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Spielbericht: The Vanishing Conjurer / Der verschwundene Zauberer


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5 Antworten in diesem Thema

#1 Magdalena

Magdalena

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Geschrieben 29. Juni 2010 - 10:59

Schon seit einiger Zeit fragten mich zwei meiner Freundinnen, ob ich nicht mit ihnen eine Cthulhu-Runde spielen könnte - eine, die "nicht so ein einmaliges Ding ist, sondern auch länger laufen kann"... Nun, nach einigem hin-und-her entschied ich mich für New York in den Zwanzigern als Ausgangssetting (da eine der Spielerinnen gerne in den USA spielen wollte, und die Andere nur mit den Schultern zuckte ergab es sich relativ leicht). Ein weiterer Mitspieler war auch recht schnell gefunden. Bei der Suche nach einem Einstiegsabenteuer taten sich allerdings ungeahnte Probleme auf: Zwar kannte jeder Spieler für sich nur eine handvoll Abenteuer, aber "in der Gruppe" hatten sie alle Einstiege des SL-Handbuchs schon mal gespielt. Ich musste also ein neues Einstiegsabenteuer finden. Die Wahl fiel dann auf "The Vanishing Conjurer", da es mir beim lesen als recht übersichtlich und einsteigerfreundlich erschien.


Spielbericht: The Vanishing Conjurer / Der verschwundene Zauberer

Vorbemerkungen:

Im Original spielt das Abenteuer in London, aber der Settingwechsel nach New York machte keine gro?en Probleme. Einzig das Finale, bei dem ja die königliche Familie mit anwesend sein sollte, machte mir zunächst etwas Sorgen, aber es erwies sich, dass der Vizepräsident der USA genauso viel Motivation für meine Spieler bot. :D


Musik:

Ich stellte im Vorraus eine kurze Liste mit Hintergrundmusik zusammen, die in bestimmten Situationen angepielt wurde (bzw. teils auch einfach im Hintergrund dudelte, da ich ab und an verga? sie wieder auszuschalten - störte aber ganz und gar nicht).
Au?erdem suchte ich ein "Opening" und ein "Ending" heraus, die von jetzt an jedes Abenteuer dieser Gruppe einleiten und beenden sollen. Ich bin nicht ganz sicher, wie das ankommen wird, aber man wird es sehen...
Im Einzelnen war die Playlist:
01 - Opening: Illusionary Airship - Defense against the Dark Arts (nur die ersten 36 Sekunden)
02 - Im Chancellor's Theater: Shadow of The Colossus OST - To The Ancient Land
03 - Für Beschattungen: From Hell OST - 12 Pennies for the Ferryman
04 - Im Magierclub: Shadow of The Colossus OST - The Farthest Land
05 - Für Ermittlungen: From Hell OST - Chasing the Dragon
06 - Im Mermaid's Theater: Shadow of The Colossus OST - Those who remain
07 - LeClair's Geist erscheint: Shadow of The Colossus OST - Black Blood
08 - "Endkampf" on Stage: Shadow of The Colossus OST - Violent Encounter
09 - Nachspann: Shadow of The Colossus OST - Memory
10 - Ending: Carnivale OST - End Theme


Handouts:

Ich hatte am PC eine Visitenkarte für Howard Horne zusammengebastelt (den ich übrigens in Thorne umbenannte, was für alle sehr viel eingänglicher war) - und bei der Gelegenheit die rückwärtig aufgeschriebene Nachricht ins Deutsche übersetzt.
Au?erdem übersetzte ich den Textauszug aus Amersham's Reiseberichten ins deutsche.
Zwar sprechen alle meine Spieler flie?end Englisch, aber englische Handouts in deutschsprachigen Spiel haben sich bei mir schon des öfteren als störend erwiesen - daher die ?ebrsetzung.


