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Der Gaukler von Jusa [in Arkham/mit RoC]


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#1 Neshoratep

Neshoratep

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Geschrieben 08. April 2013 - 18:17

Der Gaukler von Jusa – Ein Kurzabenteuer in Arkham

 

Plot: Die Charaktere treffen auf einem Jahrmarkt einen Diener des Königs in Gelb, der dort Wahnsinn und Tod in Gestalt eines alten Gauklers verbreitet. Sie müssen versuchen ihn aufzuhalten, indem sie sein Tor in diese Welt, einen Bronzespiegel, zerstören.

 

 

Zeit: 13.-15. September 192x, Freitag bis Sonntag

Ort: hauptsächlich Arkham

Beginn: ca. 20 Uhr

Spielzeit: ca. 6 Std.

 

Ich werde nur kurz auf die Handlung eingehen und die Stellen erläutern, an denen ich etwas abgewandelt oder ergänzt habe. Von mir benutzte Musiktitel stehen in Klammern neben den Überschriften.
Außerdem sei erwähnt, dass ich das AB mit Realms of Cthulhu geleitet habe.

 

Charaktere:

Dr. Kainberry, Arzt und Kriegsveteran

Claudia, Krankenschwester

 

Einleitung – Ankunft auf dem Jahrmarkt (Verne Langdon's Carnival of Souls -Theater Organ&Calliope)

 

Ich habe das Abenteuer von Tübingen nach Arkham verlegt, damit es in meine fortlaufende Arkham-Kampagne passt. Ein paar Namen mussten geändert werden, aber ansonsten war es kein Problem. Der Jahrmarkt fand auf dem Sportplatz westlich von Arkham statt.

Der Jahrmarkt diente dazu die Spielmechaniken (Kämpfen, Schießen, Werfen etc.) zu wiederholen. Die Stimmung war anfangs noch recht heiter, allerdings hatte ich den Eindruck, dass meine Spieler nicht sooo viel Spaß damit hatten. Darum habe ich die Szene nicht in die Länge gezogen, sondern bin nach ca. 15 Minuten zum Gaukler übergegangen.

Ich habe außerdem eine Wahrsagerin ergänzt (die sozusagen eine verschlüsselte Kurzzusammenfassung des Abenteuers gegeben hat). Das kleine Mädchen, das später beim Kettenkarussell-Unfall stirbt, habe ich als Cousine der Krankenschwester eingeführt, damit die Spieler und Charaktere eine größere Motivation haben und eine persönliche Bindung aufbauen.

 

 

Das Spiegelkabinett – erste Begegnung mit dem Gaukler (Angelo Badalamenti – L'Execution, OST City of Lost Children)

 

Die Beschreibung des Gauklers kam bei den Spielern gut an. Der Leierkasten und seine Kleidung wurden nicht näher untersucht, auch das Gestänge, an dem die Marionetten hängen, mit denen der Gaukler das Theaterstück vorführt, fand kaum Beachtung. Im Abenteuer werden dafür mehrere 0/1 STA-Verluste fällig, die deshalb rausfielen.

Das Theaterstück habe ich ausformuliert und vorgetragen. Anhand der Reaktionen meiner beiden Spieler (Lachen, ungläubiges Staunen, verdutzte Gesichter) glaube ich, dass es gut aufgenommen wurde.

Die Charaktere unterhielten sich kurz mit dem Gaukler und konnten ihn überhaupt nicht leiden. Deshalb wollten sie auch nicht in sein Spiegelkabinett, aber zum Glück konnte ich sie in Gestalt des kleinen Mädchens doch noch dazu bewegen.

Im Spiegelkabinett (Silent Hill 2 – Music Box; später Nox Arcana – Haunted Carousel) haben sie dann in den Spiegeln verschiedene beunruhigende Dinge gesehen und wollten eigentlich schnell wieder rausgehen, konnten den Ausgang aber schon nach wenigen Metern nicht mehr sehen. Sie versuchten die Außenplane zu zerschneiden, was aber unmöglich war. Nach ca. 15 Minuten Herumgeirre und verstörenden Erlebnissen fanden sie den Bronzespiegel und kurz darauf den Ausgang.

