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Fortsetzung von "Der Gaukler von Jusa": "The Art of Madness"


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4 Antworten in diesem Thema

#1 Casey080

Casey080

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Geschrieben 17. Februar 2013 - 12:44

Guten Morgen liebe Spielleiterkollegen,

gestern Abend ging an meinem dritten geleiteten Spielabend ein kleines Experiment zu Ende.
Eine kleine Warnung, weil ich eure Zeit nicht verschwenden will: Mein Bericht ergibt vermutlich nur für Leute Sinn, die sowohl das Abenteuer "der Gaukler von Jusa (SL-Handbuch) als auch das Abenteuer "The Art of Madness" (Terry White, 1987) kennen!

Das Debütabenteuer für meine Gruppe war "Der Gaukler von Jusa". Und da fing es dann -wie immer völlig unerwartet- an:
Bei der Recherche über den geheimnissvollen Gaukler und seinen Spiegel verkündete eine Mitspielerin: "Ich habe einen Kontaktmann bei der NY Times. Den rufe ich an und frage ihn, ob er herausfinden kann, ob es noch weitere Spiegel wie diesen gibt."
Da im Abenteuer explizit von zwei Gauklern gesprochen wird, lie? ich den Kontaktmann einige Zeit später eine positive Rückmeldung geben. Er habe bei einer Auktion in New York den Verkauf eines ähnlichen Spiegels in Erfahrung bringen können, müsste aber erst noch weitere Recherchen anstellen um den Käufer zu finden.

Da ich mir noch nicht zutraue, ein komplett frisches Abenteuer aus dem Boden zu stampfen, war ich jetzt auf der Suche nach einem bestehenden Abenteuer, das ich hinreichend modifizieren könnte, damit es von dem zweiten Spiegel handeln kann.
Das hat mich einige Zeit gekostet, fündig wurde ich schlie?lich bei "The Art of Madness" (Terry White, 1987).

Im genannten Abenteuer stö?t ein sowieso schon vom Okkulten faszinierter Künstler auf ein Mythosbuch, das unter anderem den Zauber "kontaktiere Cthulhu" beinhaltet. Nach dem Wirken dieses Zaubers wird der Künstler zum Diener Cthulhus, zieht sich in ein abgelegenes Anwesen zurück und beginnt, dort mit dem Blut von angelockten alleinstehenden Menschen eine gro?e Statue zu beleben. Die Abenteurer werden von Mrs Elizabeth Bush beauftragt, ihren verschwundenen Bruder zu finden, der vom Künstler zu dessen Haus gelockt wurde mit dem Versprechen eines Jobangebots. Die Abenteurer verfolgen die Spur über ein paar kurze Etappen, bis sie schlie?lich den Künstler in seinem Haus zum Showdown stellen. Die Statue beginnt zu erwachen und muss innerhalb weniger Runden zertrümmert werden, bevor sie belebt ist. Falls sie auf diese Art fertiggestellt ist, zerstört sie einen Teil des nahegelegenen Dorfes und/oder einen Eisenbahnzug.

Ich beschloss, das Orginalabenteuer in einigen Punkten zu modifizieren:

1.) Auftraggeber ist ein gewisser Michael Bush (statts Elizabeth Bush). Dieser ist reicher Geschäftsmann, und sammelt unter anderem Kunstgegenstände. Er erwarb den zweiten Spiegel 4 Wochen vor Beginn des Abenteuers. Der Spiegel wurde vor langer Zeit schwer beschädigt. (Dies hat den zweiten Gaukler beim letzten mal gestoppt und seine Spur der Vernichtung eine Zeit lang unterbrochen).

2.) Der Künstler aus dem Orginalabenteuer wurde bei mir engagiert, um den Spiegel zu restaurieren, bevor dieser in Mr Bushs Sammlung ausgestellt werden kann. Kurz nach dem Beginn seiner Arbeiten wird er vom Spiegel besessen. Der Spiegel dient noch nicht als Portal und erlaubt dem zweiten Gaukler nur indirekten Einfluss, aber es genügt dem künstlerischen Ehrgeiz seines Opfers ein neues Ziel zu setzen: Er möchte den Spiegel nicht nur wiederherstellen, er möchte ihn auch grö?er und imposanter als jemals zuvor machen. Er zieht sich deshalb, wie im Orginalabenteuer, auf sein abgelegenes Anwesen zurück.

