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Ingame Tagebuch und Zeitungsartikel der laufenden Kampagne

Spielbericht Tagebuch ingame Berge des Wahnsinns Spoiler

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25 Antworten in diesem Thema

#1 Azrael

Azrael

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Geschrieben 16. April 2013 - 12:41

Ich leite jetzt schon den fünften Abend an der Kampagne und da ich die vielleicht vorbildlichsten Spieler der Welt habe ;-) schreiben die fleißig Tagebücher aus Sicht ihrer Chars. Ich muss übrigens sagen, dass ich echt erstaunt bin wie glatt alles dem mehr oder weniger geraden Plot folgt ohne, dass meine Spieler sich zu schlauchig fühlen im Spiel.

 

Meine Gruppe besteht aus 3 Spielern mit jeweils einem Charakter (Ja ich weiß, das ist riskant, aber wir haben uns darauf geeinigt über eventuelle Lösungen im Ernstfall zu diskutieren.)

 

  • Jenkin Waite (Ex PI und Student der Geologie an der MU/Arkham)
  • Raymond Harsen (Reporter "Boston Tattler")
  • Ted Rommy (Pilot und überzeugter Mormone)

 

 

Ich werde in regelmäßigen Abständen neue Einträge posten und bin natürlich über jede Art der Rückmeldung höchst erfreut.

 

Hier erstmal alles was bisher geschah. Viel Spaß!

 

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(ACHTUNG SPOILER) ------------------------------------------------------------------------------------------------------------

 

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Tagebuch Jenkin Waite:

Freitag, erster September 1933:

Hatte heute das Vorsprechen wegen der Arktisexpedition.
Meine anfängliche Unsicherheit, die ich gegenüber einer solch riskanten Reise verspürte sind etwas gewichen, als ich die Dimensionen des Schiffes und die Menge an mitwirkenden Kräften sah. Ein Schiff, das sich über fünf Decks erstreckt, und Platz für ca. 100 Mann, der Fracht und sogar zwei Flugzeugen bietet. Die Crew besteht aus unterschiedlichen Fachleuten auf ihren Gebieten: Wissenschaftler und Arbeitern, wobei die Grenze hierbei wohl fließend ist, wie ich leider bald feststellen mußte.

Samstag, zweiter September 1933:

In der morgendlichen Vollversammlung wurde uns mitgeteilt, daß die Schiffsfahrt am 14.09 startet und voraussichtlich am 1.11 die Antarktis erreichen wird. Unser Polarführer Peter Sykes riet uns die Zeit während der Fahrt zu nutzen, um uns Fettgewebe anzufressen – das sowohl als Schutz vor der Kälte als auch als Energiereserve dienen soll – jeder Teilnehmer erhielt zu diesem Zweck eine Flasche Lebertran. Doch ich habe erst kürzlich eine gewisse Abneigung gegen „Fisch“ entwickelt – Ich werde dieses Zeug mit Sicherheit nicht anrühren.
Des Weiteren wurden uns in der Vollversammlung die Aufgaben für die kommenden Tage zugewiesen: Ich soll die Käfige der Schlittenhunde unter Deck zusammenbauen !
Tante Marianne sagte schon immer zu mir, daß ich, was das Handwerk angeht, zwei linke Hände hätte; und nun sollte ich alleine, lediglich mit einer diffusen Bedienungsanleitung ausgestattet, die kompletten Hundekäfige montieren !!

Sonntag, dritter September 1933:

War heute wieder (immer noch) mit dem zusammenschrauben dieser Scheiß Käfige beschäftigt. Wie sich herausstellte waren die Halterungen an den Wänden falsch angebracht worden. So mußte ich die gestrige Arbeit komplett demontieren und von vorne beginnen- ich hab fast den Eindruck mir möchte hier jemand an´s Bein pissen. Darüber hinaus mußte ein Flugzeug bei einem Testflug heute Mittag notlanden – vermutlich Motorschaden. Die zunehmenden Fehlgriffe bereitet mir langsam Bauchschmerzen.

Montag, vierter September 1933:

Expeditionsleiter Starkweather hatte heute bekanntgegeben, daß wir nicht wie geplant am 14.09 sondern schon am 09.09 ablegen werden, da ein anderes Expeditionsteam in Richtung Antarktis unterwegs ist, und wir vor dieser Gruppe den Südpol erreichen müßten. Ziel der anderen Expedition ist es die erste Frau an den Südpol zu bringen. Kurzerhand entschloss sich Starkweather also die Sekretärin von Dr. Moore, Sarah Blumingdale, auf unsere Fahrt mitzunehmen, damit sie die Rolle der „Ersten Frau Am Südpol“ in unserem Team einnimmt.
Raymond erzählte mir heute, daß es nicht unerhebliche Abweichungen im Frachtbestand des Schiffes gibt.
In Anbetracht der sich häufenden Fehler, hätte ich mir eher gewünscht den Beginn der Reise eher nach Hinten zu verschieben als nach Vorne.
Später war ich noch in der Stadt unterwegs um Besorgungen zu machen: Kaffee, Tabak, „schottisches Desinfektionsmittel“ und den Reisebericht von Roald Amundsen. Außerdem hab ich mir King Kong in einem New Yorker Kino angesehen – die Tricktechnik ist atemberaubend.

Dienstag, fünfter September 1933:

In der heutigen Zeitung gab es einen Artikel über unsere Expedition - über mich wurde auch geschrieben: Sie bezeichneten mich dort als „spielsüchtigen Privatdetektiv, der einen Archäologen mimt“ !! Raymond hatte die Zeile „mit der Sekretärin des Chefs zum Ruhm – angeblicher Chronist schläft sich ganz nach oben.“
Am Abend fragte ich einen unserer Piloten, ob er mir die Navigation mittels Sextanten erklären könne. Ich dachte meine Astronomiekenntnisse aus dem Studium wären eine gute Basis dafür. Nebenbei erzählte er mir etwas von: „mit Gott in deinem Herzen wirst du auch ohne Sextant den richtigen Weg finden.“ Nun weiß ich schon mal in wessen Flugzeug ich nicht steigen werde...

 

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Reisetagebuch Raymond Harsen


Freitag, 08.09.‘33 bis Sonntag, 10.09.‘33

Waren heute bei der Beerdigung von Kapitän Douglas in Brooklyn. Nach allem, was uns sein Bruder erzählte, war Douglas weit davon entfernt, sich der Expedition anzuschließen. Offenbar litt er seit der ersten Antarktis-Fahrt unter Depressionen und griff immer häufiger zum Alkohol. Wundert mich aber auch nicht wirklich, wenn man den Berichten von den Geschehnissen Glauben schenken kann. Ob der Tod von Douglas nun tatsächlich ein Unfall war oder doch mehr dahinter steckt, das werden wir vermutlich nie völlig klären können. Wäre Lexington wirklich kaltblütig genug, um nicht einmal vor Mord zurückzuschrecken, wenn es ihr einen Vorteil verschaffen würde? Und welches Motiv hätte sie? Geht es hier wirklich nur um die (zweifelhafte) Ehre, das erste Frauenzimmer am Südpol zu sein und dort irgendwelche Ruinen zu erkunden? Oder gibt es vielleicht noch andere, finanziell attraktivere Gründe?
Da die Abfahrt für den Folgetag geplant war, haben wir unsere Zimmer im Hotel aufgegeben und die Quartiere auf der „“MS Gabrielle“ bezogen. Teile mir wieder mal eine Kabine mit Jenkin, aber da hätte ich es auch deutlich schlechter treffen können. Romney, dieser seltsame mormonische Pilot, faselt zum Beispiel ständig von einem eigenen Planeten nach dem Tod. Meiner Meinung nach hat der Kerl diverse Schrauben locker. Freiwillig flieg ich mit dem auf jeden Fall nirgendwo hin!
Den Abend haben wir in der Stadt verbracht. Sarah und ich waren in einem italienischen Restaurant zum Essen, wo sie ziemlich heftig dem Rotwein zugesprochen hat. Die anderen waren in einer Speakeasy-Kneipe beim Hafen. Bin später dazugestoßen, nachdem ich Sarah zum Schiff gebracht habe. Offenbar hat jemand Romney tatsächlich Alkohol untergejubelt, denn der Gute war gerade dabei, mit einer überaus schlecht rasierten ”Dame“ auf Tuchfühlung zu gehen. Der Stoff muss ein ziemlicher Blindmacher gewesen sein, wenn er die Stoppeln und den Adamsapfel nicht gesehen hat. Mormone hin oder her, sonderlich viel Weiberei war da nicht zu sehen. Hab mich auf jeden Fall sehr amüsiert, trotz abruptem Ende wegen einer Razzia. Sind aber alle gut rausgekommen.
Umso größer der Schock, als wir am Pier ankamen und das Lagerhaus in hellen Flammen fanden! Dass das Schiff nicht
beschädigt wurde, grenzt angesichts der Last Treibstofffässer am Bordkran fast schon an ein Wunder. Während die anderen unter Führung von Starkweather und Romney gelöscht haben, fanden Jenkin und ich Sarah in dem Lagerhaus. Zum Glück war sie unverletzt und auch bald wieder bei Bewusstsein, aber wie sie dorthin kam ist mir ein Rätsel. Ich frage mich auch, ob die Fässer mit Treibstoff schon am Kran hingen, als wir abends von Bord gegangen sind? Der Sache muss ich noch nachgehen, immerhin haben mich Starkweather und Moore jetzt zum Sicherheitschef der Expedition ernannt. Falls wir einen Maulwurf an Bord haben, sollte ich ihn schnellstmöglich aufspüren! Dass es sich um Brandstiftung handelte, steht zweifelsfrei fest, schließlich haben Jenkin und ich den Täter ertappt und gestellt. Es war der Kerl mit der auffälligen Brandnarbe im Gesicht, mit dem Jenkin schon am ersten Tag Ärger hatte. Doch wer sind die Auftraggeber? Steckt Lexington dahinter oder eine andere Partei? Warum war Inspektor Hansen von der Mordkommission am Tatort und hat den Verdächtigen festgenommen?
Unsere Abfahrt hat sich jetzt um einen Tag verzögert, weil wir einige Ausrüstungsgegenstände ersetzen mussten, die beim Brand beschädigt wurden. Als Sicherheitsvorkehrung habe ich von Silvestrini einige handfeste Hafenarbeiter angeheuert, nachdem ich zuvor die Geschäftsbeziehung mit Sgt. Kingston (der dem NYPD nun wirklich alle Ehre macht!) aufgelöst habe. Man kann einfach nicht darauf vertrauen, dass korrupte Polizisten ihren Teil einer Vereinbarung einhalten. Am Sonntag sind wir dann endlich Anker auf gegangen und haben New York verlassen. Das Abenteuer beginnt!
Nachtrag: Seit dem Hotelbrand fange ich an, an meinem Verstand zu zweifeln. Immer wieder fühle ich mich beobachtet und glaube, geschminkte Fratzen in Fenstern und Spiegeln zu sehen. Auch der Kerl im Hotel Westbury schien seltsame Kleidung zu tragen, die eher zu einem Zirkusclown gepasst hätten. Muss dringend Jenkin fragen, ob ich mir das nur eingebildet habe! Bin auf jeden Fall sehr unruhig, schlafe schlecht und fühle mich tagsüber fahrig und ausgelaugt.
Das alles erinnert mich an eine Geschichte, die mir Lance Corporal Anderson während der Heimfahrt von Frankreich auf dem Truppenschiff erzählt hat. Er war in der Argonne in heftiges Trommelfeuer geraten und hatte einen Nervenzusammenbruch

