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Spielbarkeit des Mittelalter-Settings: pro und contra


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52 Antworten in diesem Thema

#1 Judge Gill

Judge Gill

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Geschrieben 30. Oktober 2011 - 19:45

In einem anderen Bereich wurde dieses Thema aufgeworfen und ich würde es gern unmittelbar dort behandeln, wo es hingehört. (also hier)

Mal sehen, ob sich ein meinungsaustausch ergibt.
Ich versuche mal, rüberzukopieren, was dazugehört (Daumen drücken!).

Wichtiger Hinweis: Man findet zahlreiche Spielhilfen, u.a. diverse Handouts als kostenlose Downloads unter

www.pegasus.de/cthulhu/spielhilfe-zu-bestimmten-veroeffentlichungen/

(und ab 2019 unter pegasusdigital.de)


#2 Judge Gill

Judge Gill

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Geschrieben 30. Oktober 2011 - 19:46

so ging es m. E. nach los:

Zitat: Original von Thomas Michalski
Ich finde übrigens interessant, dass der Einwand der Unspielbarkeit vom Mittelalter mehrfach so durchgewunken wurde.
Ist das hier im Forum schon mal diskutiert worden und ich habe es nur verpasst?



Es gab ein oder zwei threads zu dem thema, möglicherweise war einer der neuerscheinungen-thread. Ich wollte das thema erwähnen, aber nicht weiter austreten, da ich die pdf-thematik hier eigentlich schon nicht lostreten wollte.
(Ist übrigens überhaupt geplant, LE-Inhalt auf PDF zu veröffentlichen? Ich glaube nicht, dann hat sich das Thema hier sowieso gegessen.)

Kurz gesagt ging es mir bei MA darum, dass der Quellenband es dem SL zwar erlaubt, den Spielern 100 Könige und Päpste runterzubeten, ihn aber im Regen stehen lässt, wenn es darum geht, den Spielern den Alltag ihrer Chars im MA glaubhaft zu präsentieren. Klar, das ist ein Riesenthema und schwer in ein Kapitel zu pressen, aber ohne realistische Alltagsbeschreibung (zumindest der wichtigsten Punkte einiger Char-berufe) kann ich das Setting vergessen. Da ist man beschränkt auf isolierte Geschehen, wie es offizielle Szenarios bisher praktizieren.

Alte CoC-Publikationen haben in Quellen- und Abenteuerbänden detaillierte Infos zum Alltag in den 1920ern beisteuern können. Das hat es ermöglicht, den Spielern das eigentlich Abenteuergeschehen im Rahmen einer glaubhaften Zeitreise in das letzte Jahrhundert zu präsentieren. Das vermisse ich bei MA uns auch bei den Lovecraft-County-Bänden, deren Schwerpunkt zu sehr auf Fiktion liegt. Ist Geschmackssache, bei mir kam es eben nicht so gut an.
Ich würde es zum Beispiel begrü?en, wenn es einen Quellenband gäbe, der politische Hintergründe in den 1920ern noch besser ausleuchten würde. Das hat in unseren Spielrunden oft für nette Sidestorys gesorgt. Aber wenn meine Frau mich nicht mit ausreichend MAterial aus ihrem Geschichtsstudium versorgt hätte, wäre das nicht möglich gewesen. Als Laie ist man aufgeschmissen, wenn man sich die Infos aus Literatur und Wiki zusammenpuzzlen muss.

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#3 Judge Gill

Judge Gill

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Geschrieben 30. Oktober 2011 - 19:47

Antowrt von mir:

Da wäre ich bisher immer davon ausgegangen, dass jeder genug Phantasie und Hintergrundwissen aus Filmen, Büchern oder meinetwagen Comics hat, um das eigenständig hinzubekommen. Es geht mir dabei darum, nicht ein wissenschaftliches Abbild der gesellschaftlichen Zustände eines Dorfes in Lothringen im Jahre 947 exakt abzubilden. (um ein Beispiel zu nennen).
Wenn Spieler und Spielleiter tatsächlich das Leben im Dorf (um dabei zu bleiben) durchspielen wollen, während sich darum herum die Abenteuer entfalten (was ich selber auch so machen würde), würde ich immer davon ausgehen, dass eben jeder das macht, was sein Beruf hergibt -
... der Bauer verbringt seine Tage auf dem Feld oder beim Vieh,
... die Magd sieht zu, dass im Haus und auf dem Hof alles läuft (und ich bräuchte kein Text dazu, um mir das vorzustellen).

