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Spielbericht: Der Vogelmann


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4 Antworten in diesem Thema

#1 Jehane

Jehane

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Geschrieben 26. Oktober 2011 - 01:14

Mit einer kleinen, aber sehr feinen Gruppe habe ich heute mit dem "Vogelmann" aus dem Wien-Band begonnen, und das Fazit des ersten Abends, der immerhin knapp vier Stunden gedauert hat: geiles Setting. Ich muss dazusagen, dass wir alle seit einigen Jahren in Wien leben und die Lokalitäten kennen - das bringt natürlich zusätzlichen Spielspa?. Da meine Spieler hier mitlesen, möchte ich andere Forumsmitglieder an dieser Stelle bitten, in etwaigen Kommentaren nicht zu spoilern bzw. Spoiler entsprechend zu kennzeichnen - danke euch :)

Am ersten Abend waren wir nur zu dritt - zwei Spielerinnen und ich als SL, der dritte Spieler hatte heute leider keine Zeit, wird aber beim nächsten Mal dazusto?en. Die Mädels haben intuitiv Berufe gewählt, die perfekt zum Szenario passen - eine Spielerin schlüpft in die Haut einer Gerichtsmedizinerin, die zweite spielt einen Kommissar. Dadurch war natürlich gleich eine Verbindung zwischen den Charakteren gegeben - wir haben einfach angenommen, dass die Charaktere schon früher zusammengearbeitet haben und sich kennen. Auch die Einführung ins Szenario war somit natürlich ein Kinderspiel, denn Polizei und Gerichtsmedizin können einen Tatort ohne weiteres betreten.

Da wir vermutlich das zweite Wien-Abenteuer anhängen werden, habe ich einen NPC aus dem zweiten Abenteuer eingesetzt, um die Leiche in der Karlskirche zu finden. So ist ein Anknüpfungspunkt gegeben, wenn wir direkt im Anschluss den "Blutwalzer" spielen wollen.

Dank Psychologie (vorgegeben war lt. Buch Psychoanalyse, aber ich hab in dem Fall 5 grade sein lassen *g*) konnte die Zeugin auch befragt werden. Zusätzlich wurde ein Sandler befragt, der einen gro?en Vogel mit Hut gesehen haben will, was speziell beim Kommissar (Archetyp: einsamer Wolf, Achillesferse: dunkles Geheimnis) für Skepsis gesorgt hat, während die Gerichtsmedizinerin sofort eine Verbindung zu den mittelalterlichen Pestärzten gezogen hat.

Tatortbegutachtung und Leichenschau verliefen wie geplant, dann begannen die Nachforschungen rund um die Karlskirche, die das Pest-Thema verstärkt haben. Was beide Charaktere sehr irritiert hat, waren die Taubenzehen. Sie haben zwar im weiteren Spielverlauf rausgefunden, wer dafür verantwortlich sind, können das Ganze aber noch nicht einordnen.

Auf die Spur von Dr. Wentzler und Dr. Schmelzer kamen die beiden anders als geplant, sodass der Besuch bei beiden Medizinern vorgezogen werden musste - Dr. Schmelzer war allerdings nicht anzutreffen, das Gespräch mit ihm fand erst am nächsten Tag statt - also nach dem Fund der zweiten Leiche. In Martas Wohnhaus wurden diverse Nachbarn befragt, was uns allen gro?en Spa? gemacht hat - ich konnte ein paar NPCs einbauen und diverse Wiener Klischees ausspielen; an der Stelle hab ich ziemlich viel improvisiert, aber ich denke, es hat gut funktioniert.

Der Besuch bei Dr. Schmelzer nach dem Fund von Martas Leiche verlief ziemlich genau so, wie im Buch beschrieben - einige Fragen wurden allerdings nicht gestellt, aber ich hab die Spielerinnen einfach mal machen lassen. Ich will sie ja auch nicht zu sehr in eine Richtung drängen :)

Um die möglicherweise bevorstehende Bedrohung zu verdeutlichen, hab ich mich entschlossen, sowohl die im Buch angeführte Sekte als auch die alte Dame, die eine Heiligenerscheinung gehabt hat, einzubauen - mit dem Ergebnis, dass die Charaktere zunächst recherchiert haben, wer St. Rochus war (hier habe ich die Legenda Aurea als Referenz eingebaut), ehe sie die alte Dame aufgesucht haben. Der NPC - ich habe die Frau Lena Hoschek genannt - kam sehr gut an, wir sind kollektiv in Gelächter ausgebrochen, als die alte Dame dem Kommissar in breitem Wienerisch und mit zittriger Stimme erzählt hat, dass St. Rochus in ihrem Traum gesagt habe "Obacht! Lena, pass auf, do kummt a neue Pest auf uns zua." Das hat für eine Menge Gelächter gesorgt - und wir waren uns einig, dass die alte Dame der beste NPC des Abends war :)