erlitten, so dass man ihn für eine Weile in ein Spital hinter der Front verlegte.
Anderson hatte, wie er mir erzählte, seit frühester Kindheit Angst vor Spinnen. Im Lazarett ergriff nun plötzlich die Vorstellung von ihm Besitz, dass große Spinnen über sein Laken krabbeln würden, sobald er seine Augen schlösse. Vor lauter Panik hielt er sich drei Tage lang wach, indem er sich immer wieder eine Nähnadel aus seinem Flickzeug ins Bein stach. Schließlich bemerkte eine Schwester, was er tat, und man gab ihm ein starkes Beruhigungsmittel. Danach hat die Panik wohl etwas nachgelassen, aber ich habe Anderson auf der ganzen Fahrt nie länger als eine Stunde am Stück schlafen sehen.
Kann es wirklich sein, dass mich die Geister von Belleau nach all den Jahren doch noch einholen? Verliere ich den Verstand, weil ich im Krieg schreckliche Dinge gesehen und getan habe? Oder steckt etwas anderes dahinter, was mir noch nicht bewusst ist? Ich darf mir auf keinen Fall etwas anmerken lassen, aber ich muss gleichzeitig meine geistige Verfassung genau im Auge behalten.

 

 

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Zeitungsartikel - Boston Tattler


Wie Phönix aus der Asche:

Starkweather/Moore-Expedition unbeirrbar auf Kurs!

Von unserem Korrespondenten Raymond Harsen

Erst das unerwartete Ableben von Kapitän Douglas, und nun auch noch ein Brand am Liegeplatz des Schiffes in der Nacht vor dem geplanten Auslaufen: Die Expedition von Mr. Starkweather und Prof. Dr. Moore scheint unter einem denkbar ungünstigen Stern zu stehen.
Mr. Starkweather gab an: “Der Tod von Kapitän Douglas war ein großer Schock, das ist richtig. Nicht nur, weil wir dadurch für die Expedition einen erfahrenen Seemann verloren haben, der als Experte für die nautischen Gegebenheiten des Südpolarmeeres galt. Auch charakterlich und menschlich war er einer der festen Stützpfeiler, auf denen unser Erfolg ruhen sollte. Unsere Gedanken und Gebete sind nun aber zuallererst bei seiner Familie und seinen Angehörigen, die den Verlust noch viel schlimmer fühlen müssen als wir.“
Das Morddezernat des NYPD stufte den Tod von Douglas zunächst als Unfall ein. Doch nach den jüngsten Ereignissen drängt sich die Frage auf, ob diese Einschätzung weiterhin tragbar ist. Erst der Tod eines wichtigen Expeditionsteilnehmers, dann in der Nacht vom 08. auf den 09. September ein Brandanschlag auf das Schiff und die angemietete Lagerhalle: Betreibt hier etwa jemand ein perfides Spiel aus Sabotage und Verdunkelung, um sich im Wettlauf zum Südpol skrupellos einen Vorteil zu sichern?
“Ob wir es hier mit gezielter Sabotage zu tun haben, dazu kann ich mich nicht äußern. Zutreffend ist, dass in der Nacht des Brandes ein der Brandstiftung dringend Tatverdächtiger gefasst und der Polizei übergeben wurde. Die Ermittlungen der Behörden

dauern aber noch an.“, so Starkweather. ”Das Feuer hat einige Ausrüstungsteile beschädigt, die nun ersetzt werden müssen. Hierdurch verzögert sich unsere Abfahrt geringfügig, aber wir verfügen über eine hervoragende Crew und einen ausgezeichnet besetzten wissenschaftlichen Stab, die mit solchen Schwierigkeiten ohne weiteres fertig werden. Wichtig ist, dass bei dem Brand niemand zu Schaden kam!“
Dass Mr. Starkweather selbst an vorderster Front heroisch gegen das Flammeninferno kämpfte, verschweigt er an dieser Stelle in vornehmer Zurückhaltung. Der Autor kann jedoch selbst getreulich Zeugnis davon geben, dass es dem Leiter des Unternehmens weder an kühner Tatkraft noch fester Entschlossenheit mangelt. Auch Prof. Dr. Moore, der wissenschaftliche Leiter der Expedition, gibt sich kämpferisch: ”Die Lexington-Expedition hat nun vielleicht einen geringfügigen Vorsprung. Doch das Rennen ist lang, und am Ende werden wir es sein, die als Erste eine Frau an den Südpol gebracht haben und mit Entdeckungen heimkehren, die die Welt in Staunen versetzen werden!“
Fakt ist, dass die Expedition von Acacia Lexington durch die Verzögerung mit einem Vorteil ins Rennen um den Pol startet. Doch welche Gründe könnte es geben, die einen Konkurrenten oder eine Konkurrentin zu solch drastischen Mitteln greifen lassen? Spielen hier vielleicht Motive jenseits von Ruhm und Forscherdrang eine Rolle? Was ist von den Spekulationen zu halten, die in der Antarktis große Vorkommen an Bodenschätzen vermuten, die den Findern unermesslichen Reichtum versprechen? Der ”Tattler“ wird dieser Sache auf den Grund gehen und die Wahrheit ans Licht der Öffentlichkeit bringen!

Raymond Harsen, an Bord der MS Gabrielle

 

 

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Reisetagebuch Raymond Harsen

Montag, 11.09.‘33 bis Mittwoch, 26.09.‘33

Haben gestern New York verlassen und Kurs Richtung Süden genommen. Die Stimmung unter der Besatzung und den Expeditionsteilnehmern ist gut, was sich nach Überquerung der 5-Meilen-Grenze sofort in einer kleinen Feier mit Sekt geäußert hat.

Während unserer Fahrt entlang der Ostküste der Staaten hat sich das Klima merklich erwärmt und wir konnten einige wunderschöne Sonnenuntergänge an Deck genießen. Für Müßiggang bleibt aber ansonsten kaum Zeit, da die Expeditionsleitung ein umfangreiches Programm an Vorbereitungskursen für die Antarktis aufgestellt hat. Über Erste Hilfe, Bergsteigen und Schlittenkunde bis hin zu Funk und Navigation reicht das Repertoire. Ich habe mir vorgenommen, an möglichst vielen dieser Kurse teilzunehmen. Der Südpol ist kein Ort, an den man sich unvorbereitet wagen sollte. Aufgrund der beengten Verhältnisse an Bord müssen wir uns größtenteils auf die Vermittlung von theoretischen Grundkenntnissen beschränken, aber im Zweifelsfall können auch diese den Unterschied zwischen Leben und Tod machen. Das unsere Seeleute speziell auf den Trocken-Skikurs mit großer Belustigung reagieren, lässt sich da durchaus leicht verschmerzen.

Nach Umrundung der Florida Keys haben wir Kuba passiert und Kurs auf den Panama-Kanal genommen, den wir am 19.09. erreicht haben. Der Anblick der gigantischen Schleusenwerke hat uns alle sehr beeindruckt. Ich musste an die ersten Bilder denken, die ich von den Bauarbeiten an der Colorado-Talsperre gesehen habe. Einerseits versetzt mich die Fähigkeit der Menschen, auch den größten Kräften der Natur mit Stahl und Beton ihren Willen aufzuzwingen, immer wieder in Staunen. Andererseits mache ich mir auch so meine Gedanken darüber, ob es denn wirklich keine Grenzen mehr geben sollte, denen sich der Mensch fügen muss. Muss so etwas nicht irgendwann zur Arroganz verleiten und uns in große Katastrophen treiben?

Wir haben den Kanal, der von einer prachtvollen und vielfältigen Flora und Fauna umsäumt wird, zügig durchquert und bei Balboa verlassen. Aufgrund des zeitlichen Vorsprungs Lexingtons‘ haben wir in Panama Stadt nicht Land betreten, sondern nur einige Vorräte an Bord genommen. Vor uns liegt jetzt der gewaltige Pazifik in all seiner Weite.

Gleich am ersten Tag hat sich das Wetter deutlich verschlechtert, mit kabbeliger See und einer Sturmfront direkt voraus. Und beinahe wäre es abends zu einem Unglück gekommen, als Patrick Miles, einer der Flugzeugmechaniker, bei schwerer See über Bord gegangen ist. Es ist uns zum Glück gelungen, ihn mit einer Rettungsleine wieder an Bord zu holen, aber allein der Gedanke, einsam in den unermesslichen Wassermassen zu treiben, jagt mir eiskalte Schauer über den Rücken. Während der Rettungsaktion habe ich mich am Knie verletzt, so dass mir der Doc ein starkes Opiat gegeben hat. Dadurch hatte ich die folgenden Tage immer wieder Albträume, so dass ich das Mittel wieder abgesetzt habe.

