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geistige gesundungs-regeln


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32 Antworten in diesem Thema

#16 Guest_nephil_*

Guest_nephil_*
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Geschrieben 03. September 2006 - 14:40

Ich denke das, was du da gemacht hast ist schon mit die bestmögliche Lösung.
Wenn sich Leute benachteiligt fühlen solltest du sie wohl eher darauf hinweisen dass es im Rollenspiel im Allgemeinen und bei CoC im Speziellen um eine spannende Geschichte und nicht um Punkte, Vor- und Nachteile geht.

Es wundert mich eigentlich, dass das nicht sowieso klar ist denn Eure Gruppe scheint auf recht hohem Niveau zu spielen.

Die GS-Regeln sind (bewu?t??) sehr vage gehalten und ich denke gerade da ist eine freizügige Interpretation duraus erwünscht. Ich persönlich habe für Anstalten eh noch nie gewürfelt, sondern die ganze Sache (zu Gunsten der Charaktere) erzählerisch und mit 'nem Festen Rückgewinn abgehandelt.

Hat sich denn wirklich jemand beklagt? Ich mein in Coc gehts doch eh kaum um Geld.

#17 Guest_Inuelki_*

Guest_Inuelki_*
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Geschrieben 03. September 2006 - 21:33

Fein, dann will ich zu der gesamten Sache auch einmal meinen Senf dazu geben, auch wenn ich ziemlich wiederhole, was bereits schonbereits im Anfang geschrieben wurde.

Bei der Therapie zu Hause handelt es sich um Psychoanalyse.
Man versucht durch intensive Gespräche mit dem Patienten Symptome zu finden, diese auf eine Ursache zurück zu führen und dann die Krankheit ebenfalls durch bestimmten Therapieschrite z.B. dem bewusst machen der Ursache oder der Konfrontation.
Ich denke es ist jedem einleuchtend, dass bei einer derartigen Art der Therapie der Patient möglichst "natürlich"sein muss. Bestimmte Symptome können nicht erkattnt werden, wenn der Patient Medikamente nimmt bzw. diese Symptome können gerade durch Medikamente hervorgerufen werden.
Auch die Behandlung im natürlichen Umfeld ist anzuraten, denn Menschen ändern ihr Verhalten nun einmal mit der Umgebung. Zudem können ja die Au?löser für das krankhafte Verhalten im direkten Umfeld der betroffenen Person liegen. Und wen das Ziel nun einmal ist, eben diese Auslöser zu finden ist es ungünstig, wenn der Patient keinerlei Zugeng zu ihnen hat.

Dem Gegenüber steht die Behandlung in einem Sanatorium! Hier wirde der Patient auf eine volkommen andere Art und Weise behandelt.

1.) Er wird aus seine natürlichen Umgebung herrausgerissen, was zur Folge hat, dass er nicht mehr den Reizen ausgesetzt sind, die seine Krankheit hervor rufen. Zumeist versucht man dann (zumindest in einem guten Sanatorium) den Patienten darüber hinaus noch eine positive bzw. beruhigende Umgebung zu liefern. Sprich Ziel des ganzen ist: Der Patient soll Abstand zu dem ganzen bekommen und die Selbstheilungskräfte der Psyche sollen das ihrige zur Gesundung beitragen.

2.) Sicherlich gibt es in einem Sanatorium auch Gespräche mit dem Patienten, diese jedoch habe eher die Aufgabe einer Hilfestellung oder um es mal überspitzt zu beschreiben man redet mit einem ausgebildeten Seelensorger.
Im schlechtesten Falle dienen solche Gesprächen einzig und allein dem Zweck heraus zu finden, wie weit der Patient genesen ist.

3.) Da die Selbstheilingskräfte des Patienten nicht zwangsläufig ausreichen, damit der Patient gesund wird gibt man ihm obendrein Medikamente und Therapien, die dazu führen, dass die Symptome der Krankheit zurück gehen.

Sind die Symptome verschwunden, bzw. soweit zurück gegangen, dass man überzeugt ist der Patient sei geheilt, lässt man ihn auch wieder heraus.


Einen Psychoanalytiker gegenüber einem Sanatorium als preiswert einzustufen, kommt denke ich daher, dass du noch nie gesehen hast, was sie ein oder zwei Stunden bei einem Psychoanalytiker kosten!

