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Spielbericht: "A Hand Full of Dust"


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14 Antworten in diesem Thema

#1 pirx

pirx

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Geschrieben 10. Oktober 2012 - 17:01

Delta Green hat sich im deutschsprachigen Raum nie so richtig durchsetzen können, und ich wei? nicht, ob ich das gut oder schlecht finde. Einerseits löst es ein grundlegendes Problem, das der Plotgestaltung sonst ernsthaft im Weg stehen kann: Wie bringe ich frei gestaltete und relativ willkürlich kombinierte Charaktere - wie es in Rollenspielrunden eben so ist - in eine cthuloide Ermittlung, ohne die Grenzen von Logik und Plausibilität bis ins Lächerliche zu dehnen. Andererseits wirkt es auf mich ein bisschen willkürlich und lieblos, in den so schon absurden amerikanischen Behördenwust nach Belieben noch eine weitere Zuständigkeit hineinzudichten. Und ich sträube mich dagegen, das kosmische Grauen des Cthulhu-Mythos zu einem weiteren Gegenstand von Behördenbemühen und Behördenjargon zu degradieren.

Trotzdem werde ich immer wieder neugierig, wenn sich eine der seltenen Gelegenheiten zu einer Delta-Green-Runde ergibt.

Diese Runde ergab sich über den Berliner Cthulhu-Stammtisch. Corvin hat geleitet. Neben mir gab es noch zwei weitere Mitspieler. Ein dritter hatte sich leider kurzfristig entschuldigen müssen. Da alle Spieler relativ präsent gespielt haben, tat die recht kleine Runde dem atmosphärisch dichten Spiel durchaus gut.

Das Abenteuer selbst, "A Hand full of Dust", stammte aus einer englischsprachigen Publikation, der man von der Aufmachung aber auch von Plot und Aufmachung her anmerkte, dass sie schon einige Jahre auf dem Buckel hat. Die Grundidee ist reizvoll und dabei durchaus zeiztlos. Ein relativ klassischer Hintergrund , inszeniert in der Einöde in der Nähe eines Atomwaffentestgeländes bietet dank der Kombination aus Wüstenatmosphäre und Radiaktivität eine gute Grundlage für eine dichte cthuloide Atmospräre.

Sowohl Autor als auch Spielleiter wussten, dieses Material in ein stimmungsvolles Spielerlebnis umzusetzen.

Aber man muss dazu sagen, dass die Geschichte einige ausgeprochene Mängel hat. Zumindest ist das meine Meinung. Zum Glück sind es keine prinzipiellen Mängel im Plot sondern eher Schnitzer bei der Umsetzung. Ich kann nicht genau sagen, ob sie eher einer gewissen Ungeschicklichkeit des Autors zuzuschreiben sind oder ob man heute insgesamt einfach etwas mehr Feingefühl bei der erzählerischen Umsetzung gewohnt ist. In jedem Fall empfehle ich jedem Spielleiter, der es Spielen will, die folgenden drei Punkte zu überarbeiten oder zumindest gewissenhaft zu überdenken.

Im ersten Teil der Geschichte, welche sich grob in drei Kapitel aufteilen lä?t, wird - wie das bei dedektivischen Cthulhu-Abenteuern üblich ist - der cthuloide Schrecken durch rätselhafte Ereignisse angedeutet. Das Hauptmotiv, mit dem dieses Geschieht, ist jedoch fast eins zu eins aus Lovecrafts "Der Fall Charles Dexter Ward" entnommen. Ich wei? nicht, ob es genauso offensichtlich und vorhersehbar gewesen wäre, wenn ich diesen nicht gelesen hätte. Aber mit dem Roman im Hinterkopf wirken die eigentlich schön inszenierten gruseligen Ereignisse leider lieblos und nachgemacht. Und zumindest ich war dadurch gedanklich auf den weiteren Verlauf des Romans fixiert. Das führte zu einem unangenehmen Bruch in der Handlung, als es in einer völlig anderen Richtung weiter ging. Hinzu kommt, dass dieses Motiv später nicht wieder aufgegriffen wurde. Das hinterlie? ein unnötiges offenes Ende, ein bisschen wie bei Lost.