24.09.: Die Stimmung der Besatzung ist umgeschlagen, die Männer verhielten sich plötzlich mürrisch und abweisend. Zuerst konnte ich mir keinen rechten Reim darauf machen. Doch als ich auf der Lagekarte sah, dass wir unmittelbar vor der Überquerung des Äquators standen, ging mir ein Licht auf. Die Äquatortaufe ist eine alte Tradition der Seefahrt, bei der alle Neulinge vor König Neptun Rechenschaft über ihre Taten ablegen müssen. Ich habe selbst noch nie eine solche Taufe mitgemacht, aber einige altgediente Veteranen im Corps haben mir davon erzählt. Tatsächlich haben sich die Geschichten, die ich damals für etwas überzogen hielt, als wahr erwiesen. Wir mussten einzeln vor König Neptun und seinen Hofstaat treten (es war unser verkleideter Smutje und alle übrigen Mitreisenden, die den Äquator bereits einmal überquert haben) und uns die Anklage anhören. Danach ließ man uns durch einen nach Fischinnereien stinkenden Segeltuchtunnel robben und wir mussten jede Menge Alkohol trinken. Insgesamt ein großer Spaß für alle, bis auf die übliche Ausnahme natürlich: Ted hat sich wieder mal aus allem rausgehalten und irgendwelchen Unsinn von ”Götzenanbetung“ gefaselt.

25.09.: Am folgenden Morgen gab es ein wortwörtlich böses Erwachen. Das Kühlaggregat im Frachtraum war ausgefallen und Teile der Frischlast wurden mit austretendem Ammoniak kontaminiert. Zunächst hielten wir es für einen Unfall, doch als Ted, Jenkin und ich den Schaden näher begutachteten stellten wir fest, dass offenbar jemand das Zulaufrohr mit einer starken Säure korrodiert hatte. Eine Reparatur mit Bordmitteln ist nicht möglich und unsere verderblichen Vorräte werden in 3-4 Tagen unbrauchbar sein. Die Expeditionsleitung hat sich, auch auf meinen Rat hin, gegen eine Umkehr nach Panama Stadt entschieden. Stattdessen werden wir unsere Fahrt nach Melbourne fortsetzen und erst dort eine Reparatur der Kühlanlage durchführen sowie unsere Vorräte für die Antarktis ergänzen. Bis dahin reichen unsere Konservenvorräte, auch wenn unsere Kost jetzt deutlich kärglicher werden wird. Trotzdem bin ich von der Richtigkeit unserer Entscheidung überzeugt. Wenn es sich tatsächlich um einen Sabotageakt handelt, dann wollte uns der Täter im Zeitplan weiter zurückwerfen und die Erfolgschancen von Lexington erhöhen. Auf diese Weise geben wir wenigstens das Heft nicht völlig aus der Hand.

Die Identität des Saboteurs bleibt derzeit noch unklar, allerdings können wir den Kreis der Verdächtigen einschränken. Zugang zu dem Frachtraum hatten außer mir nur der Kapitän Vredenburgh, Mr. Turlow, der Smutje und die drei Stewards Whitney, Henning und Coates. Wegen der Feier am Vorabend scheint uns Turlow momentan der Hauptverdächtige zu sein, allerdings können wir noch keine handfesten Beweise für seine Schuld liefern. Er schien mir bisher immer ein sehr aufrechter und vertrauenswürdiger Mann zu sein, doch in so schwierigen und unsicheren Zeiten wie unseren können die tiefen Taschen einer Acacia Lexington auch den tadellosesten Charakter ins Wanken bringen. Wir müssen ihn auf alle Fälle im Auge behalten. Durch unsere Weiterfahrt ist der Täter gezwungen, sich aus der Deckung zu wagen und erneut zuzuschlagen. Hoffentlich bekommen wir dann unsere Chance!

26.09.: Obwohl Jenkin, Ted und ich die ganze Nacht Wache gehalten haben, hat der Täter erneut zugeschlagen, nur diesmal noch weitaus niederträchtiger. Offenbar wurde eine Packung des Pemmikans, dass sowohl als Futter für die Hunde als auch als Trockenmahlzeit für die Männer gedacht ist, mit Strychnin versetzt. Zwei der Tiere sind daraufhin wie in Raserei geraten und haben einen dritten Hund geradezu zerfleischt. Wir mussten beide Tiere erschießen. Nicht nur haben wir damit fast ein Zehntel unserer Zugtiere verloren, wir müssen nun auch jeden einzelnen Karton mit Trockenfleisch auf Manipulation überprüfen. Die Moral der Expedition, besonders der Schiffsbesatzung, ist auf einem absoluten Tiefpunkt angelangt und die ersten Männer sprechen bereits von ”Starkweathers Fluch“, der auf dem Unternehmen liegt. Der Einsatz in diesem Spiel ist plötzlich viel höher, als wir uns das alle zuvor gedacht haben...

 

 

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Reisetagebuch Raymond Harsen

Mittwoch, 26.09.’33 bis Freitag, 26.10.‘33

Nach den Vorkommnissen der letzten beiden Tage haben Ted, Jenkin und ich eine genaue Inspektion aller fünf Frachträume durchgeführt, während der Rest der Besatzung die Trockenfleisch- Pakete überprüft hat. Das Ergebnis war ernüchternd, in nahezu allen Frachträumen sind wir auf weitere Sabotageakte gestoßen.
Die Entwicklerflüssigkeit für die Fotographien wurde mit Chlor unbrauchbar gemacht. Alle Funkgeräte wurden geöffnet und im Inneren mit der gleichen Säure verätzt, die auch schon bei der Zuleitung des Kühlsystems ihr zerstörerisches Werk getan hat. Im Frachtraum 1 wurden zwölf der Sauerstoffflaschen entleert, die Kontrollplomben waren aufgebrochen. Ebenso wurden alle drei Dieselgeneratoren unbrauchbar gemacht. Die Konsequenzen, wenn wir in der Antarktis in eine Notlage geraten wären und dann erst die zerstörte Ausrüstung bemerkt hätten, möchte ich mir gar nicht genau vorstellen.
Der traurige Höhepunkt war jedoch, als ich bei den Treibstofffässern im Frachtraum 2 einen improvisierten Sprengsatz fand. Offenbar schreckt der Saboteur nicht einmal davor zurück, dass Schiff schwer zu beschädigen oder zu versenken, um seine hinterhältigen Ziele zu erreichen.
Nach einer Besprechung mit der Expeditionsleitung haben wir beschlossen, uns auf die Überwachung von Frachtraum 2 zu konzentrieren, da hier die größte Gefahr für die Expedition droht. Die unbrauchbare Ausrüstung kann in Melbourne ersetzt werden, aber ohne die M.S. Gabrielle werden wir nie die Ross-See erreichen. Glücklicherweise bietet das Fenster der Kabine von Starkweather und Moore einen Blick auf das Einstiegsluk, so dass wir dem Saboteur durch eine unbemerkte und ständige Überwachung eine Falle stellen können.
Wir mussten beinahe zwei Wochen ausharren, bevor unsere Bemühungen Erfolg zeigten. Während die Stimmung an Bord wegen der einseitigen Kost immer schlechter wurde, hielten Ted, Jenkin, Prof. Moore und ich rund um die Uhr einsam Wache. Schließlich, in der Nacht bevor wir Melbourne erreichen sollten, bemerkte Jenkin verdächtige Aktivitäten im Laderaum. Gemeinsam gelang es uns, den Steward Adam Henning festzusetzen und Mr. Turlow zu übergeben. In Melbourne wird er sich vor den Behörden
verantworten müssen. Leider hat er sich über seine Auftraggeber und Hintermänner (bzw. wohl eher Hinterfrau) eisern ausgeschwiegen.
 

Am 12.10. erreichten wir Melbourne, wo wir von den Australiern mit großer Begeisterung und Herzlichkeit empfangen wurden. Die Laune der Besatzung hat sich schlagartig gebessert mit der Aussicht auf frische Kost und, zumindest für einige, einen letzten Landgang vor dem wichtigsten Abschnitt unserer Reise. Für die Sicherheit des Schiffes während der Liegezeit bürgt ein Kontingent der örtlichen Polizei unter der Leitung von Inspektor Kramer, offenbar ein sehr kompetenter und gewissenhafter Mann. Nach unserer Sicherheitsbesprechung hatte ich zumindest ein zuversichtliches Gefühl. Die Schäden an der Kühlanlage werden repariert und unsere Vorräte ergänzt.
Angesichts der bisherigen Ereignisse sah ich mich dazu gezwungen, ein Versprechen zu brechen, das ich mir selbst vor 14 Jahren gemacht hatte. Als ich 1919 aus dem Krieg heimgekehrt war hatte ich geschworen, nie wieder eine Waffe anzurühren. Doch nun halte ich es für nötig, auch auf die Möglichkeit einer bewaffneten Auseinandersetzung vorbereitet zu sein. Ich habe mir deshalb einen Revolver besorgt, einen Webley Mark V. im Kaliber 0.45. Ich kenne das Modell noch aus meiner Militärzeit. Es hat mir im Schlamm der französischen Schlachtfelder gute Dienste geleistet und wird mich sicher nicht im ewigen Eis im Stich lassen. Es ist ein seltsames Gefühl, wieder das Gewicht einer Schusswaffe am Gürtel zu fühlen, eine Mischung aus Vertrautheit und Furcht. Jenkin und Ted haben sich ebenfalls bewaffnet. Hoffen wir, dass wir die Waffen nicht einsetzten müssen.
Ein etwas kurioser Moment war der Empfang durch den Bürgermeister von Melbourne im Rathaus. Zahlreiche Pressefotographen waren vor Ort, und normalerweise ist das die Bühne für unseren nicht ganz uneitlen Expeditionsleiter. Doch irgendwie hat sich der Bürgermeister Jenkin als Gesprächspartner ausgesucht, und am nächsten Tag prangte das Gesicht unseres Nachwuchsgelehrten auf allen Titelseiten. Ich werde das Gefühl nicht los, das Starkweather darüber eher unglücklich ist. Zumindest sieht er Jenkin seither immer wieder mit diesem komischen Blick an. Aber vielleicht täusche ich mich ja auch.
 