Kann es sein, dass die dritte Heilungsmöglichkeit diejenige ist welche ohne das zutun von nderen Personn abläuft? Sprich: Ich habe mixh dem Mythos auf irgend einer Weise gestellt, es überlebt und dadurch zumindest ein kleines bisschen Selbstsicherheit zurück bekommen aus dem Wissen, das man so etwas vielleicht doch überleben kann?
Ich für meinen Teil, kann mir sher sehr gut vorstellen, dass sich eine derartige Ekentniss sich positiv auf die Psyche auswirkt.

Das du keine Regeln zu dem Thema geistige Umnachtung findest könnte daran liegen, dass sie doch sehr unterschiedlich sind, unterschiedlichen Behandlungen bedürfen und auch unterschiedlich schwerzu heilen sind.
Eine nicht sonderlich weit fortgeschrittene Depression, lässt sich evtl. durch einen ürzeren Aufenthalt im Sanatorium (Kraft gewinnen) und entsprechenden Medikamenten in den Griff bekommen.
Die Phobie gegenüber allem, was Tentakeln hat (entstanden durch Strengezücht) ist da natürlich weitaus schwerer anzugehen! Vielleicht Bedarf es da eines guten Psychoanalytikers, der dem Patienten einredet, dass diese Angst daher rührt, dass seine Mutter ihn zu lange gestillt hat oder so :P

Ich hoffe, ich konnte wenigstens ein wenig helfen und wil nur einmal drauf hinweisen, dass das ganze seeehhhhrrrr abstrakt beschrieben ist!


#18 Hurle Vents

Hurle Vents

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Geschrieben 03. September 2006 - 21:56

Umschreibst Du hier,
a) was in den Regeln steht, oder beschreibst Du,
B) was man in den 20ern dazu gedacht haben könnte oder erklärst Du,
c) wie die Therapiesitationen nach heutigem Wissen zu bewerten sind?

Ist es denn nun gut, aus dem natürlichen Umfeld herausgerissen zu werden (Sanatorium) oder nicht (Psychoanalyse)?

Und dass man in einem Sanatorium eine beruhigende Atmosphäre vorgefunden hat, wage ich auch mal zu bezweifeln. ;)

#19 Guest_Inuelki_*

Guest_Inuelki_*
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Geschrieben 03. September 2006 - 22:26

Ich dachte viel eher daran, die Fragen, welche von Dingo gestellt wurden zu beantworten :D Um genau zu sein darauf:

[Quote]wo genau besteht da jetzt der unterschied??? es war schwer den spielern zu erklären, dass beide denselben erfolg haben, obwohl der eine in ein teures sanatorium kommt und der andere zuhause bleibt und hin und wieder von nem psycho-doc besucht wird.
zudem steht zweimal im regelwerk, psychoanalytische und medikamentöse behandlung wäre nicht kombinierbar, einmal mit der erklärung, dass medikamente süchtig machten. aber tun sie das nicht auch alleine???[/Quote]

Wofür die Unterschiede der einzelnen Behandlungsmethoden aufgezeigt habe. (zugegeben etwas sehr abstrakt)

und darauf:

[Quote]welches ist nach häuslicher pflege und dem sanatorium die dritte möglichkeit, die ich nicht finde?

sollen beide möglichkeiten in ihren regeltechnischen ausführungen wirklich identisch sein?[Quote]

Was ich nach den behandlungsmethoden kurz abgehandelt habe.

Dazu ein klein wenig persönliche Gedanken über den Umgang mit geistigen Umnachtungen.

Ob es nun gut ist einen Patienten aus seinem Umfeld heraus zu reissen, darüber streiten sich noch die Psychologen und es ist natürlich von der Krankheit abhängig. Jemand der akkut Suizidgefährdet ist, sollte man denke ich besser nicht allein zu Hause lassen.

Das mit dem Sanatorium würde ich so nicht sagen. Eine Psychatrie kannst du dir in Deutschland in der heutigen Zeit gleich einem stinknormalen Krankenhaus vorstellen.
Ansonsten ist das ganze insbesonder von 2 Faktoren abhängig. Geld Und Zeit. Leute die in den 1920ern in ein staatliches Sanatorium gebracht werden haben aber natürlich sehr sehr wenig zu lachen. ;)

#20 Marcus Johanus

Marcus Johanus

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Geschrieben 04. September 2006 - 14:27

Es ist ein prinzipielles Problem, dass von manchen Spielern die Regeln in Cthulhu in gewisser Weise zu ernst genommen werden. Habe mich auch privat ein wenig intensiver mit dem Thema beschäftigen müssen, und mit gefallen deswegen viele Sachen im Regelwerk nicht, aus den gleichen Argumenten, die hier schon genannt wurden. Aber das nur am Rande.

