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Die Bestie im Moor [English Eerie]

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3 Antworten in diesem Thema

#1 Belshannar

Belshannar

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Geschrieben 29. Juli 2020 - 06:16

Die Bestie im Moor – Teil 1& 2 (English Eerie)

 

Orginalspielbericht

Teil 1

https://inyo.home.bl...-english-eerie/

Teil 2

https://inyo.home.bl...-english-eerie/

 

English Eerie ist ein gruseliges Erzählspiel, das man alleine spielt. Als Reisender durch England führt man ein Tagebuch, trifft sonderbare Gestalten und erlebt Gruselgeschichten aus eigener Feder. Gespielt wird bei Kerzenlicht mit Karten, einem W10, Tagebuch und Spielsteinen.

 

Unser SL hat das System einmal getestet. Hier also der vom handschriftlich geführten Tagebuch übernommene Text seiner ersten Englisch Eerie Runde und dem Szenario „Die Bestie im Moor“. Viel Vergnügen beim Lesen der Erlebnisse von Emmett Rutherford.

 

Aus dem Tagebuch des Emmett Rutherford

 

Samstag, 18. August 1888

 

Wir schreiben das Jahr 1888, an einem verregneten Samstag im August, um genauer zu sein, breche ich, Emmet Rutherford, nach Derbyshire auf, um meinem guten, alten Freund Lord Christopher Cunningham aufzusuchen.

 

Die Kunde über seinen kränklichen Zustand und einer rapiden Verschlechterung seines Geisteszustandes versetzte mich in große Trauer und Besorgnis.

 

Vielleicht beruhigt sich sein Geist in der Gegenwart eines fürsorglichen Freundes.

 

Doch bei weitem hatte ich weder die Reise so beschwerlich in Erinnerung noch den Wald um das Herrenhaus von Christopher als so sinister, dicht und verworren. Nicht nur verirrte ich mich mehrfach, sondern verlor meine geliebte Reisetasche mit Mitbringsel sowie kleinen Geschenken an Christopher an einem steilen, rutschigen Abhang und voller Unglück an einen schauerlich, blubbernden Tümpel.

Es ist vielleicht nur übersteigerte Fantasie, jedoch wirkte es fast so, als ob DER WALD, mir diese Gegenstände entreißen wollte.

 

Endlich erreichte ich am Abend bei Zwielicht das Anwesen, auch wenn ich einen kleinen Schrecken beim Anblick des Herrenhauses und der Gartenanlage erlitt. Was einst so schön, gepflegt und strahlend erschien, wirkt nun eher trist, grau und ermattet.

 

Schlägt sich gar das Gemüt des Hausherren auf die Diener nieder? Ms. Enfield, eines der Dienstmädchen, empfing mich mit freudiger Stimme, gab mir jedoch zu denken, als sie mich humpelnd in das Gemacht meines Freundes brachte.

 

Nicht nur sie, sondern auch Mr. Dougles, der muskulös Butler des Hauses, schien verletzt, eine Bandage zierte seinen linken Arm. Ein betrübliches Ungeschick sei ihm am Morgen in der Küche passiert. Details werden verschwiegen.

 

Ich grüße Christoph überschwänglich, allerdings riss dieser die Augen bei meinem Anblick (oder war es der von Ms. Enfield), weit auf und warf ein Glas in unsere Richtung während er laut vor Angst schrie.

Mit mehr Glück als Geschick schubste ich Ms. Enfield zur Seite und warf mich zu Boden, das Glas zersplitterte hinter uns an der Tür und sprenkelte das Gemacht mit klirrenden Splittern.

Christoph schrie aus Leibeskräften, ich verstand nicht viel. Die Worte, grauenhafte Geräusche, seltsame Lichter und Moorgestalten konnte ich mehr schlecht als recht vernehmen.

