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Spielbericht: "Whodunit" im Berliner Rotlichtmilieu

Spielbericht Berlin Krimi

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Eine Antwort in diesem Thema

#1 HerrGantenbein

HerrGantenbein

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Geschrieben 19. Juli 2021 - 23:03

Ich habe jüngst zum ersten Mal ein sogennantes "Whodunit" (Who done it? - Wer war's?) Krimi-Abenteuer entworfen und geleitet. Da ich mir dachte, dass das vielleicht auch für andere nett zu lesen ist, habe ich mal einen Spielbericht in Form einer Zusammenfassung angefertigt, den ich hier mit euch teilen will. Angeregt wurde ich dazu von Corpheus' Berichten, die ich teilweise und sehr gern gelesen habe.

 

Abenteuertitel: Zehn-Null-Sieben (wer errät, wo dieser Titel herkommt, wird von mir zum Nerd-König des Internets erklärt)

 

Protagonisten:
Bubblegum, die quirlige Technomancerin (Ork)
Midnight, die Gothic-Schamanin (Troll)
 
Datum:
18.12.2080 (Mittwoch)
 
Vorbemerkung:
Das im Folgende zwei Mal genannte Abenteuer "Volles Rohr" stammt ebenfalls von mir und ging dem hier geschilderten voraus. Die Runner haben dort an einem Todesrennen auf dem Hot Circuit teilgenommen, gewonnen und der Horde unter Captain Franky auf der anschließenden Siegesfeier ermöglicht, den Hot Circuit von den Vorys zu übernehmen. Dabei hat die anfängliche gute Beziehung zum Betreiber des Hot Circuit - Crazy Iwan - leider ziemlich gelitten. Für das aktuelle Abenteuer ist all das aber nicht weiter wichtig.
 
Prolog:
Im letzten Abenteuer (Volles Rohr) lernte Bubblegum bei einem Rennen auf dem Hot Circuit* die beiden Prostituierten "Schöner George" (Männlicher Mensch, stark vercybert) und Charlene (Diverser Troll) kennen. Nebenbei bemerkte sie einen Streit zwischen Charlene und einem unbekannten Elfen. Wenig später wird Charlene mit einer Garotte erdrosselt auf der Toilette des VIP-Bereichs aufgefunden. Midnight askennt die Leiche und findet die Signatur eines physischen Adepten. Bubblegum bietet George Schutz an und gibt ihm den Kontakt ihrer Nachbarin (Sandra, Urberlinerin mit Haaren auf den Zähnen). Dieser jedoch türmt und taucht erst einmal unter. Charlenes Leiche wird ohne viel Aufhebens entsorgt und die Sache ist für den Hot Circuit damit beendet.
 
Erste Sitzung:
Zehn Tage nach dem Finalrennen im Hot Circuit (Volles Rohr) steht der schöne George unvermittelt vor Bubblegums Wohnungstür. Er berichtet, die letzten Nächte auf der Straße und in der Angst um sein Leben verbracht zu haben und sucht jetzt eine Unterkunft und Schutz. Zunächst bekommt George eine heiße Dusche und Bubblegum damit die Gelegenheit, seine Taschen zu filzen. Neben einem verdächtigen weißen Pulver im eindeutigen Plastikbeutel findet sie ein Kommlink, zu dem sie sich kurzerhand Zugriff verschafft. Das Gerät wurde erst kürzlich formatiert, sodass Bubblegum nur wenig nennenswerte Informationen auslesen kann. Einzig die Konversation mit einem gewissen "Weber" scheint ihr verdächtig: George schrieb ihm die Buchstabenfolge "KPLM" und erhielt direkt darauf die Zahl "1932". Nachdem sie und die inzwischen eingetroffene Midnight George davon überzeugen konnten, dass Verstecken mittelfristig keine Lösung sein kann, bietet er den beiden seine Ersparnisse in Höhe von 1.000 € für die Aufklärung des Falls an. Er kann den Runnern erzählen, dass inzwischen ein weiteres Opfer (Korall, zwergische Prostituierte) aufgefunden wurde. Beide Tote gehörten dem Bordell "Sagrada Familia" in Kreuzhain an, welches von der ehrwürdigen Dame "Madonna" geleitet wird. Auf Nachfragen kitzeln Midnight und Bubblegum aus George noch heraus, dass auch er selbst bis vor einigen Wochen noch Teil der "Familie" war, bis Madonna ihn auf die Straße setzte. Mit diesen Informationen in der Tasche wird George kurzerhand zu Sandra verklappt (die sich freut, endlich einen sinnvollen Einsatz ihrer Ersparnisse gefunden zu haben) und die Ermittlungen werden aufgenommen.
 