Realistisch sind also die gS-Regeln von Cthulhu nicht. Sie sind aber auch nicht wirklich konsistent. Ich denke, die deutsche Cthulhu-Szene hat einen Punkt erreicht, an dem sie dem Spiel selbst ein wenig entwachsen. Denn das amerkanische Original kommt mir ein wenig so vor, als sei es auf Konsistenz, und damit auf ein langes Kampagnenspiel, gar nicht ausgerichtet.

Es ist im Prinzip im Regelwerk nicht wirklich vorgesehen, wahnsinnige Charaktere ins Sanatorium zu schicken, damit sie geheilt und wieder fit fürs nächste Abenteuer gemacht werden. Dazu simulieren die Regeln zu wenig und sind auch einfach nicht gut genug ausgearbeitet.

Allerdings ist das aus den hier beschriebenen Gründen auch ein wenig schwierig. Geistige Krankheiten sind sehr komplex und sehr individuell. Und geht man von dem Paradox aus, dass ein durch Mythos-Nachforschungen erkrankter Charakter eigentlich in einer therapeutischen Behandlung zu dem Schluss kommen müsste, dass seine Erfahrungen allesamt Wahnvorstellungen sind, ist er nicht heilbar, denn seine Erfahrungen sind ja real. Und diese ?berlegung machen die Sache sehr kompliziert.

Ich denke, die amerikanischen Autoren haben sich eher an den Lovecraft-Geschichten orientiert, nach denen ein Charakter Mythos-Erfahrungen macht, die die Geschichte einfach beenden. Danach wird der Mantel des Schweigens über das weitere Schicksal des Charakters und den Verlauf der Geschichte gebreitet.

Dass Cthulhu nun für viele deutsche Spieler ein Kampagnenspiel wird, in dem halt einiges etwas genauer genommen wird, als es von den Autoren vorgesehen ist, ist ein kleines Dilemma. Deswegen sollte man meiner Meinung nach erst gar nicht nach konsistenten Lösungen für solche Probleme suchen, auch keine allgemeingültigen Regeln aufstellen, sondern lieber von Fall zu Fall entscheden und den individuellen Leidensweg eines Charakters ins Spiel einbeziehen, antsatt ihn im Hintergrund regeltechnisch abzuwickeln. Das entspricht eher dem Flair, das Cthulhu braucht.

#21 Hurle Vents

Hurle Vents

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Geschrieben 04. September 2006 - 19:18

@Inuelki:

Bestimmte Symptome können nicht erkattnt werden, wenn der Patient Medikamente nimmt


Das tatsächliche Problem ist nicht der Einfluss von Medikamenten auf die Möglichkeit, psychoanalytisch behandelt zu werden, sondern die Art der psychischen Erkrankung an sich.
Wenn man wegen einer Depression zum Analytiker (oder einem Therapeuten einer beliebigen anderen Schule) geht, dann stört es in keinster Weise, gleichzeitig mit Antidepressiva behandelt zu werden. (Ob es Antidepressiva damals schon gab, wei? ich jetzt nicht).
Im Falle einer Psychose aber sagen noch heute viele (nicht alle!) Psychoanalytiker, sei eine Analyse wegen der kognitiven Einschränkungen des Psychotikers grundsätzlich nicht möglich.

Grundsätzlich gilt: Die individuelle Ausprägung psychischer Störungen sowie die unterschiedliche Wirkung von Psychopharmaka lassen generelle Aussagen, wie sie hier vielerorts getroffen werden, nicht zu.
Dass das im Rahmen von Rollenspielregeln aber versucht wird (werden muss?), leuchtet mir ein, ist hinsichtlich allgemeiner Stigmatisierung und allgegenwärtiger Vorurteile aber wenig hilfreich.

Zum heimischen Umfeld: "Home Treatment", also die Behandlung im persönlichen Umfeld ist - wenn möglich - vorzuziehen, nur war das vor 80 Jahren bestimmt nicht üblich. Suizidalität an sich ist auch kein Grund, immer und unbedingt in die Klinik zu müssen, oftmals aber schon.

