Erkenntnisse und Schlussfolgerungen über diesen ominösen Kult mit dem befremdlichen Namen "De Profundis" mitteilen, um sicher zu gehen, dass wenigstens deine Seele vor dem schrecklichen Sog, den dieser Kult in eine täuschende Gewandung hüllt, geschützt ist.

Ich erhielt vor kurzem einen Brief, der mich in die Mechanismen dieses Kultes einweihte und zunächst konnte ich meine perverse Bewunderung für solch ein kreatives Projekt nicht einmal vor mir selber verbergen.

Die Kultmmitglieder schicken sich untereinander Briefe, die so gestaltet sind (natürlich durch blasphemischste Rituale), dass sie den empfangenden Kultisten helfen, sich in fremde und vergangene Welten zu versetzen.
Dieser Gedanke reizte mich zunächst wirklich ungemein und ich malte mir die schönsten "Handouts" ("Handout ist ein Begriff, der im Rollenspielbereich Verwendung findet und spielergänzende Unterlagen oder Informationen bezeichnet." Quelle: Necronimokon 14. Auflage S.523) aus.
Doch kurz darauf ergriff mich mein Verstand und holte mich in die Realität zurück. Denn wessen Magie ist heute noch so stark, dass er wirklich Dokumente erstellen kann, die in andere zeiten versetzten? Schon an der heute so üblichen, krackeligen Schrift findet dieses Projekt sein Ende. So jedenfalls vermute ich.

Desweiteren verbringen die Kultisten viel Zeit in ihren fauligen Katakomben mit dem Erstellen ihrer Artefakte, und auch das Verschicken grö?erer Artekafte in regelmä?igen Abständen verbraucht sicher einiges an Mana ("Allgemeingültiges Zahlungsmittel unter Kultisten und Muggeln" De Vermiis Misteriis Seite 29).

Daher hatte ich auch das unfassbare Glück, diesem Kult noch nicht zu erliegen und seine Reihen nicht mit meinem Blut und meinem Verstand zu bereichern. Denn sowohl meine Abneigung gegen das Absorbieren weiterer Anteile meiner Zeit, das mir bevorstehen würde, wie ich mir heute sicher bin, als auch meine Unfähigkeit für die Gestaltung magisher Artefakte würden mich für diesen Kult ungeeignet erscheinen lassen.

Doch sollte sich mit dem Erscheinen des mächtigen Zauberbuches "Cthulhu Now" ein Kult entwickeln, der sich unserer Zeit angepasst hat und durch Nutzung unserer modernen Formen der Kommunikation lockt, fürchte ich fürwahr zutiefst, dass ich mich ihm nicht länger entziehen kann.

Wenn du also nichts mehr von mir hören solltest, teurer Freund, bete für mich in dem Wissen, dass mich ein Schicksal, weit schrecklicher als der Tod ereilt hat.

Ich verbleibe mit freundschaftlichen Grü?en
Pascal

Post scriptum: Bitte, guter Julius, verbrenne diese Zeilen, nachdem du sie gelesen hast, da ich fürchte, deine liebe Frau könnte sie finden und ihr schwaches Gemüt durch die Lektüre dieser hoffnungslosen Zeilen zu sehr belasten.

#3 medusa

medusa

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Geschrieben 05. Mai 2006 - 06:22

:D

#4 anouphagos1364424465

anouphagos1364424465

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Geschrieben 18. April 2008 - 14:06

Original von medusa
?berleg dir, ob du Gefallen an dieser Art des Rollenspiels finden könntest, und im Zweifelsfall versuch es einfach mal! Wir haben immer Platz für Probespieler û zum Beispiel wäre da der Part des undurchsichtigen Antiquitätenhändlers zu besetzen oder eines Arztes in besagter Anstalt oderà

Mit vielen Grü?en,
Clarissa


Gilt das Angebot noch - und offen für jedermann? Ich suche aktuell nach Anschluss zu einer de profundis-Gruppe, am liebsten erstmal auf Probe. (Obwohl ich einen Charakter für die Goldenen 20er bereits skizziert habe.)




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