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Eine Feuertaufe am Rande der Finsternis


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3 Antworten in diesem Thema

#1 Starspawn

Starspawn

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Geschrieben 15. November 2009 - 17:50

Zur Vorgeschichte: Aus einer Laune heraus habe ich mal bei Facebook eine Umfrage gestartet, wer denn Lust auf eine Runde Cthulhu hätte. Zu meiner äu?erst gro?en ?berraschung meldeten sich 5 bzw. 6 Interessenten.
Für den vergangenen Freitag waren dann zwei Spieler bereit, wovon einer schon reichlich Rollenspielerfahrung hatte - jedoch kein Cthulhu - und die Andere absoluter Neuling war. Mich hat als Spielleiterin eigentlich nur die Tatsache qualifiziert, dass ich das Regelbuch und ziemlich alle Lovecraftgeschichten gelesen habe; meine Rollenspielefahrung ist recht überschaubar.

Zu den Charakteren:
Ignatius Fitzpatrick ist ein Ire und ein sehr geschäftstüchtiger Bibelverkäufer.
Esmeralda Miller ist eine Apothekarin mit einem recht losen Mundwerk und steht unter dem dringenden Verdacht, sich aus ihrer Apotheke selber zu bedienen.

Im Krankenzimmer des Rupert Merriweather lief alles noch recht nach Plan, lediglich sein Sohn wurde etwas misstrauisch, nachdem die Charaktere die Kiste mitnahmen. Beide kamen auch sofort auf die Idee, in der Universität bzw. der Bibliothek selbiger Nachforschungen anzustellen. Wobei "Anstellen" genau das richtige Wort ist, sämtliche Bibliotheksnutzungswürfe gingen völlig daneben, so dass die Bibliothekarin schon leicht entnervt auf die Anfragen reagierte. Zuerst verwies sie die Charaktere auf einen spontan eingefügten ?gyptologieprofessor, der ihnen mehr oder minder gerne half, die Hieroglyphen zu übersetzen. Wie erwartet war der gute Professor Armitage nicht sehr begeistert, als die Charaktere De Vermis Mysteriis lesen wollten und schmiss sie hochkant raus, als sie von einem Austreibungsritual zu reden begannen.
Mit Hilfe eines Ideenwurfes öffneten die Beiden dann auch mal die Dose und dank des Okkultismuswissens der Apothekerin kamen sie noch der Geschichte der Dose auf die Spur.

Nachdem sich nichts mehr herausfinden lies, trafen die Zwei sich am nächsten Morgen vor der Bibliothek und fuhren mit dem Bus nach Ross' Corners. Im örtlichen Laden besorgten sie sich noch Kerzen und eine Wegbeschreibung zum Farmhaus. Der Herr Bibelverkäufer schaffte es, sich bei der Verkäuferin einzuschmeicheln, aber ich verga?, ihn über das Verschwinden von Maggie McPhirter zu informieren. Zum Glück spielte mir ein verhauener Orientierungswurf in die Hände, so dass die Charaktere dummerweise eine Abzweigung zu früh nahmen und vor dem Haus des kurzerhand erfundenen Vaters der kurzerhand zur Tochter verjüngten Maggie die ich kurzerhand bzw. aus Versehen in Mary umtaufte landeten und dort vom Verschwinden selbiger erfuhren. (Uff...)

Endlich waren sie beim Farmhaus angelangt, entdeckten die Zeichen, die sie sich schon gegenseitig auf die Stirn malen wollten und den toten Waschbär, den die Apothekerin fachfrauisch obduzierte.
Im Haus schlie?lich entdeckten sie sehr schnell alles Relevante, aber trauten sich erst gar nicht, in den Keller zu gehen. Das Geschabe auf dem Dachboden brachte sie aber zu der Erkenntnis, dass der Keller wohl ungefährlicher ist. Als Jack versuchte, an ihnen vorbei zu rasen, bekam Ignatius sein Hosenbein zu fassen, dank der Widerstandstabelle und beider Geschicklichkeit. Sie schafften es auch, den verängstigten Mann halbwegs zu beruhigen und mittels Psychologie auszuquetschen, aber lie?en ihn dann laufen, woraufhin er im Wald verschwand...