Das Abenteuer gibt in diesem Abschnitt ein paar gute Anregungen, aber es ist nicht ganz einfach, die beunruhigenden Spiegelbilder abwechslungsreich und angemessen zu beschreiben. Ich würde empfehlen das kleine Mädchen mit hineinzunehmen, da man als SL dann Druck auf die Charaktere ausüben kann. Auf Mumm-Würfe habe ich fast komplett verzichtet (vergessen ...oO), aber die Stimmung kam trotzdem gut rüber.

 

 

Todeskarussel - Der Unfall (L'Execution, mit einem Winamp-Plugin bis zu 30% schneller abgespielt)

 

Die Charaktere verließen das Spiegelkabinett und sahen, wie sich das Kettenkarussell immer schneller drehte, während die Kinder in den Schwanengondeln schrien und die Erwachsenen gaffend rundherum standen, ohne helfend einzugreifen. Leider taten die Charaktere selbst auch erstmal nichts, bis schließlich das Karussell in Flammen aufging. Jetzt endich konnten sie sich dazu aufraffen zur Hilfe zu eilen.

Um die ganze Situation auch regeltechnisch mit Zeitdruck und einem offenen Ende zu handhaben, verwendete ich die Regeln für eine „Dramatische Situation“ aus dem SW-Regelwerk: Die Charaktere hatten 5 Runden Zeit, um 5 Erfolge in „Stärke“ (durch die Menschenmenge drängeln) oder „Geschicklichkeit“ (durch die Menge schlüpfen) zu sammeln und anschließend per „Verstand“ das Karussell abzuschalten. Der Doktor versuchte sich durchzukämpfen, zog allerdings eine Kreuzkarte, vergeigte die Probe und wurde ausgeknockt. Die Krankenschwester schaffte es in letzter Sekunde die Maschine abzustellen, wodurch das Feuer schließlich auch erlosch. Trotzdem löste sich eine der Gondeln und da niemand mehr auf das kleine Mädchen aufpassen konnte, wurde sie gemäß Abenteuer von der Gondel erschlagen, was erwartungsgemäß zu einer ziemlich traurigen Szene führte (Angelo Badalamenti – L'Anniversaire D'Irvin, OST City of Lost Children). Anschließend räumte die Polizei den Jahrmarkt.

Bereits an dieser Stelle hegten die Spieler einen Groll gegen den Gaukler und hatten ihn im Verdacht. Ich wollte ihnen die Möglichkeit geben, über den Verlauf der Szene zu bestimmen. Da sie jedoch nicht besonders geschickt agierten, konnten sie das kleine Mädchen nicht retten und mehr Menschen als vom Abenteuer vorgesehen wurden verletzt und getötet.

 

Henry Stiles – erste Spur (diverse vom LA Noire OST)

 

Der alte besoffene Mann wurde von den Charakteren ins Krankenhaus gebracht, wo sie dann seine Aktentasche untersuchten und eine Menge über die Hintergründe erfuhren. Als Handout habe ich nur den Text aus dem De Vermis Mysteriis und die Kohlezeichnung gereicht, den Rest habe ich kurz zusammengefasst mitgeteilt.

Der Abschnitt war in Ordnung, die Spieler waren einigermaßen erschrocken über die angedeuteten Ausmaße der gesamten Geschichte.

 

Blutige Klumpen – Das Ende des Henry Stiles (LA Noire)

Da die Spieler Henry ins Krankenhaus gebracht hatten, entfiel der Besuch bei ihm zu Hause bzw. in seinem Hotelzimmer. Stattdessen erledigte ihn der Gaukler in seinem Krankenzimmer. Henrys Ende hat bei den Spielern tiefen Eindruck hinterlassen. Definitiv eine der besten Szenen des Abenteuers.

