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Ein weiterer Spielbericht zu den BdW


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17 Antworten in diesem Thema

#16 aeq

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Geschrieben 25. April 2018 - 15:39

Sechzehnter Spielabend

 

Sie sind da. Der Deutsche, der sich als Dr. Meyer vorstellt, hält eine kurze Rede. Trotz der Beinahe-Erdolchung einer Jüdin mit einer Flagge des deutschen Reichs stellt er sich als halbwegs umgänglicher Zeitgenosse heraus, das gleiche lässt sich für Professor Uhr sagen, welcher gemeinsam mit Meyer das Expeditionscorps der BFE am Lake-Lager anführt. Man stellt sich den Fragen der Teilnehmer, doch eine nicht zu leugnende Skepsis, insbesondere unter den Leuten der SME, bleibt bestehen, auch wenn ein Großteil der Expeditionsteilnehmer das Klischee des martialischen Nationalisten nicht wirklich erfüllen will. Einzig  der Geologe Dr. Rilke strahlt zumindest in Ansätzen die preußische Zackigkeit aus, die man von ihm erwarten würde.

Moore reagiert bedacht, umsichtig und freundlich. Gemeinsam mit Lexington und den deutschen lässt er von Miss Lewinson einige Fotos im Zeichen der Völkerverständigung schießen, bevor er sich gemeinsam mit den anderen Expeditionsleitern zu einer Lagebesprechung zurückzieht, während die Neuankömmlinge fachmännisch, geordnet und professionell ihr Lager aufbauen. Mehr zufällig begleitet ihn Dr. Enfield. Die Deutschen seien zwar primär zum Zwecke der Erschließung von Rohstoffen an den Pol gekommen, würden sich aber, wenn sie nunmehr von Miss Lexington so herzlich eingeladen worden seien, gerne auch an den Ausgrabungen des Lake-Lagers beteiligen. Mit irritierender Liebe zum Detail lassen sie sich die bisherigen Funde erklären. Dr. Enfield bleibt ihnen feindlich gesonnen, die Drastik ihrer Ablehnung bringt Moore während des Gesprächs gelegentlich in Verlegenheit, doch am Ende einigt man sich darauf, dass die Deutschen (deren Uhren 12 Stunden vor denen der anderen beiden Expedition sind) nach ihrer Nachtruhe von Enfield und den anderen mit der Erkundung des Lagers primär Befassten durch die bisherigen Funde geführt werden sollen, bevor sie sich in ihrer Schicht daran machen, die Ausgrabungen weiter voranzubringen.

Während des Tages versucht man mit aller Kraft weiter an der Freilegung des Lagers zu arbeiten. Angespornt durch die Ankunft der Deutschen arbeiten auch Lexingtons Leute engagiert mit, während ein neuer Eiskegel geöffnet und ein Zelt ausgegraben wird. Der Eiskegel enthält ein weiteres Älteres Wesen, doch zwischen gefrorenen Schneemassen stößt Blavatski auf einen Sternförmigen Speckstein, in welchen ein Punktmuster eingeritzt ist, dass ihn an jenes Schutzzeichen erinnert, welches er vier Jahre zuvor im Dachstuhl des Lauerers im Dunkeln in der Nähe von Arkham gefunden hatte. Einige der anderen stimmen ihn zu, als er die Ähnlichkeit beschreibt, andere können sie nicht erkennen. Warum hätten Lake und Dyer die Wesen mit einer solchen Beigabe begraben sollen? Moore wirft ein, dass beide das befremdliche Necronomicon beim Bibliothekar Dr. Armitage ausgeliehen haben sollen, bevor sie in die Antarktis reisten. Haben sie das Zeichen darin gefunden und es im Wahnsinn hier versteckt? Blavatski beschließt, das ältere Zeichen auf einem neuen Stück Speckstein nachzuahmen.

Das Zelt war wohl einst für Vorräte gedacht, zumindest finden sich darin zahllose, auf die bizarrste Art geöffnete Konserven. Salz fehlt ebenso wie Fleisch. Niemand will über die Ursachen hierfür größere Mutmaßungen anstellen und so strengt man sich an, noch ein weiteres Zelt freizulegen. Und tatsächlich gelingt es: Um 19 Uhr blickt man in das das Anatomiezelt des Lake-Lagers. Der Anblick ist abstoßend: Blut überall – hat hier eine Vivisektion stattgefunden? Das Sezierbesteck fehlt, medizinische Fachbücher sind bei jenen Seiten aufgeschlagen, die die menschliche Anatomie im Detail beschreiben. Der Anblick ist im Allgemeinen nichts für schwache Nerven, doch als Miss Lewinson vage, dreieckige Spuren im Eis zu erkennen glaubt, sieht jeder ihr an, wie sehr die Ereignisse der letzten Tage an ihr zehren.

Nachdem die Deutschen aufgestanden sind und Moore einen extrem ungehaltenen Starkweather über die veränderte Sachlage informiert hat, führen Dr. Enfield und einige der anderen Investigatoren sie durch das Lager. Entgegen den Anweisungen Moores, Meyer und seinen Kollegen alles zu zeigen (schließlich könne man ohnehin nichts verheimlichen), versucht Enfield die Neuankömmlinge darüber zu belügen, was sie gefunden hätten. Ihre List ist schnell durchschaut und zunehmend irritiert von ihrer Aggressivität, wenden sich Meyer, Uhr und Rilke Mr. Wheapner als neuem Ansprechpartner zu. Schließlich zeigt man ihnen alles und nach den ersten Schwierigkeiten verhalten sich die Geführten ausgesprochen höflich, auch wenn ihr ausgesprochen detailliertes Interesse für einige der Begebenheiten in den Zelten die Investigatoren zunehmend irritiert. Am Ende hat man drei Stunden verbracht, davon zwei im Lager und gerade einmal eine in der Höhle, die der Geologe Rilke zwar interessant, aber anscheinend nicht auf einer Stufe mit den Geschehnissen im Lager befindlich einschätzt.