Schwierig ist nunmal die Tasache, dass die Psychiatrie in den 20er Jahren einfach völlig anders war, als heutzutage. In Cthulhu sollte aber vom "20er-Jahre-Paradigma" ausgegangen werden, es hilft, was damals als hilfreich angesehen wurde.
Wenn man aber von der 20er-Jahre Cthulhu-Psychiatrie redet, dann muss IMO immer im Kopf bleiben, dass sie a) heute nicht mehr gilt und B) nur eine Rollenspielpsychiatie ist, die versucht, unglaublich komplexe und vorurteilsbeladene Themen in Regeln zu pressen.

Das mit dem Sanatorium würde ich so nicht sagen. Eine Psychatrie kannst du dir in Deutschland in der heutigen Zeit gleich einem stinknormalen Krankenhaus vorstellen.

Optisch ja, aber die Ruhe wird immer wieder gestört durch Geschrei, Gezeter, Notfälle, Zwangsfixierungen, psychotisches Gerede, belastende Gespräche mit anderen Betroffenen usw. Natürlich nicht immer, zwischendrin ist auch Ruhe wie auf dem Friedhof. Das wichtige in einer Psychiatrie ist aber nicht die tatsächliche Ruhe, sondern der geschütze Raum, der Menschen in Krisen trotz der eben genannten Einflüsse tatsächlich oftmals "zur Ruhe kommen" lässt.

@Marcus:

Grundsätzlich gebe ich Dir Recht. Trotzdem:

Deswegen sollte man meiner Meinung nach erst gar nicht nach konsistenten Lösungen für solche Probleme suchen, auch keine allgemeingültigen Regeln aufstellen, sondern lieber von Fall zu Fall entscheden und den individuellen Leidensweg eines Charakters ins Spiel einbeziehen, antsatt ihn im Hintergrund regeltechnisch abzuwickeln. Das entspricht eher dem Flair, das Cthulhu braucht.


Gerade bei Cthulhu hört man ja besonders oft, dass die Regeln nicht so wichtig sind, was ich im ?brigen auch so sehe (und was die altertümlichen Regeln ja auch unterstreichen :D ). Aber von einem Rollenspiel muss man doch erwarten können, dass zumindest versucht wird, dass Regeln konsistent sind und dass es möglich ist, Dinge regeltechnisch abzuwickeln (wenn man möchte). Sonst reicht im Regelwerk unter psychischen Störungen ja auch der Vermerk. "Psychische Krankheiten sind sehr komplex und sehr individuell, weshalb wir es hier nicht in Regeln pressen wollen und stattdessengesundes Augenma? bevorzugen".
Ich gebe zu, ich übertreibe. Mir sind detaillierte Regeln auch nicht wichtig. Aber vielen nun mal schon, dann aber so häufig zu hören, dass die Regeln zweitrangig sind, ist für viele bestimmt wenig befriedigend.

Wie auch immer, offenbar ist da ja eine diesbezügliche Neuerscheinung im Anmarsch, die ich unter 2 Gesichtpunkten prüfen werde:
- Sind die Regeln gut?
- Wird der Individualität und komplexität der Psychiatrie Rechnung getragen bzw. wirkt sie Stigmatisierung und Vorurteilen entgegen?

Beides hoffe ich.

#22 Guest_Inuelki_*

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Geschrieben 04. September 2006 - 22:07

Gerade bei einer Behandlungsform wie der Psychonanalyse, wo der Patient möglichst unbeeinflusst und frei reden soll (sogar der Arzt begibt sich im Normalfall aus dem Sichtfeld des Patienten), können die Psyche beeinflussende Medikamente vernichtend sein. Sicherlich MUSS das bei bestimmten Medikamenten und Kranheiten nicht der Fall sein, aber ich denke für ein Rollenspiel reicht es volkommen aus, wenn man sich als Faustregel merkt:

Psychonanalyse und Medikamente sind normalerweise schlecht aufeinander zu sprechen.

Bei akuter Selbstmordgefahr ist sogar eine Zwangseinweisung in eine vorgesehen! Stationäre Behandlungen können bei bestimmten Krankheitsbildern vorteilhaft sein bzw. wenn man so die Symptome abschwächen kann.

Naja, wie du halt in einem normalen Krankenhaus auch nicht die Ruhe haben wirst, um opimal zu genesen.

