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Spielbericht: Das Geheimnis der amerikanischen Farm (Schwarzwaldhof)


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4 Antworten in diesem Thema

#1 Seraph

Seraph

    Revolvermann

  • Cthulhu Insider
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  • 701 Beiträge

Geschrieben 05. April 2013 - 13:19

Ich habe das Abenteuer "Das Geheimnis des Schwarzwaldhofes" für meine Gruppe im Amerika der 20er-Jahre umgeschrieben. Aus dem Hof wurde eine Farm, aus dem Jäger ein Indianer und ein paar Namen und Ort mussten vertauscht werden und schon konnte es losgehen :)

 

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Beteiligte: Robert Kensington (Biologie-Professor), Lee „Badass“ Johnson (Betrüger), David O’Finnegan (Söldner), Aidan O’Quinn (Agent der Bundesbehörde)

Ort: Chattahoochee-Forest, Georgia, Vereinigte Staaten von Amerika

Zeit: Spätsommer 1919

 

 

Die Spielercharaktere (im Folgenden: SC) erhielten alle gesondert eine Einladung von Hank Jannings, einem Veteran des Ersten Weltkrieges und aufstrebenden Stern am Autorenhimmel, der sich mit Liebesromanen zu Kriegszeiten einen Namen machte.

Kensington war ein großer Fan seiner Bücher und hatte Jennings bereits auf einer Lesung samt Autogrammstunde kennen gelernt und sich mit ihm angefreundet. Lee Johnson war ein entfernter Verwandeter (Cousin). O’Finnegan und O’Quinn kannten ihn beide aus Europa, wo sie zusammen mit ihm den Kriegsdienst abgeleistet hatten.

 

Der Bahnhof von Atlanta

Am 23. August 1919 sollten sie sich um 18 Uhr am Bahnhof von Atlanta einfinden, wo Jennings sie abholen und sie mit zu sich auf seine Ranch bei der Kleinstadt Monticello nehmen würde. Dort würden sie dann ein gemütliches langes Wochenende verbringen und Geschichten aus vergangenen Zeiten austauschen.

Als es bereits zehn nach sechs Ortszeit war (O’Finnegan „Das passt gar nicht zu ihm, dass er sich verspätet…“) leerte sich der Bahnhof allmählich und die SC erkannten einander daran, dass sie alle auf jemanden zu warten schienen. Um die Wartezeit zu überbrücken, begann Johnson auch sogleich, sich an Kensington anzuwanzen und ihm etwas Gras zu verkaufen. Pfeife schmauchend und mit hochgezogener Augenbraue konnte der nur über das Angebot lächeln und verneinte.

Der analytische Blick des Bundesagents erkannte sogleich eine Art von Dealerei oder zumindest Trickbetrug. O’Quinn griff ein und stellte den Betrüger zur Rede. Als er seinen Dienstausweis zog, stahl Johnson ihm diesen aus der Hand und versuchte, damit zu flüchten. Blitzschnell zog O’Quinn seine Pistole und brachte Johnson zur Vernunft, bevor dieser noch weitere Dummheiten anstellen konnte. Er konfiszierte das Gras und scheuchte Johnson davon.

O’Finnegan hatte das ganze beobachtet, hielt sich jedoch seinem Naturell entsprechend im Hintergrund und wartete ab. Als Kensington wieder alleine war, sprach er diesen an und zollte dem Mann ob seiner Kultiviertheit einen gewissen Respekt. Nach und nach fanden die vier heraus, dass sie offensichtlich alle dasselbe Ziel hatten – Hank Jennings.

Es war mittlerweile 18:30 Uhr und allmählich wurden die SC unruhig. O’Finnegan übernahm die Führung und rief über einen Münzfernsprecher die Auskunft an. Einen „Hank Jennings“ schien es in Monticello nicht zu geben. Anscheinend besaß der gute Mann kein Telefon.

