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Music From A Darkened Room


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39 Antworten in diesem Thema

#1 Der Läuterer

Der Läuterer

    Adjektivator des Grauens

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Geschrieben 07. August 2013 - 16:34

Salü zusammen,

ich habe gerade Urlaub und bereite noch den letzten Rest für mein kommendes Abenteuer vor:
"Music From A Darkened Room" online von Dennis Detwiller; 2005; 35 Seiten.

Das Szenario spielt in den USA, wurde für Delta Green / CoC NOW konzipiert und es war mir ein wahres Fest das Abenteuer zu lesen.

Es handelt sich dabei um eine klassische Geisterhaus-Geschichte mit sehr vielen Spuk-Elementen.
Wer jüngst im Kino war und "The Conjuring" gesehen hat und auch noch den Film "Mirrors" von 2011 kennt, ist hier ganz klar im Vorteil.

Da ich nun wirklich kein NOW-Fan bin, habe ich das Ganze nach London / Kensington, in eine viktorianische Villa, verfrachtet und die Geschichte ohne jeden Aufwand in die 20er übertragen.

Im Vorfeld habe ich schon mal die Charaktere mit den Spielern erstellt und abgeglichen, damit wir am WE direkt einsteigen und voll loslegen können.

 


Zu den Protagonisten:

 

SIR ARCHIBALD KILMISTER
Normale Grösse, normale Statur und unauffälliges Aussehen (Gähn!). ABER: jähzornig und ein starker Raucher (Marke: Liggett & Myers Tobacco Company)!
Unser Motörhead-Fan ist ein RFC Major a.D., der nach seinem Absturz im Grossen Krieg Flug- und Höhenangst bekam und sich fortan nur noch im Automobil fortbewegt (oder vielmehr herum chauffieren lässt).
Er gründete die "Geheimpolizei-Agentur Kilmister & Co", kurz "Das Büro" genannt und erledigt seitdem Sonderaufträge aller Art.

So wie es aussieht pendelt der Charakter irgendwo zw. Sam Spade und Hercule Poirot (mit deutlichen Tendenzen zum Erstgenannten).
Er ist Mitglied in der "Viktorianischen Gesellschaft für Geschichte", im "London Cricket Club" und im
"Gentlemen's Club Kensington".
Er besitzt einen hohen Wert im Bereich "Bartitsu" (eine alte, brit. Selbstverteidigungstechnik) und weist gute Grundkenntnisse in "Forensik" auf.

 

NOLAN PHILLIPS
Schlank, grau-meliert, distinguiertes Auftreten, Pfeifenraucher.
Der "Dr. Watson" zu Archibalds "Holmes" (ich finde es immer wieder bemerkenswert, wenn ein Spieler sein Ego abzulegen versucht und sich zutraut, den Handlanger und Wasserträger für einen anderen Spieler zu übernehmen).
Er ist ebenfalls Mitglied im "Gentlemen's Club Kensington" und im "British Automobile Racing Club".
Er besitzt gute Werte in den Bereichen "Automobil" und "Elektr. / Mech. Reparatur".

 

NORTHAN BAMES
Gross, hager und mental gerade??? nicht ganz auf der Höhe !!!
Er ist ein, von den US-Behörden steckbrieflich, wegen mehrfachen Mordes, gesuchter Psycho, der unter falschem Namen in London als Parapsychologe arbeitet (ein sog. Zwiebel-Charakter).
Er ist ein Chamäleon, ein Blender vom Typus Versicherungsvertreter und passionierter Jazz-Musiker. Deshalb trommelt er mit seinen Drumsticks auf allem herum, um den "Widerhall der Schwingungen ätherischer Schemen" empfangen zu können.
Er besitzt hohe Werte in den Bereichen "Überreden" und "Psychologie", weist aber auch Grundkenntnisse in "Parapsychologie" auf.

 

GILES THADDEUS OSGOOD
Untersetzt, Nickelbrille, mit leiser Fistelstimme. Auch er hat voll einen Hau weg.
"Der Beherzte" ist nämlich ein anglikanischer Geistlicher, der sich auf Exorzismen versteht (oder sich zumindest mal darauf verstanden hat).
Durch literarischen Kontakt mit dem Mythos ist er aber vom rechten Weg des Glaubens abgekommen und zum Hasenfuss geworden. Mittlerweile hat er sein Heil im Alkohol gefunden (er fand sozusagen neuen Sinn im Gin. - Ha, was für ein Brüller! Sorry!).
Er besitzt hohe Werte in den Bereichen "Theologie" und "Okkultismus".


DER AUFHÄNGER

Innerhalb einer Zeitspanne von rund 50 Jahren starben in einem gewissen Gebäude ca. 30 Personen, darunter ganze Familien, aufgrund von mysteriösen Unfällen, durch Mord oder durch Selbstmord.
Im Original wird ein Delta Green Agent, der das leerstehende (Spuk-)Haus näher untersuchte, dort tot aufgefunden, was nun wiederum andere Agenten auf den Plan ruft.