3.) Ort der Handlung war nicht London, sondern Boston. Meine Gruppe ist in Arkham angesiedelt, von daher bot sich dies an. einige Stra?en/Ortsnamen habe ich entsprechend angepasst, die Entfernungen bleiben in etwa die selben.

4.) Im Orginalabenteuer ist der Künstler seine ganze Karriere über schon stark vom Okkulten besessen. Diese zahlreichen Hinweise habe ich entfernt, da er erst durch das Arbeiten am Spiegel zum Diener des Mythos wird.
Lediglich ein paar kleinere Andeutungen auf einen etwas ausschweifenden Lebensstil und künstlerische Gemütsschwankungen habe ich gelassen, so dass es durchaus noch keinen direkten Verdacht weckt, wenn der Künstler sich einige Wochen zum Arbeiten zurückzieht.

5.) Im Orginalabenteuer werden die Abenteurer beim Durchsuchen des ersten Stadthauses des Künstlers in Boston von der Polizei über Nacht in Untersuchungshaft genommen und erst am nächsten Mittag entlassen. Dies habe ich herausgenommen, weil in jedem Abenteuer eh ständig die Polizei am Bein der Ermittler hängt, das macht irgendwann keinen Spa? mehr und wird deshalb von mir sabotiert. ;-)
Die Charaktere stören eine Diebesbande beim Ausräumen des jetzt verlassenen Hauses und werden hierbei von der Polizei ertappt. In meiner Version hat die Polizei festgestellt, dass einige Bilder aus dem Haus entwendet wurden. Nachdem die Charaktere nichts vom Diebesgut bei sich führten, in ihrem Auto nichts zu finden war, und sich ein Privatdetektiv und ein Botschafter als Spielercharaktere in der Gruppe befinden, werden diese nicht weiter belangt. Lediglich ein formelles, abschlie?endes Kurzverhör am nächsten Mittag wird der Gruppe aufgenötigt... um den Vorschriften zu genügen.

6.) Da die Gruppe an diesem Abend mit 6 Mitspielern sowieso schon gut besetzt war, lie? ich den Constable in Bezug auf den Showdown mit dem Künstler wenig kooperativ erscheinen. Die Gruppe schnappte sich folglich nur die Hinweise, die vom Constable zu bekommen waren, und zogen ohne ihn los.

7.) Im Orginalabenteuer arbeitet der Künstler an einer gro?en Lehmstatue, die er mit dem Blut seiner Opfer anreichert. In meiner Version restauriert er statt dessen den Spiegel, den er an der Wand in seinem zweistöckigen Attelier angebracht hat. Um seinem Werk die Krone aufzusetzen, hat er weitere Metallplatten besorgt, die er um den Orginalspiegel herum an die Wand nagelt und spiegelnd poliert. Er versieht die Metallplatten mit blutigen Zeichen, die sie zur "Verlängerung" des Spiegels machen. Die entstehende spiegelnde Fläche ist etwa 3 m breit und 4 m hoch.

8.) Im Lebensmittelladen in dem kleinen Dorf erfährt die Gruppe in meiner Version, dass Weslow vor einer guten Woche das letzte mal gesichtet wurde. Er wirkte völlig neben sich, führte nicht wie sonst auch nur ein einziges Gespräch und kaufte grö?ere Mengen an Fleisch ein... zu viel um es alleine vernünftig verbrauchen zu können. Dies war insofern wichtig, dass meine Gruppe sehr früh aus Boston aufbrach und deshalb den Mord an dem Kunsthehler dort nicht mehr mitbekam, der erst in der darauffolgenden Nacht hätte passieren sollen. Bei der Leiche des Kunsthehlers hätten sie sonst ein Stück Fell eines Byakhees gefunden, ein erster Hinweis auf die Anwesenheit dieser Kreaturen in dem Haus des Künstlers.