Aber ich denke, wenn ir uns über das Tehma weiter unterhalten, dann privat, weil alles weiter kommt mir vor, wie Korithenkackerei, ich denke die grundsätzlichen Fragewn urden geklärt oO

#23 Marcus Johanus

Marcus Johanus

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Geschrieben 05. September 2006 - 11:01

Gerade bei Cthulhu hört man ja besonders oft, dass die Regeln nicht so wichtig sind, was ich im ?brigen auch so sehe (und was die altertümlichen Regeln ja auch unterstreichen :D ). Aber von einem Rollenspiel muss man doch erwarten können, dass zumindest versucht wird, dass Regeln konsistent sind und dass es möglich ist, Dinge regeltechnisch abzuwickeln (wenn man möchte).


Gebe dir recht, dass der Zustand etwas unglücklich ist. Aber so ist er halt. Ich vermute, dass Problem ist: Die amerikanische Szene besteht grö?tenteils wohl aus Gelegenheitsspielern, die ab und zu mal nen Cthulhu One Off spielen. Denen fallen Regellücken weniger auf. Chaosium selbst hat kein gro?es Interesse mehr, am Regelbuch was zu ändern, denn die Mitarbeiter sind alle längst keine aktiven Rollenspieler mehr. Und so lange sich das Regelbuch halbwegs verkauft, ist denen halt die Konsistenz der Regeln egal.

Die deutschen Spieler, die Cthulhu wahrscheinlich am intensivsten nutzen, bemerken die Lücken - wie hier in dem thread - können aber nichts ändern, weil Chaosium halt den Daumen drauf hat.

Deswegen meine ich, dass es halt wenig nutzt, die Regeln genau zu durchkeuchten, da wird man leider nicht kommen. Wenn man Cthulhu als Kampagnenspiel nutzen will, muss man selbst aktiv und kreativ werden.

Zumindest für mich macht das halt auch den Reiz von Cthulhu aus.

#24 Marcus Johanus

Marcus Johanus

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Geschrieben 05. September 2006 - 11:05

Original von Inuelki


Psychonanalyse und Medikamente sind normalerweise schlecht aufeinander zu sprechen.


Das wiederum halte ich für zweifelhaft. Unter den Pychosen werden eine Vielzahl von Krankheitsbildern zusammengefasst, von denen die meisten in irgend einer Form medikamentös behandelt werden. In der Regel werden - so weit ich jedenfalls wei? - Therapien, Analysen und Medikamente eigentlich immer kombiniert.

Allerdings nicht in den akuten Phasen der Krankheit, sondern in der langfristigen Behandlung. Ob und wie analysiert und/oder therapiert wird und wann wie viele und welche Medikamente verabreicht werden, hängt vom individuellen Krankheitsverlauf ab.

Ich denke, das Thema ist wirklich zu komplex, um in einem Rollenspielregelwerk abgehandelt zu werden. Das Simulieren lohnt hier einfach nicht. Und für ein Forum ist es wohl auch einfach zu vielschichtig.

#25 Dingo

Dingo

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Geschrieben 05. September 2006 - 11:35

meine freundin is letztens beim recherchieren auf ein ziemlich interessantes buch gesto?en. leider ham wir das inzwischen wieder zurückgeben müssen.
das hie? "gesichter des wahnsinns" oder so ähnlich. es erzählt anhand von einzelbeispielen, wie verschiedene geisteskranke in einem heim für ebensolche im deutschland der kaiserzeit behandelt wurden.

dieses beschriebene landheim hab ich nich für die kampagne übernommen, die kranken werden dort lediglich eingewiesen und werden mithilfe von gartenarbeit oder handarbeit beschäftigt. wer unruhig ist oder ärger macht, wird mit medikamenten ruhiggestellt oder ans bett gebunden. wenn der arzt irgendwann feststellt, dass sich die krankheiten von alleine gebessert haben, wird der patient entlassen.
ansonsten bleibt er dort bis zum tod, in etwa zwei drittel aller fälle geschah dies durch tuberkulose.

den echten kranken konnte man dort kaum helfen...die falschen sind dort recht schnell wieder entlassen worden.
z.b. einer, der sich vor dem militärdienst drücken wollte und daher behauptete, er hätte den auftrag bekommen, den kaiser zu erschie?en.
ne andere war ne tochter wohlhabender eltern, die sich mit künstlern und ähnlichem pack abgab und dadurch emanzipatorische und ähnliche irre gedanken entwickelte...auch sie wurde bald von solch aufsässiger umnachtung geheilt und entlassen.

mit den regeln geht sowas aber komplett nich konform...