Da Jennings ihnen allen jedoch eine Wegbeschreibung („zur Sicherheit“) mitgeschickt hatte, entschloss sich das Trüppchen, zu viert ein Taxi zu nehmen und sich die Kosten zu teilen. Johnson verwies darauf, dass er kein Geld besaß. O’Quinn behielt ihn weiterhin im Auge (er traute ihm noch nicht wirklich) und versuchte, einen der Taxifahrer zu einer Gratisfahrt zu überreden, bei dem ungefähr folgender Dialog entbrannte.

 

O’Quinn: „Guter Mann, ich bin Agent der Bundesbehörde *zeigt Ausweis* und ich und meine Kollegen *zeigt auf die SC* müssen dringend zwecks Ermittlungsarbeiten zu dieser Adresse in Monticello. Fahren Sie uns sofort dahin!“

Taxifahrer: „Mhmm klar, wenn Sie bezahlen…“

O’Quinn: „Keine Zeit dafür! Sie behindern wichtige Ermittlungen! Ich kann Sie juristisch belangen, wenn es sein muss!“

Taxifahrer: „Mhmm…Sie wollen mir also sagen, dass die Bundeshörde in Chicago keine eigenen Dienstwagen besitzt?“

O’Quinn: „Wir sind undercover!“

Taxifahrer: „…und keine zivilen Fahrzeuge…?“

O’Quinn: „Öhm…“

Taxifahrer: „Und Sie wollen mir sagen, dass Sie zufällig mehrere Staaten weit reisen, nur um dann hier festzusitzen und nicht nach Monticello zu kommen?“

O’Quinn: „Ach verdammt!“

 

Nach einigen hämischen Blicken durch die anderen SC gelang es den vier, den nächsten Taxifahrer zu überreden, ihnen einen ermäßigten Fahrpreis einzuräumen, weshalb sie nur 30 Dollar zahlen mussten. O’Quinn stieg vorne ein, Kensington, O’Finnegan und Johnson nahmen hinten Platz.

 

Die Taxifahrt

Die Fahrt sollte mehrere Stunden dauern und führte die SC aus Atlante hinaus über weites offenes Land voller Wiesen, Maisfelder und vereinzelten Höfen.

Es war heiß in dem Taxi, sehr heiß, sogar heiß für diese Jahreszeit und Kensington war der Erste, der ein Fenster öffnete, um zu lüften.

 

Rasch entstand ein kleiner Smalltalk, den der Taxifahrer initiiert hatte. Woher die SC denn kämen und was sie hier mitten auf dem Land überhaupt wollten. Sie kamen nicht von hier, das würde man ihnen gleich anmerken! Der Mann sah O’Quinn beim Reden die ganze Zeit ins Gesicht und ließ die Straße außer Acht, was allgemein für Nervosität sorgte. Ein erfolgreicher Wurf auf Verborgenes Erkennen und O’Quinn bemerkte, dass der Taxifahrer öfter kurz auf die teure Armbanduhr des Bundesagenten schielte.

Auf der Rückbank bemerkte O’Finnegan derweil einen leichten metallischen Geruch, der von hinten aufkam. Als Kriegsveteran und Söldner schrillten sogleich seine Alarmglocken und er schrieb auf ein Stück Papier, was er gerochen hatte und zeigte dies unauffällig seinen beiden Sitznachbarn.

Nach Einbruch der Dämmerung erreichten die SC im Taxi die ersten Ausläufer des großen Chattahoochee-Forests und wähnten sich bald am Ende der Fahrt. Noch währen die allmählich die Müdigkeit überkam, die Straße immer unebener und unbefahrener wurde KNALLTE MIT EINEM MAL IRGENDETWAS VOR DIE MOTORHAUBE! Der Taxifahrer schrie auf, riss das Taxi zur Seite, während ein zweiter (leichterer) Aufprall die Karosse erschütterte und kam trudelnd am Straßenrand zum Stehen. O’Finnegan und O’Quinn konnten sich reflexartig schützen, während Johnson und Kensington ihren GE-Wurf verpatzten und leichte Blessuren davontrugen.