9.) Ein alter Farmer gibt in meiner Version den wagen Hinweis auf die Byakhees, die man nachts manchmal über dem Wald im Norden kreisen sieht. Da er bei mir zudem an der Stra?e zum Haus des Künstlers wohnt, hat er diesen mit den Metallplatten auf der Ladepritsche herumfahren sehen.

10.) Im Orginalabenteuer zieht sich der Künstler zur Statue zurück, sobald Gefahr besteht, und startet (verfrüht) die Erweckungszeremonie. In meiner Version lie? ich ihn nicht aktiv in den Kampf eingreifen, sondern das Kampfgeschehen mit ominösen Ausrufen unterlegen.

11.) Der Gaukler in meiner Version bemerkt die Gruppe, sobald sie vor dem Spiegel stehen. Er kann den Spiegel nicht als Portal benutzen, dafür ist der zentrale Orginalspiegel noch nicht weit genug wiederhergestellt. Er kann allerdings die schon verzauberten Metallplatten nutzen, um diese zu einem "Avatar" von sich werden zu lassen. Die Metallplatten beginnen, langsam aus der Wand zu brechen und sich zu einem grob gestalteten Koloss zu formen. Ich hatte der Gruppe 8 Runden zugestanden, um ihn seiner 100 Trefferpunkte (aus der Vorlage) zu berauben.
Nach drei hochdramatischen Runden war meiner Meinung nach aber der beste Punkt erreicht. Nachdem der Botschafter in einer heroischen Aktion mit einem kritischen Treffer 14 Schadenspunkte anrichtete, lies ich den Koloss zusammenbrechen. Manchmal ist weniger mehr.
Es war schön zu beschreiben, wie sich der Koloss langsam Stück für Stück aus dem Spiegel kämpft, und die Gruppe sich beispielsweise auf einen Arm konzentrieren muss, bevor er weit genug ausgebildet ist, um seine Gegner zerquetschen zu können.

12.) Die zur Verfügung stehenden Werkzeuge waren bei mir:
***)Eine Kreissäge (STx5, 1w12) - Ging leider beim ersten Einsatz schon kaputt. Ein kritischer Misserfolg lies sie beim Anlaufen au?er Kontrolle geraten, durch einen erfolgreichen Glückswurf konnte der Anwender vermeiden sich selbst zu verletzen, allerdings fiel die Säge herunter und das Sägeblatt zerbrach.
***)Eine Meiselmaschine (GE*5, 2w4) - Wurde erst in der zweiten Kampfrunde erfolgreich benutzt, richtete dann aber noch richtig Schaden an.
***)Ein Vorschlaghammer (ST*5, 1w6)
***)Improvisiertes Werkzeug (ST*5, 1w3) - Hier konnte sich jeder bedienen, der keines der "gro?en" Werkzeuge mehr bekommen konnte und keine Schusswaffe dabei hatte.
***)Mitgebrachte Schusswaffen (1w4) - Ich beschrieb die Metallplatten als massiv und robust. Die Gruppe nahm diesen Fingerzeig sofort auf und stürzte sich eher auf das Werkzeug.
Die beiden Schusswaffen, die trotzdem eingesetzt wurden, hatten beide kritische Fehlfunktionen und waren damit erstmal au?er Funktion. Ein Endkampf ohne Schusswaffeneinsatz, so muss das sein. ;-)

Das waren die von mir vorgenommenen ?nderungen.

Weitere Punkte habe ich beim Spielen beobachtet:

a.) Meine Gruppe hat wieder sehr viel in Büchern recherchiert, Kontaktleute über alle beteiligten Personen Informationen einholen lassen, den rechtmä?igen Erwerb des Landhauses des Künstlers quergecheckt, sich überall über Michael Bush (den Auftraggeber) und dessen Freunde umgehört... sehr gründlich. Manchmal verzweifele ich etwas, aber ist ja ihr gutes Recht und in Ordnung.

b.) Die Spieler hatten waren zielstrebig und verschenkten keine Zeit. Dadurch reisten sie schon Donnerstag Mittags mit dem Zug zum Haus der Künstlers, stellten im Lauf des Abends ihre Recherchen dort an, und konfrontierten den Künstler in der selben Nacht. Als der Künstler sie nicht hereinlassen wollte, bahnten sie sich sofort einen Weg ins Innere und konnten dadurch den möglichen Vorbereitungen entgehen.