Das zweite Problem ist ebenfalls ein Bruch im Handlungsverlauf - und ich muss mich wirklich anstrengen, darüer zu schreiben, ohne zu spoilen. Formulieren wir es so: Im zweiten Teil der Handlung, in der die Spielercharaktere am eigenltichen Schauplatz der Handlung ermitteln und nach und nach direkt mit dem cthuloiden Schrecken konfrontiert werden, werden sie von einem schicksalhaften Ereignis getroffen. Sie spielen zwar weiter mit, jedoch ändert sich ihr Leben und damit auch ihre Rolle in der Handlung dadurch fundamental. Das Problem dabei ist, dass es so, wie der Autor es vorgesehen hat, sie vollkommen überraschend trifft und mitten aus einer eigentlich reizvollen Spielhandlung herausrei?t. Das ist eine ziemlich brutale Spa?bremse, und ich habe eine ganze Weile gebraucht, um wieder Lust zu bekommen, mich in den weiteren Verlauf der Handlung einzubringen. Dabei dürfte es kein gro?es Problem sein, dieses Ereignis so zu präsentieren, dass die Handlung darauf hinführt und man es als Höhepunkt (oder, wenn an so will, als Tiefpunkt) erlebt. Dann wäre die Handlung rund.

Das dritte Problem ist der Kaktusmann. Mehr gibt es dazu eigentlich schon fast nicht mehr zu sagen Den bitte weglassen. Der ist einfach nur albern und versaut den ansonsten gelungenen Spannungsbogen.

Fazit: Ein gelungener Spielabend mit einem Abenteuer, das zeigt, dass es sich lohnt, altes Material hervorzukramen, aber auch, dass man damit kritisch umgehen sollte.

#2 TAFKAP

TAFKAP

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Geschrieben 11. Oktober 2012 - 07:48

Bevor ich ausführlicher auf Delta Green eingehe, mal eine Frage vorweg:

Aus Deinem Kommentar

"Andererseits wirkt es auf mich ein bisschen willkürlich und lieblos, in den so schon absurden amerikanischen Behördenwust nach Belieben noch eine weitere Zuständigkeit hineinzudichten. Und ich sträube mich dagegen, das kosmische Grauen des Cthulhu-Mythos zu einem weiteren Gegenstand von Behördenbemühen und Behördenjargon zu degradieren."

schlie?e ich, dass Du den Hintergrund von Delta Green nicht selbst gelesen hast. Richtig?

Wenn Du nicht vorhast, selbst zu leiten, ist das auch vollkommen okay, weil es Dich als Spieler ansonsten massiv spoilern würde.
Als Spielleiter kann ich Dir sagen, dass Deine Aussage so nicht ganz richtig ist...




Die Welt der Kunst und Fantasie ist die wahre, the rest is a nightmare.

Arno Schmidt


#3 pirx

pirx

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Geschrieben 11. Oktober 2012 - 20:41

Original von TAFKAP
...schlie?e ich, dass Du den Hintergrund von Delta Green nicht selbst gelesen hast. Richtig?


Das kommt darauf an, was Du mit "den Hintergrund gelesen" meinst. Die grundlegenden Quellenbücher besitze ich nicht. Und ich habe sie auch nicht gelesen. Aber ich wei?, wie die fiktive Organisation Delta Green im Groben funktioniert, wie man sie im Spiel einsetzt und auf welcher Intention sie basiert. Und über nichts anderes spreche ich in dem von Dir zitierten Abschnitt.

Ich glaube gern, dass Delta Green jede Menge überraschende erzählerische Elemente enthält. Ich sehe aber nicht, welche Relevanz das an dieser Stelle haben sollte. Das hier ist nur meine persönliche Wertung eines einzelnen Delta-Green-Abenteuers, keine Rezension des gesamten Settings.

Original von TAFKAP
Bevor ich ausführlicher auf Delta Green eingehe...