Man wechselt sich ab und Lewinson und Blavatski, welchem seit dem Morgen ein seltsames, tinitusartiges Pfeifen (eine Art Teke-Li oder dergleichen) zusetzt, gehen den Deutschen die Nacht über bei ihren Arbeiten im Lager zur Hand. Durch die überlegene Ausrüstung kommen die Deutschen schnell voran: Bis zum morgen hat man alle verbliebenen Kegel geöffnet und zudem eine Zeltplane unter dem Eis des leeren Flugzeugunterstandes entdeckt, deren Öffnung man aber Moore vorbehält. Es drängt sich der Verdacht auf, dass Meyers Leute mehr über die Fundstellen wissen, als sie vorgeben.

Und in der Tat: Nach dem Frühstück der SME informiert Meyer Moore, dass ihm und seinem Team die Öffnung einer außerordentlich relevanten Ausgrabungsstätte vorbehalten sei. Gemeinsam und mit den Eismessern der BFE bewaffnet, macht man sich auf den Weg zur Zeltplane und legt sie vollständig frei. Die Öffnung ist erneut für alle, die dabei sind, keine angenehme Erfahrung: Der Geruch, der für einen kurzen Moment aus dem Zelt dringt, ist absolut widerlich und lässt den Zwinger aufheulen. Hier wurden feinsäuberlich 8 Hunde der Miskatonic-Expedition seziert, teilweise sieht man unter dem Eis noch die präzise zerlegten Scheiben ihrer Hirne und Organe. Lexington, die dazugestoßen ist, entschuldigt sich, Miss Lewinson muss sich übergeben. Meyer vertraut Moore leise an, dass er über Informationen verfüge, die in diesem Sachverhalt unter Umständen relevant sein könnten. Er führt ihn in das Lager der Deutschen, die nächsten Stunden wird er nicht wieder gesehen.

Lexington muss den Kopf freibekommen und beschließt, gemeinsam mit Priestley und ihrem Piloten Willams einen kleinen Flug an den Bergen entlang zu unternehmen. Doch schon nach wenigen Stunden wird sie zur Rückkehr gezwungen, während die Investigatoren gerade den alten Hundezwinger freilegen. Furiengleich stürmt sie zu Moores Zelt und überschüttet den sichtlich verstörten Mann, der sein Zelt kaum verlassen will, mit Vorwürfen, wonach er und/oder Starkweather sie umbringen wollten. Anscheinend war der Sauerstoff, den sie von der SME für den Flug erhalten hatte, verunreinigt gewesen. Thorpe überprüft in Reaktion darauf alle Flaschen und stellt fest, dass einige wenige wohl mit Industrierückständen versetzt seien.

Moore verzieht sich wieder in sein Zelt. Zum Abendessen kommt er, mit einem tief beunruhigten Gesichtsausdruck, in die Messe, nachdem er mehrere Minuten scheinbar ziellos durch das Lake-Lager gelaufen war. Er wirkt erschöpft und abgezehrt, während Lexington gerade ihren Funkspruch vom „großartigen ersten Überflug über die Berge“ in den Äther schickt. Beinahe provozierend reicht sie ihm das Mikrofon, doch er stammelt nur ein paar Sätze und beendet dann die Übertragung. Doch dabei belässt sie es nicht: Lexington hatte auf Moores Ankunft gewartet, um allen triumphierend die Mitteilung zu überbringen: Sie hat einen Deal mit der BFE geschlossen und wird im Austausch gegen Ressourcen drei Leute aus Barsmeier und Falkens Team über die Berge bringen.

Alle sind überrascht, dass das Plateau nunmehr so schnell erreicht werden soll. Als Moore Starkweather die Botschaft übermittelt, ist dieser sofort bereit schnellstmöglich ins Lake-Lager zu kommen, um Lexington in ihren Reisevorbereitungen zu überholen. Um 5 Uhr am nächsten Morgen starten Thorpe, Dewitt, Lewinson und Blavatski, um den Hauptmann abzuholen. Währenddessen teilt Moore die Plätze für den Flug durch den Dyer-Pass zu: Immer noch fahrig, drängt er darauf, dass neben den Investigatoren unbedingt Myers (der ohnehin mitwollte), Greene und Bryce den Weg antreten sollen. Letzterer ist gar nicht erbaut über diese Neuigkeit, wollte er doch eigentlich gefühlt den Rest seines Lebens bei den Fossilien in der Höhle verbringen, doch Moore duldet (überraschend für ihn) keine Widerworte.

Der Tag im Lager vergeht mit Vorbereitungen. Gegen 16 Uhr holt die Weddell Starkweather am Fuße des Mount Nansen ab, welcher von allen Ereignissen im Lake-Lager nur am Rande gehört hat und nach mehreren Lexington-freien Tagen in der Wildnis in absoluter Hochstimmung ist. Sein Enthusiasmus ist ansteckend, sodass der Rückflug durch die zahllosen Anekdoten des Bergsteigers wahrlich wie im Fluge vergeht. Lexington wäre eigentlich bereits zu Abflug bereit und Meyer drängt sie, endlich mit Baumann, Rilke und ihm zu starten, doch bevor nicht die versprochenen Güter in ihrem Basislager am Schelfeis angekommen sind, hat sie nicht vor, auch nur einen Zentimeter von der Stelle zu weichen.

Kurz nach Mitternacht landet Starkweather und trommelt sofort die teilweise bereits schlafenden Mannschaftsmitglieder zusammen, um eine Ansprache zu halten. Seine Tatkraft, sein Optimismus und sein Teamgeist, der es gar nicht als Möglichkeit in Frage kommen lässt, dass Lexington und die Deutschen den tollkühnen Helden der SME in irgendeinem Punkt etwas voraushaben könnten, stecken die Besatzung im Lager an. Nach all der Kälte, dem Grauen und den unangenehmen Überraschungen der letzten Tage, ist man doch irgendwie froh, die (manchmal zu) unbeirrbare Führungsstärke von James Abercrombie Starkweather in der Nähe zu wissen.