Ich wüsste nicht, wie man einen interessanten Text - der einen über dieses Niveau hinaus ernsthaft beim rollenspiel weiterbringen könnte - abfassen sollte.

Das ist meine Meinung dazu.
Davon würde ich aber so oder so nicht die Spielbarkeit eines Settings abhängig machen.

Zum Stichwort Päpste: Das ist vielleicht immer uninteressanter, je weiter man von Rom weg ist, aber ein beherrschendes Thema des jeweiligen Zeitpunktes, zu dem man spielt. Wenn ein Buch rund 1000 Jahre abdecken soll, liegt es in der Natur der Sache, dass man mit Spielzeit x (sagen wir, maximal einen Zeitraum von 10 Jahren am Stück) Infos für 990 Jahre hat, die man nur marginal oder gar nicht braucht...

es grü?t
Heiko

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#4 Judge Gill

Judge Gill

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Geschrieben 30. Oktober 2011 - 19:48

Antwort von fnord:

Zitat: Original von Heiko Gill
Da wäre ich bisher immer davon ausgegangen, dass jeder genug Phantasie und Hintergrundwissen aus Filmen, Büchern oder meinetwagen Comics hat, um das eigenständig hinzubekommen. ......
... der Bauer verbringt seine Tage auf dem Feld oder beim Vieh,
... die Magd sieht zu, dass im Haus und auf dem Hof alles läuft (und ich bräuchte kein Text dazu, um mir das vorzustellen).

Ich wüsste nicht, wie man einen interessanten Text - der einen über dieses Niveau hinaus ernsthaft beim rollenspiel weiterbringen könnte - abfassen sollte.



Ich finde das schon sehr wichtig, denn die fiktiven Helfer wie Comic, Filme (aus Hollywood), und Bücher ja auch nur halb, wenn nicht sogar Zehntwissen verbreitet.

Ich habe MA nicht gelesen, es kann sein, das bemängelte Sachen da drin stehen, aber es sind meine Befürchtungen. Zumal ich ja mit jedem vorhanden Fantasysystem Cthulhu MA regeltechnisch darstellen kann, indem ich Zauberei und ?bernatürliche Monster rausnehme. Der Hintergrundteil dieses Buches muss ja der Knaller sein, damit ich es kaufe und mir nicht selber was zusammenstückele.

Zur Lösung eines Abenteuers ist es vielleicht nicht wichtig, wie der Bauer im Jahre 947 in Lothringen lebte, und aber für das Rollenspiel.
Themen wie:
-Standesdünkel, Gesetze und BR?UCHE,
-Alltagstechnik, Standesunterschiede, wer darf wen ansprechen,
-welche Sprachen/Dialekte spreche ich nach einer Reise von 200 Kilometern.
-welche Bedeutung hat der Glauben/Aberglauben in dieser Region (der Unterschied von Heute und den 1930igern ist ja schon gro?,)
-Stand der Medizin
-Kommunikations"technik"
....

Wie funktioniert die Gesellschaft, kommt man nach Dämmerung noch als Fremder in eine Stadt, ist ein Fürst wirklich reich und wird sich der Tagelöhner einen neuen Schuh leisten können, wenn er den in der Höhle der tiefen Wesen verloren hat?

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#5 Judge Gill

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Geschrieben 30. Oktober 2011 - 19:49

Antwort von mrs. Catonic:

Auf die Gefahr hin, dass das jetzt Off-Topic ist (Anglezismen rulen!):

Zitat:Zur Lösung eines Abenteuers ist es vielleicht nicht wichtig, wie der Bauer im Jahre 947 in Lothringen lebte, und aber für das Rollenspiel.
Themen wie: -Standesdünkel, Gesetze und BR?UCHE, -Alltagstechnik, Standesunterschiede, wer darf wen ansprechen, -welche Sprachen/Dialekte spreche ich nach einer Reise von 200 Kilometern. -welche Bedeutung hat der Glauben/Aberglauben in dieser Region (der Unterschied von Heute und den 1930igern ist ja schon gro?,) -Stand der Medizin -Kommunikations"technik" ....