Wir haben am 14.10. Melbourne planmäßig verlassen und Kurs Richtung Süd-Osten auf die Ross-See genommen. Unsere Hoffnung ist, dass sich das Packeis dort schon recht früh löst und wir Zeit aufholen können. Apropos Zeit, wir mussten unsere Uhren
jetzt auf die Antipoden-Zeit umstellen und sind damit einen halben Tag vor der Greenwich-Zeit. Unser tapferes Schiff stampft Tag für Tag unter Volldampf gen Süden, während das Barometer und die Außentemperatur stetig fallen. Derweil besuchen wir alle noch die Kurse, die an Bord angeboten werden.


Am 23.10. fiel das Barometer am Morgen rasant ab und es näherte sich eine bedrohliche Sturmfront. Innerhalb kürzester Zeit fanden wir uns inmitten gewaltiger Wellenberge, angesichts derer mir meine Worte über die Herrschaft des Menschen über die Natur naiv und voreilig erscheinen müssen. Dass die Gabrielle diesen gewaltigen Kräften standhält, spricht für die Qualitäten von Schiff und Besatzung. Am Abend legte sich der Sturm und wir wurden mit einem atemberaubenden Sonnenuntergang für die Strapazen entschädigt.


Am 25.10. liefen wir wegen der schlechten Sicht nur mit langsamer Fahrt. Ich war trotz der inzwischen empfindlichen Kälte an Deck gegangen und wurde Zeuge unserer ersten Eisbergsichtung. Fast schon widerwillig, einem Eidolon gleich, schälte sich ein mächtiger Tafeleisberg eine halbe Kabellänge voraus aus den Nebelschwaden, majestätisch und bedrohlich. Wir passierten ihn ohne Zwischenfälle, dennoch musste ich unwillkürlich an die Zeitungsberichte über die Titanic- Katastrophe vor 21 Jahren denken. Eine Havarie in diesen Gewässern wäre das sichere Ende für uns.
Am Abend des folgenden Tages brach erneut ein schwerer Sturm los, der es an Gewalt ohne weiteres mit dem ersten Sturm aufnehmen konnte. Wie er es genau angestellt hat, vermag ich nicht zu sagen, aber inmitten des tosenden Windes bemerkte Ted seltsame Geräusche aus dem Frachtraum 2. Nachdem wir uns zusammen mit Jenkin, Mr. Turlow und zwei Matrosen unter großer Anstrengung einen Weg über das Deck zum Luk gebahnt hatten, fanden wir unsere schlimmsten Befürchtungen bestätigt. Zwei der Ersatzmotoren für die Flugzeuge, jeder mit gut einer Viertel Tonne Gewicht, hatten sich aus ihren Laschings gerissen und wurden unkontrolliert über das Frachtdeck geschleudert. Wir mussten in den Frachtraum und sie zumindest provisorisch sichern, bevor sie weitere Ausrüstung beschädigen oder sogar Löcher in die Schiffswand schlagen konnten. Während Kapitän Vredenburgh die Gabrielle in den Wind drehte gelang es uns zunächst ohne Zwischenfälle, den ersten Motor mit Gurten und zurechtgesägten Balken aus dem Bauholzvorrat zu sichern. Bei dem zweiten Motor verließ uns, genauer gesagt mich, jedoch das Glück. Ich konnte dem Motor zwar ausweichen, bevor er mich wie
eine Fliege zerquetscht, allerdings riss mir ein Metallteil eine tiefe Wunde im Arm, die stark blutete.
Am Schluss gelang es uns, auch den zweiten Motor festzuwerfen, doch kurz darauf verlor ich wohl das Bewusstsein. Ich erinnere mich bruchstückhaft, dass mich die anderen übers Deck in die Messe transportierten und mich dort der Schiffsarzt untersuchte. Er gab mir wohl ein starkes Schmerzmittel, denn ich sank in tiefe Bewusstlosigkeit und wurde von seltsamen Träumen heimgesucht.
Ich sah mich, in einer Badewanne sitzend, die mit einer milchig- trüben Flüssigkeit gefüllt war, auf dem Meer treiben. Um mich herum trieben lauter Eisberge, und hinter jedem Eisberg lauerte ein Clown mit seiner geschminkten Fratze. Ich konnte sie nicht sehen, doch ich wusste genau, dass sie da waren und auf mich warteten...

 

 


Bearbeitet von Azrael, 16. April 2013 - 14:34 .

  • turtle der alte und Der Läuterer gefällt das

#2 turtle der alte

turtle der alte

    Der Marshal

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Geschrieben 17. April 2013 - 12:04

Starker Bericht, gefällt mir gut. Deine Spieler scheinen sich echt interessante SC gebastelt zu haben. Werd ich auf jeden Fall weiter verfolgen. Meine 3 Spieler haben auch nur ihren Char, ohne Ersatzcharakter, funktioniert bisher gut. Aber sie sind ja noch nicht über die Berge des Wahnsinns .... ;)

 

Bin ja auch gerade dabei BdW zu leiten, mein Spielbericht ist hier:

http://www.foren.peg...ch-geht-es-los/



#3 Azrael

Azrael

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Geschrieben 18. April 2013 - 08:22

Ich werd´s weiter leiten. :-) 

 

Wie gesagt bin ich selbst ein wenig unsicher, was die Überlebenschancen auf lange Sicht angehen. Die losgerissenen Motoren in den Frachträumen waren schon echt heikel. Aber wenn es soweit ist sehen wir, was passiert. Die Expedition ist ja zum Glück recht groß.

 

Gibt es hier schon aus anderen Runden konkrete Erfahrungen bzgl. brenzliger Situationen in der Antarktis?



#4 Azrael

Azrael

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Geschrieben 13. Mai 2013 - 13:34

Und weiter geht es...

 

(ACHTUNG SPOILER) ----------------------------------------------------------

 

 

Reisetagebuch Raymond Harsen
Samstag, 27.10.’33 bis Samstag, 18.11.‘33
 
Nach meinem Unfall bei der Aktion im Frachtraum war ich für einige Tage außer Gefecht. So war es Ted und Jenkin überlassen, gemeinsam mit der Expeditionsleitung und dem Kapitän die Schäden zu begutachten. Die Flugzeuge wurden glücklicherweise nicht irreparabel beschädigt, allerdings sind einige der großen Treibstofffässer leckgeschlagen und im Frachtraum ausgelaufen. Nach den Berechnungen von Prof. Moore reichen unsere Vorräte zwar noch aus, um die Expedition durchzuführen, aber ab sofort können wir uns in diesem Bereich keine weiteren Verluste mehr leisten.
 
30.10.: Wir fahren ab heute ins Packeis ein. Die Temperatur ist noch weiter gefallen und wir sichten immer größere Eisschollen und Eisberge. Das Schiff muss sich zwischen den kleineren Treibeisplatten hindurchschieben und die größeren Stücke umgehen, um eine Fahrtrinne zu finden. Trotz aller Schwierigkeiten kommen wir unserem Ziel stetig näher.
 
05.11.: Heute erhielten wir einen Funkspruch, demzufolge das Schiff unserer Konkurrentin, die ”Tallahassee“, 500km weiter südöstlich vom Eis eingeschlossen ist. Die Nachricht ruft bei uns allen gemischte Gefühle hervor. Einerseits wird uns bewusst, wie viel Vorsprung Lexington auf uns hat und das dies eine Chance für uns ist, verlorenen Boden gut zu machen. Andererseits kommt man auch nicht umhin, der anderen Besatzung eine baldige Befreiung aus ihrer misslichen Lage zu wünschen. Bei aller Rivalität, aber eine anhaltende Gefangenschaft im erbarmungslosen Griff des Packeises wünsche ich niemandem. Ted wollte sogar so weit gehen, dem anderen Schiff zu Hilfe zu kommen. Allerdings ist unser Meteorologe sicher, dass die “Tallahassee“ bald aus eigener Kraft freikommen wird, steht doch der arktische Frühling und Sommer noch bevor.
 
06.11.: Der ständige Wind legte sich heute zum ersten Mal seit einigen Tagen, dafür zog dichter Nebel auf. Gegen Mittag entdeckten wir voraus einen großen Eisberg, in dem ein Schiff fast zur Hälfte eingeschlossen war. Es handelte sich hierbei um die ”Walleroo“, ein im März verschollener Walfänger. Das Schiff war schwer beschädigt, offenbar war es zu einer Explosion im Maschinenraum gekommen. Als wir mit einigen Matrosen das Schiff erkundeten, fanden wir die Leichen von 14 Seeleuten im Heck
aufgereiht. Sie starben wohl bei der Explosion. Außerdem fanden wir die Leiche des Kapitäns, der sich in seiner Kabine selbst das Leben genommen hat. Von den übrigen Besatzungsmitgliedern keine Spur, jedoch fehlten auch zwei der Rettungsboote. Die Lage muss verzweifelt gewesen sein, wenn die Männer tatsächlich ihr Glück in den zerbrechlichen Booten mitten im Treibeis versucht haben.
Neben dem Logbuch von Kapitän Willard, das ich an mich genommen habe, fand einer der Matrosen einen Beutel mit vier Münzen. Die Symbole auf den Münzen scheinen sehr fremdartig und bizarr, und Jenkin möchte sie weiter untersuchen. Er glaubt, ähnliche Zeichen damals in Innsmouth gesehen zu haben, und auch ich denke, dass ich solche Symbole auf der mysteriösen Steintafel fand, die ich damals mitgenommen habe. Während wir die Münzen und den Beutel noch untersuchten, habe ich mich an der Hand verletzt. Wie genau weiß ich nicht, aber es war ein recht tiefer und heftig blutender Schnitt. Charlie hat mich dann auf unser Schiff zurückgebracht, während die beiden anderen die Suche fortsetzten. Aus dem Logbuch konnte ich herauslesen, dass die Münzen wohl in einem gefangenen Wal gefunden wurden. Welch seltsamer Zufall.
 