Spieldauer: knapp 6 Stunden


Charaktere:

Da ja bereits vor Beginn klar war, dass die Spieler in der Kombination öfter spielen wollten, wurden die Charaktere bereits als Gruppe gebaut. Wir würfelten die attribute aus, allerdings mit der Option Punkte zwischen den Attributen verschieben zu können. Einer der Spieler würfelte extrem schlecht, woraufhin ich ihm anbot noch einmal zu würfeln, was er allerdings ausschlug (tatsächlich hatte er viel Freude daran, den Charakter so "punktearm" wie er war auszuspielen).

Als sich dann die Spielerin des Privatdetektivs dazu entschied die Detektei im deutschen Viertel Brooklyns zu haben, kam noch als schöner Hintergrund hinzu, dass alle SCs Nachkommen deutscher Einwanderer sind.

Zum Schluss bestand die Gruppe aus:
- Bert (Berthold) Kramer - Privatdetektiv (ehemaliger Polizist aus Chicago, der dort aber rausgeschmissen wurde und die Stadt verlassen musste *hüstel*)
- Wilhelmina (Wilma) - seine Sekretärin
- Karl - sein "Praktikant" (lies: der Stra?enjunge, den er aufgesammelt hat)


Einstieg:

Da die Gruppe der SCs von vorne herein als "untere Mittelschicht" festgelegt worden war (einschlie?lich ihrer Wohnorte und Lebensumstände: Bert wohnte in einem Schlafzimmer in der Detektei, Karl schlief dort auf der Couch, Wilma teilte sich ein zwei Zimmer Apartment mit einer Fabrikarbeiterin in Ridgewood), stürzte sich die Gruppe förmlich auf den potenziellen Auftrag von Mr. Thorne. Auch die beigelegten Theatertickets waren ein gro?er Anreiz für alle. Vor Ort folgte dann die Enttäuschung für Wilma (sie war von einer Oper ausgegangen) und die Freude für Bert und Karl (sie waren auch von einer Oper ausgegangen) als man die Plakate der Zaubershow sah. Alle quälten sich durch die Show, während der Pause traf Bert auf Thorne, und so behielten sie alle ein besonderes Augenmerk auf Karl Wei?. Anschlie?end lie? man sich auch gerne von Thorne noch zum Essen einladen. Es kam zu einer spektakulär schlechten Verhandlung um die Bezahlung für den Auftrag, aber schlussendlich einigte man sich auf 15 $ pro Tag plus Spesen.
(Da ich das Abenteuer so zusammengestaucht hatte, dass es sich ohnehin intime nur über drei Tage erstreckte, war mir das durchaus recht.)


Ermittlungen:

Die Ermittlungen der Gruppe verliefen im Grunde so wie auch im Abenteuer vorhergesehen. Mit einer Ausnahme: Die Gruppe erwies sich als sehr zurückhaltend, was eine Beschattung oder Befragung des Hauptverdächtigen Karl Wei? anging. Zwar folgte der Junge ihm zum Magierclub, aber zu dem Zeitpunkt hatte die Grupep ebreits beschlossen dort eh vorstellig zu werden.
Sowohl Privatdetektiv als auch Praktikant wurden Mitglieder des Clubs (letzterer auf Probe, da er doch recht tollpatschig war, und man ihm die Geräte nicht so anvertrauen wollte - bei seiner Aufnahme hatte er dumemrweise das Gästebuh ramponiert). Im Club selber traf sich der Privatdetektiv dann mit Eliot Blackbough (mein SC, den ich hier anstelle des im Abenteuer genannten Will Crowther einführte), während der Junge im ?bungszimmer für Kartentricks verschwand nund nicht mehr weidergesehen wurde. Aber auch hier traute sich niemand Karl Wei? anzusprechen, und so verstrich auch die Chance ungenutzt...