Als Spielleiter würde ich mir ja überlegen welche Standarts so vorherrschen, die in einen Infotext, ein ordentliches Präludium und schon hat man ein Feld abgesteckt. Den Rest würde ich im Spiel schnell entscheiden. Wichtig ist doch bei aller Realitätsliebe der Spielspa? - oder nicht.
Ich hab lieber einen Abend lang Spa? und la? mir dann von einem geschichtswissenschaftler sagen, wie falsch das alles war, als dass mir der Wissenschaftler lobend auf die Schulter klopft und meine Spieler keinen Bock mehr haben...

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#6 Judge Gill

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Geschrieben 30. Oktober 2011 - 20:00

Original von fnord


Ich habe MA nicht gelesen, es kann sein, das bemängelte Sachen da drin stehen, aber es sind meine Befürchtungen. Zumal ich ja mit jedem vorhanden Fantasysystem Cthulhu MA regeltechnisch darstellen kann, indem ich Zauberei und ?bernatürliche Monster rausnehme. Der Hintergrundteil dieses Buches muss ja der Knaller sein, damit ich es kaufe und mir nicht selber was zusammenstückele.


Aslo, ich möchte eigentlich dazu nur sagen: bei Cthulhu gibt es Zauberei und übernatürliche Monster...
und Hintergrund hast du zig Seiten weise (schreibt man das so?).
Es wird aber tatsächlich nur wenig darüber gesagt, wie das Sozialgefüge in einem Dorf ist, weil das irgendwie ... so wenig erklärenswert erscheint. Ehrlich. Kann man sich das wirklich nicht vorstellen?

Original von fnord
Zur Lösung eines Abenteuers ist es vielleicht nicht wichtig, wie der Bauer im Jahre 947 in Lothringen lebte, und aber für das Rollenspiel.
Themen wie:
-Standesdünkel, Gesetze und BR?UCHE,
-Alltagstechnik, Standesunterschiede, wer darf wen ansprechen,
-welche Sprachen/Dialekte spreche ich nach einer Reise von 200 Kilometern.
-welche Bedeutung hat der Glauben/Aberglauben in dieser Region (der Unterschied von Heute und den 1930igern ist ja schon gro?,)
-Stand der Medizin
-Kommunikations"technik"
....

Wie funktioniert die Gesellschaft, kommt man nach Dämmerung noch als Fremder in eine Stadt, ist ein Fürst wirklich reich und wird sich der Tagelöhner einen neuen Schuh leisten können, wenn er den in der Höhle der tiefen Wesen verloren hat?


Diese Sachen werden teilweise beschrieben, teilweise angedeutet, teilweise ignoriert, weil sie keiner Erklärung bedürfen. Manchmal ist es auch dem SL frei überlassen, wie er es haben möchte.

Und manches ist aus meiner Sicht vollkommen gleichgültig, weil der SL es eben eifach festlegen kann. Historische Korrektheit hinten übergeworfen, richtig. Aber keiner dieser Dinge ist für 1.000 jahre festgeschrieben. Und schon gar nicht innerhalb desselben Jahres für alle Regionen. Also hätte man ansonsten einen 100 Bände Werksausgabe erstellen müssen, um zufällig auch das lothringische Dorf im Jahr dingsbums korrekt zu erfassen.

Dazu kommen dann noch die rollenspieltechnischen Vereinheitlichungen (z.B. Sprache). Es wird z.B. historisch korrekt darauf hingewiesen, dass man alle x Kilometer anders spricht, aber empfohlen, die Verständigung ungefähr in den heutigen Grenzen mit den bekannten "Hochsprachen" möglich zu machen, um das Spiel nicht auszubremsen, falls man tatsächlich mal weite reisen unternehmen sollte (was historisch gesehen kaum jemand tat).

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#7 Dumon

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Geschrieben 30. Oktober 2011 - 20:07

Ich muss gleich zu Beginn zugeben, dass ich zwar beide (bald drei) Mittelalter-Bände besitze, aber noch keinen davon wirklich gelesen habe. War bisher nicht wirklich von Interesse für mich.
Daher kann ich nur ein Thema ansprechen, welches möglicherweise unabhängig von den Inhalten der Bücher problematisch sein könnte.