„Wenn ist das Nunstück git und Slotermeyer? Ja! … Beiherhund das Oder die Flipperwaldt gersput!“

The funniest joke in the world


#26 Marcus Johanus

Marcus Johanus

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Geschrieben 05. September 2006 - 13:21

Ein kleiner Irrtum, dem viele Menschen aufliegen und den ich auch zwischen den Zeilen in den Beiträgen hier zu lesen glaube: Die meisten nehmen an, Mensche mit Geisteskrankheiten seien entweder krank oder gesund. Ich wei? nicht so genau, wie der Stand der Forschung in den 20ern war. Aber Tatsache ist, dass nur ein geringer Teil der psychisch kranken Menschen tatsächlich permanent krank ist - und auch nur ein geringer teil wieder vollkommen gesund wird.

Eher typisch für psychische Krankheiten ist ein schubartiger Verlauf.

Demnach ist das Cthulhu-Regelwerk eigentlich schon wieder ganz realistisch, da ja Sanity auf und wieder abgebaut wird und einem ständigen Wandel unterzogen ist - und zumindest in meinen Runden erreichen die Leute nie ihren Maximalwert. Es geht eher immer abwärts.

Die Frage ist meiner Meinungn nach nur, wie die konkreten Formen der Heilung und des Krankheitsbildes aussehen. Und die sind meines bisherigen Kenntnisstandes nach einfach extrem individuell. Sicher, es gibt Typen und Gemeinsamkeiten, aber im Endeffekt lässt sich nie so genau sagen, wie eine psychische Störung verläuft und was genau wie lange getan werden muss, damit sie geheilt werden kann, und ob sie überhaupt dauerhaft heilbar oder nur gelindert werden kann. Dazu gibt es zu viele Faktoren, die eine Krankheit, ihren Verlauf und ihre Prognose beeinflussen.

Aber ich denke, das ist wirklich ein Fummeln am Detail, das an den Bedürfnissen des Rollenspiels vobei geht. Und wie gesagt: Für One Offs sind die Sanity-Regeln bei Cthulhu gut geeignet. Im Kampagnenspiel versagen sie. Deswegen würde ich sie im Zweifelsfall nur sehr frei interpretieren.

#27 Guest_Gast_*

Guest_Gast_*
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Geschrieben 05. September 2006 - 13:29

was die altertümlichen Regeln ja auch unterstreichen



Wer möchte, kann sich an der SRD ?bersetzung des BRP-ähnlichen W100 Systems Beteiligen. Dann kann man auch eigene Module schreiben, die die "altertümlichkeit beheben:

?bersetzungsseite:
http://runequest.rpg....php/Hauptseite

Erläuterungen:
http://hofrat.blogsp...nly-friend.html

#28 Hurle Vents

Hurle Vents

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Geschrieben 05. September 2006 - 17:30

Da steckt viel Wahrheit in Deinen Worten, Marcus, wenn Du jetzt noch Laie in dem Gebiet sein solltest, dann gibt es ja noch Hoffnung, dass nicht nur seltsame Vorurteile zur Psychiatrie vorherrschen.

Original von Marcus Johanus
Aber Tatsache ist, dass nur ein geringer Teil der psychisch kranken Menschen tatsächlich permanent krank ist - und auch nur ein geringer teil wieder vollkommen gesund wird.

Eher typisch für psychische Krankheiten ist ein schubartiger Verlauf.


Das mit den Schüben stimmt, denen kann aber oft durch Medikamente entgegengewirkt werden. Sehr häufig bleibt aber auch in guten Phasen eine sog. Residualsymptomatik übrig, also eine nicht vollständig zu heilende Restsymptomatik.
Ganz grob (achtung, unzulässige Vereinfachung!) kann man sagen, dass von den Psychoseerkrankten heutzutage etwa ein Drittel wieder genest, ein Drittel mehr oder weniger beeinträchtigt (und oft unter Medikamenten) ein geregeltes Leben führen kann und ein Drittel chronisch erkrankt.

die kranken werden dort lediglich eingewiesen und werden mithilfe von gartenarbeit oder handarbeit beschäftigt. wer unruhig ist oder ärger macht, wird mit medikamenten ruhiggestellt oder ans bett gebunden. wenn der arzt irgendwann feststellt, dass sich die krankheiten von alleine gebessert haben, wird der patient entlassen.