Ein weiterer Haken war, dass der Privatdetektiv zwar auf das auffällige Drachensymbol im Club aufmerksam wurde, auch Eliot danch fragte (der natürlich nichts wusste), es dann aber verga? und erst später wieder durch einen Ideenwurf darauf kam, doch noch mal deswegen nachzuforschen. Ich hätte den Drachen wohl noch häufiger und aufdringlicher erwähnen müssen. Aber wenigstens erwies man sich als direkt was die Nachforschungen anging, und wurde direkt beim Professor für Sineologie der NY University vorstellig. Der erkannte die Zeichnung auf den Mitgliedskarten des Clubs dann recht fix und konnte auf denReisebericht von Amersham verweisen, den der Privatdetektiv auch mit einer unglaublichen Bibiotheksnutzung (01) direkt in der NY Public Library vom Regal zog.


Finale:

Nach der Lektüre von Amersham's Bericht war den SCs bereits recht klar, dass der eigentliche Bösewicht nicht Wei? sondern Ching Lung Soo war. Und so beobachtete man seine "Diener" (in den Gruppenaufzeichnungen bereits als "Kultisten" bezeichnet) dabei wie sie die Kisten ins Mermaid Theater schleppten. Dennoch schaute der Privatdetektiv sicherheitshalber in die Kiste von Wei? - fand daort aber nur dessen Ententrick.
Während die beiden männlichen SCs keine Probleme hatten mit dem Club ins Mermaid's Theater zu gehen, erwies sich das für Wilma als schwieriger. Schlie?lich überredete Thorne einen Bekannten dazu, sie mit in seien Loge zu nehmen. Während die anderen Beiden also den "Endkampf" auf der Bühne bestritten, behielt sie einen Blick auf den Vizepräsidenten.

In der Pause, rang sich der Detektiv endlich dazu durch mit Wei? zu sprechen. An dieser Stelle wollte ich den Spielern jetzt keinen Knüppel mehr zwischen die Beine werfen und spielte Wei? daher anders aus als im Abenteuer vorgesehen - nicht in einer Abwehrhaltung und alles abstreitend, sondern als Kleinstbetrüger mit furchtbar schlechtem Gewissen. Auf die Art erzählte er dem Detektiv noch alles was er wusste, bevor es dann direkt in das Hauptfinale ging.

Das Finale lief im Grunde so ab wie geplant: Ching Lung Soo begann seine Beschwörung auf der Bühne, LeClair erschien (brennend und schreiend) und das Tor begann zu leuchten.
Weiter aber kam es nicht, denn der Detektiv zog seine Waffe und schoss auf Ching Lung Soo (Maximalschaden - die Spielerin hatte an dem Tag echt Glück), der sofort zu Boden ging und das Bewusstsein verlor. Beschwörung abgebrochen, Panik im Zuschauerraum und der Geheimdienst ging von einem versuchten Attentat auf den Vizepräsidenten aus.
Wilma schrie von oben eine Warnung auf die Bühne, als sie die Agenten mit gezückten Waffen nach unten laufen sah, und so schaffte es der Detektiv noch in letzter Minute sich ins Gedrängel der panischen Zuschauer zustürzen und unerkannt zu entkommen.
Leider taten das aber auch die Kultisten, da keiner der SCs in der Lage war sie aufzuhalten - alel waren zu sehr mit selber flüchten (Bert und Wilma) oder LeClair löschen (Karl und Eliot) beschäftigt...


Nachspann:

Man traf sich erst am nächsten Tag wieder und las in der Zeitung, dass der "versuchte Anschlag auf den Vizepräsidenten der USA" einer Anarchistengruppe namens "Sons of the Midwest" angehängt wurde. Man besuchte LeClair im Krankenhaus (er wird wohl in einer Pflegeanstalt überleben - der arme Kerl) und holte die Bezahlung bei Thorne ab.