Das Problem, das ich meine, ist das der Indivudialität (bzw. des Individualismus') von Menschen eines mittleren oder niedrigen Standes im Mittelalter. Ich bin kein Fachmann auf diesem Gebiet, aber aus den wenigen Vorlesungen und den noch weiter zurückliegenden Schulstunden, die ich zum Thema Geschichte besuchte, ist mir da was im Gedächtnis geblieben.
Soweit ich mich entsinne, ist die Idee des Individualismus' eine Erfindung der Moderne, oder kam zumindest nach dem Zeitalter der Aufklärung erst zum Tragen. Menschen, die den arbeitenden Schichten angehörten (die Unterschicht wohl noch mehr als die Mittelschicht) sahen sich wohl noch als Teil eines gro?en Ganzen, als Rädchen im Gefüge. Als jemanden, der zum Gemeinwohl seinen Teil beizutragen hat. Und der seinen Platz in der GEsellschaft ausfüllen muss. GAnz so wie Stammesangehörige, die alle zum Wohle des Stammes denken und arbeiten, nur mit mehr Ungerechtigkeit, halt...

Natürlich gab es immer schon Freidenker und Querköpfe, aber sofern sich diese das nicht leisten konnten, weil sie aus reichen Familien kamen, wurden sie wohl mit Schimpf und Schande verjagt, und mussten dann als Vogelfreie oder Gesetzlose ihr Leben fristen. Mit den entsprechenden Konsequenzen, die über kurz oder lang dann meist auch eintraten...

Was ich mich jetzt frage, ist, wie ein Mensch, der nicht auf diese Weise einem privilegierten Stand entstammt, überhaupt Zeit und Mu?e haben könnte, sich um ?bernatürliches zu kümmern? Ganz zu schweigen natürlich von der religiösen Einstellung oder dem oktruierten Dogma, dass das Böse zu bekämpfen nur in den Armen der Mutter Kirche möglich sei, und man dies doch den dafür ordinierten oder gesalbten Werkzeugen (Priester, Kreuzritter und dergleichen) überlassen sollte...

Never trust the storyteller. Only trust the story.
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#8 Thomas Michalski

Thomas Michalski

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Geschrieben 30. Oktober 2011 - 21:03

Ich denke, es kommt immer darauf an, wie man es nutzt und erfordert vermutlich einen gewissen Konsens in der Gruppe. Wenn ich drei Spieler habe, von denen einer Bischof, einer Vogt und einer Bauer sein kann, dann wird das Haken.
Aber das tut es analog in jedem Setting.

Aber angenommen ich hab eine Gruppe, bestehend aus einem Schafhirten und zwei Bauern, die alle aus dem gleichen Dorf kommen. Die drei werden nicht am Hofe sein, egal zu welcher Sub-Epoche, und sie werden vermutlich auch nicht das ganze Land bereisen à aber wenn irgendwas ihre Schafe rei?t, dann werden sie vermutlich nachsehen.
Und wenn die Mi-Go anfangen, das Dorf zu infiltrieren, werden sie es auch mitbekommen. Wenn die Farbe aus dem All bei ihnen in den Brunnen fällt eh.

Grundsätzlich kann ich auch aus Erfahrung sagen, dass derartige Recherchen zum Mittelalter bestenfalls mehr schlecht als recht möglich sind, alleine von der Quellenlage her.
Es gibt so Kleinode wie Konrad von Megenbergs Buch der Natur, dass man, fast-frühneuzeitlich wie es ist, sogar im Grunde bequem so lesen kann, ohne sich mit Wörterbüchern zu sehr quälen zu müssen. Und die verraten einem dann grob was darüber, wie es Ende des Mittelalters ausgesehen hat.
Aber je weiter du zurückgehst, desto weniger kann man überhaupt einen Anspruch auf historische Korrektheit stellen. Wir können mutma?en. Aber selbst ohne die teils gravierenden ?berlieferungslücken wirst du vieles einfach nicht erfahren können.
Was passiert, wenn ein Fremder nach Sonnenuntergang den Ortsrand erreicht? Ja wei? der Geier!
Da kann man nur mutma?en. Und das kann ich nach Jahren der Mediävistik auch nur bedingt besser als jemand, der "die Filme und Bücher" kennt.