c.) Ich hatte vor, beim ?bernachten in der Nähe des Spiegels oder mit fortschreitender Fertigstellung, den Charakteren Nachts Albträume zu bescheren um sie anzutreiben. Dies habe ich aber komplett herausgelassen, da das Tempo stimmte und man es mit Klischees am besten nicht übertreibt.

d.) Die Gruppe bahnte sich zielstrebig den Weg ins Obergeschoss. Sie horchten am Raum mit den Byakhees, schauten dann vorsichtig hinein uns sahen die (bei mir pechschwarzen Kreaturen) nicht. Einer der Charaktere wurde von den Byakhees überrascht und zu Boden gerissen. Einen der Byakhees konnten sie durch Waffeneinsatz vertreiben, dieser schwang sich aus dem Fenster. Vor den verbliebenen beiden hatten sie zu viel Respekt und beschlossen den Rückzug. Durch einen Geistesblitz setzte einer der Ermittler seine Taschenlampe ein, um die nachtaktiven Byakhees zu blenden und die Türe zuziehen zu können.
Damit belie? ich es und lie? die Byakhees nicht weiter eingreifen. Die Gruppe mied diesen Raum wie das Feuer und war konstant auf der Hut, was mir reichte. :-)

e.) Der Kampf gegen den Gaukler bzw sein Metallkonstrukt war mit 3 Runden ausreichend und sorgte für genug "Unwohlsein". Als dann noch im selben Raum hinter dem Vorhang die Leiche des verschwundenen Detektivs am Fleischhaken gefunden wurde, war das Bestreben, noch weiter nach Hinweisen zu suchen, erledigt.
Sie zerstörten den Spiegel entgültig, verlie?en das Haus traumatisiert und ohne weiteres Durchsuchen, trotz meiner Nachfrage. Das Interesse an Okkultem, das der Forscher noch 3 Tage vorher zeigt, wird vorerst etwas gedämpft sein.

#2 Casey080

Casey080

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Geschrieben 17. Februar 2013 - 12:46

(vorheriger Text war zu lang, hier der Rest: )

-------------------
Alles in Allem war ich angenehm überrascht über den Ablauf des Abenteuers. Ich hatte darauf geachtet, keine wichtigen Hinweise zu übersehen und es gab keine Brüche im Spielfluss.
Die Adaption des Abenteuers verlief in meinen Augen gut, bzw es fiel überhaupt niemand auf dass ich einige Teile verändert hatte.
Wer dieses Exeriment selbst einmal wagen will, kann mich gerne noch mit Fragen "löchern" oder meine Vorbereitungsnotizen bekommen.

Ich hoffe meine Tapete an Text war für den ein oder anderen interessant zu lesen. Danke für die Zeit. :-)
Wie immer sind Kommentare stets willkommen!

#3 turtle der alte

turtle der alte

    Der Marshal

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Geschrieben 17. Februar 2013 - 13:23

Vielen Dank für deinen ausführlichen Bericht! Die Idee "The Art of Madness" so zu modifizieren ist wirklich toll, ich kenne das Abenteuer auch und fand es eigentlich recht interessant, aber mit dieser Verwendung als Anschlussabenteuer holt man doch noch mehr raus. Ich finde deine Modifikationen alle sehr passend und gut eingeflochten!

Deine Spieler erinnern mich frappierend an meine Leute, da wird auch immer ALLES abgegrast, für mich als SL auch manchmal anstrengend, rettet ihnen aber oft das Leben, da gibts nix mit schlampiger Vorbereitung! :D

#4 FrankyD

FrankyD

    Der Buchhalter

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Geschrieben 17. Februar 2013 - 20:18

ich kenne die Abenteuer noch nicht, aber die Verknüpfung, die Du gut beschrieben hast ist gut und macht mir Lust mich auch näher damit zu beschäftigen. - Danke

#5 Blackdiablo

Blackdiablo

    Herr des Schreckens

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Geschrieben 03. September 2014 - 12:19

Spielbericht! :)


"Nicht einmal der Tod kann dich vor mir retten."

 

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