Dann wurde sein Blick klarer und er sprach mich direkt an: „Emmett, ich sah das Grauen, das Verderben, den Untergang.“

 

Um ihn zu beruhigen, tauschte ich mit ihm Worte über alte, vergangen aber glückliche Zeiten aus.

 

Seine Fassung kehrte nach und nach zurück und mein bewusstes Ignorieren seiner Fantastereien schien der richtige Weg zu sein. Stunden vergingen, in den der Arme immer wieder Angstzustände durchlitt, doch hatte ich den Eindruck, meine Gegenwart hebt zumindest zeitweise seinen Gemütszustand.

 

Zu später Stunde entließ er mich mit den Worten: „Das Grauen, DIE BESTIE, sie wird auch dich heimsuchen teuerster Freund!“.

 

Sonntag, 19. August 1888

 

Schreie weckten mich aus dunklen, trüben und erdrückenden Traumgespinsten. Weibliche Schreie, die von Ms. Enfield. In voller Eile, wenn auch im Halbschlaf, suchte ich die Geräuschquelle auf und fand zu meinem Entsetzen Ms. Enfield in der Halle des Hauses auf dem Boden liegend, die Finger zur Decke streckend.

 

Mein Blick folgte der Richtung und entdeckte den zuckenden Körper von Mr. Dougles, welcher an einem Balken hing und wie ein Pendel grotesk hin und her schwang.

 

Auch Mrs. Bristle, die älteste der Bediensteten, tauchte nun auf und gemeinsam versuchten wir den leidenden, zuckenden wie blau angelaufenen Butler von der Decke zu holen.

 

Das Schreien von Mrs. Enfield, die hektischen Bewegungen von Mrs. Bristle und der schwingende Körper von Mr. Dougles machten die Rettungsaktion zu einem schwierigen Unterfangen, welches äußerst morbide endete.

 

Der befreite, jedoch schlaffe Körper des Butlers fiel schmerzhaft auf meine Beine. Christopher selbst war mittlerweile in die Halle gekrochen und wiederholte beim Anblick des verstorbenen Mannes, dem ich nicht schnell genug helfen konnte, immer wieder: „Er hat es auch gesehen, er hat das Grauen erblickt und suchte einen Ausweg!“

 

Mit schmerzenden Beinen und erschöpften Kräften von der misslungenen Rettungsaktion gelang es mir irgendwie, Ms. Enfield und Mrs. Bristol zu beruhigen, den Leichnam (vorerst) in den Keller zu schaffen und Christopher wieder zurück ins Bett zu bringen.Nicht unbedingt in dieser Reihenfolge.

 

Erschöpft sank ich wieder zurück ins Bett, nur dumpf bekam ich noch mit wie sich jemand an meinem Bein zu schaffen macht. Bestimmt Mrs. Bristol die nach einer Verletzung sieh oder etwas zur Kühlung aufträgt. Mit Tränen in den Augen (aus Schmerz oder Trauer oder beiden, auch hier bin ich mir nicht mehr sicher), dämmerte ich ein und mein Geist wanderte in das Reich der Träume.

 

Montag, 20. August 1888

 

Montag, mein Lieblingstag. Ausgeruht, von den Schrecken des Vortages etwas erholt, sah ich nach dem mitgenommenen Personal und meinem Freund selbst.

Christoph schlief den Großteil des Tages, Ms. Enfield war sehr in sich gekehrt und Mrs. Bristol äußerst beschäftigt, keiner wollte über den Vorfall sprechen, nur Schweigen oder nach Aufforderung beten.

Der Tod des Butlers müsse auch noch gemeldet werden, allerdings eilte es unter den gegebenen Umständen auch nicht.

 

Doch was hatte Mr. Dougles zu dieser Verzweiflungstat getrieben?

 

Ich unternahm einen Spaziergang in das einst so stolze Herrenhaus, der Wald schien nun noch düsterer und beklemmender als zuvor.

 

Bei der Rückkehr entdeckte ich Kratzspuren an der Haustür.

Ein Raubtier?

Eine große Katze vielleicht?