Aber all das macht das Setting ja nicht unspielbar. Es macht ein historisch korrektes Spiel im historisch korrekten Mittelalter völlig unmöglich; aber hey, wir reden auch noch immer von Cthulhu, dem Rollenspiel nach Motiven von H.P. Lovecraft, und nicht von Walther: the Vogelweiding ;)


Viele Grü?e,
Thomas

PS: Individuumsdilemma û wer die Suchfunktion was schüttelt kann da noch alte Beiträge von Holger Göttmann dazu hier im Forum finden, damals zum 1000AD-Band. Da waren nette Denkanstö?e drin verborgen :)

#9 Dumon

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Geschrieben 30. Oktober 2011 - 21:33

Ich hab sie jetzt nicht gelesen, aber für alle, die Interesse daran haben und zu faul zum Suchen sind, verlinke ich hier mal die alten Threads zum Thema 1000 A.D. und Mittelalter-Cthulhu - ältester zuerst:

1. Cthulhu 1000 A.D. und Cthulhu Dark Ages
2. 1000 AD vs. Mittelalter
3. 1000 AD vs. Mittelalter (Fortsetzung)
4. Cthulhu 1000 A.D.

Am Besten, man nehme die nur zum Lesen. Müssen ja nicht tausend alte Threads wieder neu belebt werden, wo man dann, um mitzukommen, bis Sankt Nimmerlein zurücklesen muss...

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#10 fnord

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Geschrieben 31. Oktober 2011 - 07:55

Original von Heiko Gill
weil das irgendwie ... so wenig erklärenswert erscheint. Ehrlich. Kann man sich das wirklich nicht vorstellen?

Und manches ist aus meiner Sicht vollkommen gleichgültig, weil der SL es eben eifach festlegen kann. Historische Korrektheit hinten übergeworfen, richtig.


1.)Wenn ich es mir eh vorstellen kann und es der SL festlegt, dann muss ich mir das Buch ja auch nicht kaufen.

2.)... und viel wichtiger, wenn überschätze nicht die Allgemeinbildung des Käufers/Spielers/Leiters
ein subjektives Beispiel: wo das alte ?gypten als Quasi-Fantasyreich mit blonden Recken usw. dargestellt wurde. Und wenn ich eine Geschichtedoku im Fernsehen über ?gypten geshen habe, wei? ich das das nicht so war.
Sicherlich ein Einzelschicksal und nicht repräsentativ, aber wenn ich mir Bücher wie Dementophobia ansehe, die wirklich ein sehr gutes Niveau haben und ja auch nur einen kleinen Sektor im Spiel bedienen, sollte auch ein Mittelalterband detailiert sein.

Aber meine genannten Punkte aus den anderen Beiträgen müssen in so einem Buch nicht zwingend beantwoertet werden, sondern der SL und die SCs darauf hingewiesen werden, dass es hier Probleme geben wird, wenn man,z.B.: nachts in eine Stadt will, eine Grippe hat, Bargeld für den Mittelstand eher unrelevant war.

Das sind natürlich auch Sachen die mich bei den FantasyRSp stören, aber da kann ich sie eher aktzeptieren, weil es eben Fantasy ist und nicht Mittelalter.

ja, ich glaub das wars.

#11 Dingo

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Geschrieben 31. Oktober 2011 - 08:59

Da es nun einen eigenen Thread gibt für das Thema, möchte ich auch noch einmal die Gelegenheit ergreifen auf die Problematik hinzuweisen, die ich mit dem MA-Setting habe.

Ich finde nämlich dass das Thema Alltag der gro?e Punkt sein sollte, der Cthulhu MA von Systemen wie DSA und D&D unterscheidet. Das muss keine Doktorarbeit sein, aber ein bisschen mehr Infos wären wirklich wünschenswert.