Eigentlich habe ich nicht vor, eine grundlegende Diskussion über Delta Green als Setting zu beginnen. Ich habe nur versucht, zu verdeutlichen, warum ich mich bei Gelegenheit ganz gern auf eine Delta-Green-Runde einlasse, obwohl ich eigentlich kein besonderer Freund dieses Settings bin. Falls ich Deiner Meinung nach etwas falsches geschrieben habe, kannst Du das gern korrigieren. Ansonsten sind die Feinheiten für meine Bewertung eigentlich nebensächlich.

#4 TAFKAP

TAFKAP

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Geschrieben 12. Oktober 2012 - 07:51

Jetzt bin ich doch etwas überrascht über diese feindselige Antwort. ?(

Ich wollte lediglich darauf hinweisen, dass Delta Green ein wesentlich interessanterer und reicherer Hintergrund ist, als eine bürokratische Mythoshatz durch den Behördendschungel.

Wenn es Dir nur darum ging dieses eine Abenteuer zu rezensieren, verstehe ich nicht, warum und wie Du zu derart negativen Aussagen über Delta Green insgesamt kommst.

Natürlich ist es nicht für ein einzelnes Abenteuer relevant, was Du vom Hintergrund hälst, trotzdem kann das Abenteuer an sich ja gut sein und für Dich funktionieren, was es offensichtlich ja auch getan hat.

Aber die Aussage der Hintergrund von Delta Green wirke auf Dich "willkürlich und lieblos" wenn Du nicht einmal ein Delta Green Quellenbuch gelesen hast, konnte ich so einfach nicht stehen lassen.

Schlie?lich lesen hier noch andere Leute mit, die einen falschen Eindruck gewinnen könnten...

Zitat:

"Die grundlegenden Quellenbücher besitze ich nicht. Und ich habe sie auch nicht gelesen. Aber ich wei?, wie die fiktive Organisation Delta Green im Groben funktioniert, wie man sie im Spiel einsetzt und auf welcher Intention sie basiert."

Eben das bezweifle ich sehr stark. Vielleicht ist ja doch alles ganz anders, als Du denkst...


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Arno Schmidt


#5 pirx

pirx

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Geschrieben 12. Oktober 2012 - 09:52

Original von TAFKAP
Ich wollte lediglich darauf hinweisen, dass Delta Green ein wesentlich interessanterer und reicherer Hintergrund ist, als eine bürokratische Mythoshatz durch den Behördendschungel.


Warum hast Du das dann nicht geschrieben?

Ich habe lediglich dargestellt, aus welchen Gründen mir Delta Green nur bedingt zusagt. Darüber, ob es ein reicher oder interessanter Hintergrund ist, habe ich mich überhaupt nciht ausgelassen?

Original von TAFKAP
Wenn es Dir nur darum ging dieses eine Abenteuer zu rezensieren, verstehe ich nicht, warum und wie Du zu derart negativen Aussagen über Delta Green insgesamt kommst.


Vielleicht, weil mein allgemeiner Geschmack bezüglich des Hintergrundes durchaus ein Faktor in meiner persönlichen Bewertung des darauf basierenden Abenteuers sein könnte?

Original von TAFKAP
Natürlich ist es nicht für ein einzelnes Abenteuer relevant, was Du vom Hintergrund hälst, trotzdem kann das Abenteuer an sich ja gut sein und für Dich funktionieren, was es offensichtlich ja auch getan hat.

Genau das war meine Aussage. Es hat mir gefallen, obwohl ich generell kein besonderer Freund des Settings bin. Und natürlich ist das relevant, um meine Bewertung einordnen zu können. Irrelevant sind lediglich die weiteren Aspekte des Hintergrundes, die für das Abenteuer keine Bedeutung haben.

Original von TAFKAP
Aber die Aussage der Hintergrund von Delta Green wirke auf Dich "willkürlich und lieblos" wenn Du nicht einmal ein Delta Green Quellenbuch gelesen hast, konnte ich so einfach nicht stehen lassen.


So ist es aber nunmal. Er wirkt auf mich willkürlich und lieblos. Wenn Dir das nicht passt, kann ich Dir leider nicht helfen. Es tut mir ja leid, dass ich offenbar Dein Lieblings-Setting beleidigt habe. Aber das wird mich nicht daran hindern, meine Meinung darüber zu äu?ern.

Original von TAFKAP
Schlie?lich lesen hier noch andere Leute mit, die einen falschen Eindruck gewinnen könnten...