Dinge, mit denen ich nicht gerechnet hatte und bei denen ich z.T. improvisieren musste:

- Bei den Ermittlungen am Karlsplatz stie?en die Charaktere auf den Kanaldeckel und beschlossen prompt, in die Kanalisation hinunterzusteigen. Gefunden haben sie allerdings nichts; der Kommissar hat beim Versuch, um eine Ecke zu lugen und die Quelle eines schmatzenden Geräusches ausfindig zum machen, seinen Hut verloren, den die Gerichtsmedizinerin dank eines geglückten Wurfs aus dem Abwasserkanal fischen konnte.

- Dr. Schmelzer wurde lediglich zu seinen Patienten befragt bzw. zu medizinischen Angelegenheiten - auch hier musste ich improvisieren, war aber kein Problem.

- In Martas Wohnhaus wurden mehrere Nachbarn befragt, um herauszufinden, ob irgendwer in letzter Zeit bei ihr gewesen war - dadurch war es notwendig, mehrere NPCs einzubauen (siehe oben).

- Die Charaktere wollten sich die Kirche zu St. Rochus im 3. Bezirk genauer ansehen und mit dem dortigen Pfarrer sprechen. Das war zwar nicht vorgesehen, hat aber auch gut geklappt.

- Nachdem ich die Sekte eingebaut hatte, wollten die Charaktere natürlich auch herausfinden, was es mit dieser auf sich hat, also habe ich kurzerhand eine Zusammenkunft der Sekte im Stadtpark eingebaut.

- Der Kommissar hat sich in einem Obdachlosenheim umgehört, um etwas über die Gestalt herauszufinden, die die Zeugin bei der Karlskirche gesehen hatte - so kamen die Charaktere auf die Spur von Augustin und beschlossen, der Legende des Bänkelsängers nachzugehen. Zudem hat der Kommissar einige Polizisten ausgeschickt, um Augustin zu finden. Die beiden ?rzte werden von einem verdeckten Ermittler beschattet.

Insgesamt verlief der erste Abend mit dem Vogelmann sehr gut - das Spiel war flüssig, die beiden Spielerinnen gingen voll in ihren Charakteren auf, haben sehr viel interagiert und mir dadurch die Möglichkeit gegeben, verschiedene NPCs einzubauen, die im Buch nicht vorgesehen waren, die aber wesentlich zur Atmosphäre beigetragen und uns einfach Spa? gemacht haben. Sprich: Wir sa?en nicht einfach rum und haben Ansagen gemacht a la "Mein Charakter macht jetzt das und das", sondern es wurden die Aktionen ausgespielt - gro?artig!

Beim nächsten Mal wird ein weiterer Spieler zu uns sto?en, der regulär zur Runde gehört, aber heute Abend keine Zeit hatte. Welchen Charakter er übernehmen wird, ist noch offen. Ich habe nach knapp vier Stunden einen Savepoint kurz vor Beginn des 5. Akts gesetzt und bin selbst schon gespannt, wie es weitergehen wird.

Was an der Runde unglaublich toll ist: Die Leute sind perfekt aufeinander eingespielt, haben Ideen, mit denen ich als SL zwar nicht rechne, mit denen ich aber gut arbeiten kann.

Auch fein: Eine Spielerin meinte, es wäre zu keinem Zeitpunkt aufgefallen, dass ich improvisiere. Im Unterschied zu unserer ersten Cthulhu-Runde, bei der wir mit 7 Leuten Chaugnar Faugns Fluch gespielt haben, ist diese Gruppe viel homogener und disziplinierter. Klar wird's hie und da off-topic, aber sobald das Spiel weitergeht, sind alle wieder voll bei der Sache.

Sie machen's mir als SL sehr leicht, eine spannende Session zu leiten, und umgekehrt bin ich total begeistert, wie gut die Interaktion funktioniert. Dass ein Charakter untätig herumsitzt und sich fadisiert, wie das bei Chaugnar Faugn leider Gottes öfter der Fall war - das gibt's nicht. Die arbeiten zusammen und hängen sich da voll rein, bringen eigene Ideen ein, haben als Spieler auch einiges an Hintergrundwissen und finden das Setting toll. Die Spielerin, bei der wir heute zu Gast waren, hatte obendrein Musik aus den 20er Jahren organisiert, was natürlich super gepasst hat. Und eine kleine Gruppe ist tausendmal besser als eine mit sieben Spielern, von denen jeder andere Interessen hat und nur zwei oder drei ihren Charakter auch wirklich ausspielen.