In meiner Geschichte soll der Advokat Louis Reginald Stanton das Haus i.A. verkaufen, findet aber keinen Käufer, da das Haus bereits landauf, landab in Verruf gekommen ist.
"Das Büro" soll die Hintergründe hierzu aufdecken und, wenn möglich, die Ursachen beseitigen.

Begleitet werden die Charaktere von dem NSC "Harry" Harriette Graham, die Sekretärin aus Kilmisters Büro (sie wartet zumeist im Auto und dient den SCs als Versorger und ist der mögliche Ersatzcharakter).

Wenn ich mir hier die Charakterblätter so betrachte, würde es mich stark wundern, wenn es alle SCs, lebend und ohne schwere Traumata, wieder aus dem Haus heraus schaffen würden …

… und wieder einmal schaut mir dabei der irrsinnig grinsende, fette Clown über die linke Schulter.


Cheerio

Der Läuterer

 


Nur wenige Menschen sind stark genug, um die Wahrheit zu sagen und die Wahrheit zu hören.
- Luc de Clapiers Marquis de Vauvenargues -

#2 Blackdiablo

Blackdiablo

    Herr des Schreckens

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Geschrieben 07. August 2013 - 16:46

Hört sich doch nach einer typischen Investigatorenrotte an! :P Bin gespannt auf mehr. :)


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- Diablo II

 

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#3 Der Läuterer

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    Adjektivator des Grauens

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Geschrieben 09. August 2013 - 19:40

Salü,

ja, Blackdiablo, die typische Rotte.
Es ist doch immer das Gleiche, aber das ist doch auch gut so.

Stell Dir doch nur mal vor, Du spielst "The Edge of Darkness" mit zwei Bauern und zwei Knechten, die nach der verschwunden Bauersfrau suchen.
Der Landstreicher wird vermutlich immer gleich enden und nach der ersten Begegnung mit der Kreatur, brennt das Gehöft. Ende.
Oder siehst Du das anders?

Cheerio
Der Läuterer
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#4 Blackdiablo

Blackdiablo

    Herr des Schreckens

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Geschrieben 09. August 2013 - 20:23

Irgendwie ist bei mir jedenfalls immer ein Charakter (und desöfteren eigentlich beim selben Spieler), der durchdreht und die anderen verrät. ;) Auf die Kappe dieses Spielers gehen zwei der größten Nemesi unserer Rollenspielrunde.

Auch gibt es meist einen, der eher der Besonnene bleibt (aufgrund glücklicher Stabiwürfe oder einer vorrausschauenden Ader), und einen, der die anderen aus der Sch***e zieht.

 

Und da ich immer wieder den Verlauf dieser "Charakterzuweisung" so "lenke" (ein hartes Wort), dass die Erwartungen der Spieler, wer jetzt welche Rolle haben wird, so enttäuscht werden, so dass es ohnehin spannend bleibt. :)

 

Und bei euch sehe ich schon von Anfang an viel Potential für eingesäten Wahnsinn! :lol:  Wird bestimmt richtig super! ^_^

 

Gruß

Blackdiablo


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#5 grannus

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    Ich hab den Gatsby geknallt!

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Geschrieben 10. August 2013 - 08:43

Hört sich nach einem coolen Abenteuer an, erinnert ein wenig an "Das windschiefe und knarrende Haus"...ich liebe einfach Spukhäuser  :D

 

Was die Investigatorenrotte angeht, muss ich aber erwähnen: zwei Bauern und zwei Obdachlose kommen wesentlich schwieriger an große Waffen und Sprengstoffen ran...da dürfte es weniger knallen und krachen als in einer gut betuchten Gruppe  ^_^

 

Erzähl uns auf jeden Fall, wie dein Spiel war!



#6 Der Läuterer

Der Läuterer

    Adjektivator des Grauens

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Geschrieben 10. August 2013 - 11:15

Salü,

habt Ihr das Abenteuer schon gelesen?
Wenn nicht, dann nehmt Euch mal die Zeit.
Ich hoffe sehr, dass ich einen positiven Bericht liefern kann.

Cheerio
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#7 grannus

grannus

    Ich hab den Gatsby geknallt!

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Geschrieben 10. August 2013 - 11:21

ich kenne das Abenteuer noch nicht....muss mal schauen und lesen^^



#8 Blackdiablo

Blackdiablo

    Herr des Schreckens

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Geschrieben 10. August 2013 - 11:48

Klar wirst du einen tollen Bericht abliefern! Sonst wären ich (und grannus) ja nicht hier. :D


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#9 Der Läuterer

Der Läuterer

    Adjektivator des Grauens

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Geschrieben 10. August 2013 - 18:21

So, drei der vier von meiner Brut sind jetzt da.
Der Priester ist wohl noch auf ner anderen Hochzeit.
Ich fange jetzt an.
Und wünsche allen Kultisten ein tolles WE.
Nur wenige Menschen sind stark genug, um die Wahrheit zu sagen und die Wahrheit zu hören.
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#10 Der Läuterer

Der Läuterer

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Geschrieben 12. August 2013 - 17:38

Salü zusammen,

ich habe vom Original "Music From A Darkened Room" den Hintergrund und die Geschehnisse übernommen, die Handlung aber von USA Now nach London 1920 verlegt. Namen und Beschreibungen wurden teilweise geändert oder angepasst. Vieles habe ich auch selbst noch konkretisiert, erweitert und hinzugefügt, wenn es mir wichtig erschien, damit es als Hinweis, bzw. der Ablenkung, dienen konnte.