Alle Insassen stiegen sofort aus sahen den zerschmetterten Leib eines Hirsches vor der dampfenden Motorhaube des Taxis. Ein zweiter Hirsch stand taumelnd daneben und schwankte von einem Bein auf das andere und röhrte. Der Bundesagent und der Söldner nutzten die Gunst der Stand und schlichen sich nach hinten zum Kofferraum. Johnson und Kensington mussten mitansehen, wie der noch lebende Hirsch noch zwei-, dreimal mit voller Wucht vor die Karosserie rannte, bis es ein widerliches Knacken gab und er zuckend zusammbrach. Man musste kein Biologe zu sein, um zu bemerken, dass dieses Verhalten absolut widernatürlich war und so legten der Professor und der Betrüger ihren ersten Stabilitätswurf ab und verloren die ersten Punkte ihrer geistigen Gesundheit…

O’Quinn und O’Finnegan öffneten derweil leise den Kofferraum und tasteten blind in dessen Dunkelheit herum. Als etwas schweres, rostiges leise klirrte, entpuppte sich der Metallgeruch nur als Eisenkette und nicht als Blut. Achselzuckend schlossen sie wieder den Kofferraum, und gingen nach vorne. O’Quinn beruhigte den Taxifahrer, dem der Schreck noch in den Gliedern saß und O’Finnegan half ihm, die Kadaver von der Straße zu räumen.

Der Rest des Weges verlief ohne weitere Zwischenfälle und als sie die mitten im Wald gelegene Farm von Hank Jennings gefunden hatten, verzichtete der Taxifahrer, der nun gar nicht mehr so heimtückisch wirkte, auf die 30 Dollar – schließlich hatten die SC ihm bei seinem Wildunfall geholfen. O’Quinn gab ihm in einer rührenden Geste sogar seine Armbanduhr als Geschenk mit auf den Weg, da er wusste, dass ein Taxifahrer dafür wohl mehrere Jahre hätte arbeiten müssen. Während die anderen ihr Gepäck ausluden, erkannte O’Quinn im ersten Stock ein hell erleuchtetes Fenster, in dem eine Gestalt stand.


I had a dream, which was not all a dream.
The bright sun was extinguish'd, and the stars
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Swung blind and blackening in the moonless air;
Morn came and went--and came, and brought no day,
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- Lord Byron: Darkness -

#2 Seraph

Seraph

    Revolvermann

  • Cthulhu Insider
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  • 701 Beiträge

Geschrieben 05. April 2013 - 13:20

Die erste Nacht

Als die SC gerade die Veranda betraten, öffnete sich die Vordertür und ein dick vermummter Hank Jennings in Mantel, Schal und Hut trat nach draußen und sagte „Was macht ihr denn hier? Ich wollte doch gar keinen Besuch!“

Einen erfolgreichen Ideen-Wurf später erkannte O’Quinn, dass Jennings sich extrem beeilt haben müsste, wenn er vom ersten Stock bis zur Veranda heruntergekommen wäre in der Zeit.

Während die SC völlig verblüfft waren und ihn fragten, warum er nicht am Bahnhof gewesen wäre, erzählte Jennings ihnen, was passiert war. Ja, er hatte sie eingeladen, aber später sei er krank geworden und hatte Ausladungen an alle SC hinterhergeschickt, um keinen Besuch mehr zu haben. Er habe eine dicke Erkältung und Schüttelfrost, aber es sei nichts, was man nicht von selbst auskurieren könnte. O’Quinn flüsterte zu den anderen: „Hank ist krank. Der ist niemals vom oberen Zimmer bis zur Veranda runtergesprintet. Irgendwer muss noch im Haus sein.“

„Ach, jetzt seid ihr einmal hier und es ist kurz vor Mitternacht…dann kommt halt rein“ murrte Jennings und schlurfte zurück in die Farm. Es war eine schöne rustikale Behausung mit Küche, Vorratskammer, Wohnzimmer, Badezimmer, Veranda und Garten, sowie im ersten Stock 4 Gästezimmer, ein Schlafzimmer für Hank und ein weitläufiger Balkon. Jennings führte sie nach oben und wies sie an, sich ein Zimmer auszusuchen. O’Finnegan und Johnson nahmen sich jeder ein einzelnes, während Kensington und O’Quinn sich (aus welchen Gründen auch immer) lieber eines teilen wollten.