Fazit:

Alles in Allem ein sehr gelungener Einstieg für die Gruppe.
Zwar gab es viele lose Enden:
- Wo sind die Kultisten abgeblieben und was planen sie jetzt?
- Wohin verschwand Ching Lung Soo aus dem Krankenhaus?
- Was ist mit seinen Mythos-Büchern passiert, die ja in seinem Arbeitszimemr im Club lagen?
- Was wird der Geheimdienst mit Wilmas Notizbuch anfangen?
- Und wer sind die "Söhne des Midwestens"?
aber das ist für eine Kampagne ja nicht übel.
(Tatsächlich schwebt mir zu Punkt drei schon ein nettes nächstes Abenteuer vor) ;-)

Ich hatte das gesamte Abenteuer von 6 auf 3 "in time" Tage gestaucht, was auch durchaus funktionierte. Zwar hatten die SCs dadurch nicht so viel Zeit für Ermittlungen aber die Unsicherheit bis zu letzt nicht zu wissen, was genau vorgeht und wie man reagieren soll, empfanden alle im Nachhinein als passend und gelungen.




#2 Erich Zann

Erich Zann

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Geschrieben 29. Juni 2010 - 13:18

Schöner Spielbericht!
Wo ist denn der Vanishing Conjurer (das Abenteuer! :)) nun zu finden?

#3 Magdalena

Magdalena

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Geschrieben 29. Juni 2010 - 13:46

Oh, entschuldigung. Das hatte ich nicht extra erwähnt, da das Heft selber auch "The Vanishing Conjurer" hei?t.
Es beinhaltet auch noch das Abenteuer "The Statue of The Sorcerer" und erschien (man mag es kaum glauben) 1986 bei Chaosium - ich hab keine Ahnung, ob sei dem eine Neuauflage auf den Markt kam...

Aber man kann es noch im Netz bekommen: bei Amazon z.B.

#4 Konradin

Konradin

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Geschrieben 29. Juni 2010 - 15:31

Ich glaube es auch nicht, ich wei? es nämlich besser: :P :D : Das Doppelabenteuer ist nämlich nicht bei chaosium erschienen, sondern war eines der sehr raren Cthulhu - Veröffentlichungen von Games-Workshop. Deswegen ist dieses Abenteuer so britisch - britischer geht es eigentlich nicht, und ich finde auch, es geht sehr viel verloren, wenn es irgendwo anders hin übertragen wird. Der Club der Magier, beispielsweise, ist nicht ein Kultistenklub, sondern nur einer dieser leicht versponnenen, esoterisch angehauchten Briten - Klubs.
Ich habe das Abenteuer übrigens in der Vergangenheit mehrmals geleitet, und es wurde immer sehr spa?ig, wenn sich die spielercharaktere dann auch als Hobby - Magier versuchten ...

#5 Magdalena

Magdalena

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Geschrieben 29. Juni 2010 - 17:04

Original von Konradin
Das Doppelabenteuer ist nämlich nicht bei chaosium erschienen, sondern war eines der sehr raren Cthulhu - Veröffentlichungen von Games-Workshop.

Ohh.... du hast recht. Entschuldige. So was passiert, wenn man antwortet ohne noch mal nachzuschauen... :rolleyes:

Und "extrem britisch"... naja... so extrem fand ich es nicht. Es funktionierte sehr gut in New York - aber andere US Städte hätten wohl nicht so gut funktioniert: New Orleans, L.A., San Fran etc... haben alle irgendwie ein anderes Feeling, wenn du wei?t was ich meine...
Der extrem "britische" Gentlemen Club in der Bronx funktionierte sehr gut - vllt. eben wegen der Diskrepanz zwischen Ort (ein Wohnhaus in einem ausgestorben wirkenden Vorort) und Atmosphäre im Club (sehr britisch und sich wichrig nehmend).

#6 The Roach

The Roach

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Geschrieben 29. Juni 2010 - 18:17

Frisco würde mE auch recht gut passen - immerhin gibt es dort eben die gro?e asiatische Kolonie - neben New York die grö?te Ansammlung der 'Celestials', wie sie damals genannt wurden, in den USA, IIRC.
L.A. ebenfalls, wenn man auch den Gentlemen's Club wohl durch einen lokaleren Club ersetzen müsste - aber die Filmstudios in Hollywood gäben auch einen recht passenden Hintergrund ab. Statt einer Vorführung wäre das dann vielleicht eine Filmaufnahme?

y'In nI yIsIq 'ej yIchep

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