08.11.: Wir sind nun selbst vom Eis eingeschlossen. Zum Glück scheint es nicht sonderlich fest zu sein, und so hat Mr. Starkweather beschlossen, unseren Weg mit Dynamit freizusprengen. Es war kein sehr erfreulicher Gedanke, auf dem Eis zu stehen und unter uns nichts als mehrere tausend Meter eisige Schwärze. Zum Glück ist alles gut gegangen und wir konnten unsere Fahrt bald wieder fortsetzen.
 
14.11.: Wir haben den McMurdo-Sund erreicht. Vor uns liegt die Ross-Schelfeisbarriere, während sich am Horizont die gewaltigen Gipfel der Admirality-Bergkette und der, immer noch aktive, Mount Erebus Vulkan in den Himmel erheben. Ein fantastischer und gleichzeitig ehrfurchtgebietender Anblick. Leider können wir ihn kaum genießen, da ein gewaltiges Arbeitspensum auf uns wartet. Da das Schiff nicht bis direkt ans Festlandeis fahren kann, müssen wir zum Entladen ein Zwischenlager auf dem Meereis errichten und die Vorräte von dort aus zu einem Basislager hinter dem Schelfeis transportieren. Während Ted das schwere Gerät montiert und Jenkin das Ausladen beaufsichtigt, überwache ich die Errichtung des Landungslagers und schicke unsere Schlittenhundeführer aus, um nach einer Passage aufs Festland zu suchen. Wir müssen unbedingt fertigwerden, bevor das Meereis schmilzt und auseinanderbricht. Nachdem wir 24 Stunden beinahe
ohne Pause gearbeitet haben, ist das Schiff entladen und nimmt wieder Kurs aufs offene Meer. Es ist ein beklemmender Anblick, unsere einzige Verbindung zur Außenwelt ablegen zu sehen. Ich konnte nur schwer an mich halten.
In den folgenden drei Tagen gelang es uns, ein Basislager zu errichten und die ersten Transportkonvois mit den wichtigsten Vorräten loszuschicken. Auch ein erster Erkundungsflug ist uns geglückt, bei dem wir in relativer Nähe zu unserem Camp das Lager von Lexington gesichtet haben. Haben sie es also doch geschafft. Auch unter Anspannung aller Kräfte geht die Arbeit nur schleppend voran, die extremen Klimabedingungen tun ihr übriges. Inzwischen wird’s es auch gar nicht mehr richtig Nacht, die Sonne berührt immer nur kurz den Horizont. Einmal mehr wird mir klar, in was für einer fremdartigen und lebensfeindlichen Gegend wir uns hier befinden. Die Verhaltensmaßregeln, die uns Sykes austeilt, bestätigen meine Eindrücke. Jeder Fehler kann hier tödlich enden.
 
Am Morgen des 18.11. ist dann passiert, wovor wir uns alle gefürchtet haben. Jenkin war gerade dabei, eine Palette mit Treibstofffässern umzuladen, als sich das Eisstück, auf dem er sich befand, plötzlich löste. Zum Glück ist ihm nichts passiert, aber wir müssen sofort aufs Festlandeis. Das Meereis ist inzwischen offenbar zu instabil, um uns noch sicher zu tragen. Gleichzeitig hat uns der Meteorologe im Basislager vor einem heraufziehenden Sturm gewarnt. In größter Eile haben wir alles, was wir nur irgendwie mitnehmen können, auf die Schlitten gepackt. Trotzdem müssen viele Vorräte zurückbleiben, besonders der Treibstoff. Ob wir diesen Verlust verkraften können, bleibt noch abzuwarten. Nach einem höllischen Gewaltmarsch durch den Sturm haben wir nach 10 Stunden endlich das Basislager erreicht.

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#5 turtle der alte

turtle der alte

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Geschrieben 13. Mai 2013 - 13:44

Läuft ja auch bei euch sehr spannend! Viel Erfolg weiterhin!!



#6 Blackdiablo

Blackdiablo

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Geschrieben 13. Mai 2013 - 14:53

Die Berichte sind mit das Schönste, was ich je von einem Spieler geschrieben gesehen habe! :') Hut ab, da steckt wirklich Arbeit hinter! Außerdem sehr authentisch und streckenweise auch witzig geschrieben. Ich hoffe, deine Spieler bleiben an der Sache dran ...

 

Gleichzeitig schwärme ich davon, dass meine Spieler eine solche Initiative ergreifen ... ^^

 

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"Nicht einmal der Tod kann dich vor mir retten."

 

- Diablo II

 

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"Hey, das klingt wahnsinnig interessant! Warum schreibst du nicht einen Artikel im ..."

 

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#7 Azrael

Azrael

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Geschrieben 13. Mai 2013 - 16:42

Ich gebe das Lob sehr gern weiter. :-) In ein paar Wochen geht´s weiter.



#8 Azrael

Azrael

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Geschrieben 06. Januar 2014 - 15:40

Und wieder gibt es neue Tagebucheinträge. Wir haben es sogar recht widerspruchsfrei geschafft einen Spieler in die Kampagne einzubinden.

 

(ACHTUNG SPOILER) ----------------------------------------------------------

 

Reisetagebuch Raymond Harsen 19.11. bis 26.11. 1933

 

 

19.11.: Nach unserem erzwungenen hastigen Abmarsch vom See-Eis haben wir heute eine Vollversammlung der Expedition abgehalten und eine Bestandsaufnahme der erlittenen Verluste vorgenommen. Neben 140 Fässern mit Treibstoff ging auch fast ein Drittel der Lebensmittelvorräte verloren. Ein weiterer Rückschlag, trotzdem ist die Expeditionsleitung nach wie vor guter Dinge. Ich selbst habe mir auf dem Marsch eine Erfrierung am kleinen Finger der linken Hand zugezogen. Dr. Green hat sie zum Glück rechtzeitig behandelt, ansonsten hätte ich vielleicht den Finger verloren. Kein seltenes Schicksal bei Polarexpeditionen. Für den nächsten Tag haben wir einen Schlittenkonvoi zusammengestellt, der ein erstes Depot errichten soll.

In der Nacht hatte ich Wache am Funkgerät. Ich hatte mich auf ein Feldbett neben dem Empfänger eingerichtet und war eingenickt, bis ich vom lauten Alarmsignal des Funks aus dem Schlaf gerissen wurde. Obwohl ich versuchte, wie im Funk-Kurs gelernt die Frequenz zu isolieren, bekam ich nur einige Wortfetzen rein. Diese reichten jedoch, um die Quelle als Lexingtons Camp zu identifizieren. Offenbar war es dort zu einem Zwischenfall gekommen. Kurz darauf war aus Süden eine Explosion zu hören. In der gleichen Richtung hatten wir bei einem Erkundungsflug in einigen Kilometern Entfernung auch das Camp der anderen Expedition ausgemacht. Mr. Starkweather ordnete sofort eine Rettungsaktion an, um Lexington zu Hilfe zu kommen.

 

20.11.: Wir haben die vorbereiteten Schlitten umgepackt und uns auf den Weg zum anderen Camp gemacht. Zu unserer großen Überraschung trafen wir dort auf einen alten Bekannten in Gestalt von Dr. Cory Weston, mit dem wir vor einigen Jahren das mysteriöse Abenteuer in Innsmouth erlebten. Er hat sich doch tatsächlich als Arzt der Lexington-Expedition angeschlossen und wird wie immer von seinem treuen Diener Basil begleitet.

Cory berichtete uns, dass zwei Mitglieder offenbar durch einen Schneekoller die Nerven verloren haben und dann Feuer legten. Die Explosion zerstörte den einzigen Generator der Expedition und beschädigte den Funkmast schwer. Deshalb riss letzte Nacht auch der Kontakt plötzlich ab. Wir besuchten die beiden Männer im Krankenquartier, während sich Starkweather und Lexington im Messezelt stritten. Tinsdale, der Pilot, redete wirres Zeug von irgendwelchen Spinnen, die er angeblich gesehen habe und die er mit dem Feuer ausmerzen wollte. Bradburry, der Koch, starrte nur katatonisch vor sich hin. Erst als ich mich näherte, packte er mich plötzlich an der Hand und wisperte etwas von Clowns. Ich erschrak mich sehr, glaubte ich meinen Albdruck doch schon überwunden. Aber diese Angst lässt mich wohl nicht mehr los.

Cory erzählte uns etwas sehr interessantes. Offenbar gibt es unter Lexingtons Mannschaft Gerede, dass sie und Starkweather einander näher stünden als wir bisher geahnt haben. Was davon der Wahrheit entspricht, vermag ich nicht abzuschätzen. Auf jeden Fall eskalierte der Streit der beiden so sehr, dass Starkweather in seiner typischen Herrenmenschenmanier unseren Abmarsch anordnete. Der Mann irritiert mich mit seiner sprunghaften Art zunehmend, und ich musste doch sehr an mich halten, um nicht die Beherrschung zu verlieren. In diesen Momenten erinnert er mich an all die arroganten und selbstgefälligen Offiziere, die ich im Krieg erleben musste. Die Sorte von Männern, denen das Leben anderer Menschen nichts bedeutet. Dr. Green konnte mich schließlich davon überzeugen, die Sache ruhen zu lassen und abzuwarten, bis Starkweather sich abreagiert hat. Über

kurz oder lang wird es aber wieder böses Blut zwischen uns geben, das ahne ich schon. In diesen Momenten frage ich mich, was ich hier überhaupt tue.

 

22.11.: In den letzten beiden Tagen haben Sykes und ich über Funk mit Cory die Zusammenführung beider Expeditionsgruppen in unserem Basislager geplant und organisiert. Durch den Verlust von Langstreckenfunk und Generator hat die Lexington-Gruppe keine Möglichkeit mehr, ihre großen Ziele zu erreichen. Eine Bündelung der Kräfte macht deshalb sehr viel Sinn. Trotz schlechtem Wetter ging der Transport von Menschen und Material recht reibungslos vonstatten. An eine Nutzung der Flugzeuge ist zurzeit leider nicht zu denken.