Traust Du denen ernsthaft nicht zu, zwischen der ?u?erung eines persönlichen Geschmacks und einer umfassenden qualitativen Bewertung zu unterscheiden?

Original von TAFKAP
Eben das bezweifle ich sehr stark. Vielleicht ist ja doch alles ganz anders, als Du denkst...

Herrjeh, dass schreib doch endlich, was genau an meinen Ausführungen falsch ist und wie es richtig lauten muss. Wenn Du anstatt in Deiner Kritik konkret zu werden immer nur pauschal meine Urteilskompetenz anzweifelst, musst Du Dich über feindselige Antworten wirklich nicht wundern.

#6 TAFKAP

TAFKAP

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Geschrieben 12. Oktober 2012 - 11:25

Bevor das hier ausartet:

Natürlich kannst Du Delta Green finden wie Du willst und ich fühle mich auch nicht persönlich beleidigt, wenn es jemandem nicht gefällt.

Du hättest allerdings in Deinem Startpost schreiben sollen, dass Du eigentlich gar nichts über Delta Green wei?t, au?er dem, was Du in ein paar Abenteuern als Spieler darüber erfahren hast.

Dann hätte jeder Deine Meinung richtig einordnen können.

Die Welt der Kunst und Fantasie ist die wahre, the rest is a nightmare.

Arno Schmidt


#7 pirx

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Geschrieben 12. Oktober 2012 - 13:39

Original von TAFKAP
Du hättest allerdings in Deinem Startpost schreiben sollen, dass Du eigentlich gar nichts über Delta Green wei?t, au?er dem, was Du in ein paar Abenteuern als Spieler darüber erfahren hast.


Und genau das sind die Formulierungen, die mich ernsthaft ärgern. Ich wei? durchaus etwas über Delta Green. Und ich frage mich, woher Du eigentlich wissen willst, woraus sich meine Informationen speisen.

Nochmal: Ich habe im Eingangspost etwas konkretes über Delta Green gesagt. Wenn Du meinst, das ist falsch, oder wenn Du das einfach nur anders siehst, kannst Du gern konkret widersprechen. Aber Du hast nicht zu entscheiden, was ich worüber zu schreiben habe und was nicht. Also spiel Dich nicht so auf, als würdest Du hier die Regeln für eine gute Abenteuerkritik aufstellen.

#8 N317V

N317V

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Geschrieben 12. Oktober 2012 - 14:25

Original von pirx
Und ich frage mich, woher Du eigentlich wissen willst, woraus sich meine Informationen speisen.


Es machte halt den Eindruck, so wie ichs verstanden hab. Offenbar wei? er Dinge, die Du nicht zu wissen scheinst. Aus den Aussagen einer Person auf dessen Wissensstand zu schlie?en ist ja manchmal kein Hexenwerk und auch nicht notwendigerweise ein Angriff.

Original von pirx
Nochmal: Ich habe im Eingangspost etwas konkretes über Delta Green gesagt. Wenn Du meinst, das ist falsch, oder wenn Du das einfach nur anders siehst, kannst Du gern konkret widersprechen.

Damit würde er aber spoilern. Ich glaube eher, dass er Dich und andere, die das lesen, dazu ermuntern wollte, nicht voreilig über das Setting zu urteilen sondern selbst mehr darüber rauszufinden. So am Spieltisch z.B.

#9 pirx

pirx

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Geschrieben 12. Oktober 2012 - 14:37

Das mag ja alles sein. Aber es ändert nichts daran, dass ich Delta Green aus genau den Gründen, die ich im Eingangspost genannt habe, nicht präferiere. Ich habe überhaupt nichts dagegen, wenn mir jemand sagt, dass Delta Green bei ihm ganz anders rüber kommt als bei mir. Und ich habe genauso wenig dagegen, dass mir jemand sagt, dass mein Eindruck sich ändern würde, wenn ich tiefer in die Hintergründe einsteigen würde. Aber ich akzeptiere es nicht, wenn jemand OHNE KONKRETE INHALTLICHE KRITIK, egal aus welchen Gründen so tut als würde ich mich über Sachen auslassen, von denen ich nichts verstehe. Und ich akzeptiere noch viel weniger, wenn jemand so tut, als dürfe ich zu irgendeinem Thema keine Meinung äu?ern, nur weil mir vielleicht ein anderer Informationsstand zur Verfügung steht als ihm. Ganz egal, ob das als Angriff gemeint ist oder nicht.