#2 Jehane

Jehane

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Geschrieben 21. November 2011 - 23:25

Vorige Woche haben wir also die Spur des Vogelmanns weiter verfolgt. Die Gruppe wurde erweitert um einen Journalisten, der gleichzeitig Chefredakteur einer okkultistischen Zeitung ist und mich mit seinem cholerischen Temperament sehr an meinen früheren Chefredakteur erinnert hat *g*

Es gab wieder mal jede Menge Raum für Improvisationen; so hat es fast zwei Stunden gedauert, bis die Spieler auf Freud gesto?en sind. Der neue Charakter musste natürlich eingeführt werden, was für mich als SL jetzt nicht sooo schwierig war, aber nachdem der Charakter permanent über Okkultismus geredet hat, ging er den anderen Charakteren damit ziemlich auf die Nerven, und es hat eine Weile gedauert, bis sie ihn akzeptiert haben. Super war die Szene in den Katakomben des Stephansdoms - die Gerichtsmedizinerin ist nicht mitgegangen, die beiden anderen Charaktere sind komplett hysterisch geworden, wobei die Spieler das gro?artig ausgespielt haben.

Es wäre nicht unsere Runde, wenn wir nicht permanent irgendwelche mehr oder weniger unfreiwilligen Comedy-Elemente eingebaut hätten. Ich glaube, wir sind eine der wenigen Cthulhu-Runden, die es schafft, ein Horror-RPG auf lustig zu spielen *g* Das ergibt sich halt so aus dem Spielverlauf. Im Wesentlichen lasse ich die Spieler einfach mal machen und schaue, was dabei rauskommt. Sie sind jetzt auf der Spur des ehemaligen Waisenhauses und versuchen, Augustin zu finden; das werden wir beim nächsten Mal angehen. Insgesamt spielt sich das Abenteuer sehr zügig; ich denke, dass wir bei der nächsten Session (der dritten) damit fertig werden, im Anschluss möchte ich das zweite Abenteuer aus dem Wien-Band anhängen.

Was beim Vogelmann sehr gut funktioniert, ist die Chemie zwischen den Spielern bzw. die Zusammensetzung der Gruppe - die Charaktere ergänzen sich sehr gut, jeder kann etwas beitragen, keiner fadisiert sich. So soll's ja auch sein :)

#3 paradroid

paradroid

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Geschrieben 22. November 2011 - 12:43

Danke für den tollen Bericht! Das Abenteuer ist hervorragend und kommt immer gut an. Und wie es scheint, hast du alles, was eine gute Spielleiterin ausmacht. :-)

#4 Jehane

Jehane

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Geschrieben 08. März 2012 - 23:21

Thx :) Wir sind noch immer an dem Abenteuer dran, weil wir alle relativ wenig Zeit finden, um zu spielen, deswegen sind wir auch noch nicht fertig - und es kommt auch immer wieder mal vor, dass jemand krank wird, was natürlich v.a. dann blöd ist, wenn es mich als SL trifft :) Bei der nächsten Sitzung werden wir das Abenteuer endlich beenden und dann entscheiden, ob wir den Blutwalzer noch dranhängen oder wieder zu Buffy switchen.

Die letzte Session verlief ziemlich linear, die Spieler haben das Versteck von Augustin problemlos ausfindig gemacht und haben auch herausgefunden, dass er mit Dr. Schmelzer verwandt ist. Sie haben allerdings noch keine Ahnung davon, dass Schmelzer der Bösewicht ist *hehe* Aufgelockert wird das Ganze durch unseren Journalisten, der permanent irgendwelche Esoterik-Themen einstreut und uns alle zum Lachen bringt - ich sagte ja, wir sind eine sehr lustige Cthulhu-Gruppe *g* Der Horror hält sich bei uns echt in engen Grenzen, das liegt aber zum Gro?teil an den Persönlichkeiten der Spieler und daran, dass wir permanent, auch abseits vom RPG, irgendwelche Blödeleien am Laufen haben :D

#5 Jehane

Jehane

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Geschrieben 26. März 2012 - 22:43

Heute sind wir mit dem Vogelmann fertig geworden - es hat länger gedauert als gedacht, wir hatten doch relativ wenig Zeit und wollen beim nächsten Abenteuer drauf schauen, dass die Intervalle nicht so lang ausfallen wie dieses Mal.