Derweil hat Jenkin damit begonnen, in der Umgebung des Lagers erste Probebohrungen mit dem hochmodernen Pabodie-Bohrer vorzunehmen. Hauptsächlich soll er sich auf diese Weise mit den Geräten vertraut machen, gleichzeitig kann er aber auch schon erste Erkenntnisse für geologische Forschungen gewinnen. Er scheint mir ganz in seinem Element.

Morgen ist Thanksgiving, und Prof. Moore hat ausgerechnet Ted mit der Organisation des Festessens beauftragt. Ich bin gespannt, mit welchen Mitteln unser mormonischer Abstinenzler uns auch diese kleine Ablenkung vom ewigen Eis verderben wird!

 

 

23.11.: Ich muss ehrlich eingestehen, dass ich Ted Unrecht getan habe. Das Essen, bestehend aus Dosen-Truthahn mit Preiselbeeren, Beilagen und Dessert, war tatsächlich überaus schmackhaft. Auch sein Gedanke, die beiden Gruppen durch gemischte Sitzplätze näher zusammenzubringen, war lobenswert, auch wenn es nicht wirklich funktioniert hat. Die eigens erlegten Pinguine habe ich wohlweislich nicht probiert, dafür war mir die abstoßende Geschmacksbeschreibung von Frederick Cook, einem Teilnehmer der „Belgica“-Expedition von 1897-99, noch zu deutlich im Gedächtnis. Er beschrieb ihn als „...eine Mischung aus Geflügel, Rindfleisch und Kabeljau, die in einer Soße aus Blut und Lebertran gesotten wurde.“

Auch seine weitschweifigen Predigten vor und nach dem Essen hab ich mit wenig Interesse verfolgt. Deutlich mehr Aufmerksamkeit bekam der vorzügliche Schnaps, den uns Prof. Moore nach dem Essen ausschenkte. Während wir in guter Kameradschaft die Becher leerten erzählte er uns, dass er einen Flug zum aufgegeben Basislager der Miscatonic-Expedition plane, sobald das Wetter es zulässt. Momentan ist daran jedoch nicht zu denken, unser Meteorologe hisst jeden Tag aufs Neue die rote Flagge an seiner Beobachtungsstation.

Auf der Fahrt hierher habe ich den Bericht über Prof. Dyers glückloses Unterfangen studiert. Seine Expedition erreichte vor ziemlich genau drei Jahren den McMurdo-Sund und errichtete am Beardmore-Gletscher ein Basislager. Nach einigen geologischen Forschungsarbeiten, einem Überflug des Südpols und der Besteigung des Erebus verließ Prof. Lake, der leitende Biologe der Expedition, am 22. Januar 1931 mit 12 Mann und vier Flugzeugen das Lager. Während des Flugs sichteten sie offenbar ein unbekanntes Gebirgsmassiv, das sie höher als die Himalaya-Kette schätzten. Eine technische Störung zwang sie dann jedoch zur Notlandung auf den Vorbergen, wo sie ein Zwischenlager errichteten. Beim Aufsprengen einer Höhle im Gestein machten sie eine erstaunliche Menge an Fossilienfunden, von denen keiner jünger als 30 Mio. Jahre war. Einsetzende Winde verhinderten einen Rückflug von Lakes Gruppe und am 24. Januar riss der Funkkontakt ab.

Dyer und seine Männer starteten noch am selben Tag eine Suchaktion und erreichten am 25.01. Lakes Zwischenlager. Ein schreckliches Bild muss sich ihnen bei ihrer Ankunft geboten haben!

Schwere Stürme hatten das Lager verwüstet, Ausrüstung und Proben zerstört oder unbrauchbar gemacht. Von Lake und zehn seiner Begleiter konnten nur noch die Leichen geborgen werden. Gedney, einer der Studenten, wurde vermisst und konnte auch bei weiteren Erkundungsflügen nicht gefunden werden. Auch ihn muss man für tot halten, wie sollte er alleine und ohne Ausrüstung die Extrembedingungen der Antarktis aushalten können?

Dyer und Danforth unternahmen am Folgetag einen Flug über die Berge, der reibungslos verlief. Erst in über 7000m Höhe gelang ihnen der Überflug, wo sie laut Dyer ein „...immens ausgedehntes Hochplateau, so alt und unveränderlich wie die Berge selbst - mehr als 6000 Meter hoch gelegen, mit grotesken Felsbildungen, die aus einer dünnen vergletscherten Schicht herausragen...“ vorfanden. Trotz dieser Entdeckung verließ die Dyer-Expedition wenige Tage später mit ihren beiden Schiffen das Feldeis und kehrte in die Staaten zurück.

Bei der Lektüre ist mir wieder bewusst geworden, in welch einer lebensfeindlichen Umgebung wir uns hier befinden. Wir treffen hier ein, voller Zuversicht in unsere Planung, unsere Fähigkeiten und die moderne Ausrüstung, und sind doch nicht viel mehr als Insekten, die im Schatten eines Giganten stehen, hilflos seinen Launen ausgeliefert. Wieviel dürfen, wieviel müssen wir wagen, um ihm seine Geheimnisse zu entlocken?

 

 

26.11.: Nach zwei Tagen relativer Untätigkeit hat der Meteorologe für morgen passables Flugwetter angekündigt. Lakes Lager wartet auf uns... 


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#9 turtle der alte

turtle der alte

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Geschrieben 06. Januar 2014 - 16:40

Sehr schön geschriebener Bericht! Bin schon sehr gespannt darauf, wie es bei euch weiter geht!

Viel Glück weiterhin und Vorsicht vor Frostbeulen! ;)



#10 Azrael

Azrael

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Geschrieben 06. Januar 2014 - 17:34

Wir spielen schon Samstag wieder! Also werden die nächsten Einträge (diesmal von zwei Spielern) auch bald kommen hoffe ich. :)



#11 Tannjew

Tannjew

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Geschrieben 12. Januar 2014 - 10:49

Mist, wir haben euch überholt (heute geht es ab dem 29.11.1933 weiter). Ich war bisher so frei eure Tagebucheinträge einigen NSC unterzujubeln und als Zusammenfassungen meinen Spielern vorzulesen. So konnte ich langweilige Passagen (insbesondere New York und Überfahrt) raffen und zugleich die Stimmung aufrecht erhalten. In meinen SL-Notizen habe ich die direkt mit reinkopiert.


Leitet: Eternal Lies


#12 oliver der entsafter

oliver der entsafter

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Geschrieben 12. Januar 2014 - 11:05

Klasse Berichte, Azrael. Ich bin weiterhin gespannt ...

#13 Dark_Pharaoh

Dark_Pharaoh

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Geschrieben 23. Januar 2014 - 15:21

Ja, sehr schöne Berichte. Bin gespannt wie es weiter geht. Irgendwann darf ich die Kampagne auch mal leiten, wenn die Sterne richtig stehen ...



#14 Azrael

Azrael

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Geschrieben 01. März 2014 - 13:56

Leider mussten wir ein paar mal schieben und deshalb geht es erst heute Abend weiter. 

 

@GUMSHOE Fan:  Haha das ist ja klasse. Ich hoffe es hat ein bisschen geholfen. Mit etwas Glück holen wir auch wieder auf.



#15 Azrael

Azrael

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Geschrieben 03. März 2014 - 17:03

Und es lief ganz wunderbar, trotz meiner vorherigen Befürchtungen, da ich stundenlang fluchend spielrelevante Informationen aus dem Fließtext gepickt hatte. ;-)

 

Wie auch immer, hier die aktuellen Tagebucheinträge und einen weiteren Artikel unseres todesmutigen Journalisten im ewigen Eis:

 

(ACHTUNG SPOILER) ----------------------------------------------------------

 

Reisetagebuch Raymond Harsen

Sonntag, 26.11.1933

Unser Tag begann mit einer bösen Überraschung. Sowohl Cory als auch Ted klagten über starke Übelkeit und Magenbeschwerden. Offenbar war das Pinguinfleisch, das Ted uns vorsetzte, doch nicht so bekömmlich. Ich kann mir eigentlich nur nochmal zu meiner Entscheidung gratulieren, den Fraß nicht angerührt zu haben.
Für den morgigen Flug fällt Ted als Pilot deshalb aus und Halperin wird für ihn einspringen müssen. Das bereitet mir eigentlich keine weiteren Kopfschmerzen, der Mann macht einen passablen und kompetenten Eindruck. Deutlich mehr Sorgen mache ich mir wieder einmal um Starkweather, der gleich beim Frühstück verkündete, mit einigen Männern spontan zum Beardsmore-Gletscher fliegen zu wollen, um dort zu fotografieren und kartographische Messungen durchzuführen. Ich kann mir schon denken, was dahinter steckt: Eine neuerliche Selbstinszenierung dieses aufgeblasenen Egomanen als unerschrockener Abenteurer, öffentlichkeitswirksam für die Nachwelt auf Zelluloid gebannt. Seine Geltungssucht wird uns allen noch zum Schaden gereichen, ich fühle es mit jeder Faser meines Körpers. Mir fällt es zunehmend schwer, meine Abneigung gegen den eitlen Schwätzer im Zaum zu halten. Seinetwegen gehen Sarah und ich nun auch getrennte Wege, zu unterschiedlich sind unsere Meinungen über ihn. In ihrer Naivität sieht sie lediglich sein geschöntes Äußeres, aber nicht den durch und durch faulen Kern. Soll sie doch mit ihm glücklich werden, vermutlich ist das auch besser so.
Für den Flug morgen werden Moore, Halperin, Miles, Jenkin und ich die „Weddell“ nehmen, während Lexington mit drei Begleitern in der „Belle“ folgt. Die Atmosphäre zwischen beiden Expeditionen hat sich einigermaßen eingependelt, ist aber nicht völlig frei von Spannungen. Gerade Ms. Lexington ist im Umgang genauso schwierig wie Starkweather. Hoffentlich schafft diese Erkundung eine bessere Basis für gegenseitiges Vertrauen.
In der Nacht hatte ich wieder einen Alptraum. Ich lief über ein strahlend weißes Eisfeld, als ich auf die Fußspuren eines Clowns traf. Noch während ich sie untersuchte, überraschte er mich von hinten und zeigte mir seine schreckliche Fratze. Ich wachte schweißgebadet auf und musste mich erstmal mit einem ordentlichen Schluck stärken. Damit sind meine Reserven leider aufgebraucht.