#10 TAFKAP

TAFKAP

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Geschrieben 12. Oktober 2012 - 15:03

Meine Güte, da ist aber jemand empfindlich. Nicht jede Antwort auf Deine Posts ist ein persönlicher Angriff auf Deine Person!
Nichts läge mir ferner, als mir unbekannte Personen zu beschimpfen oder ähnliches.
Falls das bei Dir so angekommen sein sollte, ist es allein der Tatsache meiner ungeschickten Formulierungen geschuldet und tut mir sehr leid.

Ein Forum ist wohl kaum das geeignete Medium, um jede emotionale Nuance rüber zu bringen.

Falls es mir nicht gelungen sein sollte, meinen Standpunkt klar zu machen, ohne Dich zu verletzen, tut es mir leid.

Also nochmal in aller Deutlichkeit, ohne irgendjemandes Gefühle verletzen zu wollen und so sachlich wie es mir hier möglich ist (dies ist die konkrete inhaltliche Kritik an Deinen Posts):

In Deinem Startpost schreibst Du, dass Delta Green auf Dich willkürlich und lieblos wirkt.

Erst später gibst Du zu, es gar nicht gelesen zu haben.

Daher sind Deine Informationen über Delta Green gezwungenerma?en unvollständig bzw. durch Deinen Spielleiter oder sonstige Informationsquellen verzerrt.

Daher kannst Du also nur Delta Green so wie Du es gespielt und erlebt hast und nicht Delta Green an sich beurteilen (wie Du es aber im Startpost tust).

Daher wollte ich in der Tat, wie N317V sehr richtig erkannt hat, lediglich darauf hinweisen, nicht vorschnell zu urteilen.

Den Hintergrund von Delta Green werde ich hier jedenfalls nicht erklären. Dafür fehlt mir die Zeit und es würde Dich in der Tat massivst spoilern.

Es sollte sich aber niemand von Deiner Aussage

"Cthulhu-Mythos zu einem weiteren Gegenstand von Behördenbemühen und Behördenjargon zu degradieren"

abschrecken lassen. So simpel ist es nämlich nicht.

Delta Green ist viel mehr. (Dies ist kein Angriff auf Dein Urteilsvermögen, sondern MEINE Meinung. Ich hoffe, das ist für Dich akzeptabel.)

Wenn das bei Deinen Spielrunden bisher nicht so war ist das natürlich schade, aber vielleicht findest Du irgendwann doch noch Gefallen an dem Setting, wenn Du etwas mehr hinter die Kulissen blicken kannst, als Spieler oder Leser.

So, ich hoffe, das hätten wir geklärt!
:]

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Arno Schmidt


#11 pirx

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Geschrieben 12. Oktober 2012 - 15:55

Original von TAFKAP
Falls das bei Dir so angekommen sein sollte, ist es allein der Tatsache meiner ungeschickten Formulierungen geschuldet und tut mir sehr leid.

Okay, vielleicht habe ich ja tatsächlich mehr in Deinen Beitrag hineingelesen als wirklich drinstand. Ich versuche nochmal auf der Sachebene auf Deine Kritik einzugehen.

Original von TAFKAP
In Deinem Startpost schreibst Du, dass Delta Green auf Dich willkürlich und lieblos wirkt.

Nicht das Setting als Ganzes. Nur der Ansatz, dem amerikanischen Behördenapparat eine weitere Organisation speziell für cthuloide Ermittlungen hinzuzufügen. Das stellt Cthulhu meinem Empfinden nach auf eine Stufe mit Drogendelikten und entflohenen Häftlingen. Und das wirkt auf mich willkürlich und lieblos.

Dass das Setting als Ganzes lieblos ausgearbeitet ist, will ich nicht gesagt haben.

Original von TAFKAP
Erst später gibst Du zu, es gar nicht gelesen zu haben.