Meine Erfahrungen mit dem MA-Setting:

1: Was für Chars könnte man spielen? Hmm...Söldner? Bauern? Schmied?Bäcker? Könnten die überhaupt auf Abenteuer gehen? Welcher Char kann sich einen Tag Urlaub leisten um auf Abenteuer zu gehen? Keiner eigentlich. Der Söldner! Aber es wollen nicht alle Söldner spielen...Darf ein Bauer überhaupt seinen Hof verlassen? Was würde sein Fürst/Herzog/Lehnsherr/was-auch-immer-eigentlich-? dazu sagen? Wer wäre offiziell für die Untersuchung selstamer Vorgänge zuständig? Die Kirche? der Fürst/Herzog/Lehnsherr/was-auch-immer-eigentlich-? ? Würde immer so ähnlich wie bei Pakt der Wölfe starten? Also welche Chars haben wir in der Gruppe? Kommt drauf an, wie sähe denn so anfangs unser Alltag aus? ?h, keine Ahnung...ach spielen wir was anderes.

2: Schattengang-Abenteuer aus der CW. Wie kriege ich meine Spieler zu Ort des Geschehens? Welche Berufe wären da möglich? Muss ich ansässige Dorfbewohner nehmen? Dann wären das wohl alles Bauern. Möchte meine Gruppe ausscjlie?lich Bauern spielen? Wahrscheinlich nicht alle...Durchreisende vielleicht? Hm...wie bekomme ich mehrere Durchreisende logisch auf einmal zu diesem Ort? Und wie bewege ich sie zu bleiben um sich mit den Vorgängen zu befassen? Wie sähe denn allgemein überhaupt der Alltag der verschiedenen Möglichkeiten aus? hmm, keine Ahnung...spielen wir anderes Abenteuer!

3: Zirkel des Baphomet: Oh, ein Abenteuer zu den Kreuzzügen, ohne überhaupt ein einziges Quentchen an relevanten Hintergrundinfos? Na, egal. Ich habe ja gerade zufällig genau zu diesem einen Kreuzzug einen halbwegs informativen Roman gelesen. Den Rest fülle ich schon irgendwie aus. [Abenteuer wird gespielt] War ja ganz cool. Wann spielen wir weiter? Hm, was machen eure Chars denn so nach dem Abenteuer? Keine AHnung, was müssten die denn so machen? Hm, keine AHnung, das 1000 A.D. schweigt sich ein wenig über euren Alltag aus. Vielleicht kommt irgendwann ein anständiger MA-Band, der mir als SL mehr Infos über euren Alltagshintergrund gibt...Solange spielen wir halt was anderes!


Also ich erwarte nicht, dass ein Quellenteil den kompletten Alltag aller Berufe aller Epochen runterhandelt. Aber Cthulhu-MA sollte sich schon vom gängingen Heldengruppen-Setting des Standard-Fantasy abheben. Der Reiz ist ja gerade, dass man nicht Zwerge und Elfen auf monsterhatz spielt, sondern normale Leute, die in den Mythos geraten.
Das Alltagsproblem wird von den Abenteuern bisher auch immer fein säuberlich ausgegrenzt, sie spielen ausschlie?lich in isoliertem Rahmen. Sei es die Belagerung einer Stadt, ein Dungeon, ein abgeschnittenes Dorf oder Kloster. Immer handeln Abenteuer in Szenarios ohne geringsten Bezug zur Au?enwelt. Wohl weil auch keiner der Autoren das Alltags-Fass der Pandora öffnen möchte. Aber für Dungeon-Crawls oder die einsame Villa brauche ich kein Cthulhu-MA. DAzu gehört einfach mehr, als nur die Gaslampe durch eine Fackel und die Polizei durch die Stadtwache zu ersetzen

Einen regionalen Quellenband zu einem Fürstentum zu einer festgelegten Epoche wäre da sehr hilfreich. Man könnte politische und soziale Themen für diesen zeitlich und räumlich begrenzten Bereich etwas detaillierter vorgeben. Wer dann "realistisch" spielen möchte, spielt eben in Fürstentum "Realistienburg", wer lieber frei seinen Hintergrung entfaltet findet im MA-Band ausreichend Material zum Austoben.