Waren die Spuren bereits bei meiner Ankunft vorhanden?

War ich zu sehr abgelenkt durch die Reise?

 

Sofort fielen mir die Worte des Lords ein. Das Grauen. Die Bestie.

 

Könnte es diese gar wirklich geben und nicht bloße Spinnereien sein?

 

Ich musste meinen schweifenden Gedanken Einhalt gebieten und legte mich die Nacht auf die Lauer. Es fiel erschreckend schwer, wach zu bleiben und meine Sinne oder der Verstand spielten mir Streiche.

Hier ein Licht, Glimmen, Glühen oder Leuchten im Wald, das sich beim Nachsehen als nichts, als reine Übermüdung oder Hirngespinst herausstellte.

 

Doch dann, nach Stunden des Wartens, Ausharren und Hoffens sah ich etwas.

 

Etwas Großes, Flinkes, Wendiges mit glimmenden wilden Augen, welche mir einen lähmenden Schrecken versetzten, um das Haus wanderten und dann im nahen Moor verschwanden.

Ich traute mich erst gut eine Stunde später aus meinem kleinen Verschlag, der mir als Versteck diente.

 

Aufgeregt und mit pochendem Herzen konnte ich mich nicht entscheiden, was ich tun soll, beschlossen jedoch nach einigem Nachdenken, die Spur des Wesens am Tage bei Sonnenlicht zu verfolgen.

Ein letzter Blick in Christophers Gemach gab mir so weit Sicherheit, die gute Mrs. Bristle wachte an seinem Bette gut über ihn. Jedoch überkam mich ein kurzes Schauern, als ich zurück in mein Gemach kehrte, um endlich den Schlaf der Gerechten anzutreten. Diese wilden, glühenden Augen.

 

Hatte ich sie schon zur gesehen?

 

Werden sie mich genauso wie Christoph in den Wahn treiben?

 

Unruhig, voller Sorgen schlief ich vor Erschöpfung ein.

 

Dienstag, 21. August 1888

 

Beim Frühstück offerierte ich Mrs. Bristol meine Beobachtung der letzten Nacht und heute Morgen das Moor aufzusuchen, bewaffnet mit einem alten Spieß, den ich Garten gefunden hatte und meinem Mut, aufzudecken, was das Haus Cunningham bedroht und Christoph so zusetzt.

 

Mrs. flehte mich an, nicht in das gefährliche Moor zu gehen und wollte mir die Idee ausreden, jedoch ließ ich nicht von meinem Vorhaben ab. Die herzensgute Dienerin stellte sich mir sogar in den Weg und blockierte die Haustür, ihre Stimme wurde dabei immer flehender, klagender und weinerlicher.

 

Es war kein leichtes, sie davon zu überzeugen, dass es sein MUSS.

 

Ich kann letzte Nacht nicht einfach vergessen kann und sehe keinen Weg zu helfen.

 

Nach fast einer Stunde des Debattierens gab sie endlich nach und kümmerte sich um den Lord, der wieder anfing, zu schreien.

 

Bewaffnet mit meiner Entschlossenheit, dem Willen zu helfen und einem alten, hölzernen Spieß in der Hand brach ich in Richtung Moor auf, welches mich mit kaltem, dichtem Nebel empfing.

 

Der Weg im Moor war beschwerlich und geprägt von einem monotonen, trostlosen Anblick, dem Fehlen von Farbe und omnipräsenter Kälte und Nässe. Stunden vergingen, doch eine weitere Spur oder Anhaltspunkt war nicht auszumachen.

 

Enttäuscht, mit herabhängenden Schultern und Haupt kehrte ich zurück zum Anwesen. Zu wissen, nichts vollbracht zu haben und auch nicht an der Seite meines leidenden Freundes gewesen zu sein, entmutigte mich.

 

Hatte ich bisher überhaupt etwas erreicht seitdem ich aufgebrochen bin, um beizustehen?