Donnerstag, 13. Mai 1920 - Tag 1:

Nachdem "Das Büro" (2. Stock des Hinterhofgebäudes 221b Adelaide Rd., in der Nähe des Zoos / Regents Park) den Auftrag von Advokat Louis Reginald Stanton angenommen hat, suchen sich die Spieler die beste Verbindung auf dem Londoner Stadtplan heraus (West Central, Regents Pk. Station - Holland Pk. Station). Von dort begeben sich die 3 SCs + 1 NSC zu Fuss, mitsamt Schlüsselbund, gen Süden über die H.Pk.Av. und die H.Pk.Mews, zum Grundstück 110 Holland Park, das mit zwei Seiten direkt an den gleichnamigen Park angrenzt und nehmen das Gebäude erst einmal von aussen unter die Lupe.

Die Häuser stehen, wie an einer Perlenschnur aufgezogen dicht an dicht, ohne dass sich jedoch die Aussenwände berühren würden. Durch die Häusergasse ist hinter dem Haus 110 ein grosser, verwilderter Garten zu sehen. Traumhafte und absurd teure Lage.

Nolan fällt auf, dass die Passanten stehen bleiben, sie zu beobachten scheinen oder argwöhnisch beäugen; einige schauen nur kopfschüttelnd von der anderen Strassenseite herüber. Ein alter Mann hebt grüssend seinen Hut und lächelt (mitleidig). Aber das Haus liegt beschaulich und friedlich in der Vormittagssonne...
Gambit, Archies Bulldogge, zerrt an der Leine, knurrt das Haus an und fängt an zu bellen. Plötzlich ein Scheppern... und laut miauend sucht eine Katze, zwischen den Mülltonnen, das Weite.

Nachdem der richtige Schlüssel passt, betreten alle das düstere Innere dieses dekadent-feudalen Gemäuers.
Der Eingangsbereich und das Treppenhaus sind weitläufig, die Flure breit und massive Rundbogen-Flügeltüren trennen die Zimmer von einander. Alle Türen sind fest verschlossen. Hier im Inneren ist es dunkel, fast unnatürlich finster, und sehr kalt. Die Wände sind massiv (65 cm dicker, roter Sandstein).
Im schwachen Schein der Taschenlampen ist nur wenig zu erkennen.
Nolan überprüft die Lichtschalter... und die wenigen verblieben Lampen an den Wänden bleiben dunkel.
Er vermutet, dass die Glühbirnen fehlen, was aber nicht der Fall ist (Er hat eine Tasche mit seiner Notfallausrüstung dabei. Von diesen Taschen besitzt er mehrere, die auf die jeweiligen, zu erwartenden Umstände abgestimmt sind. Und auf der Inventarliste der Tasche, welche er gerade mitführt, sind doch tatsächlich u.a. drei Glühbirnen, eine Zange, Gummihandschuhe, Kupferdraht und zwei Sicherungen verzeichnet !!! UNGLAUBLICH !!!).

Gemeinsam gehen sie nun in den Keller, um nach dem Sicherungsschalter zu suchen und stossen dabei auf ein verstaubtes Sammelsurium an altem Mobiliar, darunter ein Klavier (C. Bechstein; Berlin; Bj. 1880), das keinen Ton mehr von sich gibt, und auf Berge von Koffern und Kisten.
Nachdem die Keramiksicherungen wieder eingeschraubt wurden, funktioniert auch das Licht wieder.

Nun beginnt die Durchsuchung des Hauses. Die Räume sind sehr gross und verwinkelt, mit hoher Decke und mit  Schiebetüren zw. den Zimmern, vielen Fenstern mit schweren, roten (Brokat-)Vorhängen.
Düdtere Schatten lauern in jedem Eck und die Räume wirken überaus bedrohlich.
Nachdem Nolan jedoch die Vorhänge zurückgezogen hat, sind die Räume lichtdurchflutet und erscheinen freundlich und einladend.
Alle Zimmer ziert eine helle, rötlich-weisse (Birkenholz-)Kassettentäfelung. Die Kamine sind ebenfalls aus rötlichem Stein (port. Estremoz Marmor) und aufwendig verziert.
Der Staub vergangener Jahre und viele Spinnweben sind allgegenwärtig. Es sind keinerlei Spuren am Boden zu entdecken. Nur einige tote Insekten liegen herum. Die Schuhabdrücke der SCs zeichnen sich deutlich am Boden ab, während unter ihnen die Dielen knarzen. Nolan bittet Harry einige Fenster zu öffnen, um mal richtig durchzulüften.