Am nächsten Morgen geht es los. Starkweather hat 8 Uhr als Startzeit angesetzt, doch die Weddell durchzuchecken, mit der er gekommen ist, zieht sich. Zu allem Überfluss gibt es ein Problem mit einem der Rotoren, welches sich wohl noch bis in den frühen Nachmittag ziehen könnte. Lexington erhält schließlich die Nachricht aus ihrem Lager, dass die Ladung der BFE wohlbehalten angekommen sei, woraufhin sie ebenfalls die Startprozedur einleitet. Durch Thorpes mechanische Gaben gelingt es schließlich, den Defekt zu reparieren und gegen 9:30 können die beiden Maschinen startklar gemacht werden. Doch trotz allem gelingt es Lexington um 10:02 abzufliegen, während die SME erst eine gute Viertelstunde später in die Höhe steigt.

Schnell bewegt man sich auf die Berge zu. Der Wind rauscht um die Boeings, während Starkweather ob der Aussicht zunehmend euphorisch ist. Moore hingegen klammert eine seltsame kleine Ledertasche an sich, die er schon seitdem er das Gespräch mit Meyer geführt hatte, nicht mehr aus den Augen ließ. Sphärische Störgeräusche machen eine Verständigung der beiden Maschinen schwierig, das Lake-Lager ist schon kurz nach dem Start ebensowenig zu erreichen wie die Belle mit Lexington und den Deutschen.

Es ist 10:20 und Blavatskis Kopf dröhnt und hämmert. Das Pfeifen in seinem Kopf wird lauter und er hat das Gefühl, als würde der Speckstein ihn vor irgendetwas abschirmen. Während alle anderen den unglaublichen Ausblick genießen, schläft Dr. Greene. 10:41 beginnen auf 4900m Sturmböen am Flugzeug zu rütteln. Sauerstoffflaschen fallen und rollen durch das Flugzeug, doch niemand wird verletzt. Moore hält seine Mappe weiter umklammert. Auf 5500m beginnt man mit der Beatmung und tastet sich bis 11:04 langsam näher an den Pass, als  man langsam auf gewisse Regelmäßigkeiten an den Berghängen aufmerksam zu werden beginnt. Gesteinsformationen, welche wenn überhaupt durch Vulkanismus entstanden sein könnten, doch für diesen gibt es hier keine Anzeichen. Immer weiter nähert man sich und gegen 11:09 wird ein Feldstecher herumgereicht, mit dessen Hilfe man überall an den Bergen in der Nähe des immer schneller näher rückenden Dyer-Passes Höhleneingänge erkennen kann. Keine Tropfsteine sind zu sehen, nur regelmäßige Gänge, die in den schwarzen, von Schnee befreiten Stein führen und sich dort im Dunkeln verlieren. Kann man an ihnen nicht sogar einige Ritzungen erkennen, die an das Speckstenfragment erinnern?

Blavatski driftet immer weiter von den anderen hinfort, während man in den Pass einfliegt: Mag sich der eine oder andere an die Gemälde Roerichs erinnert fühlen, für ihn wecken die Felsnadeln, die Höhlen und der Schwarze Stein Erinnerungen an Kaddath, das Plateau von Leng, die Mi-Go, jene grausamen Schneemenschen des Himalaya und noch so viele andere Absonderlichkeiten. Das Pfeifen wird lauter und lauter, sodass zumindest Dr. Enfield es inzwischen ebenfalls hört.

Der Pass ist auch für einen erfahrenen Piloten schwierig zu durchqueren. Heftige Fallwinde herrschen vor und zunehmend zweifeln Dewitt und Thorpe daran, dass sie unter diesen Bedingungen auf diesem Weg wieder zurückkehren können. Eine Doppelhalo leuchtet am anderen Ende des Passes im Widerschein der Eiskristalle. Moore und Starkweather beugen sich nach vorne, um die ersten zu sein, die sehen, was auf der anderen Seite liegt, der eine Angsterfüllt, der andere voller Tatendrang.

Dann, der Sinkflug. Um 11:23 durchfliegt man den roten Sirup der Halo und die Sicht klärt sich. Und dann sehen sie sie. Eine Stadt. Gigantisch. Unsagbar alt. 50km in beide Richtungen am Bergmassiv zieht sie sich, dann verliert sich die Sicht. Aus zerborstenen Türmen quillt Eis und spalten ziehen sich durch Plätze, Gebäude und Mauern. Nur die Farben von Schnee und Stein dominieren dieses tote Stillleben. Titanische Gebäuderuinen unter ihnen, sinken die beiden Flugzeuge langsam aber sicher hinab. Moore reicht dem neben ihm sitzenden Blavatski mit zitternden Fingern die Mappe, die dieser bereits den kompletten Flug zu erhaschen versuchte, während Thorpe und Dewitt die Maschinen auf 5300m, in also überraschender Tiefe, auf einem großen runden Platz herunterbringen. Willkommen.