 

Der Zweifel nagte an mir oder war es „nur“ Selbstzweifel, mein eigenes Eingeständnis, hatte ich mich doch kaum um Christopher selbst gekümmert.

War ich nicht deswegen hier?

 

Mrs. Bristol und Ms. Enfield empfingen mich weinend und mein Blick fiel sofort auf den blutenden Verband an Ms. Enfields Rücken. Zuerst gab sie an, unglücklich gestürzt zu sein, dann, dass sie etwas im Wald angefallen oder eher angegriffen habe, sie konnte es nicht genau sehen. Es muss ein wildes Tier gewesen sein.

 

Das Gespräch verlief sehr zäh, beide schienen mehr zu wissen, wollten dies jedoch nicht offenlegen. Christoph selbst wirkte, als ich ihn aufsuchte, sehr abwesend.

Voller Sorgen begab ich mich zu Bett, die Schwere meiner Decke wirkte wie eine Last.

 

Eine Bürde. Die Verantwortung, die auf mir lag, war erdrückend.

 

Hat sich so der Butler vor seinem Ende gefühlt?

 

Mittwoch, 22. August 1888

 

Nachdem ich im Haus nach dem Rechten gesehen und mich nach Christophs Zustand erkundet hatte, begab ich mich nochmals in den Wald, Richtung Moor, um nach dem Wesen, welches ich vor 2 Tagen gesichtet habe, zu finden.

 

Nicht nur der dicke, wabernden Nebel machte mein Vorankommen schwer, die Bäume selbst schienen mir im Weg zu stehen und raunten. Wisperten, flüsterten mir von meinem Versagen als Mann und Freund zu.

Träumte ich oder war ich mittlerweile selbst schon nahe am Zustand des Lords selbst, geistig umnachtet und heimgesucht von imaginären Bestien, die sich an meinem Verstand labten und immer mehr meiner selbst verschlangen?

 

Oder war der Nebel gar selbst die Bestie?

 

Meine Gedanken waren ohne Hoffnung, ohne Zuversicht und ohne Gewissheit was mich erwarten könnte oder würde.

Dort. Dort ist etwas. Eine krude Gestalt im Nebel, sie schleicht auf mich zu, geduckt oder gekrümmt. Sie setzt zum Sprung an. Zum Sprung auf meine Kehle. Den Spieß wie eine Lanze vor mich hertragend ramme ich diesen dem Unhold in die Kehle. Warmes Blut spritzt. Bringt meine Gedanken zurück. Die zuckende Gestalt krümmt und biegt sich, zerbricht den zur Lanze gewordenen Spieß und wälzt sich über den Boden.

Mich ergreift das Grauen als ich die Gestalt genauer betrachtete, welche in ihren Todeszuckungen allzu sehr an den verstorbenen Mr. Dougles erinnerte.

Es IST Mr.Dougles.

 

Jedoch mit verzerrter, hasserfüllter Fratze, wilder Gestik und glühenden, nicht menschlichen Augen.

Der Todestanz endet und ich kann kaum glauben, geschweigedenn verstehen was gerade passiert ist.

 

Donnerstag, 23. August 1888

 

Ich erwachte am Bett von Christoph, dieser schlief noch friedlich.

Wie ich hier hinkomme?

Ich erinnere mich nicht.

 

Es muss ein unwirklicher Traum gewesen sein. Mr. Dougles ist seit Tagen tot.

Eilend in den Keller, um dies zu überprüfen, muss ich erneut an meinem Verstand zweifeln. Von der Leiche keine Spur. Egal wo ich noch suchte.

Mrs. Bristol wirkt ebenso ratlos wie ich.

 

Von Ms. Enfield ebenso keine Spur. Verwirrt, verwundert und irritiert kehre ich zurück ins Gemach von Christoph. Dieser ist mittelweile wach, murmelt jedoch nur unverständliches Kauderwelsch vor sich hin. Seine Hände zeigen zu seinem Schreibtisch, die Gestik wirkt wie eine Aufforderung, erst jetzt erkenne ich, dass der Tisch beladen von mehreren Schriften ist.