 

Nachforschungen – Was ist überhaupt los? (diverse vom LA Noir OST)

 

Zusätzlich kontaktierten die Charaktere ein paar Mitarbeiter der Miskatonic University und besuchten die Arkham Historical Society, um mehr Informationen zu erlangen.

Hier machte sich allerdings irgendwann Ratlosigkeit breit und die Spieler wussten nicht mehr genau, was sie noch tun sollten. Irgendwann konnten sie sich dann dazu durchringen zum Jahrmarkt zurückzukehren. Wir hatten bereits ca. 3 Stunden gespielt, bis wir an diesem Punkt ankamen, und das war irgendwie auch der Tiefpunkt, was Stimmung, Spannung und Spaß anging. Der investigative Teil kam diesmal leider nicht so gut an, vielleicht deshalb, weil alle Informationen geballt geliefert wurden. Eventuell wäre es besser die Spieler hier mehr zu fordern, ihnen also nur eine Spur zu liefern, so dass sie aber immer noch etwas tun müssen, um an die Infos zu gelangen.

 

Die Schlacht vom Rummelfeld – die zweite Tat des Gauklers (L'Execution)

 

Zurück auf dem Jahrmarkt wollten die Spieler eigentlich nur noch das Spiegelkabinett des Gauklers anzünden. Bevor sie dazu die Gelegenheit hatten, brach unter den Besuchern der Wahn aus und sie griffen einander an. Ein paar grausame und blutige Beschreibungen sowie passende Musik setzten den richtigen Rahmen für einen kurzen brutalen Kampf. Die Gegner stürzten sich in Überzahl auf die Charaktere und setzten ihnen ziemlich übel zu, am Ende hatten beide 3 Wunden erlitten. Zusätzlich setzte der Gaukler zweimal (wenn ich einen Joker zog) einen nicht näher spezifizierten Zauber ein, der mit seiner Leierkastenmusik zusammenhing und einen Mumm-Wurf erforderte. Die Krankenschwester schaffte es nicht und erlitt eine Wahnsinnsstufe, wodurch sie einen W4 in Cthulhu-Mythos und einen Punkt Corruption erhielt, da sie zum ersten Mal von einer Mythos-Kreatur in den Wahnsinn getrieben wurde. Als einer der Spieler einen Joker zog, kam die Polizei zur Hilfe und die Charaktere waren gerettet.

Auch diese Szene verlief gut und war spannend.

 

 

Warten vor dem Sturm – Spiegeltraum (Nox Arcana – Haunted Carousel)

 

Im Krankenhaus ruhten sich die Charaktere aus und schliefen ein, konnten jedoch beide dem Gaukler im Traum entfliehen. Da sie befürchteten, dass der Gaukler sie immer wieder im Traum heimsuchen würde, beschlossen sie zum Jahrmarkt zurückzukehren und dem ganzen ein Ende zu bereiten.

 

 

Der Jahrmarkt der Verdammten – der Gaukler präsentiert sich (L'Anniversaire D'Irvin; L'Execution; Nox Arcana – Soul Stealer)

 

Vor dem Eingang zum Tanzzelt fand die Charaktere das tote kleine Mädchen, das mit ihnen tanzen wollte. Der Gaukler kam dazu, schmiss die Leier an und auf den Zuschauerrängen des Sportplatzes sowie rund um die Charaktere herum erschienen die Geister der Jahrmarktstoten. Kurzerhand schoss der Doktor dem Gaukler in die Brust, wodurch dieser zu Boden ging und sich theatralisch die Wunde hielt. Der Doktor feuerte noch einen weiteren Schuss auf den Gaukler ab, ging näher heran und wollte aus nächster Nähe die Sache beenden, hielt die Waffe auf das Herz des Gauklers gerichtet und – klick! Keine Munition mehr! Der Gaukler beendete sein Schauspiel und begann erneut mit seiner Musik, weshalb die Charaktere ins Spiegelkabinett flohen.