Das ist nicht weit weg davon, wie's heute aussieht. Das "von alleine heilen" wird heute grö?tenteils den Medikamenten überlassen und es gibt au?er Ergotherapie (u.a. "Gartenarbeit oder Handarbeit") noch ein paar neue Angebote wie Psychoedukation etc. Psychotherapeutisch wird in Krankenhäusern eigentlich kaum gearbeitet, das folgt, wenn überhaupt, meist nach der Entlassung, die heutzutage je nach Situation so nach +/- 6 Wochen geschieht (Ausrei?er in beide Richtungen gibt's natürlich zuhauf).

#29 mkultra

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Geschrieben 23. November 2006 - 13:22

Hm...
Ich persönlich finde gerade die gS an Cthulhu so geil! Das ist z.B. das was ich an Kult ein bischen vermisse.
Realistisch?
Nein natürlich nicht! Ich finde irgendwie auch Trefferpunkte für Verletzungen nicht besonders realistisch, aber es macht für's RPG einfach mehr Spa?.
Im Grunde sollen das alles doch nur Gradmesser sein, oder nicht?

@Marcus
Du erwähntest das eine Person die mit dem Mythos zusammengerumpelt ist nicht heilbar währe, weil sie die Dinge ja WIRKLICH gesehen hat.
Ein Mensch mit Wahnvorstellungen hat die Dinge vermutlich auch WIRKLICH gesehen!
Dies ist ja schon heilbar.

2 Topic:
Wei? jetzt nicht ob's schon geschrieben wurde, weil ich hier nicht alles durchgelesen habe, aber währe es nicht super sich jeden gS-Verlust detailliert zu notieren, und im Falle einer Umnachtung speziell auf die einzelnen Krankheiten einzugehen, und diese zu behandeln
Bsp:

Der SC verliert:

02 - weil er eine Leiche gesehen hat
-> hier passiert noch nicht so viel. Die generelle Psychische Belastungsgrenze sinkt einfach

12 - Weil er ein Sternengezücht gesehen hat
->oh...das sieht nach einem dauerhaften Schaden aus. Wenn der SC sich später Hilfe holt, dann kann durch eine Therapie speziell auf diese Erscheinung eingegangen werden.

Wenn alles "gut" geht, dann glaubt der SC irgendwann dass dies alles nur eine Halluzination war (Wenn mehrere Zuschauer dabei waren dann haben sie ihm natürlich LSD eingeflö?t und Schauergeschichten erzählt).

Was passiert aber wenn er später wieder auf ein Sternengezücht trifft?
Gibt eigentlich nur zwei Möglichkeiten:

1. Er isst Sand und versucht mit einem dreckigen Lachen das Gezücht zu bespucken, in der Hoffnung (hoffnung ist das falsche Wort) es freundet sich mit ihm an.
2. Er schlie?t die Augen und redet sich ständig ein "Das ist nicht real..das ist nicht real...tief einatmen...ausatmen"

So das war jetz mal so drauf losgeschrieben
:]

#30 Marcus Johanus

Marcus Johanus

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Geschrieben 23. November 2006 - 15:15

Original von mkultra

@Marcus
Du erwähntest das eine Person die mit dem Mythos zusammengerumpelt ist nicht heilbar währe, weil sie die Dinge ja WIRKLICH gesehen hat.
Ein Mensch mit Wahnvorstellungen hat die Dinge vermutlich auch WIRKLICH gesehen!
Dies ist ja schon heilbar.


Nein, da irrst du dich meiner Meinung nach. In der Realität des Rollenspiels existieren Mythoskreaturen, was aber natürlich niemand glaubt, der sie nicht mit eigenen Augen gesehen hat. Jeder Psychologe wird also davon ausgehen, dass der Patient nur glaubt, die Wesen, von denen der Patient erzählt seien real.

Sicherlich, für den Schizophrenen sind seine Wahnvorstellungen ebenfalls real. Aber der Punkt ist ja gerade, dass er im Laufe der Behandlung lernt, dass sie es eben nicht sind.

Vielleicht kann in Cthulhu ein Therapeut dies seinem Patienten ebenfalls klar machen, aber da ist der Fall halt eben genau umgekehrt wie im richtigen Leben: Hier irrt der Arzt, nicht der Patient. Ergo kann der Patient von seinen Wahnvorstellungen nicht wirklich geheilt werden, er kann höchstens der Wahnvorstellungen des Therapeuten erliegen, dass die Dinge, die er gesehen hat, nicht existieren.




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