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Spielbericht: "Nachts im Schwarzwald" aus Sicht eines Kindes


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6 Antworten in diesem Thema

#1 GornOfDagon

GornOfDagon

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Geschrieben 18. Juli 2008 - 15:03

Vorbereitung:
Ich habe das Abenteuer "Nachts im Schwarzwald" nach Neuengland verlegt und in einer 1:1 Sitzung mit einer Spielerin durchgespielt, die einen neuen Charakter benötigt hat. Um dem Char mehr Hintergrund zu geben und durch ein erspieltes Erlebnis in eine Richtung zu lenken, hat der Char das Abenteuer als 12-jähriges Mädchen erlebt. Dazu wurden zunächst mal nur die Attribute ausgewürfelt. Dann durfte die Spielerin ihrem Char 5x 10 Fertigkeitspunkte auf Gebiete geben, die für ein kleines Mädchen charakteristisch sind, z.B. Märchen kennen. Da ich im Abenteuer mehr Wert auf Rollenspiel und Beschreibung gelegt habe, waren weitere Werte nicht notwendig.

Das kleine Mädchen wurde ähnlich wie Ofelia in Pan's Labyrinth beschrieben und gespielt. Eine Besonderheit: Die Kleine hatte einen "unsichtbaren Freund", also einen eingebildeten Begleiter. Dieser Begleiter hat es mir als SL auch immer wieder ermöglicht, das Mädchen etwas zu beeinflussen.

Durchführung:
Die Eltern der Kleinen sind mit ihr von Boston über Arkham nach Dunwich zu einer Beisetzung eines Freundes der Familie gefahren und gemä? Abenteuer mit dem Bus verunglückt. Während der Reise gab es für das Kind wenig Möglichkeiten der freien Ortswahl, da sie natürlich immer unter Beobachtung der Mutter gestanden hat. Unnötig zu erwähnen, dass die Kleine immer wieder versucht hat auszubüchsen. Während einer Zwischenstation auf dem Marktplatz von Arkham war die Mutter dann unaufmerksam und es kam zu der Begegnung mit der alten Frau, die dem Mädchen das Amulett schenkte.

Nach Eintreffen im Gasthaus haben sich ihre Eltern gleich bestens mit den Betreibern des Gasthauses verstanden und sich sofort in "Erwachsenen-Gespräche" vertieft. Also endlich Gelegenheit für die Kleine, das Gasthaus zusammen mit ihrem imaginären Freund zu erkundigen. Als Leseratte hatte es ihr natürlich besonders die Bibliothek angetan. Informationen zum Zeitparadoxon wurden aufgedeckt, führten aber bei dem naiven Kind zu keinem Misstrauen oder weiteren Nachforschungen. Wohlerzogen und aus Angst vor Bestrafung wurden auch keine Privaträume der Gastgeber durchsucht. Als Märchenfan war das Mädchen auch von den Wolfswesen sehr angetan. Der Butler erzählte einige gruselige Geschichten darüber und freundete sich mit der Kleinen an. Er begleitete sie auch, als sie unbedingt mal den Park sehen wollte. Natürlich hatte das fantasie-begabte Kind den Eindruck als würden sich die gespenstisch zurecht geschnittenen Hecken und Büsche bewegen und ihren Schritten folgen.

In der Nacht erfolgte dann die Gefangennahme der Familie und nach einem kurzen, aber psychisch sehr eindrucksvollen Intermezzo im Keller dann auch die Opferszene mit Anrufung von Cthuga. Der Butler hat während der Feuersbrunst das kleine Mädchen befreit und zur Flucht animiert, welche durch das Amulett auch gelang, während die Eltern und die Kultisten elend verbrannten.
Der Pfarrer konnte dann als Gegenstand das Tagebuch präsentieren, das die Kleine ständig bei sich getragen und geschrieben hatte. Elternlos wurde das Kind dann in ein Waisenhaus eingeliefert, indem sie bis zur Volljährigkeit verbleiben wird, um dann als "normaler", erwachsener Char weiterzuspielen...


Fazit:
Charaktererschaffung, bzw. -hintergrund einmal anders. Die Spielerin war begeistert und konnte nach dem Prolog in Form des Abenteuers für ihren Char die Char-Erschaffung entsprechend der Regeln durchführen.