Jennings verschwand währenddessen in der Küche und schmierte ein paar Brote für einen Mitternachtsimbiss.

Als die SC in der Küche mit Jennings zusammen aßen, kam nur mit Mühe ein Gespräch zustande – anscheinend waren die Gäste von der langen Fahrt zu erschöpft *hust hust*

Jennings erzählte, wie er während seiner Zeit als Soldat in Europa schwer verwundet wurde und im Lazarett mit dem Schreiben anfing. Nach wenigen Jahren hatte er 3 Bestsellerromane veröffentlicht, dass er wiederholt die Namen seiner Protagonisten vertauschte, fiel niemandem auf…

Auf die Frage, woran er denn gerade arbeite, antwortete Jennings „Och, ein Krimi über eine Gruppe von Leuten, die auf eine Farm eingeladen werden und dann ereignen sich Mordfälle…“. Kensington lachte laut auf, verstummte dann aber, als er merkte, dass Jennings keinen Witz gemacht hatte.

Die Farm hatte er bei einer öffentlichen Versteigerung gekauft – die Familie, der die Farm über mehrere Generationen gehört hatte, war vor ein paar Monaten ausgestorben, als nur noch ein alter Mann ohne Nachkommen übrig geblieben war. Sie waren Weinanbauer und Jennings hob sein Glas, um mit dem SC und seinem hervorragenden Wein, den er im Keller lagerte, anzustoßen. Danach empfahl er sich und ging zu Bett. Die SC tranken noch ihre Gläser leer, tauschten ein paar Mutmaßungen, dass irgendetwas hier nicht stimmte, miteinander aus und gingen dann ebenfalls zu Bett.

 

In den frühen Morgenstunden wurde Kensington von einem merkwürdigen Geräusch wach – es schien von draußen zu kommen. Schlaftrunken wälzte er sich aus dem Bett, betrat den geräumigen Balkon und blickte nach draußen. Das Geräusch war ein lautes Grunzen! Um das Haus herum hatten sich über ein Dutzend Wildschweine versammelt, die den Boden am Fundament umgruben! Auch dieses Tierverhalten war aus Biologen-Sicht mehr als unüblich! Mit leichtem Unbehagen weckte er O’Quinn auf und noch während er dem Bundesagenten erzählte, was draußen vor sich ging, schepperte es schon in der Küche! O’Quinn schnappte sich seine Dienstwaffen, entsicherte sie und tappte zusammen mit Kensington nach unten. Auf dem Weg zu Treppe trafen sie Johnson, der ebenfalls von dem Lärm geweckt worden war. Zu dritt schlichen sie nach unten – der Söldner schlief weiterhin tief und fest – und lugten vorsichtig durch den Türrahmen des Esszimmers um die Ecke in die Küche. Dort hockte eine Gestalt in zerfetzten Lumpen vor dem Regal mit den Lebensmitteln und wühlte dort herum.

„Halt! Die Hände hinter den Kopf und langsam aufstehen!“ rief O’Quinn mit gezückter Waffe, doch die Gestalt fuhr blitzschnell herum, blickte die drei kurz an und hechtete dann über die Anrichte zum Küchenfenster.