Der erste Weg für die beiden Aushilfsdetektive in den Norden von Kreuzhain, zum "Sagrada Familia" in der Hausburgstraße. Das Bordell bedient eher im unteren Preissegment, versucht aber nicht ganz ohne Erfolg, sich einen Hauch von Klasse zu erhalten. Die Aufmachung ist kostenbewusst (sprich: billig) aber mit Finesse im Stil der mediterranen Renaissance angesiedelt. Midnight und Bubblegum geben sich erst einmal als Kundinnen aus und begutachten interessiert die Menükarte, welche sowohl bezüglich der angebotenen Praktiken als auch des zur Verfügung stehenden Personals recht reichhaltig daherkommt. Man einigt sich auf eine sinnliche Fußmassage für den Beginn und wählt zwei Prostituierte aus, die Bubblegum bereits auf dem Hot Circuit gesehen hat (Blister, ein femininer Menschenjunge mit vercyberten Gelenken und Janine, eine Zwergin mit auffälligen Cyberaugen).
 
Der Versuch, von der erotischen Fußmassage zur Zeugenbefragung überzugehen, gelingt nur mäßig, führt die beiden aber schließlich zu einer Audienz bei Madonna. Diese untersetzte, aber dennoch attraktive und offenbar sehr stilbewusste Mittfünfzigerin führt die "heilige Familie" als Matrone an und sorgt sich streng mütterlich um ihre "Kinder". Folglich fällt es Bubblegum nicht schwer, nach kurzen Verhandlungen ein Honorar von zehn Massagegutscheinen (mit Happy End) und 25.000 € (5.000 € davon im Voraus) für die restlose Aufklärung der Morde und die - wenn nötig auch endgültige - Festsetzung des Täters auszuhandeln. Damit wurde aus einer freizeitlichen Spurensuche ein handfester und lukrativer Auftrag für die beiden. Madonna kann ihnen noch einen Kontakt beim Sternschutz - Polizeikommissar Balthasar Pflaume - und ein paar Informationen zum zweiten Mord geben: Koralls Leiche wurde in der Gasse zu einem Nebeneingang der Ödnurpyramide* gefunden. Offenbar wurde auch sie mit einem dünnen Draht erdrosselt. Sie war auf Kundenbesuch in der Gegend. Besagten Kunden möchte Madonna vorerst nicht preisgeben, da Diskretion in ihrem Geschäft nun einmal alles ist. Außerdem bemerkt sie noch, dass sie bereits einen eigenen Mann auf die Sache angesetzt hat, einen Runner namens "Bon Soir", der ein enger Freund der Familie sei. Auf die Frage, welche "Kinder" am Tag von Charlenes Mord noch auf dem Hot Circuit im Einsatz waren, erhalten Midnight und Bubblegum noch die Namen Stella und Esmeralda (beides weibliche Menschen).
 