Warum dieser vorwurfsvolle Unterton? Warum stellst Du das als etwas dar, was ich "zugeben" muss? Ich habe nicht behauptet, Experte für Delta Green zu sein. Ich habe nur geschrieben, was ich über die Grundidee denke. Und dafür muss man nicht so tun, als wäre man Experte. Und das habe ich auch nicht. Zumindest wü?te ich nicht, was diesen Eindruck erweckt haben sollte.

Original von TAFKAP
Daher sind Deine Informationen über Delta Green gezwungenerma?en unvollständig bzw. durch Deinen Spielleiter oder sonstige Informationsquellen verzerrt.

Daher kannst Du also nur Delta Green so wie Du es gespielt und erlebt hast und nicht Delta Green an sich beurteilen (wie Du es aber im Startpost tust).


Warum denn nicht? Wer entscheidet was man genau gelesen, probiert oder sonst wie getan haben muss, um sich ein Urteil zu bilden? Ich habe geschrieben, was ich über die Grundidee von Delta Green denke. Entweder habe ich die Grundidee falsch wiedergegeben. Darüber kann man diskutieren, auch ohne den gesamten Hintergrund zu erörtern. Oder ich habe sie richtig wiedergegeben. Dann ist meine Meinung dazu richtig und berechtigt.

Original von TAFKAP
Daher wollte ich in der Tat, wie N317V sehr richtig erkannt hat, lediglich darauf hinweisen, nicht vorschnell zu urteilen.

Wen? Mich? Ich habe nicht vorschnell geurteilt. Ich habe mir einen Eindruck davon verschafft und entschieden, dass ich es nur beiläufig interessant finde. Und genau das habe ich im Eingangspost geschrieben.

Original von TAFKAP
Den Hintergrund von Delta Green werde ich hier jedenfalls nicht erklären. Dafür fehlt mir die Zeit und es würde Dich in der Tat massivst spoilern.

Musst Du auch nicht. Ich habe mich ja nur auf den Grundgedanken bezogen.

Original von TAFKAP
Es sollte sich aber niemand von Deiner Aussage

"Cthulhu-Mythos zu einem weiteren Gegenstand von Behördenbemühen und Behördenjargon zu degradieren"

abschrecken lassen. So simpel ist es nämlich nicht.

Warum schreibst Du dann nicht genau das? Ich will auch niemanden abschrecken. Aber es ist nunmal so, dass mir an Delta Green mi?fällt, dass das Delta-Green-Konzept nahezu zwangsläufig den Cthulhu-Mythos zu einem Gegenstand von "Behördenbemühen und Behördenjargon" macht. Offensichtlich widersprichst Du dem ja nichtmal. Was ist also daran falsch, dass ich diese Meinung äu?ere?

Wenn ich Dich richtig verstehe, wolltest Du eigentlich nur sowas schreiben wie "hey Leute, lasst Euch davon nicht abschrecken, Delta Green liefert dafür viele spannende Elemente, die es es wert sind, sie auszuprobieren." Stattdessen hast Du aus dem Zitat aber geschlossen, dass ich Delta Green garnicht kenne - obwohl es ja anscheinend nichtmal falsch ist. Nimm es mir nicht übel, aber ich bringe das wirklich nicht zusammen.

Original von TAFKAP
Delta Green ist viel mehr. (Dies ist kein Angriff auf Dein Urteilsvermögen, sondern MEINE Meinung. Ich hoffe, das ist für Dich akzeptabel.)

Gegen Deine Meinung habe ich überhaupt nichts. Und der Angriff auf mein Urteilsvermögen liegt nicht darin, dass Du darauf hinweist, dass in Delta Green noch mehr steckt als ich in ein paar Sessions und ein paar Zeitschriftenartikeln und durchgelesenen Abenteuern mitbekommen habe. Der Angriff auf mein Urteilsvermögen liegt in Formulierungen wie "vielleicht ist ja doch alles ganz anders, als Du denkst...".

Original von TAFKAP
Wenn das bei Deinen Spielrunden bisher nicht so war ist das natürlich schade, aber vielleicht findest Du irgendwann doch noch Gefallen an dem Setting, wenn Du etwas mehr hinter die Kulissen blicken kannst, als Spieler oder Leser.