Beim Betrachten dieser wirken sie alt, uralt und unleserlich. Eine fahrige, schiefe wie kleine Schrift, die die Buchstaben zu verschlucken scheint. Ich betrachte die kruden Texte länger und länger, kann jedoch keinen klaren Hinweis ausmachen.

 

Christoph winkt und gibt mir zu verstehen, die Schriften zu ihm zu bringen, mit leichtem Zögern setzte ich seinen Wunsch um, während er auf seinem Bett die Texte ordnet, (wenn auch für mich nicht erkennbar nach welchem Muster) erkenne ich erst jetzt, dass auf der Rückseite auf einem der Schriftstücke ein Zeitungsartikel zu finden ist.

Dieser berichtet von seltsamen Lichtern, die alle paar Jahre oder Jahrzehnten im oder über dem Wald hier in Derbyshire zu sehen sind, deren Quelle jedoch nicht aufzufinden ist. Ich zeige den Zeitungsausschnitt Christoph, welcher aus dem Fenster zum Himmelszelt über den Baumwipfeln des Golden Wood zeigt.

 

Donnerstag, 23. August 1888

 

Große Aufregung im Anwesen, Lord Cunningham ist nirgends aufzufinden.

Ms. Enfield ist ebenso verschwunden. Auch die Leiche des Butlers ist noch nicht wieder aufgefunden worden. Gemeinsam mit Mrs. Bristol finde ich Fußspuren, die in den Wald führen. Vom Fenster des Gemaches des Lords aus kann ich eine Vermutung bestätigen.

 

Die Spuren führen in dieselbe Richtung, in die Christopher selbst gestern gezeigt hat. Ich gehe diesen nach. In meinem Kopf spuken die Ereignisse der letzten Tage bei meinem Marsch durch den Wald, in den Nebel, den Spuren hinterher.

 

Ich verliere die Spuren.

Ich verliere mich im Halbschatten, des verwachsenen Waldes, dessen Bäume ihre Klauen nach mir ausstrecken.

Ich laufe, nein ich RENNE!

Dann ein Heulen.

Ein lautes, bedrohliches HEULEN.

Das eines Hundes?

Eines Wolfes?

Nein, ähnlich, aber anders.

Merkwürdiger.

Seltsamer.

Anders.

 

Ich folge dem Geräusch, dem Nachhall welches sich in meinen Gehörgang gebohrt hat.

 

Hier ist sie also abgeblieben. Ms. Enfield. Mitten im Wald, am Rande des Moors. Hier hat mich das Geheul hergelockt. Hier zu ihren, kalten, entstellten Überresten.

Der Hals hängt gebrochen zur Seite, die Augenhöhlen leer, die Beine ausgerissen, den Rücken zieren Krallenhiebe, die an die kruden, unleserlichen Schriften im Gemach des Lords erinnern.

Ich merke wie mir vor Trauer, salzige Tränen über das Gesicht rinnen, zu Boden fallen und gierig vom feuchten Boden, des böswilligen Moores aufgesogen werden.

Ich renne.

 

Aus Angst?

Aus Scham?

Aus Hilfslosigkeit?

Aus Furcht, genauso zu enden?

Ich renne und renne, keuchend stoße ich dabei den schweren Atem in die kalte Luft des Moores des Grauens aus.

Dann Dunkelheit.

 

Freitag, 24 August 1888

 

Dumpf, benommen, komme ich langsam zu mir und werde meiner Situation langsam bewusst.

Etwas schleift mich über den klammen, morastigen Boden.

Ein aufrecht gehender Wolf?

Nein das, kann nicht sein.

Nein, das ist kein Wolfsmensch.

Kein Werwolf.

Das ist ein Mensch. In Fell gehüllt. Meine Fesseln lassen kaum Spielraum. Ich bocke mich auf, werfe mich zur Seite, aber habe kaum Kraft und bekomme Schläge zur Antwort.