Mit Kommissar Pflaume vereinbart Bubblegum sogleich telefonisch ein Treffen um 20:00 Uhr in der Hauergasse*. Da bis dahin noch etwas Zeit ist, fahren die beiden Ermittlerinnen kurzerhand noch zum Circuit. Crazy Iwan* dürfte aufgrund ihres letzten Runs zwar nicht so gut auf sie zu sprechen sein, jedoch haben sie bei Franky (männlicher Ork, ein Captain der Horde und neuer "Schutzherr" des Hot Circuit) gewissermaßen einen Stein im Brett. Noch auf dem Weg kann also eine Ermittlungserlaubnis eingeholt werden, und der Horde-Ganger Muni (männlicher Ork) empfängt Bubblegum und Midnight am Rand des Geländes. Er überlässt ihnen alle relevanten Kameraaufzeichnungen vom betreffenden Tag, die um- und eingehend analysiert werden: Der Streit zwischen Charlene und dem unbekannten Elfen ist nur leidlich aufgezeichnet, eine sinnvolle Gesprächsanalyse nicht möglich. Einige Minuten darauf sucht Charlene die Toilette auf. Nur kurz darauf betritt auch besagter Elf die stille Örtlichkeit, in der es jedoch keine Kameraüberwachung gibt. Auf der ganzen Aufnahme verlässt der Elf die Toilette nicht mehr, den beiden fällt jedoch auf, dass einige Minuten nach Charlenes Todeszeitpunkt ein anderer Elf den Tatort verlässt, der das Klo vorher nicht betreten zu haben scheint. Da sowieso von einem Adepten als Täter auszugehen ist, schließen die Ermittlerinnen darauf, dass hier Kosmetische Kontrolle (Arkane Kräfte S. 94) im Spiel sein muss. Folglich dürften diese Aufnahmen nicht besonders zielführend sein, könnte der Täter doch irgendwie aussehen, muss nicht einmal ein Elf sein.
 
Nach diesem leichten Rückschlag geht es in die Hauergasse. Dort treffen Midnight und Bubblegum tatsächlich auf Kommissar Pflaume (männlicher Ork), der sich überraschend kooperativ zeigt. Er könnte zwar nicht selbst tätig werden, da nicht offiziell ermittelt würde und ihm keine Ressourcen zur Verfügung stehen, stehe jedoch in Madonnas Schuld und würde den beiden deshalb Auskunft geben, so gut er kann. Er berichtet von einem dritten Mord an einem bisher nicht identifizierten männlichen Goblin, der auch erdrosselt wurde und anscheinend dem horizontalen Gewerbe nachging. Außerdem überreicht Pflaume den Ermittlerinnen ein Beweisstück, das auf Koralls Leiche sichergestellt wurde: Ein Stück Papier, auf welches drei japanische Kanji (お 釜 道) gekritzelt wurden. Der Ork selbst weiß damit wenig anzufangen - seiner Recherche nach ergibt diese Zeichenfolge keinen Sinn. Das zweite Zeichen kann für "Kessel" und das dritte für "Weg" oder "Straße" stehen, einen Zusammenhang mit der Kesselstraße in Schönefeld vermutet er jedoch nicht.
 
Im Anschluss an das Gespräch mit Kommissar Pflaume werden die eigenen Connections nach den rätselhaften Zeichen befragt. Bubblegum stößt in einem Anime-Forum auf den User "Monkeyfist247", der ihr berichten kann, dass die ersten beiden Zeichen eine ehrwürdige Bezeichnung für einen Reistopf seien, und das letzte Zeichen auch im Ehrenkodex der Samurai (Bushidō, 武 士 道) vorkommt. Es ist das "Do", welches zwar durchaus einen Weg oder eine Reise, im daoistischen Sinne aber auch eine Lebenseinstellung oder Philosophie bedeuten kann. Midnight erfährt von ihrer Taliskrämerin, die früher einmal mit den Triaden zu schaffen hatte, dass die Bedeutung "Reistopf" für die ersten beiden Zeichen zwar korrekt, inzwischen aber weniger üblich als die zweite, pejorative Bedeutung für einen männlichen, passiven Sexualpartner ist. Mit diesem Hinweis erschließen sich die Ermitlerinnen "Okama" (お 釜) als durchaus auch selbstgewählten Ausdruck für Transsexuelle, Transvestiten oder auch Drag-Queens. Vorläufige Arbeitsthese also: "Lebensweg des Transsexuellen / der Schwuchtel" (je nachdem, ob das Pejorative erhalten bleibt). Das passt nicht zur eindeutig weiblichen, durch und durch natürlichen und zudem ausgesprochen attraktiven Zwergin Korall, sodass auch diese Spur erst einmal in einer Sackgasse endet.
 