Das ganze Haus, mit Ausnahme des Kellers, ist so gut wie leer. Wenige Möbelstücke befinden sich noch (mit Laken abgedeckt) vereinzelt in den Räumen. Mal hängt noch ein Bild oder ein grosser Spiegel an der Wand. Hier ein Schrank, dort ein (Chesterfield-)Ledersofa oder ein dreibeiniger Rundtisch mit Löwenköpfen und grüner Steinplatte (finn. Lappla Grün-Marmor). In der einen Ecke steht ein aufgerollter Teppich und in einem anderen Zimmer findet sich ein alter Schaukelstuhl.
In der Bibliothek fällt eine lebensgrosse Büste ins Auge, die auf einem klassischen Säulen-Sockel (alles zusammen ca. 170 cm hoch) aus weissem Stein (it. Carrara Marmor) steht. Die Büste zeigt eine sehr attraktive, junge Frau, etwa Anfang 20. An der oberen Platte wurde "Für Isabelle - In Liebe Michael" eingemeisselt.
Nolan: "Hier war schon sehr lange niemand mehr."
Northan: "Wenn die Putzfrau hier mal durch ist, würde ich gerne einziehen."
Ich denke: "Dein Charakter wird sich noch wünschen, keinen Fuss in dieses Haus gesetzt zu haben."

Mühsam durchsuchen sie nun Raum um Raum. Northan geht allen so langsam auf die Nerven, weil er mit seinen Trommelstöcken auf allem herum klappert (auch out game), um den "Widerhall der Schwingungen ätherischer Schemen des Hauses" empfangen zu können. Dann geht er das Treppenhaus HINAUF, betastet dabei die Wände und legt ab und an sein Ohr an die Täfelung: "Etwas ist hier und beobachtet uns. Etwas abgrundtief Böses."
Ich denke: "Wie prophetisch!"

Nachdem sie sich durch das leere Haus gequält haben, entdecken sie im obersten Stockwerk, unter dem Dach, einen zylindrischen Käfig aus Kupfer, der an einer viel zu schweren, rostigen Eisenkette von der Decke hängt, mitsamt eines kleinen, vertrockneten, gelben (Kanarien-)Vogels darin.
Während eine Unterhaltung über die vermutliche Todesursache dieses, womöglich viel zu früh verstorbenen, Vogels entbrennt, beobachtet Northan, durch das schmutzige Glas des grossen Bullaugen-Fensters, eine alte Frau, mit schlohweissen, langen Haaren, die in ihrem flatternden Nachthemd im Garten des Hauses 110 Rosen schneidet...
...als ein einzelner, bis ins Mark erschütternder Schrei aus der Eingangshalle, die friedliche Stille zerreisst. Gefolgt von einem dumpfen Poltern.
Nun stürmen alle das Treppenhaus HINUNTER, um nach dem Rechten zu sehen und finden... Giles???

Upps!!! Ja, da war doch noch was. Giles, wie konnten wir ihn nur vergessen! Giles, der vierte SC im Rund. Unser Geistlicher, der alkoholbedingt verschlafen hatte und zu spät kam, hatte im 1. Stock eine, an seinem Verstand zerrende Begegnung, woraufhin er ohnmächtig danieder sank und sich dabei den Kopf anschlug.
Nachdem nun alle wieder unten im Erdgeschoss angekommen sind, bemühen sie sich rührend um den armen Giles. Alle??? Wieder ein gellender Schrei, gefolgt von Schmerzensschreien und Hilfe-Rufen. Northan ist NICHT bei der Gruppe...

Verwirrung... es wird hektisch... Archie zieht den alten Armee-Revolver seines Vaters (Webley Mark IV Kaliber .455) und will gerade nach oben stürmen, als er von Nolan am Arm gepackt und zurückgehalten wird.
"Wir dürfen uns JETZT NICHT trennen!"
Die Eindringlichkeit dieser besonnenen und wohl durchdachten Worte überzeugt sogar den impulsiven Archie.
Zusammen schleppen sie den bewusstlosen Priester (Giles) aus dem Haus, während die Schmerzensschreie und das Wehklagen des Kollegen (Northan) durch das Treppenhaus hallen, an Intensität immer weiter zuzunehmen scheinen und jeden Charakter geistige Stabilität kosten.

Die beiden Agenten (Archie + Nolan) stürmen jetzt wieder die breite Treppe HINAUF (Archie hält sich dabei nach wie vor krampfhaft an seinem Revolver fest und bedroht damit jede einzelne Stufe vor ihm).
Harry (Archies Sekretärin) verbleibt mit Giles vor dem Haus, während sich auf der Strasse eine neugierige, tuschelnde und gestikulierende Menschenmenge sammelt, die immer wieder auf das Haus deutet.