Schlie?lich begannen sie dann mit dem Vorbereitungen zum Ritual. Die Kreatur meldete sich mit Gekratze und Geschabe, um dann schlie?lich nach Einbruch der Dunkelheit für einen kleinen Snack (namens Jack) zu verschwinden. Sofort versuchten die Charaktere den Dachboden zu entern, scheiterten allerdings an der verklemmten Tür (sind beides ziemliche Grischberl). Dann begannen beide mit dem Ritual, wobei sie abwechselnd sangen und Wache hielten. Zugute kam beiden dann, dass sie sehr starke Nerven bewiesen und alle Stabilitätswürfe klappten.
Die Kreatur fing dann mit ihrer Terrorkampagne an, nachdem sie mit Gepolter wieder zurückgekehrt war. Die Säure tropfte daneben und das Gefluche und Gepolter schreckte die Charaktere nur wenig. Erst richtig gruselig wurde es, als die gute Mary auftauchte und aufgrund der zurückhaltenden Charaktere heftigst gegen die Fensterscheiben hämmerte, bis ihr ein Arm abfiel (das war der Moment, wo sich der Spieler von Ignatius die Augen zuhielt und stoisch weitersang :D ). Schlie?lich ging die Scheibe zu bruch, aber dank der Zeichen faulte der andere Arm ab und fiel ins Zimmer. Geistesgegenwärtig schmiss Esmeralda ein vom Gepolter der Kreatur heruntergefallenes Regalbrett auf das Teil.
Nach etwa 20 Minuten Ruhe meldete sich Jack an der Hintertür und begehrte Einlass, aber der inzwischen als Wächter abgestelte Ignatius war durch nichts in der Welt zu einer Reaktion darauf zu bewegen, schlaues Kerlchen.
Auch die Manifestation der Kreatur nahmen beide Charaktere vergleichsweise gelassen hin, schmissen souverän das Pulver des Ibn Ghazi, beendeten das Ritual und erhielten das Stück Bernstein, das sofort in der Dose landete. Schlie?lich überlegten sie noch, ob sie alles lieber zerstören oder mitnehmen sollten, entschieden sich dann aber für Mitnehmen. Inzwischen war es Tag geworden, die Vögelein zwitscherten, aber keiner von beiden traute sich rauszugehen. Nach gutem Zureden ging Ignatius an das zerbrochene Fenster und warf ein Steinchen auf die Leiche von Mary/Maggie, was zu keiner Reaktion führte (ich hatte angenommen, dass mit der Kreatur auch das verschwindet, was die Leichen animiert hatte). Trotzdem verharrten beide weiter in dem Haus und schauten nur kurz vor die Tür, aber trauten sich nicht zu gehen. Also lies ich die Polizei mit dem sich für geprellt haltenden Erben auftauchen, aber auch das veranlasste beide keinesfalls, die Hintertür zu benutzen, so dass sie leider in Gewahrsam genommen wurden. Eine Anklage wegen Landfriedensbruch wird wohl durchgesetzt werden können, bei dem zweifachen Mord steht noch aus, was Beweise und Zeugen sagen können, allerdings spricht Marys Vater für die Beiden (ebenso wie die Tatsache, dass Marys Verschwinden vor der Ankunft der Charaktere passierte). Auch Jacks Verletzungen waren wohl von einem Wolf oder so, könnte also auf unterlassene Hilfeleistung rauslaufen, falls es sowas damals schon gab.

Ingesamt gesehen haben wir mehr gelacht als gegruselt, aber offensichtlich ist es mir gelungen, die Charaktere so zu verstören, dass sie bis zum Hungertod in dem Haus geblieben wären. :D

Für Tipps und Anregungen bin ich auf jeden Fall sehr dankbar, ich hatte mir auch vorher den anderen Bericht zu dem Abenteuer durchgelesen, weswegen ich ja eigentlich auch die Charaktere darauf bringen wollte, Jack als Sänger zu behalten, aber es ging auch so.
Ich habe vermutlich zu oft ungefragt Hinweise gegeben, da muss ich mich ein bisschen in Zurückhaltung üben, allerdings wollte ich die absolut unerfahrene Spielerin auch nicht völlig alleine lassen. Ich hätte mir auch mehr Notizen machen sollen, vor allem weil ich teilweise Sachen vergessen habe (aber mich, meiner Meinung nach, ganz gut da wieder rausgewunden habe) und nicht so souverän im Abfragen der passenden Würfe war bzw. was ich hätte verdeckt würfeln sollen.