Montag, 27.11.1933

Gegen 15 Uhr starteten wir mit der vollgepackten „Wedell“ Richtung Südwesten. Starkweather war schon vor uns zum Beardsmore-Gletscher aufgebrochen. Nach drei Stunden zeigten sich am Horizont dunkle Schemen, die sich bald als das gigantische Bergmassiv herausstellten, von dem schon im Abschlussbericht der Miskatonic-Expedition gesprochen wird. Wir hielten für weitere zwei Stunden bei stetigem Steigflug den Kurs. Je mehr sich die Gebirgskette aus dem Dunst schälte, umso imposanter und ehrfurchtgebietender wurde sie. Selbst die Vorgebirge erreichen Dimensionen, die es mit den höchsten Gipfeln der Alpen ohne weiteres aufnehmen können. Das Felsmassiv lag vor uns wie eine düstere Festungsmauer, in deren Schatten wir nun nach dem letzten Lager der Lake-Expedition suchen müssen, winzig und zerbrechlich wie Insekten im Angesicht von Riesen, die sich mit brachialer Gewalt ihren Weg aus dem Eispanzer des Südpols bahnen. Die ständigen Funkinterferenzen und der unbrauchbare Magnetkompass machten die Aufgabe nicht einfacher, Helperin musste gegen Ende völlig auf Sicht fliegen. Ich litt während des Flugs unter durch den abfallenden Luftdruck ausgelösten Kopfschmerzen. Seit den Feuerstürmen der Argonne-Schlacht habe ich damit immer wieder Schwierigkeiten, die zahllosen Granatexplosionen haben damals offenbar mein Innenohr nachhaltig geschädigt. Aber so schlimm wie dieses Mal war es noch nie! Ich hatte tatsächlich Angst, mir würde der Schädel zerbersten und ich würde in einem Leichensack nach Boston zurückkehren. Nie war ich so froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben, wie in dem Augenblick, als wir endlich das Lager gefunden hatten und gelandet waren.
Das Lager selbst, oder besser seine Überreste, bot einen erbärmlichen Anblick. Es lag in einem kleinen Talkessel in den Vorgebirgen, im Schatten des Felsmassivs. Ich spürte eine starke Beklemmung, als ich die ersten Schritte an dem Ort unternahm, an dem Lake und seine Männer so unselig zu Tode kamen. Kann es einen einsameren und lebensfeindlicheren Ort auf der Erde geben als dieses harsche Stück frostiger Einöde, auf dem wir hier gelandet sind?
Unter Verwehungen aus Schnee und Eis kann man die Zelte und Geräte erkennen, die Lake mit hier her brachte. Prof. Moore nahm Jenkin und mich beiseite und beauftragte uns damit, sie diskret freizulegen und nach Informationen über die letzten Stunden unserer Vorgänger zu suchen. Er machte auf mich einen sehr ernsten und bedrückten Eindruck, das Schicksal seines Freundes und Kollegen Lake geht ihm immer noch sehr nahe. Erstmals äußerte er auch uns gegenüber den Verdacht, dass hier nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sei. Wie er auf diese Idee kommt, ist mir noch schleierhaft. Das Schicksal, das Lake und seine Männer hier ereilte, war fraglos eine Tragödie, aber heftige Eisstürme sind doch auch eines der Risiken, die eine Expedition in die Antarktis mit sich bringt.
Während Jenkin, übermannt von seiner wissenschaftlichen Ungeduld, die Grabungsstätte besichtigte, erwiesen Moore und ich den Toten an der Gedenktafel, die Dyer aufstellte, unsere Ehrerbietung. Ich gebe zu, dass der Anblick des simplen, fast schon archaisch wirkenden Holzschildes mit den eingeschnitzten Namen der Toten auch auf mich eine große Wirkung hatte. Ob die Männer wohl geahnt haben, dass ihre Stunde gekommen war? Oder wurden sie von den Ereignissen im Schlaf überrascht? Vielleicht finden wir ja eine Antwort auf diese Fragen.
Währenddessen hatten die anderen Männer unsere Zelte aufgebaut und das Flugzeug entladen. Zum Schutz vor dem ständigen Wind wurden Mauern aus Schnee und Eis um die Zelte errichtet. Helperin und Miles stellten den Funkmast auf, mit dem wir Kontakt zum Basislager halten sollen. Jenkin kehrte von der Grabungsstelle zurück, wo er eine merkwürdige Entdeckung gemacht hatte: Offenbar war das Loch von jemandem wieder zugesprengt worden. Davon war jedoch in Dyers Bericht nirgends etwas zu lesen, zumal es ja auch keinen praktischen Sinn ergibt. Auch Moore war darüber sehr erstaunt und wies uns an, noch heute mit der Freilegung der ersten Zeltüberreste zu beginnen, was wir dann auch taten. In den ersten Zelten fanden wir die Überreste von Lakes Pfeifenkasten und einen Sextant aus Messing, ansonsten waren die Behausungen leergeräumt. Nur vereinzelt lagen Kleidungsstücke herum. Mehr schafften wir an diesem Tag nicht mehr, zu kräftezehrend war der Flug gewesen. Nach einem schnellen Abendessen in der Kantine legten wir uns schlafen.

Dienstag, 28.11.1933

In der Nacht entgingen Jenkin und ich nur knapp einer Katastrophe, als sich der Funkmast von seinen Haltetrossen losriss und auf unser Zelt stürzte. Wie durch ein Wunder blieben wir beide unverletzt und kamen mit dem Schrecken davon. Den Rest der Nacht verbrachten wir behelfsmäßig im Flugzeug, doch an erholsamen Schlaf war nicht mehr zu denken.
Nach einem hastigen Frühstück machten wir uns daran, die übrigen Zelte auszugraben. Auch hier fanden wir einige Überreste, die wir Teilnehmern der Lake-Expedition zuordnen konnten. Ein Notizbuch von George Gedney, dem einzigen Vermissten, aus dem sämtliche Seiten herausgerissen worden waren; eine Polarmütze, in die man den Namen „Daniels“ gestickt hatte und eine Brieftasche, in der wir Ausweispapiere von Orrendorf fanden. Außerdem wurden wir auf seltsame Spuren um die Zelte herum aufmerksam. Jenkin meint, dass jemand den Schnee mit einer Schaufel plattgedrückt habe, fast so, als wolle man Spuren verwischen. Zunächst hielt ich das für absurd, wessen Spuren sollte man denn hier schon verwischen wollen? Doch als wir bei unseren Grabungen schließlich auf blutbespritzte Kleidungsstücke stießen, kamen auch mir Zweifel. In einem der Zelte waren die Rohre des Messinggestänges alle sauber durchtrennt, wie mit einem Messer. Wir fanden leere Konservendosen, die teils aufgerissen und teils aufgeschnitten worden waren. Immer wieder drängte sich auch der Eindruck auf, dass jemand absichtlich Schnee auf die Zelte geworfen hatte. Wurde hier versucht, etwas zu begraben? Aber was oder wer? Noch ist es unmöglich, darauf Antworten zu geben, aber von einem bin ich inzwischen überzeugt: Prof. Moore hat recht, etwas geht hier nicht mit rechten Dingen zu! Wir haben ihn über unsere Funde informiert, er scheint sehr besorgt zu sein und hat uns dazu verpflichtet, gegenüber den anderen striktes Stillschweigen zu wahren.
Heute kam auch ein Flugzeug vom Basislager und brachte die ersten Teile für den Peabody-Bohrer, der hier zum Einsatz kommen soll. Das unterbrach unsere Grabungen an den Zelten für einige Zeit, aber trotzdem schafften Jenkin und ich es heute, fast alle Zelte am nördlichen Rand des Lagers zu untersuchen. Über die ganze Arbeit vergaßen wir allerdings, unser eigenes Zelt, das der umfallende Funkmast zerstört hat, wieder aufzubauen. Eine weitere Nacht im Flugzeug steht uns bevor.
Kurz vor 22 Uhr nahm ich über Funk Kontakt zum Hauptlager auf und lieferte einen Tagesbericht ab. Auch hier verschwieg ich auf Anweisung des Professors die seltsamen Entdeckungen, die wir gemacht hatten. Gerade als ich fertig war, betrat Lexington mit ihrem Helfer Priestley das Zelt und verlangte, selbst ungestört einen Funkspruch abzusetzen. Ich weiß nicht, ob es an ihrer herrischen Art oder an den kaum verhohlenen Drohgebärden ihres Handlangers lag, aber ein Gefühl sagte mir, dass ich dieses Gespräch besser belauschen sollte. Also verließ ich das Zelt, schlug einen Haken und näherte mich von einer anderen Seite wieder…nur um gerade noch zu hören, wie Lexington mit einer Männerstimme in einer Mischung aus Englisch und Deutsch sprach. Ich verstand nur Bruchstücke, zu lange liegt mein Kontakt mit der schroffen und kehligen Sprache unserer Gegner im großen Krieg schon zurück. Es reichte jedoch um zu verstehen, dass Lexington ihnen offenbar eine Zusammenarbeit bei einem Projekt anbot. Ich war durch diese Entwicklung höchst alarmiert und berichtete sofort Moore davon. Auch er war völlig perplex, bestätigte aber immerhin, dass tatsächlich eine deutsche Expedition unter einem gewissen Barsmeier und einem Herrn Falken mit unbekanntem Auftrag in der Antarktis weilt. Wir müssen diese Entwicklung im Auge behalten und auf alles vorbereitet sein. Vor dem Schlafen habe ich deshalb meinen Revolver aus dem Gepäck geholt, ihn geladen und werde ihn ab sofort stets bei mir tragen. Die Welt scheint zu glauben, dass uns von den Deutschen keine Gefahr mehr droht und sie sich unter diesem neuen Staatsführer, von dem die Zeitungen schreiben, als Gleiche unter Gleichen mit den anderen Völkern in Frieden und Freundschaft arrangieren wollen. Ich aber traue diesen verdammten Hunnen keinen Schritt über den Weg! Sie haben schon einmal die Welt in Brand gesteckt und sie werden es wieder tun, wenn man ihnen keinen Einhalt gebietet! Falls es hier bis auf’s Messer geht, will ich zumindest kein wehrloses Opfer sein.