Gnadenhafte Dunkelheit ergreift mich.

Erneut Schwärze.

 

Erwachen, die Fesseln sind lockerer. Aufbäume. Torkeln. Ja es gelingt, die Fesseln rutschen, ich sehe kaum etwas in diesem Dämmerlicht, kann jedoch erst eine, dann die andere Hand befreien, gefolgt von den Beinen. Und ich renne. Renne in die Finsternis des Waldes.

 

Ich stolpere, falle, verliere vollends das Gefühl für die Richtung. Das einzige, was zählt, ist Abstand gewinnen. Ich muss weg von diesem unheiligen, düsteren Ort, der meine Gedanken schwer macht und mit Grauen füllt.

Ich stolpere, torkle, stürze und raffe mich immer wieder auf und wieder und wieder.

Ich gewinne Abstand zu meinem Verfolger.

 

Moment, werde ich überhaupt verfolgt?

 

Ich weiß es nicht, aber ich habe das unbequeme Gefühl.

Auf mein Gefühl kann ich noch eher vertrauen als auf meinen Verstand.

Doch ich bin verloren im Nirgendwo des Moores… Irgendwann falle ich erschöpft, komplett ohne einen Funken Kraft in bodenlose Finsternis, welche die Tore zu meinen (Alp-)Träumen öffnet.

 

Samstag, 25. August 1888

 

Mein Verfolger hat mich eingeholt, es ist Mrs. Bristle oder zumindest etwas, was ihre Kleidung trägt und mich mit Krallen und Zähnen traktiert.

 

Mit allerletzter Kraft, Kämpfe ich und nutzte, was der Wald zu bieten hat. Steine und Stöcke fliegen und in einer Pfütze werde zuerst ich, dann es getaucht, getränkt und schließlich ertränkt.

Ich weiß nicht wie, aber das Wesen, das Ding bleibt regungslos mit der Fratze im Wasser liegen. Geschunden. Zerschunden erhebe ich mich. Meine Gedanken kreisen. Drehen überschlagenden Bahnen. Das macht alles keinen Sinn.

 

Ich erbreche Blut und brackiges Wasser. Alles dreht sich. Der Wald kreist um mich. Oder ich mich um den Wald?

Was ist das?

Licht?

Gleißendes goldenes Licht?

Ich höre ein Grollen, ein Schnauben und eine deformierte, monströse Bestie mit riesigen Augen schält sich aus der Dunkelheit.

Am Rande des gleißenden Lichts erkenne ich ein paar, wenige Details.

Von Lord Christopher Cunningham ist nicht mehr viel übrig, aber dieses Blitzen in den Augen, diese Wangenknochen, der Siegelring des Hauses Cunningham an der Pranke des Ungetüms.

Die Gewissheit, die mein Freund durch die Vorfälle im Moor selbst zu einem Monster wurde.

Ist es das Licht?

 

Das gleißende, güldene Licht wird heller, kräftiger und offenbart mir die ganze, schreckliche Gestalt meines einstigen Freundes.

Es ist zu viel für meinen Verstand, mein Geist zerbricht und taucht ein in die tiefen Gewässer des Wahnsinns. Schluckt das Grauen.

 

Fast dankbar bin ich für dieses Verlieren in mir selbst.

 

Sonntag, 26. August 1888

 

Die Realität auch nur einem Moment länger zu ertragen, mein Scheitern eingestehen, den Verlust vollends zu verstehen, hätte mich noch wahnsinniger werden lassen, als ich es bereits bin.

Nein, ich kann schon lange keine klaren Gedanken mehr fassen.

 

Ich hatte zu viel Grauen gesehen.

 

Ich hatte zu viel Grauen geschluckt.

 

Die schwarze Bestie jagt mein Ich, mein Rest selbst.

 

Gibt es einen Schuldigen?

 

Hätte ich irgendetwas bewirken können?