Ein wenig Hoffung setze ich noch in den Kreuzzüge Band. Der ist wieder isoliert und wird sicher einiges an Infos zum Alltag während eines Kreuzzuges zu bieten haben. Oder? Ich meine wer nimmt an Kreuzzügen Teil? Wie ist die Versorgung? Wie sind die SPannungen verschiedener Lager innerhlab eines Zuges? Wer sind unsere direkten Vorgesetzten?
Und die Gretchenfrage: Haben tatsächlich nur Adelige Schwerter gehabt? Auch Bauernkriege wurden mit Schwertern geführt. Oder? Erste Frage aller Chars im MA-Setting: Kann mein Char ein Schwert haben? Antwort SL: ÍÍhhhhh....also an sich hatten nur Adelige ein Schwert...habe ich mal gehört...weil es so teuer war....aber laut Regelbuch ist ein Schwert gar nicht so teuer also....hmmm....ein Metzger muss ja auch ein Hackebeil haben...da bekommt er für ein paar MA-Dollar mehr (Welche W?hrung galt eigentlich wann und wo?) sicher auch ein halbwegs brauchbares Schwert, muss ja kein 1000mal gefaltetes Toledo-Salamanca sein...also hast du wohl auch ein Schwert, wenn du drauf gespart hast...möglicherweise...oder? ach, lasst uns was anderes spielen!

„Wenn ist das Nunstück git und Slotermeyer? Ja! … Beiherhund das Oder die Flipperwaldt gersput!“

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#12 Judge Gill

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Geschrieben 31. Oktober 2011 - 09:02

Original von fnord
1.)Wenn ich es mir eh vorstellen kann und es der SL festlegt, dann muss ich mir das Buch ja auch nicht kaufen.

2.)... und viel wichtiger, wenn überschätze nicht die Allgemeinbildung des Käufers/Spielers/Leiters
ein subjektives Beispiel: wo das alte ?gypten als Quasi-Fantasyreich mit blonden Recken usw. dargestellt wurde. Und wenn ich eine Geschichtedoku im Fernsehen über ?gypten geshen habe, wei? ich das das nicht so war.
Sicherlich ein Einzelschicksal und nicht repräsentativ, aber wenn ich mir Bücher wie Dementophobia ansehe, die wirklich ein sehr gutes Niveau haben und ja auch nur einen kleinen Sektor im Spiel bedienen, sollte auch ein Mittelalterband detailiert sein.

Aber meine genannten Punkte aus den anderen Beiträgen müssen in so einem Buch nicht zwingend beantwoertet werden, sondern der SL und die SCs darauf hingewiesen werden, dass es hier Probleme geben wird, wenn man,z.B.: nachts in eine Stadt will, eine Grippe hat, Bargeld für den Mittelstand eher unrelevant war.

Das sind natürlich auch Sachen die mich bei den FantasyRSp stören, aber da kann ich sie eher aktzeptieren, weil es eben Fantasy ist und nicht Mittelalter.

ja, ich glaub das wars.


Das Buch gibt dir allerdings statt der (in meinen Augen sowohl spekulativen als auch wenig weiterbringenden) Darstellung des Lebens im Dorf x zum Zeitpunkt y diverse Informationen zum gro?en "Drumrum", wenn du das alles als SL nicht nutzen möchtest, sondern alles frei ausdenkst, kannst du das natürlich machen, es dürfte aber eine Menge Arbeit sein, wenn du dich an tatsächliche historische gegebenheiten annähern willst.

Nebenbei: es gibt sogar einen allgemeinen Abschnitt über das Leben im Dorf. Er ist nur nicht besonders lang. Ebenso über das Leben in der Stadt bzw. auf einer Burg. Ich schlage vor, du schaust zuerst irgendwo in den Band hinein und stellst fest, ob dir tatsächlich etwas fehlt, oder ob die von dir gewünschten Infos in Wirklichkeit bereits enthalten sind.
nebenbei sind natürlich diverse cthuloide Infos enthalten, die würde man andernorts ohnehin nicht finden.
Ok?

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#13 Dumon

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Geschrieben 31. Oktober 2011 - 09:27

