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Im Interview: Der Kartograph-Autor Jordy Adan


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#1 nadine.wohlfart

nadine.wohlfart

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Geschrieben 23. Juli 2020 - 13:00

Autor Jordy Adan, der als erster Brasilianer überhaupt mit einer Nominierung durch die Spiel des Jahres Jury bedacht wurde, berichtet über Der Kartograph, die Auszeichnung und vieles mehr…

 

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Über Der Kartograph haben wir euch bereits viel berichtet: In unserem Blogbeitrag “Neues vom Kartographen” haben wir euch Tipps für die erste Partie und die Minivariante “Tabula Rasa” vorgestellt. Und bei unserem “Kreative Kartographen gesucht-Wettbewerb” habt ihr uns tolle Kunstwerke von euren Partien geschickt. In diesem Blogbeitrag wollen wir dagegen die Entstehungsgeschichte des Spiels beleuchten und mehr über den Mann hinter dem Spiel erfahren: Autor Jordy Adan.*

 

Jordy, du bist der erste Brasilianer überhaupt, der für eine Spiel des Jahres-Auszeichnung nominiert wurde. Herzlichen Glückwunsch! Was für ein Gefühl ist das?

 

“Vielen Dank! Das ist ein unglaubliches Gefühl. Ich habe nicht damit gerechnet, dass das passiert – schon gar nicht so früh in meiner Karriere. Es ist eine große Ehre für mich, mein Land durch die Nominierung für eine Auszeichnung dieser Bedeutung zu vertreten. Nach der Nominierung kamen plötzlich jede Menge Menschen auf mich zu, die ich vorher gar nicht kannte, um mir zu sagen, dass sie mir bzw. Kartograph die Daumen drücken. Außerdem gibt mir die Nominierung natürlich Sicherheit und Selbstbewusstsein für meine nächsten Projekte. Und ich hoffe, auch in Zukunft weiterhin herausragende Spiele zu entwickeln.“

 

Du hast es bereits angesprochen, du bist noch gar nicht so lange Brettspielautor, oder? Erzähl uns doch etwas mehr über dich!

 

„Das ist richtig. Ich war in den letzten sechs Jahren vorwiegend im Bereich Videospielentwicklung tätig. Inzwischen entwickle ich aber hauptberuflich Brettspiele. Aber angefangen hat mein Faible für Brettspiele schon als Kind. Schon damals habe ich eigene Brettspiele entworfen und meine Familie und Freunde „mussten“ die dann mit mir spielen. Über die Jahre hat sich meine Leidenschaft für Brettspiele aller Art dann immer weiterentwickelt. Besonders inspirierend finde ich Spiele deutscher bzw. europäischer Autoren. Deswegen freut es mich umso mehr, dass Der Kartograph gerade in Deutschland so beliebt ist und für das Kennerspiel des Jahres nominiert wurde.“

 

Du hast also bereits als Kind Spiele entwickelt. Was hat dich dann schließlich dazu motiviert, diese Leidenschaft zum Beruf zu machen und tatsächlich deinen Traum zu verwirklichen, Spieleautor zu werden?

 

„Menschen dabei zuzusehen, wie sie Spaß an etwas haben, das ich erschaffen habe, ist ein ganz besonders Gefühl, das ich sonst nirgendwo so stark empfinde. Als Kind war das auf jeden Fall mein Hauptantrieb, aber auch heute ist dieses Gefühl meine größte Motivationsquelle. Außerdem macht mir der kreative Prozess, Spiele zu entwickeln einfach unheimlich Spaß und fühlt sich nicht nach Arbeit an. Ich denke ohnehin die meiste Zeit an Brettspiele.

 

Erinnerst du dich noch an einige deiner ganz frühen Spiele und hast du schon daran gedacht, frühere Ideen nochmal aufzugreifen und zu veröffentlichen, jetzt da du bereits einige Erfahrung im Brettspielbereich hast?