 

Was ist genau geschehen?

 

Ist Lord Christopher Cunningham wirklich zur Bestie geworden?

 

Gab es vorher schon eine Bestie?

 

Was ist mit dem Butler passiert?

 

Steckten alle Diener unter einer geheimnisvollen Decke?

 

Was ist dies Licht, dieses güldene Licht?

 

Ich verfasse diese Zeilen mit dem aller letzten Funken Verstand, den ich noch besitze.

 

Jedoch kann ich mich an kaum etwas erinnern, was ich zu Anfang der Reise bereits aufgeschrieben habe.

 

Nimmt mir das güldene Licht nicht nur den Verstand, sondern auch die Erinnerung?

 

Vielleicht vermagst du, Finder und Leser meines Tagebuches, diese Notizen hilfreich finden, um die Bestie im Moor zu stellen.

 

Denn ich vermag es nicht mehr, das Schreiben jedes Buchstabens fällt schwerer und schwerer, meine Hände gleichen nun eher Klauen, die Feder ist kaum zu halten und mein Blut wird weniger und kälter…


Bearbeitet von Belshannar, 30. Juli 2020 - 22:04 .

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#2 Die InsMaus

Die InsMaus

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Geschrieben 29. Juli 2020 - 07:12

Genau das Abenteuer habe ich auch gespielt. Ich fand den Einstieg und den Spielmechanismus vollkommen ausreichend. Da heißt, dass ich die vorgegebenen Ereignisse irgendwann eher als störend empfunden habe, weil sie mich dann wieder bei meiner Story eingeschränkt haben. Beim nächsten Mal würde ich diese vorgegebenen Ereignisse wohl ignorieren bzw. nur optional einflechten.


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„We can still kill It. We can still kill It . . . if we‘re brave.“

Stephen King, It


#3 Seanchui

Seanchui

    Advanced Member

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Geschrieben 29. Juli 2020 - 07:20

Ich habe "Kettenrasseln" gespielt. Ich bin tatsächlich ein wenig am Mechanismus "gescheitert", da ich plötzlich sehr radikal mit den NSC aufräumen musste :-). Aber das ist dann nun mal "meine" Geschichte ;-)


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#4 Belshannar

Belshannar

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Geschrieben 29. Juli 2020 - 21:14

Genau das Abenteuer habe ich auch gespielt. Ich fand den Einstieg und den Spielmechanismus vollkommen ausreichend. Da heißt, dass ich die vorgegebenen Ereignisse irgendwann eher als störend empfunden habe, weil sie mich dann wieder bei meiner Story eingeschränkt haben. Beim nächsten Mal würde ich diese vorgegebenen Ereignisse wohl ignorieren bzw. nur optional einflechten.

Das Szenario und "Der verlorene Fluss" habe ich bisher "gespielt".

 

Kann ich nachvollziehen, mich hat es zuerst auch, jedoch nur kurzzeitig gestört dann habe ich es als Setzung akzeptiert und probiert damit zurecht zu kommen.

Es schränkt definitiv ein in der kreativen Freisetzung/Entfaltung, gibt aber auch einen engeren Rahmen vor, in dem man sich orientieren kann.

 

Ich habe "Kettenrasseln" gespielt. Ich bin tatsächlich ein wenig am Mechanismus "gescheitert", da ich plötzlich sehr radikal mit den NSC aufräumen musste :-). Aber das ist dann nun mal "meine" Geschichte ;-)

Dem kaum vorhandenem Mechanismus^^. Habe nach meinem ersten Verlauf einen zweiten nur "gezogen" und kurz im Kopf imaginiert was hier herausgekommen wäre, also als reines Gedankenspiel, hier erhielt ich im Prinzip auch nur eine Mord/Angriff nach dem anderen, was etwas Monoton war und die Story auch sehr eintönig dargestellt hätte.


Bearbeitet von Belshannar, 29. Juli 2020 - 21:15 .

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