Mir als SL haben sich mal ganz neue Beschreibungen seitens der Protagonisten ergeben. Statt "Ich ziehe meine Knarre und lege den erstbesten Kultisten um." gab es ein naiv-erfrischendes "Ich sitze brav auf dem Stuhl und baumele mit den Beinen." Auch werde ich die gro?en, leuchtenden Augen nicht vergessen, als die Kleine eine gro?e Tasse mit dampfender Schokolade vorgesetzt bekam.
Natürlich kam auch der Horror nicht zu kurz: Dinge, über die wir als Erwachsene kaum nachdenken, welche aus Sicht eines Kindes aber sicherlich sehr verstörend wirken, z.B. die Bücher über Hexen oder die (körperliche) Machtlosigkeit gegenüber Erwachsenen. Der erlebte Tod der Eltern durch Verbrennen einmal au?er Betracht gelassen!

Ich kann einen solchen Einstieg nur empfehlen! Allerdings benötigt man eher ein "kindgerechtes" Railroading-Abenteuer und Spieler, die sich darauf einlassen können, einen etwas eingeschränkten Handlungsrahmen zu haben.

#2 7th Guest

7th Guest

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Geschrieben 18. Juli 2008 - 15:22

hoffe du hast das "kind" beim parkspaziergang mit genügend sanity-checks versehen ^^

#3 GornOfDagon

GornOfDagon

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Geschrieben 19. Juli 2008 - 14:01

War gar nicht notwendig:
Die Spielerin hat Angst und Furcht so gut ausgespielt, dass ich auf schnöde Würfelwürfe verzichten konnte.

Ernsthaftes und realistisches Characterplay ohne Würfeln, Regeln und Werte. SO macht RPG, insbesondere CoC erst richtig Spa?...

#4 7th Guest

7th Guest

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Geschrieben 19. Juli 2008 - 19:21

Original von GornOfDagon
Ernsthaftes und realistisches Characterplay ohne Würfeln, Regeln und Werte. SO macht RPG, insbesondere CoC erst richtig Spa?...


Ohweia, ob das jetzt wieder eine Endlos-Diskussion
aufruft?

#5 Der Tod

Der Tod

    his red right hand

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Geschrieben 02. August 2008 - 11:51

Offensichtlich nicht. ;)

Cthulhus Ruf - Das Magazin

all things move towards their end


#6 Die Farbe aus dem All

Die Farbe aus dem All

    Deine neue Lieblingsfarbe

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Geschrieben 02. August 2008 - 18:53

Das hört sich echt klasse an. Ein Kurzabenteuer für einen neuen Charakter, damit er schon mal ein bisschen "erlebten" und nicht nur ausgedachten Hintergrund hat.

Wen stört es da, wenn die Regeln an die besondere Situation angepasst werden. Wenn die Spieler/in die Angstsituation gut ausspielt würde ich die besondere Atmosphäre auch nicht durch so etwas Profanes wie Stabiwürfe stören.

Das wäre eine tolle Sache, wenn man öfter neue Spieler durch Einzelspielerkurzabenteuer an Cthulhu heranführen könnte. Oder neuen Charakteren auf diese Weise eine mögliche Verbindung der Kampagne in ihre Vergangenheit geben kann - man stelle sich vor, das Amulett der Spielerin spielt in einem der kommenden Abenteuer überraschend eine zentrale Rolle, und zwar als etwas, das sich wider (ihrem) Erwarten als etwas Gefährliches entpuppt...

"Die Farbe... sie brennt... kalt und feucht, aber sie brennt... ich hab sie gesehen... bricht Dir den Verstand, und dann kriegt's Dich... verbrennt Dich... kannst nich loskommen... zieht Dich... nur 'ne Farbe... es ist von weit her gekommen, wo die Sachen nich so sind wie hier... saugt das Leben aus..."

 

Nahum Gardner in "Die Farbe aus dem All" von H.P. Lovecraft


#7 Rhisha

Rhisha

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Geschrieben 13. August 2008 - 15:11

Als Spielerin des kleinen Mädchens äussere ich mich hier doch auch einmal ;)

Mein Problem war, dass ein sehr gern und lang gespielter Charakter (ja, so etwas gibt es auch bei Cthulhu! *g*) zu Tode kam und ich keine originelle Idee für einen neuen Charakter hatte, zumindest keine, mit der ich mich gut anfreunden konnte.
So war der Vorschlag, einen Charakter als Kind mit nur wenigen festen Werten zu beginnen, wirklich reizvoll.
Und es hat sich mehr als gelohnt:
Unglaublich spannend, völlig neue Perspektiven, Gruseleffekte und Hilflosigkeit an Stellen, an die Erwachsene nicht mal gedacht hätten, und ein völlig neues Herangehen an die Problematik - welches wohlerzogene Kind würde schon ohne offensichtlichen Grund in ein Büro einbrechen, auch wenn man als Spieler wei?, dass dort Informationen zu finden sind? ;)
Der Charakter ist mittlerweile 18 Jahre alt und hat dank dieses Einstiegs einen sehr dichten Hintergrund.

Sehr empfehlenswert! :)




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