O’Quinn schoss und traf, während die Gestalt schon halb durch das Fenster geklettert war. Eine Kugel traf das Bein des Eindringlings und jaulend ging dieser zu Boden. Von dem Knall war nun auch O’Finnegan wach geworden. Er packte Messer und Nachtischlampe ein und rannte nach unten. Während die SC den Eindring fesselten – ein wilder, bärtiger Mann in zerfetzten schmutzigen Lumpen – wehrte sich dieser und jammerte nach Kräften. „Nicht! Weg! Loslassen! Geeeeehen!“

Mehr als diese Worte schien er aber nicht zustande zu bringen.

„Beruhig dich, wir werden dir nichts tun“, schnarrte O’Finnegan, der zusehends ungeduldiger wurde, während sich O’Quinn fragte, ob ihr Gastgeber Jennings denn überhaupt wach geworden wäre, von dem Knall. Gefesselt an ein Fenster, brachte der Einbrecher nichts mehr zustande außer zu jammern und sich zu wehren. Ein gelungener Ideen-Wurf brachte zutage, dass der Einbrecher irgendwie aussah wie Jennings! Ein Verwandter? Kensington und O’Finnegan redeten weiter auf ihn an, zugleich rannte O’Quinn nach oben und klopfte an Jennings Schlafzimmer. Unter der Tür fiel ein schmaler Spalt Licht in den Flur, jedoch öffnete niemand. Der Agent zögerte nicht lange und trat kurzerhand mit einem bestandenen Stärke-Test die Tür ein. Das Zimmer – Bett, Schreibtisch, Schrank, Anrichte und Waschzuber – schien leer zu sein. Dennoch untersuchte O’Quinn es gründlich und fand unter dem Bett plötzlich etwas Grauenerregendes.

Eine blasse, verkümmerte Gestalt lag in fötaler Haltung unter Jennings Bett und verkroch sich wimmernd in die letzte Ecke. „KENSINGTON!“ brüllte der Agent und prompt rannte der Biologe nach oben, um zu sehen, was dort geschehen war. Zu zweit leuchteten die beiden unter das Bett und erkannten einen stark deformierten Menschen. Seine Haut sah zerschmolzen aus, als wäre sie verätzt oder verbrannt, anstelle einer Nase hatte er ein klaffendes Loch mitten im Gesicht und ihm fehlte ein Großteil des Schädelknochens – nur eine dünne Membran spannte sich über das ansonsten freiliegende Gehirn.

Kensington gelang es, mit dem Krüppel zu kommunizieren (er hatte keine Zunge und als der Professor in sein Zimmer ging, um eine Tablette gegen die Schmerzen zu holen, brachte es das Wesen nicht zustande, sie runterzuschlucken). Mit Hilfe von „Einmal stöhnen bedeutet JA und zweimal stöhnen bedeutet „nein““ schafften es die SC (O’Finnegan war ebenfalls nach oben gekommen, während Johnson den Einbrecher bewachte), ein wenig mit dem Wesen zu kommunizieren.

 

Wer hat dir das angetan? (Schweigen)

Hat das jemand absichtlich getan? Nein

War es ein Unfall? Nein

Warst du das selber? Nein

Kannst du uns sagen, was hier vor sich geht? (Schweigen)

Weißt du, wer der Mann in der Küche ist? Ja

Bist du…Hank Jennings? Ja

Hast du Schmerzen? Ja

Willst du sterben? Ja

 

Nachdem allen klar war, dass man keinerlei Informationen mehr aus dem Wesen herausholen würde, nahm Kensington schweren Herzens seine kleine Privat-Pistole und schoss dem Wesen in den Kopf, woraufhin es zuckend zusammenbrach. Alle waren schockiert, doch bevor sie weiteres unternehmen konnten, hörten sie von unten ein „Hey? Was machen Sie in meiner Küche?“ Jennings!

Die SC rannten nach unten und erzählten Jennings, was vorgefallen war. Er riss die Augen auf und rannte mit einem Aufschrei nach oben. „Nein! Mitch! Oh mein Gott, nein!“ schrie der Autor und brach vor der Leiche des deformierten Menschen zu Boden.