Die Ermittlerinnen kontaktieren Madonna und teilen ihr die bisherigen Ergebnisse mit. Diese verspricht zunächst, Koralls letzten Kunden zu einer Befragung zu überreden (von sich aus preisgeben will sie ihn nicht), unterbricht die Verbindung aber abrupt und scheinbar irritiert, als Midnight ihr eine Aufnahme der Kanji-Schriftzeichen schickt. Ziemlich seltsam, aber im Moment nicht zielführend. Der sprichwörtliche letzte Strohhalm scheint im Moment ein Gespräch zu sein, an das sich Bubblegum erinnert: Auf dem Hot Circuit belauschte sie Blister und Janine, wie sie sich nach dem Mord an Charlene unterhielten. Es fiel der inzwischen bekannte Name Madonna, aber auch der Name Madrigal, der bis jetzt nicht einzuordnen ist. Blister und Janine sind gerade nicht erreichbar, aber die Matrix spuckt zu Madrigal vornehmlich einen Treffer aus: Ein queerer Burlesque-Tänzer, der zufälligerweise heute Abend um 24:00 Uhr eine Vorstellung im Dark-Poetry-Club Schopenhauer* gibt.
 
Zu verlieren gibt es nichts und die Zeit ist da, also fahren die beiden zu Bubblegum, um sich frisch zu machen und anschließend Tanzen zu gehen. Sie bekommen mit, dass George sich inzwischen nicht nur hingebungsvoll um Sandra gekümmert, sondern auch einen kleinen Spaziergang gemacht hat. Das passt so gar nicht zu ihren eigenen Plänen, ihn aus der Schusslinie zu halten. Die gerechtfertigte Standpauke scheint jedoch nicht so recht zu George durchzudringen. Mit ihrer Astralsicht kann Midnight herausfinden, dass George unter dem Einfluss einer Droge steht, welche ihn offenbar entspannter und konzentrierter, aber auch leichtsinniger werden lässt. Da Sandra aber verspricht, Georges Zeit vorerst vollumfänglich in Anspruch zu nehmen, lassen Midnight und Bubblegum die Sache zunächst auf sich beruhen. Auch George zeigen sie die Schriftzeichen, und dieser bringt endlich etwas Licht ins Dunkel: Er habe die Schriftzeichenfolge schon mehrfach gesehen. Bon Soir, selbst Runner und enger Freund der Familie, der hin und wieder für die Sicherheit der Kinder sorgt oder andere kleine Jobs für Madonna erledigt, trägt diese Schriftzeichen auf dem Rücken seines Designermantels. Damit gibt es einen ersten Hinweis auf die Identität des Mörders, und auch Madonnas Irritation ergibt jetzt Sinn: Könnte ihr enger Vertrauter, den sie selbst mit der Aufklärung der Morde betraut hat, am Ende der Täter sein? Mit dieser Idee im Hinterkopf begeben sich die Ermittlerinnen aber zunächst auf den Weg ins Schopenhauer, um Madrigal zu finden.
 
Im Hipster-hippen Gruftischuppen ist die Party wie jeden Abend schon voll im Gange und zumindest Midnight hat es leicht, sich unters Volk zu mischen. Für Bubblegums Geschmack ist der Laden etwas zu düster, was sie aber nicht daran hindert, mit eigener, "passenderer" Musik auf den Ohren wild zappelnd die Tanzfläche zu erobern. Midnight entdeckt im Astralraum einige Geister, die anscheinend zum Publikum gehören. Darunter auch zwei manifestierte Geister des Menschen. Die erste, Serendippity, erkennt keine der Personen, deren Bilder Midnight ihr zeigt (Kameraaufnahmen von Charlene, dem mit ihr streitenden Elfen und dem Elfen, der nach dem Mord das Klo verlassen hat. Außerdem Aufnahmen von Korall und dem namenlosen Goblin, die sie von Kommissar Pflaume bekommen hat). Aber sie kann Midnight an den zweiten manifestierten Geist verweisen: Er nennt sich Poe (und sieht auch so aus wie der gleichnamige Schriftsteller) und scheint quasi immer im Schopenhauer zu sein. Seiner Aussage nach war keine der abgebildeten Personen innerhalb der letzten fünfzehn Jahre in diesem Gebäude, da ist er sich recht sicher. Bevor dieses weitere tote Ende betrauert werden kann, schlägt die Uhr jedoch Mitternacht und der Vorhang hebt sich zur Show.
 