Ein weiterer Höhepunkt des Abenteuers, der bei den Spielern gut angekommen ist. Besonders die „Sterbeszene“ des Gauklers hätte man nicht besser planen können, der Gesichtsausdruck der Spieler war köstlich, als der Gaukler völlig unverletzt wieder aufstand und sagte „Oh gut, dann kann ich jetzt ja aufhören. Aber Spaß hat es trotzdem gemacht.“

 

 

Der Spiegel zerbricht – Finale im Spiegelkabinett (Nox Arcana, Hall of Mirrors, Soul Stealer)

 

Im Spiegelkabinett konnten die Spieler den Weg zum Bronzespiegel schnell finden, weil sie bei ihrem ersten Besuch den Ausweg mit Wachstropfen von den Kerzen markiert hatten. Ich wollte sie für diese gute Idee belohnen, weshalb sie nach kurzer Zeit und ohne große Schwierigkeiten den Spiegel erreichten. Dort mussten sie nur noch die nötige Willenskraft aufbringen (vergleichende Willenskraftprobe), um den Spiegel zu zerstören. Sie wiegten sich schon in Sicherheit, da sahen sie, wie der Spiegel in tausend Teile zersprang und aus jeder Scherbe ein Gaukler sie anschaute und Grimassen schnitt (Angelo Badalamenti – Generique, OST City of Lost Children, nur die ersten 57 Sekunden). Dann brach das Zelt zusammen.

Das Finale war kurz und schmerzlos und zufriedenstellend, weil die Spieler die ganze Zeit über nicht wussten, ob die Zerstörung des Spiegels wirklich die richtige Lösung war.

 

Epilog

 

Am Morgen erwachten die Charaktere im eingestürzten Spiegelkabinett, kämpften sich ins Freie und fanden dort den Leierkasten, der flugs zerschmettert wurde. Schwer verletzt und verstört schafften die Charaktere es ins Krankenhaus zu gelangen, um sich dort versorgen zu lassen. Aus einem Radio auf dem Flur hörten sie leise die alptraumhafte Leierkastenmusik des Gauklers...

Die Krankenschwester hat durch die Begegnung mit dem Gaukler immer noch eine Wahnsinnsstufe und Depressionen, der Doktor ist glimpflich davon gekommen. Beide Charaktere erhielten 5 XP für das Abenteuer.

 

Gesamtbetrachtung: Ich hatte viel Spaß mit dem Abenteuer und auch meinen Spielern hats gefallen. Der Anfang war erwartungsgemäß etwas schleppend, danach nahm das Abenteuer schnell Fahrt auf und fand in dem grauenvollen Unfall sowie Henry Stiles'/Heinz Steibles Tod einen ersten guten Höhepunkt. Danach flaute alles etwas ab, die Nachforschungen verliefen nicht ganz so spannend. Der Kampf in der Mitte war erfrischend und hatte schwere Folgen für die Charaktere. Der Schluss verlangte ihnen noch einmal einiges ab und lässt offen, ob sie nun wirlich gesiegt haben oder nicht.

„Der Gaukler von Jusa“ ist ein schönes Abenteuer für Zwischendurch oder zum Auftakt einer Kampagne um den KiY, denn ich erwähnte am Rand das gleichnamige Theaterstück und jetzt sind die Spieler und Charaktere neugierig geworden. Ich werde es auf jeden Fall gerne noch einmal leiten, aber dann – wenn Zeit und Lust es erlauben – ein paar Stellen umbauen, um einen besseren Spielfluß zu erreichen.

Gerade die strikte Linearität kann eventuell für Unmut sorgen, weshalb zu überlegen wäre, ob man nicht die eindringliche Beschreibung des Gauklers ein wenig zurückschraubt und stattdessen ein paar falsche Fährten legt, z.B. die Wahrsagerin, ein paar zwielichtige Gestalten, ein Jahrmarktszauberer etc.. Aus Zeitgründen musste ich das rauslassen, aber vielleicht versuche ich das beim nächsten Mal.






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