Allerdings hat der Spieler von Ignatius den Met mit den Worten "Für nächstes Mal" dagelassen und das werte ich einfach mal als positive Kritik. :D

#2 The Roach

The Roach

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Geschrieben 15. November 2009 - 18:26

Original von Starspawn
Mich hat als Spielleiterin eigentlich nur die Tatsache qualifiziert, dass ich das Regelbuch und ziemlich alle Lovecraftgeschichten gelesen habe; meine Rollenspielefahrung ist recht überschaubar.

(...)

Der Herr Bibelverkäufer schaffte es, sich bei der Verkäuferin einzuschmeicheln, aber ich verga?, ihn über das Verschwinden von Maggie McPhirter zu informieren. Zum Glück spielte mir ein verhauener Orientierungswurf in die Hände, so dass die Charaktere dummerweise eine Abzweigung zu früh nahmen und vor dem Haus des kurzerhand erfundenen Vaters der kurzerhand zur Tochter verjüngten Maggie die ich kurzerhand bzw. aus Versehen in Mary umtaufte landeten und dort vom Verschwinden selbiger erfuhren. (Uff...)


Ich wollte alle 'erfahrenen' Spielleiter könnten so souverän arbeiten. Das war nicht ein Lehrstück, das war mindestens ein Gesellenstück. Nur wenige erfahrene Spielleiter schaffen es, eine derartige Klippeso gut zu umschiffen.

Auch ansonsten: Chapeau. Klingt wie ein wirklich erfolgreicher Abend :)
y'In nI yIsIq 'ej yIchep

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#3 Merriweather

Merriweather

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Geschrieben 15. November 2009 - 19:22

Das Abenteuer ist auch echt gut für den Einstieg geeignet. Habe damit auch seinerzeit einige Leute zum Rollenspiel bzw. zu Cthulhu bekehren können. :D

Ist aber am Anfang, finde ich, legitim, mal Hinweise zu geben. Gewisse Rollenspielkonventionen müssen die Spieler ja auch erst mal lernen. Ich kenne das, wenn Leute mitspielen, die erst mal überhaupt keine Ahnung haben, was sie erwartet. Manchmal muss man die ein bisschen einführen.

Was das Lachen angeht: das Problem kenne ich auch. Grusel oder Spannung entstehen zu lassen, ist gar nicht so einfach! Meiner Meinung nach sogar die hohe Schule des Spielleitens, und meist wohl auch gar nicht allein vom SL zu leisten, sondern nur mit guter Mitarbeit der Spieler. Und wenn dann im falschen Moment der laue Gag kommt, ist das schon ärgerlich. Ansonsten bin ich da aber tolerant. Hauptsache, man hat einen netten Abend, oder?

#4 Starspawn

Starspawn

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Geschrieben 15. November 2009 - 20:53

Vielen Dank Roach, ich werd ja ganz rot. :) Ich war so heilfroh, dass mir das noch eingefallen ist, weil ich finde, dass die Assoziation mit der Frau drau?en schon recht wichtig ist.

Da gebe ich dir Recht, Merriweather, bei allen Punkten. Es war wirklich nur ein ganz kurzer Moment, wo ich es geschafft hatte, dass beide wirklich gefesselt waren und ich habe gemerkt, wie unglaublich schwierig das ist und ich habe einen Heidenrespekt vor allen, die es schaffen, eine gruselige, spannende Atmosphäre zu erzeugen. Und klar, die Spieler müssen sich drauf einlassen und das ist natürlich gerade beim ersten Mal, wenn man sich auch noch nicht so gut kennt und vielleicht aus Sorge vor dem Heimweg sich nicht zu viel gruseln will, ein bisschen schwer. :D
Ich hab mich kurz danach ein bisschen gegrämt, aber jetzt seh ich das etwas lockerer.
Und es war schon wirklich zu komisch, als Ignatius sich verschwörerisch zu der Verkäuferin in dem Laden gebeugt hatte und sie anwisperte, ob sie denn nicht eine Bibel bräuchte, das würde bestimmt helfen bei den ganzen merkwürdigen Vorkomnissen... :D




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