Wie Thomas Michalski schon sagte, ist es äu?erst schwierig, Aussagen über die Gesellschaft im Mittelalter zu machen, wenn sich diese Aussagen nicht auf Kirche oder den Adel beziehen sollen. Dazu gibt es viel zu wenig Quellen, um wirklich verlässliche Informationen zu bekommen. Ich kenne dieses Problem des gewollten Authentizitäts-Anspruches aus Mittelalter-Lagergruppen und -Reenactment. Gerade im Klamotten-Bereich ist das eben auch extrem kompliziert.
Das Problem ist, dass uns (dem Konsumenten) vorgegaukelt wird, das "Mittelalter" sei ein ausführlich recherchierter Zeitrahmen, über den man konkrete oder zumindest grob generalisierende Aussagen zu allen Themen treffen kann. Dummerweise ist dem nicht so, und das Meiste, was man eben in Buch, Film und Fernsehen präsentiert bekommt, ist mehr Spekulation oder im äu?ersten Falle aus wenigen Fakten gezogene Schlussfolgerung.
Dazu kommt eben noch, dass das "Mittelalter" eben nicht "die 20er Jahre" sind. Daher sind generalisierende Aussagen noch viel schwieriger, schlie?lich muss man damit etwa 500 Jahre Geschichte abdecken. Mag sich der Kleidungsstil der Landbevölkerung auch nur marginal verändert haben in der Zeit (weil das eben praktische Kleidung ist, und es gibt eben nur soundsoviele Permutationen von praktisch), Sitten, Gebräuche, Geschichten, Ansichten, Gesellschaft usw. verändert sich in so einem Zeitraum generell extrem.
Als Beispiele:
Es ist kaum mehr als 100 Jahre her, da gab es noch keine einheitlich geregelte Rechtschreibung. Neunzig Jahre später (vor fünfzehn Jahren) gibt es in Deutschland eine Rechtschreibreform, und einen allgemeinen Aufschrei derselben wegen. D
Die Deutsche Mark wird vor knapp sechzig Jahren eingeführt. Und hält als Staatswährung etwa 50 Jahre. Danach wird Landeswährung allgemein abgeschafft, und eine europäische Währung wird aus der Taufe gehoben.
Frisurmode, Kleidungsmode und angesagte Musikstile sind Aspekte, die sich teilweise sogar von einem auf das andere Jahr ändern.

Jetzt sagt man, wir leben heute in einer schnelllebigen Zeit. Medien usw. haben solche Veränderungen natürlich noch drastischer, dramatischer und flie?ender gemacht. Vom Tempo brauchen wir gar nicht erst reden. Siehe iPad. Siehe bluray.
Aber wenn wir schon nicht viel verallgemeinerndes über das Mittelalter wissen, wie sollen wir dann spezifische Aussagen über lokale Gegebenheiten herausfinden?

Das macht das Mittelalter für Authentizitäts-Fans gleicherma?en frustrierend, wie es für andere befreiend ist. Denn man kann sich seine eigenen, auf pop-culture-Wissen basierenden Eckpunkte definieren, und so falsch wird man damit nicht liegen...

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#14 Merriweather

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Geschrieben 31. Oktober 2011 - 10:03

Da ich im anderen Thread Dingo zugestimmt habe, fühle ich mich jetzt hier auch zur Stellungnahme verpflichtet. Allerdings habe ich den Mittelalterband nicht gelesen. Ich kenne aber die beiden schon oben genannten Abenteuer.

"Unspielbar" ist wohl in jedem Fall etwas zu hart ausgedrückt. Schwierig umsetzbar: ja. Reizvoll: hängt von persönlichen Interessen ab, für mich eher weniger.

Schattengang: finde ich durchaus spielbar und ganz reizvoll. Ist allerdings nichts, auf das ich im Rahmen einer Kampagne aufbauen würde. Netter Oneshot.

Baphomet: ist nun in der Tat unspielbar. Es fehlen nicht nur Hintergrundinfos zur Epoche, sondern überhaupt jegliche ausgearbeitete Details. Eine Skizze, die Lust macht, das fertige Abenteuer zu lesen... :rolleyes: Soll aber fairerweise nicht als Stellungnahme zur aktuellen Mittelalterserie verstanden werden - das Abenteuer ist ja schon etwas älter. Es zeigt allerdings die Problematik auf, die daraus entsteht, in einer fernliegenden Epoche zu spielen.

#15 Dumon

Dumon

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Geschrieben 31. Oktober 2011 - 11:33

Den Kritiken bezüglich der beiden Abenteuer muss ich zustimmen. Allerdings finde ich den Schattengang irgendwie auch nicht so super-reizvoll. Und Baphomet ist ohne erheblichen Aufwand wirklich nicht viel mehr als ein Baukasten, und ein teilweise unbrauchbarer noch dazu...

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