Oben angekommen finden sie den wimmernden, sich windenden und wild um sich schlagenden Northan.
Im Raum riecht es, als hätte sich bei Northan eben eine Darmentleerung ereignet. Nach kurzer Zeit wird sein Zappeln aber ruhiger, er nimmt eine Art Embryonalhaltung ein und verhält sich dabei, als wolle er unsichtbare Fliegen verscheuchen und imaginäre Käfer von seiner Haut wischen.
Sobald er aber von den SCs angefasst wird, fängt er wieder laut zu kreischen an, schreit um Hilfe und schlägt um sich. Nach dem zweiten vergeblichen Versuch Northan zu beruhigen, verliert Archie, mit den Worten "Ich konnte diese verdammten Kolonisten noch nie leiden." die Kontrolle über sich und zieht dem Kollegen seinen Revolver-Knauf über den Schädel. Northan hat nun auch noch eine hübsche Platzwunde am Kopf, verliert endlich das Bewusstsein und wird von den beiden die Treppe HINUNTER und aus dem Haus getragen.

Dort liegen nun zwei Bewusstlose, umringt von einer neugierigen, sich ständig vergrössernden Menschenmenge, denn sie alle haben schon von den vielen Todesopfern gehört, die das Haus 110 angeblich gefordert haben soll.

Nachdem nun alle (ja, wirklich alle - sogar Gambit, der Hund) wieder aus dem Haus raus sind, verschliesst die Gruppe die Eingangstür, ruft sich ein Taxi und fährt zum nächstgelegenen Krankenhaus (St. Charles in der Exmoor).

Giles + Northan bleiben über Nacht dort. Archie + Nolan gehen ins "Büro" und Harry geht nach Hause.


Freitag, 14. Mai 1920 - Tag 2

Als Harry um 0900 im "Büro" eintrifft, sitzt Archie schon grübelnd und qualmend, mit hochgelegten Beinen hinter dem Schreibtisch und unterhält sich mit Nolan, der sich gerade rasiert. Die SCs haben die Nacht in ihrer gestrigen Kleidung auf den Sesseln verbracht.
Zu dritt fahren sie ins St. Charles. Der behandelnde Arzt, Dr. Bartholomae, erklärt ihnen, dass die Patienten noch eine Nacht zur Beobachtung dort bleiben müssen. Sie seien aber schon so weit, Besuch empfangen zu dürfen.

Giles berichtet von der verstörenden Begebenheit im 1. Stock.
Er sah das Abbild eines Jungen im Spiegel des Eingangsbereiches. Die Erscheinung war blass-blau und als er sich nach dem Kind herumdrehte, war der Junge verschwunden. Doch als er sich wieder zum Spiegel wendete, durchzog ihn eine Eiseskälte und er sah im Spiegel, dass der Junge nun direkt neben ihm stand und nach seiner Hand griff. Dann wurde ihm schwarz vor Augen und er kann sich erst wieder an die Zeit im Krankenhaus erinnern.

Northan ist in sich gekehrt und wortkarg. Er wirkt sehr verstört.
Er erzählt, er habe die weisse Frau im Garten eine Weile beobachtet und als er sich umdrehte, seien die anderen verschwunden gewesen. Er berichtet, dass er den intensiven Eindruck verspüht habe, beobachtet zu werden.
Dann sah er einen Schatten vor dem Fenster - den Schatten eines grossen Mannes. Er bemerkte, wie sich dieser Schatten gegen das Sonnenlicht drehte und durch das Fenster hindurch auf seinen eigenen Schatten fiel... Von da an wisse er von nichts mehr - bis zu dem Zeitpunkt, als er im Krankenhaus, mit sehr starken Kopfschmerzen, wieder erwachte.

Harry wird nun von ihrem Boss zu Herrn Stanton (dem Auftraggeber) geschickt, um Informationen über die ehemaligen Bewohner von Haus 110 zu beschaffen.

Ende Tag 1 und 2 in game (1,5 Std. out game).
Fortsetzung folgt...

Cheerio
Der Läuterer


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#11 Blackdiablo

Blackdiablo

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Geschrieben 12. August 2013 - 18:09

Hui, das hört sich wirklich nach einem schönen, klassischen Spukhaus-Fall an. ^^ Schön geschrieben.

 

... sind doch tatsächlich u.a. drei Glühbirnen, eine Zange, Gummihandschuhe, Kupferdraht und zwei Sicherungen verzeichnet !!! UNGLAUBLICH !!!

Wer denkt denn bitte an sowas? :D Nur ein echter Experte! ;) Ich musste echt schmunzeln.

 

BIn gespannt auf den nächsten Part!

 

Gruß

Blackdiablo


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#12 Der Läuterer

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Geschrieben 13. August 2013 - 04:53

Ich hatte kurz Probleme mit diesem Notfallkoffer.
Eigentlich empfinde ich solche Ideen als genial und sehr bereichernd.
Auch liebe ich es, wenn mich die Spieler als SL fordern.
Dennoch dachte ich, dass nur einem alten Mythos-Hasen so etwas einfallen könne und keinem Frischling.
Aber selbst wenn der SC keine guten Werte in mechanischer und elektrischer Reparatur gehabt hätte, hätte ich es gestattet.
Und zwar deshalb, weil mir ein aktiver, mitdenkender SC lieber ist, als jemand, der sich bespassen lässt und nur stumm vor sich hin starrend herum sitzt, wie der Teddy im Kinderzimmer.