Mittwoch, 29.11.1933

Habe mich beim Aufwachen ganz elend gefühlt, die Strapazen der letzten Tage und die extremen Wetterbedingungen haben mein altes Lungenleiden verschlimmert. Dr. Greene hat mir Antibiotika gegeben, um einer Entzündung vorzubeugen, und Laudanum gegen die Schmerzen. Ich habe zunächst unser Zelt neu aufgebaut, während Jenkin weiter die Überreste des alten Lagers untersucht. Seine Funde waren ebenso düster wie besorgniserregend. In einem Zelt waren Einschusslöcher in der Plane, in einem anderen muss etwas Grässliches geschehen sein. Der Boden und ein Arbeitstisch waren vollständig mit gefrorenem Blut bedeckt, es lag Gewehrmunition herum. Was ist hier nur geschehen? Wurden die Männer ebenso von einem Schneekoller gepackt wie die beiden armen Kreaturen aus Lexingtons Mannschaft? Warum erwähnt Dyer nichts von alldem in seinem Bericht, er muss es doch gesehen haben, als er nach Überlebenden suchte? Jenkin fielen Spuren im Boden auf, die den mysteriösen, dreieckigen Abdrücken ähneln, die Lake in den Schieferplatten gefunden hat und die von allen Experten für ein geologisches Phänomen gehalten wurden. Jenkin hingegen hält sie für Fußabdrücke, für Trittspuren! Aber hier gibt es nichts, was solche Spuren hinterlässt! Nirgendwo auf der Welt gibt es etwas, das solche Spuren hinterlässt! Oder zumindest haben wir das immer angenommen!
Wir legten zunächst den alten Hundezwinger frei, in dem wir über zwei Dutzend tote Schlittenhunde fanden. Die armen Tiere wurden furchtbar zugerichtet, zuerst mit Stichen in Kopf oder Hals getötet und dann wurde ihnen das Fleisch vom Körper geschnitten. Manchen wurde auch wortwörtlich der Hals umgedreht oder der Schädel zerschmettert. Wir fühlen uns, als ob wir im Schlachthaus eines Wahnsinnigen stehen.
Mittlerweile war ein weiteres Flugzeug vom Hauptlager eingetroffen, diesmal mit unseren Schlittenhunden. Moore selbst half uns jetzt beim Graben, wie ein Besessener wühlte er im Eis. Während ich die Tierkadaver notdürftig verscharrte, haben er und Jenkin mit Grabungen am westlichen Rand des alten Lagers begonnen…und dort einen bizarren Fund gemacht. Zunächst sah es aus wie ein braun-grünlicher, ledriger Seestern mit 5 Auswüchsen, etwa ein dreiviertel Meter im Durchmesser. Keiner von uns konnte sich einen Reim auf dieses seltsame Ding machen, doch wir haben schnell gemerkt, dass der Seestern wohl nur ein Teil eines größeren Ganzen ist. Je tiefer wir gruben, umso seltsamer war die Gestalt, die ans Licht kam. Es fällt mir schwer, in Gedanken ein klares Bild zu formen, fast so, als ob sich mein Geist dagegen sträubt. Unter dem Stern kam ein röhrenförmiger Körper zum Vorschein, vielleicht doppelt mannshoch und mit vertrocknetem Gewebe an den Seiten, das irgendwie an Flügel erinnert. Ein beißender, fast chemischer Geruch ging von dem Ding aus, der immer stärker wurde, je tiefer wir gruben. Die Hunde wollten sich überhaupt nicht mehr beruhigen und kläfften ununterbrochen, als ob der Gestank sie in blinde Panik versetzt.
Der Körper ging über in seltsame Auswüchse, die man am ehesten mit den Tentakeln eines Kraken vergleichen kann. Sie endeten in dreieckigen Wucherungen, die Jenkin für identisch mit den gefundenen Abdrücken hält. War dieses Ding lebendig, als Lake und seine Leute hier waren? Was für ein seltsames Tier lebt in dieser teuflischen Eiswüste? Hat es die Männer angegriffen? Ist es verantwortlich für die Zerstörungen, die wir gesehen haben?
Ich weiß nicht genau, was direkt danach geschehen ist. Meine nächste Erinnerung ist, wie mich Jenkin im Kantinenzelt neben den Herd setzt und mir eine Decke um die Schultern legt. Offenbar habe ich erst angefangen, laut und schrill zu lachen, bevor ich in Tränen ausgebrochen und mit gezogener Waffe auf das im Südosten aufragende schwarze Gebirgsmassiv zumarschiert bin. Ich kann mich nicht erinnern, aber er und Moore haben mich wohl überwältigt und hierher gebracht. Ein greller Schmerz tobt in meinem Kopf, ich sehe alles leicht verschwommen. Ich brauche Ruhe, muss für einen Augenblick die Augen schließen, schlafen, nur ein bisschen schlafen, nicht lange, ein wenig nur, aber die Hunde sind so furchtbar laut, entsetzlich laut, sie kreischen fast, Laudanum …wo ist mein Laudanum…?

 

Boston Tattler

Der weiße Ritter: Heldenmütiger Expeditionsleiter eilt Konkurrentin zu Hilfe

Von unserem Korrespondenten Raymond Harsen

Nach einer mehrwöchigen Fahrt um den halben Globus hat die „MS Gabrielle“, das Schiff der Starkweather/Moore-Expedition, nun endlich vor einigen Tagen den McMurdo-Sund erreicht, der als Startpunkt für die letzte Etappe des Unternehmen gewählt wurde.
Die Fahrt verlief alles andere als ereignislos. Nach dem Feuer im Hafen von New York (der Tattler berichtete exklusiv) ereigneten sich auf dem Weg nach Australien Dinge, die man beim besten Willen nicht mehr als Zufälle abtun konnte. Schäden an der Ausrüstung und Kontamination der Vorräte stellten die Expeditionsleitung immer wieder vor neue Probleme. Mr. Starkweather äußerte hierzu: „Es wurde uns schnell klar, dass wir es hier tatsächlich mit einem Saboteur zu tun hatten. Schwierig war für uns nur, den Schuldigen dingfest zu machen, ohne die Moral der übrigen Besatzung durch ungerechtfertigte Verdächtigungen in Mitleidenschaft zu ziehen.“
Dies gelang der Expeditionsleitung, denn in Australien wurde ein Täter den Behörden übergeben und die Fahrt in die Antarktis konnte fortgesetzt werden. Doch wer dachte, damit seien alle Probleme ausgeräumt, sah sich bald eines besseren belehrt. Stürme und Eisberge stellten eine ständige Gefahr für Schiff und Besatzung dar, wurden jedoch immer wieder mit Bravour gemeistert. Auch die Nachricht, dass das Schiff der Lexington-Expedition einige hundert Seemeilen Vorsprung gewonnen hatte, konnte den Optimismus des Expeditionsleiters nicht brechen. „Ich zweifle heute nicht daran und ich habe zu keinem Augenblick daran gezweifelt, dass wir unser Unternehmen zu einem erfolgreichen Abschluss bringen werden. Prof. Moore und ich haben die Teilnehmer sorgfältig und nach einer Vielzahl von Kriterien ausgesucht. Diese Vorarbeit macht sich nun bezahlt. Die Crew der Gabrielle und die Expeditionsmannschaft leisten hervorragende Arbeit, niemand könnte mehr von ihnen verlangen. Nicht einmal der erzwungene überstürzte Aufbruch vom aufbrechenden See-Eis kann uns aufhalten. Wir stehen bereit, hier Geschichte zu schreiben!“
Aus welchem Holz Mr. Starkweather geschnitzt ist, zeigte sich kurz nach der Errichtung des Basislagers auf dem Festlandeis, als ein Notruf der einige Meilen entfernt campierenden Lexington-Expedition aufgefangen wurde. Offenbar war es dort zu einem tragischen Unglück gekommen, bei dem essentiell wichtige Ausrüstungsgegenstände unwiederbringlich zerstört wurden. Nun wäre es durchaus verständlich gewesen, wenn Mr. Starkweather nach all den Widrigkeiten, die seiner Expedition widerfahren sind, dies als einen Akt fast schon kosmischer Gerechtigkeit betrachtet und Lexingtons Rückzug aus der Antarktis tatenlos zugesehen hätte. Doch stattdessen war er es, der noch in der Nacht einen Trupp zusammenstellte und auf Skiern persönlich durch einen tosenden Schneesturm führte, um seinen Widersachern medizinische und technische Hilfe zu bringen. Sein selbstloses Handeln atmet dabei den Geist der großen Pioniere der Polarforschung, auf deren Spuren wir hier wandeln. Ein Ernest Shackleton, ein Roald Amundsen oder ein Robert Scott, sie alle würden ihm mannhaft die Hand reichen und ihn als einen der ihren in ihrem erlauchten Kreis willkommen heißen. Unter seiner Führung scheint nichts zu kühn oder gar unmöglich, seine ungebrochene Zuversicht steckt alle anderen Teilnehmer an und man bereitet sich guten Mutes auf die entscheidende Schlussetappe vor. Wenn jemand zuerst eine Frau an den Südpol bringen kann, dann ist es die Starkweather/Moore-Expedition. Der Tattler wird seine Leser über diesen Triumph exklusiv in Kenntnis setzen.

Raymond Harsen, aus dem Festland-Basislager der Expedition, 26.11.1933


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