Unter Tränen stellte sich heraus, dass das Wesen Hank Jennings Zwillingsbruder war, der diese grauenhaften Verletzungen im Krieg bei einem Säureangriff erhalten hatte und nun als schwarzes Schaf der Familie galt. Deshalb nahm ihn Hank auch mit auf seine Farm und hatte ihn aus Scham vor seinen Besuchern unter dem Bett versteckt. Kensington und die anderen waren schockiert und versanken vor Scham fast im Boden. Den gefesselten Mann in der Küche winkte Jennings als harmlosen Landstreicher und armen Irren ab, drückte ihm ein Stück Brot in die Hand und ließ ihn frei, worauf dieser wie der Wind verschwand. O’Finnegan und Jennings trugen daraufhin die Leiche des Bruders in den Keller unter der Vorratskammer (O’Finnegan bestand darauf, alle Räume zu durchsuchen, konnte aber außer Werkzeugen, alten Ackergeräten, Gerümpel und großen Weinfässern – eines davon leer und mit einer Art Schimmel bedeckt – nichts Verdächtiges finden). Auf Jennings Wunsch hin ging O’Quinn nach oben und wusch die Gehirnreste vom Boden auf. Danach gingen alle zu Bett, um auszuschlafen und die kuriosen Ereignisse zu verdrängen.


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#3 Seraph

Seraph

    Revolvermann

  • Cthulhu Insider
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  • 701 Beiträge

Geschrieben 05. April 2013 - 13:20

Der nächste Tag

Jennings Zimmer war abgeschlossen und er schnarchte laut. Man beschloss, alleine zu frühstücken. Als die SC über die rückseitige Veranda nach draußen blickten, sahen sie Myriaden von Hasen, die auf der Wiese vor der Farm saßen und im Gras mümmelten. Was zum Teufel war nur mit den Tieren los?? O’Finnegan lief nach draußen und staunte nicht schlecht, als die Tiere nicht mal vor ihm davonliefen. Probeweise griff er nach einem Hasen, woraufhin dieser ihn kräftig in die Hand biss, dies aber dafür mit seinem Leben bezahlte.

Da kaum zu essen im Haus war, beschlossen die SC, in das nahe Monticello einkaufen zu gehen. O’Finnegan bestand aber darauf, das Haus zu bewachen und kochte bei der Gelegenheit einen Eintopf aus Hase, Gemüse und was sonst noch zu herumstand (Not macht eben erfinderisch).

Die SC wollten erst Jennings alten Ford nehmen, um in die Stadt zu fahren, dieser sprang aber nicht an. Ein gelungener Wurf auf Mechanische Reparaturen durch Johnson brachte zur Tage, dass die Nockenwelle defekt war…

O’Quinn, Kensington und Johnson stiegen über die Hasen hinweg und nahmen den Trampelpfad durch den Wald, der an einem kleinen Klohäuschen vorbeiführte. Es war ein schöner sonniger Tag und doch wurde die Stimmung getrübt, als auf einmal drei Hirsche die SC beobachteten. Sie standen parallel wie in Formation und drehten synchron die Köpfe, was bei dem Biologen wieder eine Gänsehaut verursachte. Als O’Quinn jedoch einige Schritte auf die Hirsche zuging, verschwanden diese im Wald.

Die drei kamen an einer kleinen Klippe im Wald an, an der es bestialisch nach Verwesung stank. Dutzende von Tierleichen (Wildschweine, Hasen, Hirsche und Rehe) lagen tot am Fuße der Klippe. Der Weg führte seitlich hinab und Kensington erkannte mit einem Wurf auf Medizin, dass die Tiere offenbar von der Klippe gefallen sein mussten und schlimme Sturzverletzungen hatten. Der misstrauische Bundesagent suchte mit Verborgenes Erkennen gezielt nach Höhlen und tatsächlich – hinter einigen Leichen und Gesträuch fand er einen kleinen Eingang, der jedoch stockfinster war. Die SC beschlossen prompt, in der Stadt auch noch Taschenlampen zu besorgen.