Cheerio
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#13 Blackdiablo

Blackdiablo

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Geschrieben 13. August 2013 - 12:21

Ja, so sehe ich das auch. Über sowas sollte man sich immer lieber freuen ... :)


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#14 Dark_Pharaoh

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Geschrieben 13. August 2013 - 13:03

Klingt bisher nach einem wirklich guten Abenteuer, ich mag Spukhaus-Klassiker!



#15 Der Läuterer

Der Läuterer

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Geschrieben 13. August 2013 - 18:42

Salü zusammen,
Fortsetzung des Spielberichtes von "Music From A Darkened Room"

Samstag, 15. Mai 1920 - Tag 3

Harry ist Punkt 0900 im "Büro". Die Anderen lassen auf sich warten, deshalb kocht sie (also ich) erst einmal Kaffee.
Sie hat die Unterlagen mitgebracht (eigene Advokat-Stanton-Handouts) und sortiert diese.
Nolan + Archie haben ihre zwei Kollegen aus dem Krankenhaus geholt und die vier SCs treffen um 1110 im "Büro" ein und machen sich sogleich über die Papiere her.
Leider sind die Akten unvollständig, denn sie gehen nicht so weit zurück wie erhofft - nämlich nur fünf Jahre.
Während dieser kurzen Zeit ereigneten sich aber drei tragische, tödliche Unfälle, zwei Selbstmorde und ein vierfach Mord eines Vaters an seiner Familie, mit anschliessendem Selbstmord, im Haus 110.

Danach blättern alle die jüngsten Berichte der Tageszeitungen durch. Im "Chronicle" steht ein knapper, einspaltiger Bericht über die gestrige Aktion des "Büros" am Holland Park (eigenes Handout). Im "Herald", im "Express" und in der "Mail" ist dies betreffend nichts über den gestrigen Tag zu entnehmen. Und die snobistische "Times" lesen sie eh nicht, oder allerhöchstens nur im äussersten Notfall.

Sie besprechen sich und vereinbaren, dass das Haus 110 von ihnen vorerst nicht wieder betreten wird.

Danach verteilen sie die Aufgaben:
Archie nutzt seine Kontakte zum Yard, prüft das Melderegister der Polizei und das Archiv des Kriminalgerichts.
Nolan durchstöbert das Grundbuchamt, das Stadtarchiv und das Archiv des Landgerichts.
Giles befragt die Nachbarn des Hauses und die anderen Anwohner am Holland Park.
Northan klappert die Zeitungsverlage ab und sieht sich dort nach alten Zeitungsartikeln um.
Harry bleibt am Telefon im "Büro" und studiert weiter die Tageszeitungen.
Und Gambit... der pinkelt derweil auf den Fussboden.

Nach und nach stossen die SCs nun auf einzelne Unterlagen (eigene Handouts).
Abends um 2030 treffen sich alle wieder im "Büro" und jeder berichtet über seine Nachforschungen.
Sie stellen rasch fest, dass der von ihnen gesteckte Zeitrahmen für die geplanten Nachforschungen viel zu kurz war und sie noch mindestens zwei bis drei weitere Tage dafür einzuplanen haben.

Giles berichtet, dass er mit der alten, weisshaarigen Dame gesprochen habe, die Northan beschrieben hatte.
Die 83-jährige Geena Greenspan, Frau des verstorbenen Architekten Leonard Greenspan, wohnt seit ihrer Geburt im Haus 108 und entwendet hin und wieder Rosen aus dem Nachbargarten.
Giles versucht sie emotional zu knacken: "Schnittblumen machen mich immer traurig. Sie erinnern mich an unsere Vertreibung aus dem Paradies." Und siehe da, Frau Greenspan steigt darauf ein und sie sprechen über körperlichen Verfall, die Unsterblichkeit der Seele, über selbstgebackene Zimt-Plätzchen und teuren Gin (drei-mal destillierter Beefeater Crown Jewel).

Sie habe ihm so einiges Interessantes berichtet, sagt er. Im Übrigen war sie eh die einzige Person, mit der er, aus zeitlichen Gründen, heute habe sprechen können (den Gin verschweigt er dabei aber tunlichst).
Sie habe oft, wenn sie im Nachbargarten war, Musik aus der Bibliothek von 110 gehört - immer wieder das gleiche Stück - die Sonate Nr.3 f-Moll für Klavier von Johannes Brahms (1854). Auf Nachfragen von Giles spielte sie ihm dieses Stück sogar am eigenen Klavier vor.

Nun gleichen die SCs ihre Nachforschungen ab, wobei Geiles die interessantesten Informationen beisteuern kann:
Das Haus wurde 1866 von dem wohlhabenden Steinmetz Michael Wheeler für seine Frau Isabelle gebaut (Grundbuchamt / Zeitung). Beide hatten im Jahr zuvor geheiratet, doch nach etwa drei Jahren befiel eine unbekannte Krankheit seine Frau (Zeitung). Zuerst bekam sie schreckliche Schmerzen, dann konnte sie nicht mehr laufen und später bekam sie auch noch spastische Anfälle (G.G.).
Dennoch überlebte sie ihren Mann um mehr als zwei Jahrzehnte, denn dieser verunglückte 1870 auf einer Baustelle und kam schon im frühen Alter von 35 ums Leben (G.G.). Da er aber ein reicher Mann war, hinterliess er seiner Frau ein stattliches Vermögen (Landgericht / Stadtarchiv).