Ehrlich gesagt verstehe ich immer noch nicht, wie es in diesen Spielrunden hätte sein sollen. Nochmal: Ist irgendetwas, was ich geschrieben habe sachlich falsch? Bisher habe ich nämlich nur gelesen, dass es mehr als das sein soll. Daran habe ich keinen Zweifel. Aber das ändert eben nichts daran, dass mich ein paar Aspekte im grundlegenden Ansatz stören.

#12 N317V

N317V

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Geschrieben 13. Oktober 2012 - 03:26

Also ich für meinen Teil muss zugeben, dass ich so gut wie nichts über Delta Green wei?, au?er dem grundlegenden Ansatz, aber ich kann meinerseits Deine Kritik nicht ganz nachvollziehen. CoC ist doch voll von allerlei Ermittlern: von Privatleuten, die irgendwie dummerweise wo reinstolpern, über Privatdetektive, Polizisten, Soldaten etc. Was ist denn da an einer staatlichen Behörde grundlegend falsch oder überhaupt so viel anders? Allüberall in der Welt von CoC über Jahrhunderte hinweg kommt es zu unerklärlichen Begebenheiten mit teils verheerenden Folgen (Sturm auf Innsmouth). Ist doch klar, dass sich da irgendwann mal eine staatliche Stelle dafür interessiert. Und neben dem "Behördenbemühen" nennst Du als zweiten Kritikpunkt den Behördenjargon. Hm... ist mir offen gesagt auch nicht klar, was da das Problem ist.

Was mich persönlich von Delta Green bisher abgehalten hat, ist, dass soweit mein zugegebenerma?en unqualifizierter Eindruck ist, dass die Grundlegende Thematik mich nicht so interessiert. Anlehnend an John Wicks Analyse der ersten beiden Alien-Filme (zu finden in "Digging for a Dead God"), würd ich sagen, es geht bei Delta Green im Gro?en und Ganzen mehr um Mut als um Angst. Aber ich geb zu, dass das nur ein sehr oberflächlicher Eindruck ist. Ich glaub ich hab bislang nur ein Abenteuer gelesen und keins gespielt.

#13 pirx

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Geschrieben 13. Oktober 2012 - 06:50

Wie schon gesagt, wollte ich auch garnicht darauf hinaus, Delta Green als Setting zu kritisieren oder gar eine Diskussion hierüber anzusto?en. Es ging mir darum, innerhalb der Rezension der Spielrunde darauf hinzuweisen, dass mich das zugehörige Setting nicht besonders anspricht. Und das ist vor allem Geschmackssache. Wenn Du also einfach einen anderen Geschmack hast, ist es nicht schlimm, wenn Du nicht nachvollziehen kannst, was mich an Delta Green stört. Dann ist nur wichtig, dass Du wei?t, dass es so ist, um meine Kritik am Abenteuer werten zu können.

Aber ich versuche trotzdem nochmal klarer zu machen, was ich meine:

Es ist richtig, dass Ermittler aller Arten typische Cthulhu-Charaktere sind. Der Unterschied ist, dass Delta Green eine Organisation ist, die ausdrücklich für cthuloide Ermittlungen geschaffen wurde. Für Ermittler in anderen Settings gilt das gleiche wie für Nichtermittler: Der Mythos steht für sie au?erhalb jeder Kategorie, ihre Profession ist lediglich ein Weg, auf ihn zu sto?en. Aber wenn das geschieht, sind sie mit seiner vollkommenen Unfa?barkeit konfrontiert. Und das ist in meinen Augen ein wichtiger Aspekt des kosmischen Grauens nach Lovecraft.