Viel zu tun gab's heute nicht mehr - die Charaktere hatten beim letzten Mal rausgefunden, dass Augustin und Schmelzer Brüder waren, sie wussten auch von den Experimenten und haben heute noch den ehemaligen Hausmeister befragt. Au?erdem haben sie beim letzten Mal Schmelzer einen Besuch abgestattet und ihn so lange genervt, bis er einem Treffen mit Augustin zugestimmt hat, den die Charaktere zuvor ausfindig gemacht hatten.

Der Kommissar hat einen seiner Leute beauftragt, Augustin zu finden und in Gewahrsam zu nehmen, damit er nicht wieder verschwindet und für das Treffen mit Schmelzer zur Verfügung steht. Au?erdem wurde ein Polizist dazu abkommandiert, Augustin zu waschen und zu rasieren *g*

Bei Schmelzer verlief dann eigentlich alles nach Plan - die Charaktere sind (ohne Augustin) ins Haus hinein, nachdem sie die Hilfeschreie gehört hatten; wohlweislich haben sie noch einen Polizisten mitgenommen, falls es zum Kampf kommt. Sie fanden das vorletzte Opfer Schmelzers und wurden von Schmelzer darüber in Kenntnis gesetzt, dass er derjenige ist, der hinter den Morden steckt - lustigerweise hatten sie bis zu diesem Zeitpunkt überhaupt keine Ahnung, dass Schmelzer der Böse war *hehe* Beim Hinweis darauf, dass das Mittel zur Flucht sich im Magen oder Darm des Opfers befindet, kam ein kollektives "Oh nein - Saw" von den Spielern. Sie konnten das Opfer dazu bringen, den Schlüssel zu erbrechen, während sie sich gleichzeitig wacker gegen die Wassermassen geschlagen haben - ich muss dazu sagen, dass ich es ihnen an dieser Stelle nicht unnötig schwer gemacht und z.B. auf den schweren Gruppenglückswurf verzichtet habe. Die Charaktere konnten das Wasser per Ventil abstellen und haben auch den Ausgang in die Kanalisation gefunden; den verstümmelten Mann haben sie anschlie?end ins Krankenhaus gebracht, nicht ohne ihm vorher noch ein paar Informationen zu entlocken.

Als nächstes stand die Suche nach Schmelzers Unterschlupf auf dem Plan. Im Arbeitszimmer Schmelzers fanden die Charaktere Rechnungsbücher, die einen Hinweis auf das Lagerhaus enthielten, wo sie mit ca. 20 Polizisten hinmarschiert sind. Auf die Information, dass Freud in einem der Käfige sitzt, reagierten alle mit "WTF?? *lol*", das Dokument über den Pestgolem musste einer des Französischen mächtiger Polizist übersetzen, weil keiner der Charaktere die Sprache beherrscht. Es hat eine Weile gedauert, bis die Spieler draufgekommen sind, dass die Maske der Schlüssel ist - beim Anblick des Pestgolems ist der Journalist wahnsinnig geworden, wobei ich dem Spieler die Option offen gelassen habe, den Wahnsinn selbst auszuspielen. Er hat das gro?artig gemacht und uns immer wieder mit abrupten kreischigen Schreien erschreckt bzw. von Schmetterlingen geredet *g*

Als die Charaktere dahintergekommen waren, dass die Maske den Golem kontrolliert, hat der Kommissar sie übergestreift - Schmelzer war zu diesem Zeitpunkt bereits bewusstlos - und dem Golem befohlen, ihm in die Kanalisation zu folgen, wo sich die Ghule um ihn gekümmert haben - nicht, ohne um ein wenig Salz und Pfeffer zu bitten :D Schmelzer wurde der Polizei übergeben, alle Charaktere bekamen ein paar Stabilitätspunkte zurück - auch der bereits wahnsinnig gewordene Journalist, der jetzt eine gS von 23 oder so hat und wohl einen Schaden behalten wird. Zum Abschluss haben die Charaktere beschlossen, noch einmal bei Frau Hoschek vorbeizuschauen, die sie ja auf einen Apfelkuchen eingeladen hatte :)

Insgesamt hat uns das Abenteuer gro?en Spa? gemacht, auch, weil wir alle seit ein paar Jahren in Wien wohnen und die Stadt recht gut kennen. Wir werden das zweite Wien-Abenteuer sicher auch spielen, aber jetzt mache ich erst mal Pause als SL und übergebe an eine andere Spielerin, die uns beim nächsten Mal mit Buffy und Vampiren konfrontieren wird. Wir wechseln also jetzt erst mal das System und werden dann, wenn wir mit der nächsten Kampagne fertig sind, wieder zu Cthulhu zurückkehren :)




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