 

O’Finnegan kochte währenddessen seine Suppe und hörte draußen Stimmen. Als er hinaus blickte, sah er Jennings mit einem indianisch aussehenden Mann sprechend am Klohäuschen stehen. Spontan gesellte er sich hinzu und Jennings stellte ihm den Mann als Kajika, den Wildhüter, vor. O’Finnegan sprach ihn auf das merkwürdige Verhalten der Tiere an, doch das konnte sich der Indianer nicht erklären und versprach, dem nachzugehen.

 

In Monticello angekommen, deckten sich die SC mit genug Vorräten für das Wochenende, sowie 2 Taschenlampen und 2 Öllampen ein. Bei einer nahen Tankstelle konnten sie durch einen Glückswurf sogar eine passende Nockenwelle mitnehmen!

Nun ging alles ganz schnell: die drei liefen zurück zur Farm, luden dort die Vorräte ab und nahmen O‘Finnegan mit zu der Höhle im Wald. Nacheinander schlichen die vier dann durch den engen Gang tiefer in den Fels hinein…

 

Das Finale

Nach etwa einer Viertelstunde verbreiterte sich der Gang zu einer Höhle. Es roch feucht und muffig und ein Schauer lief den vieren über den Rücken. Als sie die Höhle durchleuchteten, sahen sie ein hölzernes Podest mit einem Buch und einem Silberstift in der Mitte. Am anderen Ende der Höhle ging ein weiterer Gang ab. Rechterhand wuchterte ein großes graues, schleimiges Gebilde an der Wand, ähnlich einem gigantischen Tumor. Angeekelt trat O’Finnegan heran und sah, dass das Ding aus verhärteten Fasern, die in den Wänden verschwanden, und einer großen Membran bestand, die irgendetwas zurückhielt. Kensington trat hinzu und leuchtete die Membran näher an.

Dort waren…Personen eingeschlossen, wie in einer gigantischen Gebärmutter! Sie sahen genauer hin.

Es waren 6 Personen.

Hank Jennings

Kajika

…und alle vier Protagonisten.

 

„Oh Scheiße“ wimmerte Kensington und ließ fast seine Lampe fallen.

„Was zur Hölle geht hier vor?“ rief O’Quinn.

Johnson stand fassungslos da und blickte auf sein Ebenbild.

O’Finnegan zog sein Messer und schnitt sich in die Hand. Das Blut, was herausquoll, war dickflüssig und grau. Genau wie der Tumor vor ihm. Erinnerungen schossen ihnen durch den Kopf.

Johnson erinnerte sich, von irgendjemandem überwältigt worden zu sein, als er alleine in der Küche den Wilden bewachte. Erinnerungsfetzen an eine dunkle Höhle und eine kalte, klamme Flüssigkeit.

 

O’Finnegan bekam im Keller eins übergezogen, als er mit Jennings die Mitchs Leiche dort verstaute.

 

Irgendjemand hatte Kensington in seinem Zimmer aufgelauert, als dieser seine Tabletten holen wollte.

 

Und O’Quinn wurde letztendlich überwältigt, als er das Gehirn in Jennings Zimmer weggewischt hatte.

 

Bevor die vier entscheiden konnten, was zu tun war, hörten sie eine Stimme, die rief „Nein!“.

Als sie sich umdrehten, standen dort Hank Jennings, Kajika und der wilde bärtige Mann vor ihnen, alle drei mit einem ausdruckslosen, fast apathischen Gesichtsausdruck.

O’Quinn und Kensington zogen ihre Revolver, O’Finnegan packte sein Messer fester.

