Zum Inhalt wechseln


Foto

Wahnsinn und SL-Kontrolle


  • Bitte melde dich an um zu Antworten
10 Antworten in diesem Thema

#1 Eliot Ness

Eliot Ness

    Advanced Member

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIP
  • 89 Beiträge

Geschrieben 15. März 2010 - 21:13

Hat eigentlich schon mal jemand Erfahrungen mit der Spielweise gemacht, temporär traumatisierte oder geistig umnachtete Charaktere in die Hand des Spielleiters zu geben, während der Zustand andauert?

#2 Leronoth

Leronoth

    Advanced Member

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIP
  • 787 Beiträge

Geschrieben 15. März 2010 - 21:38

so umfassend nicht.
ich arbeite eigentlich immer damit einzelne handlungen, empfindungen etc. als SL an den spieler weiterzugeben.

Ein völliges abgeben finde ich wenig sinnvoll, da man dabei ja die spieler gewisserma?en aussen vor lässt. wenn dann wäre es vllt. spannend sie für die zeit ganz aus der runde zu lassen, so dass sie das verhalten des charakters nicht einmal kennen.
ich finde das aber sehr riskant was den spielspa? angeht.

#3 Der Tod

Der Tod

    his red right hand

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIP
  • 3.216 Beiträge

Geschrieben 15. März 2010 - 22:03

Sowas mag ich ganz generell nicht.
Ich finde es wesentlich interessanter für alle Beteiligten, wenn man dem Spieler "nur" eingibt, zu welchen Schlüssen oder Wahrnehmungen sein Charakter vielleicht gerade kommt.
"ER war es! Du bist dir sich, oder? Gerade jetzt wandern seine gieriegen Augen in ihre Richtung, siehst du das? Ah, er schrickt zurück weil er sich seiner Schuld bewusst ist!"
:D

Cthulhus Ruf - Das Magazin

all things move towards their end


#4 Eliot Ness

Eliot Ness

    Advanced Member

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIP
  • 89 Beiträge

Geschrieben 16. März 2010 - 08:39

Normalerweise mag ich es nicht einmal, wenn der Spielleiter für den Charakter 'denkt' - es genügt m.E., wenn er äu?ere Dinge beschreibt, es aber dem Spieler überlä?t, sie zu interpretieren und dann mit seinem Charakter zu reagieren.
Nun hat Wahnsinn aber genau damit zu tun, da? jemand die Kontrolle über sich verliert und um das zu realisieren bietet sich durch die Struktur eines Rollenspiels ja geradezu an, diese Kontrolle an den Spielleiter zu 'verlieren'; insofern scheint mir das eine ganz gute Idee zu sein.
?brigens ist sie im dem Fall 'Permanenter Wahnsinn' de facto schon so angelegt: der Charakter wird dem Spieler vom Spielleiter entzogen und verschwindet in der Klapse, allerdings dauerhaft. In den beiden leichteren Fällen könnte man dann analog vorgehen.
Es könnte für einen Spieler der Horror sein zusehen zu müssen, wenn sein Charakter plötzlich bizarre Dinge tut; vielleicht erleichtert es einem Spieler auch das Spiel, wenn er Schwierigkeiten hat, seinen Charakter im Zustand des Wahnsinns zu spielen, ohne eine Clownsnummer draus zu machen...

#5 wendigogo

wendigogo

    Advanced Member

  • Cthulhu Insider
  • PIPPIPPIP
  • 511 Beiträge

Geschrieben 16. März 2010 - 09:18

Ich habe in solchen Fällen gerne mit Blackouts gearbeitet. Das kann insbesondere auch ausserhalb der gespielten Situation geschehen ("Am nächsten Morgen wachst du auf und erkennst, dass jemand deine Möbel in alle Ecken deiner Wohnung verschoben hat. Die Tür selbst ist verbarrikadiert. Ein Zettel liegt auf dem Esstisch, es ist ein Testament und die Handschrift kommt dir seltsam bekannt vor...")
Kontrollverlust kann schon sehr grusellig sein....

Wendigogo
I am - of the winds - in the North soaring down - with feet - flaming consume - the essesence of life
-Song of of the Wendigo

#6 Merriweather

Merriweather

    Advanced Member

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIP
  • 509 Beiträge

Geschrieben 16. März 2010 - 10:07

Original von wendigogo
("Am nächsten Morgen wachst du auf und erkennst, dass jemand deine Möbel in alle Ecken deiner Wohnung verschoben hat. Die Tür selbst ist verbarrikadiert. Ein Zettel liegt auf dem Esstisch, es ist ein Testament und die Handschrift kommt dir seltsam bekannt vor...")

Coole Idee!

#7 Guest_Lysistrata_*

Guest_Lysistrata_*
  • Gäste

Geschrieben 25. März 2010 - 14:16

Halluzinieren/Einbildungen/Misstrauen
Du hörst in der Ecke.... Du hörst sie flüstern...Du siehst ein Schatten...Du drehst dich um und siehst den Mann immer noch hinter dir her laufen...der hält etwas in der Hand...
usw :rolleyes:

Der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt... :]

Und immer schön Wahrnehmungswürfe machen z.B. Horchen, Verborgenes Erkennen... Irgendwann benehmen die sich von selber so, als hätten sie einen "Lattentreffer" bekommen, da brauche ich gar nichts mehr machen...