Ende der 70er nahm Isabelle eine neue Haushälterin in ihre Dienste, eine rüstige, alte Frau - 70 Jahre oder älter - eine Italienerin mit Namen Schachar Singari. Von den anderen Anwohnern wurde diese gemieden wie die Pest und bald nur noch "Die Hexe" genannt. Schachar arbeitete in dem Sanatorium (Metropolitan Imbecile Asylum, Caterham, London), in dem auch Isabelle behandelt wurde. Sie und Isabelle seien schnell unzertrennlich geworden und irgendwann war Isabelle sogar wieder ganz gesund (G.G.).

Anfang der 80er (1884 Zeitung) kam es zu einer folgenschweren Konfrontation mit Silas, einem Mann, den "Die Hexe" als ihren Sohn ausgab. Der Konflikt ereignete sich auf der Holland Park Mews, zw. ihm und Randolph Mortimer III, dem Sohn von Sir Oliver Mortimer, Mitglied des Oberhauses, dessen Familie im Haus 101 wohnte.
Randolph und vier seiner Freunde lauerten Silas auf - und während diese ihn festhielten, schlug Randolph ihn übel zusammen. Zwei Tage später erkrankten alle fünf an einer undefinierbaren Hautkrankheit. Zuerst schien es nur ein einfacher Hautausschlag zu sein, den sie sich von diesem dreckigen Pack geholt hatten. Doch dann bildeten sich überall am Körper schmerzhafte Blut- und Eiterblasen, die aufquollen, zerplatzten und hässliche Narben zurückliessen.
Die ganze Strasse sprach, teils angewidert, teils mitfühlend, über diese Erkrankungen und deren mögliche Ursachen, aber alles natürlich nur hinter vorgehaltener Hand. Einige Anwohner machten fortan das Kreuzzeichen, wenn sie die "Die Hexe" sahen.

 

Die fünf siechten zwei bis drei qualvolle Wochen dahin, doch nur Randolph verstarb daran (die Familien Mortimer und Greenspan hatten beide Dr. Terrence Blackwood als Hausarzt) (G.G.).


Nach diesem Zwischenfall wurden das Haus und seine Bewohner nicht mehr gemieden... sondern gefürchtet (G.G.).

Northan konnte einige Zeitungsartikel sichten und berichtet, dass Michael Wheeler schon in jungen Jahren, sehr wohlhabend, einflussreich und ein aussichtsreicher Kandidat auf einen Stuhl im Stadtrat gewesen sei, obwohl er sehr bescheidenen Verhältnissen entstammte.
Einige Artikel beschreiben die opulente Hochzeit von Michael und Isabelle (Frühling 1865), deren schlimme Krankheit (Sommer 1868), Michaels tragischen und überaus blutigen Unfalltod (Herbst 1870), als ihn eine herabrutschende Schieferplatte, oberhalb der Hüfte, buchstäblich in zwei Hälften trennte. Ein Bericht schildert den Aufruhr einer grossen Menschenmenge, aus der umliegenden Gegend, vor dem Haus 110 (Herbst 1884).

Giles berichtet, dass mit der Zeit bei Isabelle immer mehr seltsame Männer ein und aus gingen. Männer mit schwarzen, lockigen Haaren und langen Mänteln. Ausländer, vermutlich Italiener oder auch Spanien. "Die Hexe" schien ihre gesamte Sippe dort ansiedeln zu wollen (G.G. / Yard).

Archie legt eine Liste (eigenes Handout), mit den Eigentümern und Bewohnern des Hauses 110, vor. Diese ist seit der Erbauung des Gebäudes, im Jahre 1866, fortlaufend (Grundbuchamt / Melderegister). Die Liste wird von Giles mit seinen Informationen abgeglichen - weder Schachar, noch einer ihrer sog. Verwandten, war jemals im Haus 110 gemeldet.

Nach Angaben von Frau Greenspan war "Die Hexe" dann im Jahre 1895 auf einmal verschwunden. Auch all ihre Verwandten waren fort. Als hätte es sie niemals gegeben.
Isabelle, die, seit ihrer Genesung 1870, nicht gealtert zu sein schien, wurde gebrechlich und grau, als hätte sich das Alter ihrer erinnert. Sie verfiel von Tag zu Tag immer mehr. Anfang des Jahres 1897 war Isabelle dann von einem Tag auf den anderen fort. Niemand wusste wohin oder warum. Und niemand bekam sie je wieder zu Gesicht. Nichts hatte sie aus ihrem Haus mitgenommen, nicht einmal einen Koffer. Sie hatte sich anscheinend einfach in Luft aufgelöst. Zum Zeitpunkt ihres Verschwindens, muss Isabelle so etwa Mitte bis Ende Fünfzig gewesen sein.