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Geschrieben 25. November 2018 - 17:37

Siebzehnter Spielabend

 

Unsanft setzt die Enderby mit einem hässlichen Reißen ihrer Kufen auf dem knirschenden, uralten Eisboden des Platzes auf, den Starkweather zur Landung auserkoren hat. Dicht folgt ihr die Weddell, welche von Thorpe deutlich sanfter heruntergebracht wird. Dr. Enfield und Mr. Blavatski ignorieren das riesige, sicherlich 10 Meter breite Loch, welches sie überfliegen ebenso wie die Berge von Schutt und die aus dem Eis hervorragenden Ruinen, stumme Zeugen einer einstmaligen, uralten Lebensrealität, die jeder Erkenntnis der modernen Geo-, Bio- und Anthropologie zuwiderläuft. Mit zittrigen Händen blättern sie durch den Stapel feinsäuberlich getippter Seiten, die ihnen ein sichtlich verstörter Moore aus jener ledernen Mappe gereicht hat, die ihm der Deutsche Meyer im Lake-Lager gegeben hatte. Immer wieder fallen einzelne Sätze ins Auge, deren Worte sich mit der sie umgebenden friedhofsgleichen Grabstätte einer längst vergangenen Zivilisation zu einer verstörenden Vision der Realität verdichten:

„Nur mit größtem Widerwillen lege ich die Gründe dar, aus denen ich mich gegen die geplante Invasion der Antarktis stelle…“

Das wenige, was die beiden lesen können, bevor die Maschinen zum Stillstand gekommen sind und die Passagiere hinaus in diese fremdartige Welt entlassen, genügt ihnen, um zu verstehen, dass sie nicht die ersten sind: Dyer war hier gewesen. Sein Bericht – eine Warnung, diesen von Gott verlassenen Ort niemals zu betreten. Was hatte Moore ihnen hier vorenthalten?

Während Starkweather euphorisch die Mannschaft sammelt und Thorpe zu seiner hervorragenden Landung gratuliert, konfrontieren Enfield und Blavatski Moore, der selbst kaum fassen kann, an jenem Ort zu stehen, den der Text in solch minutiösem Detail charakterisiert. Die ihm sonst so zu eigene Ruhe hat ihn verlassen und seine Gesichtszüge entgleiten ihm, als er versucht sich zu rechtfertigen: Selbst nach den Funden im Lager – hätte ihm irgendjemand geglaubt? Hätte er Meyers wilden Erzählungen Gehör schenken sollen? Das hitzige Wortgefecht führt schnell die gesamte Crew zusammen und eine wohl verständliche Nervosität führt zu einem allgemeinen Streit um den Text, die Stadt und die weiteren Pläne. Während Starkweather, Blavatski und der mit einem ans krankhafte grenzenden Tatendrang gesegnete Myers möglichst lange bleiben wollen, sind es Thorpe und Enfield, die, nachdem Moore Dyers angebliche Erlebnisse in der Stadt zusammengefasst hat, keine Minute länger als nötig hier bleiben wollen. Bryce schwankt mit einer gewissen Hysterie zwischen den beiden Fraktionen, während Dewitt und Miles die während der Landung beschädigten Kufen besehen, Greene schweigend das Schauspiel beobachtet und Wheapner und Miss Lewinson nach einem Lagerplatz Ausschau halten. Nachdem Starkweather dies bemerkt, nutzt er es als willkommene Gelegenheit die Gruppe auf ein eindeutig geteiltes Ziel einzuschwören: Überleben.

In einer nur wenige Dutzend Meter von Flugzeug entfernten und durch die Erosion teilweise abgetragenen Ruine, die wohl einst die Spitze eines großen, inzwischen vom Eis verschlungenen Kegelförmigen Gebäudes war, werden die Zelte aufgeschlagen und ein erstes, provisorisches Lager errichtet. Man merkt den Anwesenden das Fehlen des Logistikers Packard ebenso an wie das des Polarkundlers Sykes und die Arbeit geht langsamer und weniger professionell von Statten als bisher. Auch die Höhe setzt den Exploratoren zu, doch ist man froh, dass Arbeit ohne Sauerstoffzufuhr überhaupt möglich ist, da das Plateau gut 1000m tiefer liegt, als dies auf Basis der Berichte der Miskatonic anzunehmen war. Trotzdem sollte die Höhe und der Sauerstoffmangel nicht unterschätzt werden, wie Dr. Greene erklärt. Bis die Akklimatisierung vorangeschritten sei, wären schwere körperliche Arbeiten zu vermeiden.

Am neu errichteten Lagerplatz wird schnellstmöglich eine kleine Mahlzeit gekocht, um die (Dr. Greenes prophetischen Worten entsprechend) schwer erschöpften Mitglieder der SME zu versorgen. Prof. Moore hält derweil eine kurze Ansprache und versucht grundlegende Sicherheitsrichtlinien durchzusetzen. Starkweather, Myers und Wheapner schnüren derweil jedoch bereits ihr Bündel, um den Platz, auf dem sie hier gelandet sind, näher zu erkunden. Insbesondere der 6-8m hohe Hügel in 200m Distanz in der Mitte, der von Schutt und Eis gebildet ist, scheint es ihnen angetan zu haben, da sie alle aus der Luft in seiner Mitte einen abgründigen Schlund zu erkennen geglaubt hatten. Was könnte er verbergen?

Doch Greene sollte einmal mehr Recht behalten: Alleine das Erzwingen des sanften Anstiegs auf 8 Meter Höhe über eine Strecke von 50 Metern in der Länge gerät zur atemlosen Tortur, die Myers in die Knie zwingt. Wheapner hilft ihm, Starkweather folgt kurz darauf. Man nimmt sich vor, den Abgrund am nächsten Tag, nachdem man sich mehr an die Höhen gewöhnt hat, endlich weiter zu erkunden. Greene versorgt den vollkommen fertigen Myers mit Sauerstoff und scheltet die kleine Expeditionsgruppe für ihren Leichtsinn. Starkweather und Wheapner lassen sich trotzdem nicht von einer weiteren Erkundung abhalten.

Derweil lesen die im Lager verbliebenen Dyers Text, während Moore, Miles, Thorpe und Dewitt mit einem Rechenschieber über dem Kartenmaterial der Boeings brüten. Die Fallwinde scheinen eine schnelle Rückreise durch den Pass momentan unmöglich zu machen, sodass man für den Rückweg auf günstigeres Wetter angewiesen ist. Alternativ scheint jedoch auch die Route an den Bergen entlang zur Küste viabel, wenn auch risikoreich, zu sein. Die Treibstoffkalkulationen lassen keinerlei Raum für Fehler. Selbst Thorpe muss eingestehen, dass es wohl sinnvoller ist, zumindest noch 1-2 Tage ab und auf besseres Wetter zu warten, bevor man  einen derartig riskanten Plan umsetzt, zumal die Kufen der Enderby nach wie vor repariert werden müssen, ein Unterfangen, dem sich die drei Experten sogleich zuwenden.