„Geht weg von dem Samen oder sterbt“ sagte der Hank Jennings, der vor ihnen stand. Ohne großartig zu antworten, griffen die SC reflexartig an. Kajika, der ein Tomahawk gezogen hatte, umkreiste sich mit O’Finnegan und lieferte sich ein Nahkampfduell, während O’Quinn, Kensington und Johnson den Wilden und Jennings niederschossen.

Nach dem Kampf laß Kensington nach einigem Zögern das Buch, was eine Art Anrufung an einen Engel enthielt. Genauer verstanden die SC es aber nicht. Das beiliegende Symbol mit dem Silberstift nachzuziehen, trauten sie sich ebenfalls nicht.

Plötzlich zuckte etwas in der Membran! Die SC erkannten, dass der Hank Jennings, der in dem Samen gefangen war, wieder erwacht war und panisch gegen die Haut drückte. Er drohte in der Nährflüssigkeit zu ersticken! Nach und nach befreiten die SC ihn, Kajika und dann ihre eigenen Körper.

Nach einigem moralischen Hin und Her, entschied sich O’Finnegan schweren Herzens dazu, sich selbst von O’Quinn erschießen zu lassen. Nach einigen bangen Minuten wachte dann sein „ursprünglicher“ Körper wieder auf. O’Quinn, Kensington und Johnson taten dasselbe und alle waren mehr als erleichtert, dass sie wieder sie selbst waren. Zusammen mit dem echten Jennings und Kajika verließen sie die Höhle in anderer Richtung, die sie im Keller unter der Farm auskommen ließ.

Kensington hatte noch die Idee, das widerliche Samengeschwulst anzuzünden, dass rasch Feuer fing.

 

Die sechs echten Menschen verließen die Farm, die rasch Feuer fing. Aus der Wiese vor der Farm stiegen kleine Rauchwölkchen auf  - der Grund, warum die Tiere dort gegrast hatten: der Samen hatte seine Stränge bis dorthin geschlagen.

Rasch reparierten sie den Ford und verließen die Farm, die brennend zusammenstürzte.

 

Alle hatten überlebt.


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#4 Magdalena

Magdalena

    Advanced Member

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Geschrieben 05. April 2013 - 14:25

Wow. Das klingt als hättet ihr richtig viel Spaß gehabt. :D

Scheint ja auch, als wäre es relativ genau nach dem Plan abgelaufen... *seufz* das zeigt mir mal wieder, das meine Spieler zu paranoid geworden sind...

 

Es scheint aber auch eine absolut gelungene Adaption für die USA geworden zu sein. Gratuliere. Falls ich das Szenario noch mal leite (in dem Setting), werd ich mir evtl die eine oder andere Idee noch mopsen. ^_^



#5 Seraph

Seraph

    Revolvermann

  • Cthulhu Insider
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Geschrieben 05. April 2013 - 14:54

Danke dir! :)

 

Eigentlich ist alles nach Plan gelaufen, ja. Einziges Manko ist, dass meine Spieler meinen, in der ersten Nacht schon zu Ergebnissen kommen zu müssen. Prompt wurde fast alles abgesucht. Der Mechanismus, sich nach ein oder zwei Informationen zufrieden zu geben und schlafen zu gehen, ist nicht da gewesen.

Für die Spieler war es aber auch die erste Cthulhu-Runde - sie kamen vorher aus dem kampf- und charakterentwicklungslastigem Warhammer-Universum.

 

Die Adaption war gar nicht so schwer. Wie gesagt Hof = Farm, Wildhüter = Indianer, Nagelwald = Laubwald und das ganze in einem beliebigen Bundesstaat ansiedeln. Rehe, Wildschweine und Feldhasen gibt es dort auch. Das Schwierigste war, auf Google Maps eine geeignete Kleinstadt + Wald und eine nahe gelegene Großstadt zu finden. Dann noch ein paar amerikanische Namen aus den Fingern saugen und fertig. ;)

 

 

Als nächstes wird die SC ein Wochenende im schönen Hotel Arcadia erwarten...Suite 608 lässt grüßen!


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