Giles berichtet auch, dass er abends, beim Verlassen des Hauses 108, ein kleines Mädchen (ca. 5-6 Jahre alt) hinter einem Fenster im 2. Stock des Hauses 110 gesehen habe, das eine Puppe in den Armen hielt und ihm zuwinkte.
Und seltsamerweise standen im Haus auch viele Fenster offen. Upps!!! Er habe aber kein Verlangen verspührt, allein durch eines der Fenster zu klettern, um nachzusehen. Und ausserdem würde er erst wieder bei Tag in die Nähe dieses verfluchten Hauses zurück gehen.
Northan erinnert ihn derweil daran, dass es sie beide vor zwei Tagen auch bei schönstem Sonnenschein erwischt habe, was den armen Giles nicht gerade zuversichtlicher werden lässt.

Er berichtet weiter, dass er einen dunkelblauen Rolls-Royce beobachtet habe, der auf der anderen Strassenseite vor Haus 107, mit laufendem Motor, wartete und abends immer noch (oder schon wieder) dort stand. In diesem Auto sassen drei Männer in dunklen Anzügen, die sowohl bei seiner Ankunft, als auch beim Verlassen des Hauses, um 1950 im Zwielicht, Zeitung lasen. Das Nummernschild habe er aber leider nicht lesen können.

Jetzt steuert Nolan noch einige Details vom Landgericht Kensington bei.
1877 wurde Frau Wheeler wegen wiederholter nächtlicher Ruhestörung, aufgrund lauter Gesänge zu einer Geldstrafe in Höhe von stg. 4/10 (= Euro 900) verurteilt.
1878 wurde Frau Wheeler von einigen Anwohnern verklagt. Der Antrag lautet, dass ihre Haushaltshilfe, Schachar Singari, der Gegend verwiesen werden solle "...als Konsequenz für ihre krankhaften Angewohnheiten und ihr unheilvolles, verstörendes Verhalten." Sie gewann jedoch anscheinend den Fall, wie weitere Klagen, dieser und ähnlicher Art, aus den Jahren 1879-1882, beweisen.
1880 wurde den Bewohnern des Hauses die Hausschlachtung von Ziegen und Schafen gerichtlich untersagt, sowie die Verbrennung von tierischen Abfällen im Garten. Bei Zuwiderhandlung drohten Frau Wheeler stg. 24 Strafe.
1881/1882 gab es mehrere Anzeigen gegen Unbekannt, da Hunde und Katzen spurlos im Holland Park und der näheren Umgebung verschwanden, von denen einige tot in verschiedenen Mülltonnen wieder auftauchten.

Northan erzählt von einem bemerkenswerten Zeitungsbericht, den er im "Express" vom 18.06.1900 gefunden habe: Als 1898 das Haus an die Stadt fiel, verkaufte diese es an Herrn George Hampton und seine Frau Margaret. Sie bauten einiges im Haus um und modernisierten es (Wassertank unter dem Dach, Boiler für Warmwasser, Toilettenspülung, Strom).
Am Sonntag, den 03.06.1900 kam Margaret bei einem Stromunfall, im Nassbereich des 1. Stocks, ums Leben.
Am Freitag, den 15.06.1900 fand ein Postbote George Hampton im Eingangsbereich. Er hatte sich am Lüster mit seinem Gürtel erhängt.
Der Reporter zitiert in seinem Artikel Dr. Mitchell vom Hammersmith Krankenhaus: "Es handelte sich in diesem Fall um den klassischen, tragischen Unfalltod bei Frau Hampton, welcher den Ehemann traumatisierte. Hieraufhin wählte er den Freitod. Frau Hampton selbst erlag einem langanhaltenden Stromfluss, der, aufgrund krampfartiger Anfälle, bei ihr sogar Knochenbrüche im Oberschenkel herbeiführte. Ein langsamer Tod, voller Agonie, war bei ihr die unausweichliche Folge."
Erstaunlich waren jedoch nicht die Toten, sondern die Tatsache, dass das Haus 110, aufgrund von Problemen im Umspannwerk, erst am Mittwoch, den 06.06., ans städtisch Stromnetz angeschlossen werden konnte. Upps!!!

Nach einer kurzen Besprechung, über verschiedenste Mutmassungen und Erklärungsversuche, schlägt Nolan vor, dass sich jemand in den umliegenden Bestattungsinstituten umhören und Unterlagen einsehen solle. Auch wäre es überaus nützlich, wenn sich noch lebende, ehemalige Bewohner aus 110 finden liessen, um diese zu befragen. Ausserdem solle jemand das Caterham Asylum aufsuchen. Und weiter empfände er es als überaus sinnvoll, wenn am nächsten Tag jemand die Fenster im Haus 110 wieder schliessen würde.

Ende Tag 3 in game (+2 Std. out game).
Fortsetzung folgt...
 

Cheerio

Der Läuterer


Nur wenige Menschen sind stark genug, um die Wahrheit zu sagen und die Wahrheit zu hören.
- Luc de Clapiers Marquis de Vauvenargues -




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