Während die Zeitmesser langsam in Richtung 6 Uhr abends deuten, zieht die Sonne gen Westen und taucht die Stadt in ein fremdartig anmutendes, rostrotes Licht. Wheapner und Starkweather kehren von ihrer Erkundung des Platzes zurück, in den Taschen Funde von versteinertem Holz und zerbrochenen Fresken, die sie den vereisten Trümmern entrangen. Moore stürzt sich mit Begeisterung auf das Holz und Myers ist außer sich über die Bruchstücke. Doch ansonsten herrscht im Lager eine kalte, brütend-dumpfe Stille, sodass die beiden Entdecker sich zum Schlaf ins Zelt zurückziehen.

Erst unbemerkt, doch stetig schwerer zu übersehen hat sich ein Nebel über dem Boden des Platzes gebildet, der, einem Chlorgaspräparat nicht unähnlich, über dem Eis wabert. Immer dichter wird er und sammelt sich, steigt empor, füllt den Platz und die von ihm abzweigenden Straßen. Bald sieht man vom Lager aus die 40m entfernten Piloten kaum noch, untergegangen in einer dicken, sirup-artigen, von der Sonne rot eingefärbten Nebelmasse. Sowohl Bryce, als Blavatski und zunehmend auch Myers, starren schlicht gedankenverloren und mit glasigem Blick in das Wabern, während sich Moore mit Feuereifer in die Untersuchung des Holzes flüchtet und ebenfalls kaum ansprechbar ist. Enfield, Lewinson und Greene ist die Lage nicht geheuer. Alle haben das seltsame Gefühl, auf etwas zu warten. Etwas, dass passieren muss, etwas, dass dort draußen ist. Die Wahrnehmung wird immer stärker und stärker, bis sie geradezu unerträglich scheint. Man ruft nach Thorpe und seinen Kollegen, will sie im Angesicht dieses nicht geheuren Naturschauspiels zurück in der zunehmend brüchiger scheinenden Sicherheit des Lagers wissen. Wie durch Wasser dringen die Worte zu den dreien durch und sie taumeln die wenigen Schritte durch den Nebel in Richtung des nur noch zu erahnenden Lagers. Doch nur Miles und Thorpe kommen an. Dewitt ist nicht zu sehen. Lewinson und Thorpe seilen sich an und gehen in den Nebel zurück. Nur wenige Schritte vom Flugzeug entfernt finden sie ihn: Hilflos lallend, kaum in der Lage sich zu bewegen, wie von seltsamen, pantomimisch-spastischen Anfällen geschüttelt. Aus seinen verdrehten Augen spricht das pure Grauen, als er sie sieht. Er versucht zu rennen, doch es misslingt ihm. Er stürzt und Miss Lewinson zieht ihn ins Lager, wo Dr. Enfield ihm eine Beruhigungsspritze verpasst und in einem der Zelte verstaut.

Blavatski erwacht aus seiner Starre, verwundert, dass Zeit vergangen scheint. War er nicht nur eine Sekunde in Gedanken gewesen? Doch angeblich hatte er für mehr als eine halbe Stunde in den Nebel gestarrt. Er besinnt sich auf das Ältere Zeichen, dass er bei sich trägt. Testweise händigt er es auf Nachfrage Dr. Enfield aus. Sobald sie das Amulett berührt, fällt das verstörende Gefühl des Beobachtet-Werdens und Wartens von ihr ab, während genau jene Emotionen nach und nach Blavatskis Geist zu lähmen beginnen.

Als der Nebel gegen Mitternacht endlich schwindet, finden auch Myers und Bryce den Weg aus ihrer Stasis. Motiviert von der Wirkung des Älteren Zeichens will Blavatski weitere Amulette fertigen und das ganze Lager schützen. Während er gerade gemeinsam mit der von der Wirkung des Amuletts irritierten, aber auch faszinierten Dr. Enfield mit der Arbeit beginnen will, erwacht Dewitt und verlässt zielstrebig sein Zelt. Enfield und Thorpe begleiten ihn. Er geht aus der Lagerruine heraus, zu den Flugzeugen. Es scheint, als würde er etwas suchen. Mit heiserer, aufgeregter Stimme erklärt er: Seltsame, affenartige Kreaturen hätten ihn gestern hier gefangen genommen, in ihr Lager geschleift und betäubt. Doch hätte er fliehen können und den Platz erkundet. In einem steinernen Gebäude, ganz hier in der Nähe habe er Unterschlupf gefunden. Tatsächlich findet er kurz darauf genau jenes Gebäude, kaum 60m von den Fliegern und 100 vom bestehenden Lager entfernt.

Da die Temperaturen stetig, von „angenehmen“ -20 auf mittlerweile -33 Grad gefallen sind, plädieren Enfield und Thorpe schnell dafür, trotz eines leicht mulmigen Gefühls, ob der Erzählungen von Dewitt das Lager in dieses Gebäude zu verlegen. Es ist weiten teils intakt und nur durch einen einzigen Eingang zu betreten, mit Hilfe der Segelplanen der Flugzeuge sollte es relativ gut vor der Kälte abzuschirmen sein. Der gerade aufgestandene und von namenlosen Träumen, an die sich jede Erinnerung verbietet heimgesuchte Wheapner hilft mit verquollenen Augen ebenso beim Transport des Lagers wie der glänzend ausgeruhte Starkweather und Dr. Greene, der im Angesicht all der Geschehnisse des Tages Dr. Enfield das „du“ angeboten hat.