Um ein Beispiel aus einem anderen Genre zu nehmen: Wenn unbedarfte amerikanische Studenten im schottischen Hochmoor einen Werwolf treffen, ist das was ganz anderes als wenn Buffy auch in dieser Folge mal wieder einen Werwolf jagd. Das hei?t nicht, dass Buffy doof ist und American Werewolfe toll. (Ich mag in diesem Fall sogar tatsächlich beides.) Es ist einfach nur was anderes. Der eine hat das Schlüsselerlebnis, das sein Leben auf den Kopf stellt. Die andere tut vor allem ihren Job. Und sie kann noch so sehr darauf rumreiten, wie grauenvoll er ist. Er hat automatisch ein Routine-Element, einfach dadurch, dass die feststehende Institution der Jägerin eingeführt wird anstatt dass eine College-Studentin plötzlich durch einen Dämon vollkommen aus ihrem bisherigen Leben gerissen wird.

Macht das verständlich, was ich über den Unterschied zwischen Delta Green und dem Rest von Cthulhu sagen will?

Und das betrifft eben auch den Jargon. Sprache macht einen gro?en Teil der Atmosphäre aus. Und der amerikanische Behördenjargon ist einerseits reizvoll, andererseits aber fürchterlich abgedroschen. Und in ihm über Cthulhu zu reden, nimmt Chtulhu viel von seinem kosmischen Grauen.

Aber das alles ist weder ein Problem oder grundlegend falsch, wie Du es formulierst. Es ist einfach nur mein persönlicher Geschmack. Bei Geschichten geht es darum, dass sie dem Publikum gefallen. Und wenn die Delta-Green-Spieler das mögen, dann ist Delta Green gro?artig. Nur ich finde es wegen dieser Punkte eben nicht so doll. Aber es ist nicht schlimm, wenn Du das nicht nachvollziehen kannst. Denn es folgt keine Konsequenz daraus.

#14 TAFKAP

TAFKAP

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Geschrieben 15. Oktober 2012 - 11:50

Ich glaube jetzt verstehe ich, warum wir Delta Green so unterschiedlich sehen!
Delta Green ist für mich nicht nur die Organisation, sondern der ganze Hintergrund.

Wenn meine Spieler eine Reihe von Agenten wären, die von Auftrag zu Auftrag gehetzt würden, nach dem Motto:

In die nächste Stadt reisen, Monster töten, Bericht schreiben, nächster Ort, nächster Auftrag, Bericht schreiben, ... usw.

würde nicht nur ich das ganze auch als total öde ansehen, dann wären mir meine Spieler schon längst an die Gurgel gesprungen.

Mit dem Delta Green Hintergrund KANN man so spielen, quasi Akte X mit Tentakeln, MUSS man aber nicht. (Kein Vorwurf an niemanden, ich will hier lediglich weitere Möglichkeiten aufzeigen. Wem es Spass macht, soll es von mir aus gerne so machen. :] )
Wir nutzen Delta Green eher als Cthulhu Now in gut. Von den vier Quellenbüchern beschäftigt sich nur ein relativ kurzes Kapitel in Band 1 überhaupt mit Delta Green als solches. Der Rest sind Hintergründe über verschiedenste "Organisationen", die man auch unabhängig von DG nutzen kann. Da hat sich jemand richtig Gedanken gemacht, wie die Mythosbedrohungen stimmig in die heutige Zeit übertragen werden können und dies meiner Meinung nach wesentlich besser geschafft, als alles was zum Thema "Now" bei Chaosium (und Pegasus) erschienen ist.

Falls sich also mal wieder die Gelegenheit ergeben sollte, würde ich empfehlen, Delta Green mit "normalen" Charakteren zu spielen, die keine Delta Green Agenten sind und am besten noch nicht einmal etwas darüber gehört haben.

Bei mir ist nur ein Spielercharakter Delta Green Agent und die anderen wissen es (noch) nicht einmal. Funktioniert super!

Meine Spieler empfinden Delta Green (erst dieses Wochenende wieder gespielt) als wesentlich spannender, realistischer und härter als alle Cthulhu Now Sachen, die wir vorher gespielt haben. Ich glaube hauptsächlich, weil der Mythos nicht so sehr im Vordergrund steht und nur subtil im Hintergrund lauert...

Die Welt der Kunst und Fantasie ist die wahre, the rest is a nightmare.

Arno Schmidt


#15 N317V

N317V

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Geschrieben 15. Oktober 2012 - 12:08

Da kann ich jetzt nur Euch beiden für Eure Antworten danken. Beide Standpunkte sind mir jetzt viel klarer. :-)




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