Der Transvestit Madrigal führt eine stark abgewandelte und viel düstere Version des Schwanensee-Ballets auf, wobei er durchaus einige Hüllen fallen lässt. Die Vorstellung vermag das ansonsten eher existentialistisch-zurückhaltende Publikum in (für ihre Verhältnisse) fast schon ekstatische Begeisterung zu versetzen, zwischendurch wird sogar vereinzelt und leise applaudiert. Misstrauisch geworden nimmt sich Midnight wieder den Astralraum vor und askennt Madrigal: Nicht nur ist seine Darbietung tatsächlich magisch unterstützt (Fesselnde Vorstellung, Arkane Kräfte S. 92), sondern er selbst ist offenbar auch ein Adept - ein bekannter noch dazu! Midnight erkennt seine Signatur wieder und weiß, dass es dieselbe ist, die sie an Charlenes Leichnam gesehen hat. Über ihre subvokalen Mikrofone sprechen sich die beiden ab und beschließen, Madrigal direkt nach der Vorstellung zur Rede zu stellen. Barkeeper Heidegger (männlicher Troll mit sehr interessanter, schwarzhaariger Perücke) lässt auf Nachfrage vernehmen, dass es üblich ist, Darsteller nach der Show an der Bar anzutreffen, um sich auszutauschen und ein bisschen existentialistische Kritik loszuwerden. Also postieren sich die beiden und Bubblegum spricht Madrigal sofort nach seinem Auftauchen unvermittelt an. Der extrovertierte Transvestit ist ein fröhlicher Zeitgenosse, der seine Sprache mit leidlich französischen Ausdrücken versetzt. Das macht Bubblegum stutzig, und sie riecht eine Verbindung zu Bon Soir. Also beginnt sie, das bisher beiläufige Gespräch mit Reizwörtern ("Charlene", "Soiree" etc.) zu versetzen und Madrigals Reaktionen zu beobachten. Als sie sich sicher ist, dass hinter seiner stark geschminkten Visage mehr vorgeht, als er zugibt, bringt sie die Morde unumwunden zur Sprache und bittet ihn mit einem leichen Augenwink auf ihre Mossberg-Schrotflinte, das Gespräch im Backstage-Bereich fortzusetzen.
 