Mit zitternder und bald partiell erfrorener Hand macht sich Blavatski daran, die neue Heimstatt okkult durch neue Zeichen abzusichern. Sowohl der übermüdete Myers als auch Dr. Enfield nehmen hieran Anteil und er erklärt beiden am Feuer, wie er das Schutzritual einst in Neuengland in einem kleinen Dorf in der Gegend um Arkham unter nur als kompliziert zu beschreibenden Umständen erlernt hatte. Initial skeptisch können Lewinson und Myers davon überzeugt werden, das Experiment zu wagen und selbst einen Stein mit einem schnell geritzten Älteren Zeichen unter Anleitung Blavatskis zu weihen. Beide spüren die Wirkung des Rituals und sind erwartungsgemäß verstört, wobei Enfield die Sache immer noch deutlich entspannter aufnimmt als der vollkommen überreizte Myers.

Starkweather wiederum, der von der ganzen Nebel-Episode der Nacht nichts mitbekommen hat, brennt bereits vor Tatendrang und nimmt Myers und Wheapner beiseite. Falls sich die Skeptiker-Fraktion um Thorpe, die immerhin eine „demokratische“ Abstimmung über den Verbleib in der Stadt ins Spiel gebracht hatte, wirklich durchsetzen könne, müsse man schnell handeln und möglichst viel sehen, fotografieren, dokumentieren und sammeln. Dementsprechend sei der einzig sinnvolle Weg die Aufteilung: Starkweather würde zusammen mit Dewitt (der ja bei der Suche nach dem neuen Lager einen guten Riecher bewiesen hatte – die Details interessieren nicht weiter) die gigantischen Statuen am Flussbett in Augenschein nehmen wollen. Vielleicht könnte er ja sogar Thorpe dazu einladen und ihm auf dem Weg von seiner für ihn so untypisch feigen Haltung abbringen? Das Loch am Platz sei dem Bergsteiger Wheapner, Myers und den anderen vorbehalten, die sich ihnen anschließen. Sie sollen schauen, was sich hier finden ließe…



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Geschrieben 25. November 2018 - 17:39

Siebzehnter Spielabend

 

Nach der glimpflich verlaufenen Verlegung des Lagers versucht jeder der Anwesenden sich ein wenig aufzuwärmen. Die Temperaturen sind mittlerweile auf -37 Grad gefallen. Die Stimmung ist gemischt: Während Starkweather und Myers voller Begeisterung endlich die Stadt erkunden wollen, schweigt Bryce finster in der Ecke und Miles bekundet in Andeutungen seinen Unmut gegenüber der Situation. Schlussendlich bereitet er jedoch zusammen mit Moore und Thorpe gegen 7 ein kleines Frühstück vor und den Optimisten gelingt es, die Mehrheit der Expeditionsteilnehmer in ihrem Tatendurst anzustecken. Pläne werden geschmiedet: Dewitt und Thorpe werden Starkweather zu den Statuen folgen, die man auf Basis der Bilder aus der Luft gut zwei Meilen vom Lager am Flussbett vermutet. Auch Blavatski schließt sich an. Myers, Enfield, Wheapner und Lewinson haben hingegen die nahegelegene Grube im Zentrum des großen Platzes im Auge.

 

Nachdem die Gruppen gebildet sind, macht man sich schnellstmöglich an die Arbeit: Insbesondere Starkweathers Team hat eine verhältnismäßig lange Strecke vor sich und will definitiv vor Einbruch des seltsamen Nebels wieder im Lager sein. Dementsprechend zeigt sich der Hauptmann anfangs noch streng, als Blavatski und Thorpe an einem riesigen kathedralengleichen Bau anhalten und durch seine nur partiell vom Eis verschlossenen Zugänge auf meterhohe Wandfresken nach innen blicken. Er drängt zum schnellen Fortkommen und als Dewitt eine seltsame Bemerkung fallen lässt, wonach das “Konzerthaus umgestaltet worden sei”, an die er sich kurz darauf nicht mehr erinnern kann, sind auch die anderen von Starkweathers Plan überzeugt. Gleichsam will man das in relativer Nähe zum Platz liegende Gebäude am kommenden Tag erneut in Augenschein nehmen und mit der Hilfe eines fähigen Kletterers wie Dr. Greene oder Mr. Wheapner erschließen.

 

Stetig tastet die vier sich am Fuß der Berge entlang und bestaunen die beeindruckende Architektur oder das, was nach Jahrhunderttausenden noch von ihr übrig geblieben ist. Da man noch sehr gut im Zeitplan ist, beschließt Starkweather dem Drängen von Thorpe und insbesondere Blavatski nachzugeben und erlaubt die Erkundung einer annähernd hundert Meter am Berghang hinaufreichenden Terassenkonstruktion, deren Inneres schmuckloser ist, als dies das “Konzerthaus” vermuten ließ. Gemeinsam erkundet man die oftmals bereits eingestürzten Gänge, die teils weit in den Fels der Berge hineingetrieben scheinen. Aus dem Aufbau der Räume entsteht die Vermutung, dass es sich um ein Wohnhaus gehandelt haben könnte.

 

Währenddessen steigen Enfield, Lewinson, Wheapner und Myers über eine von Säulen und Bögen getragene Rampe gut 20m hinab in die Eingeweide der Stadt. Wheapner sichert den Weg, doch nichts desto trotz tut sich Dr. Enfield mit dem über die Jahrhunderte zunehmend instabiler gewordenen Weg schwer.

 

Einmal unten bestaunt jedoch auch das zweite Expeditionskorps die uralten Friese und Fresken der Älteren Wesen. Insbesondere Myers erfüllt ihr Anblick mit Begeisterung. Sofort beginnt er sie zu skizzieren und das dargestellte Leben der ehemaligen Bewohner der Stadt zu ergründen. Palmen und großzügiger Pflanzenwuchs um die einstmals glorreiche Erscheinung des nunmehr eingestürzten Turms in der Mitte des Platzes, auf dessen Grund man sich gerade befindet, zeugen von besseren Tagen, in denen es hier deutlich wärmer gewesen sein musste.