 

„Ich erinnere mich auf jeden Fall an einige Neuinterpretationen von Spielen, die mir damals gefielen wie z.B. ein schnelleres und kleineres Risiko oder ein Fußballspiel auf einem Gitter bei dem man mit Würfeln den Ball herumschiebt. Und nachdem ich einige Fast and Furious-Teile geschaut hatte, hatte ich die Idee, ein Brettspiel zu entwickeln bei dem es auch um Straßenrennen geht. Es hatte ein großes handgezeichnetes Spielbrett mit Straßen und Gebäuden und jeder Spieler hatte eine eigene Auto-Miniatur und ein Armaturenbrett vor sich mit einigen Werten wie Geschwindigkeit und Beschleunigung. Wenn man an der Reihe war, musste man Würfeln, um sein Auto zu bewegen. Und wenn man ein Gebäude betrat konnte man Geld ausgeben, um einen bestimmten Wert zu verbessern. Um Geld zu verdienen, musste man ein Rennen gegen andere Autos quer durch die Stadt fahren. Es gab aber damals keine Siegbedingungen und die Regeln waren insgesamt sehr locker. Aber das sind Themen, die mich heute eigentlich nicht mehr interessieren. Ich schätze also, dieses und andere frühe Meisterwerk werde ich nicht nochmal anpacken.

 

Am 25. Mai wurden die Nominierungen für das Spiel des Jahres, das Kinderspiel des Jahres und auch für das Kennerspiel des Jahres bekanntgegeben. Was war deine erste Reaktion darauf, dass du mit Der Kartograph auch unter den Nominierten bist?

 

„Es hat auf jeden Fall einige Momente gebraucht, bis ich wirklich realisiert habe, was da passiert ist. In Brasilien war es praktisch mitten in der Nacht als die Nominierungen bekanntgegeben wurden. Die ersten drei Anrufe eines Freundes, Fel Barros, der ebenfalls Brettspielautor ist, habe ich daher auch nicht richtig mitbekommen. Als ich dann aber realisiert habe, dass Der Kartograph nominiert wurde war ich natürlich schlagartig hellwach. Ich habe ihn dann zurückgerufen und wir haben erstmal ein bisschen gefeiert. Aber die gesamte Woche danach war einfach unglaublich. Mir haben unglaublich viele Menschen Glückwünsche geschickt, ich habe Anfragen für Interviews und Podcasts bekommen und überall haben die Leute über Der Kartograph gesprochen.“

 

Springen wir nochmal eine ganze Weile zurück in der Geschichte. Wie kam es überhaupt dazu, dass du Der Kartograph entwickelt hast?

 

„Eigentlich hat alles mit einem Spieleabend begonnen zu dem mich ein Freund eingeladen hatte. Wir haben ein Roll & Write-Spiel gespielt und auch wenn ich das Genre vorher natürlich kannte, hatte ich mir nie wirklich Gedanken darüber gemacht. Aber nach dem Spielen war ich fasziniert davon, wie simpel und kompakt das Spielprinzip war und wie vielfältig dann auf der anderen Seite aber die Möglichkeit während des Spielens waren. Ich habe dann im Internet gesurft und nach mehr Spielen dieses Genres gesucht. Leider vergeblich, denn in Brasilien war damals noch kein einziges Roll & Write-Spiel veröffentlicht worden. Damals habe ich noch hauptberuflich als Spieleentwickler bzw. -programmierer für Videospiele gearbeitet und nur in meiner Freizeit Brettspiele entworfen – als Hobby. Aber nach diesem Spieleabend habe ich noch in der gleichen Nacht damit angefangen, an einem Roll & Write-Spiel zu arbeiten, denn mir war klar, dass ich da auf eine Marktlücke gestoßen war. Und nach jeder Menge gescheiterter Versuche und noch mehr Testrunden habe ich schließlich mein erstes Spiel veröffentlicht – Rolling Ranch.“

 

Und wie ging es dann weiter?

 

„Die Veröffentlichung meines ersten Spiels hat mir letztlich die Motivation gegeben, weitere Spiele zu entwickeln mit dem Ziel, diese zu veröffentlichen. Und eines davon war Doodle Squire. Jeder Spieler verkörperte dabei einen Knappen, der von einem Helden besiegte Monster plünderte und die Gegenstände dann tetrisähnlich in seine Tasche zeichnen musste. Also eine Art „Inventarverwaltungsspiel“…

 

Wie aus Doodle Squire schließlich Der Kartograph wurde, welche Aspekte Jordy an seinem Spiel selbst am herausragendsten findet und ob bzw. wie es im Reich des Kartographen weitergeht, verraten wir bzw. Jordy euch kommende Woche im zweiten Teil des Interviews.

*Das Interview wurde im Original auf Englisch geführt und für diesen Beitrag ins Deutsche übersetzt.

 

 

Ihr habt Fragen, Anmerkungen oder Anregungen? Wir freuen uns auf eure Kommentare zum aktuellen Blogbeitrag oder eure E-Mail an blog@pegasus.de.

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