Mit Madrigal in der Mitte verlassen die drei also den Barraum und finden sich in einem schwach beleuchteten Gang wieder, der sowohl hinter die Bühne als auch zu Vorratsräumen und dergleichen zu führen scheint. Dann spitzt sich die Situation zu: Madrigal springt an Bubblegum vorbei und versucht, durch den Gang ins Innere des Gebäudes zu flüchten. Selbige zieht ihre Schrotflinte, zögert jedoch, einen lauten und damit Aufmerksamkeit erregenden Schuss abzugeben. Midnight jagt Madrigal einen Verwirrungszauber hinterher, der ihn zwar trifft, aber nicht zum Stehen bringt. Erst als sie ihm hinterherrufen, warum er Charlene und Korall ermordet habe, endet die Verfolgungsjagd. Madrigal stellt sich und gibt Preis, dass er sich absolut sicher war, die beiden seien die Mörderinnen der Prostituierten und nun auch hinter ihm her. Eine angespannte Situation also, in der die sprichwörtlichen Karten auf den Tisch gelegt werden müssen: Madrigal und Bon Soir sind dieselbe Person, einerseits Runner und andererseits Burlesque-Tänzer. Außerdem ist Bon Soir tatsächlich ein enger Freund der Sagrada Familia und war es darüber hinaus auch von Charlene persönlich. Für die Tatzeit hat er ein ziemlich gutes Alibi (er hat noch den Kaufbeleg mit Zeitstempel eines sehr knappen Latex-Outfits auf dem Kommlink) und auch darüber hinaus kann er die beiden Ermittlerinnen davon überzeugen, dass er kein Motiv für einen der fraglichen Morde hätte. Die Schriftzeichen sind sein persönlicher Ehrenkodex, der "Okama Way of Life", und demnach eine denkbar dämliche Art, ein Spur am Tatort zu hinterlassen. Offen bleibt die Frage, wie seine astrale Signatur dann auf Charlenes Leiche gekommen ist. Sowohl Bon Soir (der nicht einmal Zugriff auf den Astralraum hat) als auch Midnight (die wenig magietheoretisches Wissen besitzt und astrale Signaturen eigentlich für fälschungssicher hält) können sich darauf einen Reim machen. Nichtsdestotrotz scheint Bon Soir entlastet, und Midnight und Bubblegum entschließen sich zur Zusammenarbeit. Bon Soir enthüllt, dass er die Kundenstämme der Opfer unter die Lupe nehmen will und den Kreis der verdächtigen schon etwas einschränken konnte: Von einem Arzt namens Bergmann und einem Anwalt namens Brower weiß er sicher, dass sie sowohl Kunden von Charlene als auch von Korall gewesen sind. Einen Renraku-Sarariman namens Mitsuhama, der auf jeden Fall von Korall bedient wurde, verdächtigt er auch, unter anderem Namen die Dienste von Charlene in Anspruch genommen zu haben. Darüber hinaus gebe es noch zwei Unbekannte, deren Identitäten er derzeit aufzudecken versucht, die seiner Meinung nach in Frage kämen.
 
Mit diesen neuen Ansätzen verabredet sich die Gruppe zur erneuten Besprechung am nächsten Tag. Auf dem Heimweg kontaktiert Midnight noch Madonna, um ihr mitzuteilen, dass sich der Verdacht gegen Bon Soir nicht bestätigt hat. Dann endet der Tag und damit auch die erste Spielsitzung.
 
Anmerkung der SL: Mir ist ein kleinerer Patzer unterlaufen. Als es um die Anime-Szene ging, habe ich behauptet, der bekannteste Anime 2080 wäre "One Piece" (der Gag sollte sein, dass One Piece auch in 60 Jahren noch nicht abgeschlossen sein wird). Daraufhin haben sich die Runner in der Matrix explizit in One Piece-Foren umgehört. Leider habe ich nicht bedacht, dass der Charakter "Bon Soir" nach einer Figur aus eben diesem Anime (Bentham, auch bekannt als Mr. 2) entstanden ist. Folglich müsste die Bedeutung der Schriftzeichen einem erklärten One Piece Fanatiker eigentlich sofort auffallen. Ich wollte die Info aber nicht zu schnell rausrücken, und habe so einen Logikfehler erschaffen.
 
Mit * markierte Personen und Orte sind (abgesehen von den Details) kanonisch.

  • raben-aas, Corpheus, Krushvor und 2 anderen gefällt das

"Jede Verschwörungstheorie basiert auf der Vorstellung von akkumulierter Macht, womit sie reaktionär ist und letztlich falsch sein muss."


#2 Corpheus

Corpheus

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  • 11.839 Beiträge

Geschrieben 23. Juli 2021 - 12:43

Sehr schöne Beschreibung! Tolle Gestaltung des Milieus und tolle Namenswahl (auch die der SC`s). Da hab ich irgendwie immer Schwierigkeiten (vielleicht wegen der Sprache - wir spielen in Seattle).

 

Was mich interessieren würde: Hattest du beim Entwurf des Runs einen idealen bzw. wahrscheinlichsten Lösungsweg im Sinn? In welchen Punkten sind die Runner davon abgewichen?? Wo haben sich die Runner in eine Sackgasse verrannt bzw. wo mußtest du mit dem Zaunpfahl winken???


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