 

Vom gut 100m durchmessenden Hauptraum des Turms zweigen insgesamt zwölf Gänge ab, von denen die Mehrzahl jedoch kaum noch zu begehen ist, zu sehr haben Geröll und Schutt zusammen mit dem Eis von Jahrtausenden eine feste, undurchdringliche Masse gebildet. Doch die Wege, die noch passierbar sind, führen schnell zu neuen Erkenntnissen: Dr. Enfield bemerkt, dass einer von ihnen anscheinend in jüngerer Zeit häufiger beschritten wurde. Soweit noch Spuren zu erahnen sind, scheinen sie nicht menschlich zu sein. Ms. Lewinson untersucht derweil einige Papierstücke, die wohl einem Notizbuch entstammen. Ihre regelmäßige Platzierung legt nahe, dass Dyer und Danforth einen Weg durch die labyrinthischen Tunnel unter der Stadt markierten.  Für den Moment sieht man jedoch davon ab, irgendeinem der Gänge weiter als einige Meter zu folgen - zu unklar ist, was dort wohlmöglich auf die kleine Gruppe warten würde.

 

Währenddessen ist Myers unterhalb der Rampe auf etwas gänzlich anderes gestoßen: Mehrere kleine Hügel aus Schnee, drei eher flach und einer höher und regelmäßiger, sind dort zu erkennen. Während es sich bei den Flachen allerdings ausschließlich um Schneeverwehungen handelt, unter denen sich ehemalige Schlitten aus dem Lake-Lager befinden, ist der vierte, von einem sternförmigen Speckstein markiert und ragt gut 1.5m in die Höhe. Böses ahnend gräbt Mr. Wheapner seitlich in das Eis und stößt nach wenigen Zentimetern auf etwas Festgefrorenes: Ein Kopf. Nach den Riten der Älteren Wesen bestattet, fand hier Gedney seine letzte Ruhe.

 

Starkweather und seine Leute wiederum sind endlich an den Statuen angelangt - oder dem, was von ihnen übrig ist. Am überfrorenen Flusslauf, der in Form eines wie in der Zeit stehengebliebenen Wasserfalls aus den Bergen entspringt, kann man durch die Jahrtausende sauber abgeschleifte geometrische Körper erkennen, die mit Phantasie einstmals Ältere Wesen dargestellt haben könnten. Doch auch ohne all jene künstlerischen Details, die sie in grauer Vorzeit einmal ausgemacht haben müssen, sind die 70m hohen, aus dem sie umgebenden Stein geschlagenen Statuen eine beeindruckende Arbeit. Einzig irritierend ist die Tatsache, dass ihre oberen Kanten ein wenig zu glatt und im Verhältnis zum Rest der Statue nicht hinreichend verwittert sind. Blavatskis Verdacht, dass die Köpfe der vormaligen Wächter der Stadt sauber abgeschlagen worden seien, bestätigt sich kurz darauf beim Fund eines überdimensionierten, metergroßen Steinauges im Eis des Flusses. Nicht ohne einige Fotos geschossen zu haben, macht man sich wieder auf den Rückweg. Der kurze Gedanke, dass man im Fels oberhalb des Wasserfalls Geräusche vernommen hätte, verflüchtigt sich, ohne dass jemand darüber ein Wort verliert.

 

Der Abend verläuft ruhiger als zuvor. Prof. Moore hat sich mittlere Erfrierungen zugezogen und wird von Greene entsprechend gescholten und versorgt. Als der Nebel kommt, ist allgemein bekannt, worauf man sich einzustellen hat. Starkweather, der dem Phänomen mit einer Form von höflichem Unverständnis gegenübersteht und gegen die Auswirkungen des Phänomens vollkommen immun scheint, versucht die Stimmung hochzuhalten, was Entartungen wie in der letzten Nacht verhindern kann. Das ist zumindest seine Interpretation der Ereignisse - immer mehr der Anwesenden kommen jedoch darin überein, dass irgendetwas an diesen befremdlichen Zeichen, die Blavatski gemeinsam mit Dr. Enfield im Akkord zu ritzen begonnen hat, zu sein scheint, was ihre inneren Widerstandskräfte stärkt. Niemand hat im Angesicht der allgemeinen Umstände gerade die Muße über die weiteren Konsequenzen dieser Feststellung für ein naturalistisches Weltbild nachzudenken. Ebenfalls wird nicht viel über die seltsam-schnellen Fortschritte gesprochen, die Blavatski in der Entschlüsselung der Sprache der Älteren Wesen macht. Nur Myers lässt Blavatskis intensives Verständnis mit einer gewissen Eifersucht zurück.

 

Am nächsten Morgen werden beim Essen Pläne geschmiedet. Die Stimmung ist ausgesprochen gut, denn zum erste Mal seit ihrer Ankunft in der Stadt herrscht Stille um die Expedition: Das Heulen und Pfeifen des Jetstreams in den Bergen ist verstummt und man hofft, auf diesem Weg nun doch in kurzer Zeit wieder das Lake-Lager erreichen zu können, um über die unglaubliche Welt hinter dem Miskatonic-Gebirgen zu berichten. Miles, Dewitt und Thorpe diskutieren die Optionen gemeinsam mit den Expeditionsleitern und kommen zu dem Ergebnis, dass man in weniger als 24 Stunden mit der Weddell aufbrechen wird, um sechs Mitglieder der Expedition zurückzubringen und dafür andere (zusammen mit Vorräten und allem, was man für ein permanenteres Lager braucht) herzuholen. Miles meldet sich sofort freiwillig, auch der zunehmend schweigsam gewordene Bryce ist direkt mit von der Partie, als die Neuigkeiten von Prof. Moore allgemein vorgestellt werden.