#8 7th Guest

7th Guest

    Abtrünniger

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIP
  • 1.534 Beiträge

Geschrieben 25. März 2010 - 15:17

Das mit dem Blackout ist eine coole Idee.
Ich habe meist dem Spieler einen Zettel zugesteckt,
auf dem stand, was er gerade sieht oder hört und
er das dann auf seiner Art den Mitspielern mitteilt
indem er was sagt oder reagiert und sich die anderen
wundern, was los ist. Hat auch schon für allgemeine
Panik gereicht ^^

Was ich auch ab und an mache ist, dass ich dem Spieler
sage, welches Trauma er erleidet. Ab und an lasse ich
ihn dann würfeln und wenn er in einem bestimmten
Bereich liegt, dann überkommt es den Charakter und
er reagiert entsprechend seinem Trauma. Was genau
überlasse ich dem Spieler.

Zum Beispiel fing einer an ab und an Dreck zu essen.
Als sie gerade eine ältere Frau besuchten und diese zu
einem Vorfall befragten, lies ich den Spieler würfeln.
Die Probe ging schief und er fing an, mit den Fingern
über die staubigen Möbeln zu fahren und leckte seine
Finger ab. Die anderen Charaktere bemerkten dies
und waren total irritiert.


#9 Eliot Ness

Eliot Ness

    Advanced Member

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIP
  • 89 Beiträge

Geschrieben 25. März 2010 - 21:01

Das hört sich alles sehr gut an, ist allerdings davon abhängig, wieviel dem betreffenden Spieler Charakterdarstellung wert ist bzw. ist es auch eine Frage der Balance:
einerseits darf der Spieler das Ausspielen der Traumata nicht untertreiben, obwohl das natürlich taktisch günstiger wäre, andererseits darf er auch nicht überziehen, um keine unlösbare Situation zu produzieren und auch keine Ein-Mann-Show, die für die anderen langweilig wäre.
Die temporäre ?bernahme des Charakters durch den Spielleiter würde ihn nicht nur aus der Situation befreien, etwas entscheiden zu sollen, ohne einen wirklichen Ma?stab für die Entscheidung zu haben, sondern es könnte gerade auch ein besonderer Horror für den Spieler sein, zusehen zu müssen, was sein wahnsinnig gewordener Charakter so alles anstellt. (Das Spielleiter-Handbuch betont ja gern, da? es um Vermittlung des Horrors an Spieler gehe und nicht an Charaktere.)

Wie gesagt, Cthulhu verfährt im Fall des permanenten Wahnsinns ohnehin schon so (auch wenn die verbleibende Lebensgeschichte des Charakters dann nicht weiter verfolgt wird),;) aber ein solcher Mechanismus ist auch nicht ohne Beispiel in der restlichen Welt der Rollenspiele:
bei Star Wars wäre es der Wechsel zur dunklen Seite der Macht, bei Deadlands die ?bernahme eines Verdammten durch seinen Manitou, in Fantasy-Systemen die Folge eines schief gegangenen Dämonenpaktes, von Storytelling-Systemen wie InSpectres ganz zu schweigen...

Ich habe das selbst auch noch nie so gemacht, insofern ist das hier etwas theoretisch, aber es interessiert mich doch, ob das nicht vielleicht jemand schon ausprobiert und womöglich gute Erfahrungen damit gemacht hat oder wie man die Möglichkeit theoretisch einschätzen würde - bringt das eher einen Gewinn oder einen Verlust?

#10 Metaphysicus

Metaphysicus

    Advanced Member

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIP
  • 50 Beiträge

Geschrieben 26. März 2010 - 18:01

Ich finde auch die Idee sehr cool, bei der die Mitspieler eingeweiht werden (ich glaube das habe ich aus Trail of Cthulhu, welches ich aber bis jetzt noch nicht gespielt habe) und dann quasi die Halluzinationen und kognitiven Störungen des geistig umnachteten Charakters spielen ...

#11 Leronoth

Leronoth

    Advanced Member

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIP
  • 787 Beiträge

Geschrieben 27. März 2010 - 00:43

Original von Metaphysicus
Ich finde auch die Idee sehr cool, bei der die Mitspieler eingeweiht werden (ich glaube das habe ich aus Trail of Cthulhu, welches ich aber bis jetzt noch nicht gespielt habe) und dann quasi die Halluzinationen und kognitiven Störungen des geistig umnachteten Charakters spielen ...

das gibt es so in ToC.
ich finde die grundidee sehr cool, die konkrete umsetzung von traumata scheint mir etwas weit hergeholt zu sein.
da bei vielen psychosen die realität in frage gestellt wird, wird oft empfohlen, dass wirklich passierte Geschehnisse nachträglich als einbildungen deklariert werden, was vllt. den effekt bringt aber die spiellogik allzugerne zerstört.

auch denke ich dass es schnell albern werden kann und der effekt nicht allzu häufig funktionieren wird. letztlich weiss ja jeder was da etwa besprochen wird, und bleibt der schockeffekt dann sehr schnell aus.

gut gemeint, innovativ, aber imo nicht auf lange zeit sinnvoll.




Besucher die dieses Thema lesen: 0

Mitglieder: 0, Gäste: 0, unsichtbare Mitglieder: 0