 

Gemeinsam mit Wheapner und Thorpe macht sich Starkweather an diesem Tag zu einem neuen Ziel auf: Ein gut erhaltener Turm, den er aus der Distanz am Fluss gesehen zu haben glaubt, verspricht gute Sicht und soll mit Wheapners Hilfe erklettert werden. Vielleicht lässt sich auf diesem Wege sogar Näheres über den Verbleib der Belle und ihrer Crew in Erfahrung bringen? Der ebenfalls im Klettern bewanderte Dr. Greene zieht derweil mit Dewitt, Myers und Blavatski zum “Konzerthaus”, um einen sicheren Abstieg in die Haupthalle zu ermöglichen. Ms. Lewinson und Dr. Enfield hingegen wollen erneut hinab in die Turmruine, wo sie den von Danforth und Dyer markierten Weg erkunden wollen.

 

Nach einem beschwerlichen Weg, auf dem Starkweather ein straffes Tempo vorlegt, kommen er, Wheapner und Thorpe am Turm, einer gerade einmal 5-7m breiten Nadel, die gut 40m in den Himmel ragt, an. Gemeinsam erklimmt man die brüchige Rampenkonstruktion im Inneren und kann von der Spitze tatsächlich eine Bewegung im weiß-grau der toten Stadt ausmachen - Menschen auf der anderen Flussseite!

 

Es sind Priestley und Lexington, letztere zum wohl ersten Mal überhaupt geradezu erfreut, Starkweather zu sehen. Schnell bringt man sich auf den aktuellen Stand: So sei das Lager der ALE gestern angegriffen und verwüstet, sowie ihr Pilot Kyle Williams entführt worden. Er habe gerade daran gearbeitet, das Flugzeug wieder in Ordnung zu bringen, welches nun jedoch nach wie vor defekt sei. Die bisherige Suche war nicht von Erfolg gekrönt. Die Deutschen kochten derweil ihr eigenes Süppchen. Starkweathers Vorschlag, die Lager zusammenzulegen stößt auf wenig Gegenliebe, doch man einigt sich darauf, mit Hilfe von Signalspiegeln zu kommunizieren.

 

Das Innere des “Konzerthauses” gleicht einem riesigen, fünfeckigen Kirchenschiff, das von fünf, mehr als einem dutzend Meter hohen Friesen verziert wird, die in ihrer Kunstfertigkeit jedoch deutlich hinter den Werken am Fuß des zerstörten Turms zurückbleiben. Blavatski erkennt mehrfach dort das Wort für “Tod” oder “Verfall”, oder “Begräbnis”, doch kann sich niemand einen wirklichen Reim darauf machen. Insbesondere, dass in den Darstellungen eines anscheinenden Zeremoniells in der (wiederum im Vergleich zu den Fresken im Turm deutlich weniger begrünten) Stadt ein Teil des Bildes im Westen konsequent leer bleibt, gibt Rätsel auf.

 

Auf Dyers Pfaden wandelnd gelangen Enfield und Lewinson schließlich zu an eine Sackgasse, in welcher sich ebenfalls Friese von grotesk-niedriger Qualität finden. Überreste zweier, in ihrer Form sehr verschiedener, Lager deuten darauf hin, dass sowohl die beiden kühnen Forscher aus Arkham als auch die älteren Wesen, denen sie gefolgt waren, hier Rast machten. Ms. Lewinson entdeckt gar einige Aufzeichnungen auf menschlichem Papier mit Tinte aus dem Lake-Lager, die zweifelsohne die Punktschrift der älteren Wesen darstellen und nimmt diese an sich.

 

Die beiden Damen sind zuerst wieder im Lager. Dieses ist abgesehen von einem an den Boeings schraubenden Miles und Moore, der in seinem Zelt schläft, verlassen. Erst nach einigen Minuten fällt den beiden auf, dass jemand fehlt: Bryce ist verschwunden.

 

Man beginnt Suchtrupps zu bilden, als die anderen Expeditionen zurückkommen bindet der extrem besorgte Moore auch sie ein. Doch Enfield und Lewinson haben zu diesem Zeitpunkt auf einem Hausdach nur wenige hundert Meter vom Lager entfernt bereits einen grausamen Fund gemacht. Kratzspuren, Reste von Bryce Parka und die Fußabdrücke eines Älteren Wesens.

 

Als der Nebel aufzieht, ziehen sich alle im Angesicht dieser Hiobsbotschaft angemessen verstörten Forscher zurück in das Lager, auch wenn einige weiter suchen wollen. Es wird stark gestritten: Sollte man am Zeitplan festhalten? Kann man Bryce hier einfach zurücklassen? Und was ist mit Lexington und ihrem Piloten?

 

Schlussendlich entschließen sich einer Laune folgend Thorpe, Enfield, Lewinson, Blavatski und Wheapner bewaffnet zum Flugzeug zu gehen. Keinen Moment zu spät, denn sie können gerade noch fassungslos mit ansehen, wie eine kleine Signalrakete auf die Ederby zurast und die Boeing mit einer enormen Explosion in einem Feuerball vergeht.

 

Eine humanoide Gestalt rennt vor den sie verfolgenden Investigatoren davon, doch gelingt es ihnen, die Person in die Beine zu schießen und die Distanz zwischen ihnen zu verkürzen. Schließlich ringt man den Mann zu Boden, jedoch nicht ohne dass er Wheapner einen sauberen Schuss durch seine Handfläche verpasst.

 

Das unrasierte und eingefallene Gesicht des Täters ist allen bekannt: Kyle Williams, der Pilot der ALE. Doch scheint sein Geist mehr als labil: Stetig murmelt er eine Abfolge von Begriffen, die nach und nach alle einzuordnen wissen - es sind Bostoner U-Bahn-Stationen. In einem Moment des Erkennens lässt der erst wild lachende und dann vor der brabbelnden Gestalt des Piloten in die Knie gehende Moore keinen Zweifel an dem, was allen, die Dyers Bericht gelesen hatten, langsam dämmert: Vor ihnen liegt Paul Danforth.


Bearbeitet von aeq, 25. November 2018 - 17:40 .

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