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Name "Strasbourg"


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8 Antworten in diesem Thema

#1 draleman

draleman

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Geschrieben 09. April 2011 - 09:44

Bin gerade bei Spielbox auf das Spiel Strasbourg aufmerksam geworden. Stutzig wurde ich, als ich dann hier las, es spiele im 15. Jahrhundert. Denn da hieß die Stadt mit Sicherheit nicht Strasbourg. Was habt Ihr Euch bei diesem Anachronismus gedacht?

#2 Astartus

Astartus

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Geschrieben 09. April 2011 - 10:10

Von Tanta Wiki:
Die römische Vorgängersiedlung hieß Argentoratum („Silberburg“). Der heutige Name kam im Mittelalter auf, und setzt sich aus „Straße“ und „Burg“ zusammen, im Sinne von „Burg an der Straße“ bzw. „Burg an (wichtigen) Straßen“.

Und da das Mittelalter für mich persönlich so um das 13. Jahrhundert (eigentlich 6. bis 15 Jahrhunder) angesiedelt ist, sollte die Stadt im 15 Jahrhundert bereits "Strasbourg" heißen.
Ich persönlich sehe da keinen Anachronismus.

#3 draleman

draleman

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Geschrieben 09. April 2011 - 10:26

Die Stadt wurde erst Ende des 17. Jahrhunderts französisch. Dass sich die französische Form vom deutschen Straßburg ableitet und daher die gleiche Etymologie hat, steht außer Frage.

#4 André Zottmann

André Zottmann

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Geschrieben 09. April 2011 - 14:08

Das Spiel "Strasbourg" ist zweisprachig, es enthält Regeln in deutsch und englisch. Die Stadt heißt auf deutsch "Straßburg" und auf englisch "Strasbourg". Da das Spiel international verkauft wird, ist der international bekanntere Name "Strasbourg" auch der sinnvollere Titel. Hinzu kommt, dass der Buchstabe "ß" im Ausland zu Problemen führt, so dass das Spiel bei dem Titel "Straßburg" in vielen Großhandelslisten nicht korrekt hätte geschrieben werden können.

Allgemein haben Spiele nicht unbedingt den Anspruch, historisch korrekt zu sein, sondern Menschen zu unterhalten. "Strasbourg" ist inhaltlich nicht historisch korrekt, kann es auch gar nicht sein. Ein Beispiel: Im Spiel gibt es im Rat der Stadt 8 Plätze, aber der Innere Rat der Stadt hatte im 15. Jahrhundert viel mehr Plätze als 8. Oder: Im Spiel ist der "Wert" der Bäckerszunft der niedrigste, weil es mehr der heutigen intuitiven Wahrnehmung entspricht im Vergleich mit den anderen Zünften des Spiels. In Wirklichkeit hatte die Zunft der Bäcker eines der höchsten Ansehen in der Zeit, in der das Spiel spielt.

Solche Abweichungen sind Absicht und dienen meist dem Sinne des Spiels, manchmal gibt es auch andere Beweggründe.
André Zottmann
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#5 draleman

draleman

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Geschrieben 09. April 2011 - 15:10

Hallo André,

danke für Deine ausführliche Antwort. Das Problem mit den Großhandelslisten hätte man natürlich umgehen können, wenn man das Wort auf der Box ganz in Großbuchstaben geschrieben hätte. Ich fühle mich halt durch einen Namen wie Strasbourg nicht ins Heilige Römische Reich des 15. Jahrhunderts versetzt. Und theme macht ja durchaus einen nicht zu unterschätzenden Teil vieler Spiele aus. Dass US/UK-Käufer sich unter Strasbourg vermutlich mehr vorstellen können als unter Straßburg oder STRASSBURG, ist sicher richtig. Andererseits kann ja auch gerade eine gewisse Verfremdung ein Spiel interessant machen. Ich denke dabei an Colonia, das sich meines Wissens nicht nur in Spanien und Italien ganz gut verkauft hat. :-)

Schönes Wochenende!

#6 André Zottmann

André Zottmann

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Geschrieben 09. April 2011 - 20:31

Das Problem mit den Großhandelslisten hätte man natürlich umgehen können, wenn man das Wort auf der Box ganz in Großbuchstaben geschrieben hätte.

Sorry, aber "STRASSBURG" geht einfach gar nicht, davon bekommt man ja Augenkrebs! ;) Zum einen tut mir die Schreibweise mit Doppel-S körperlich weh, zum anderen hätten Großbuchstaben die Gesamtoptik des Covers gestört.

Ich denke dabei an Colonia, das sich meines Wissens nicht nur in Spanien und Italien ganz gut verkauft hat. :-)

Gutes Beispiel! Colonia ist meines Wissens nämlich auch nicht der korrekte Name für Köln in der damaligen Zeit - auch wenn das die meisten Menschen denken! ;)
André Zottmann
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#7 draleman

draleman

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Geschrieben 12. April 2011 - 15:41

Ich gebe Dir auf der ästhetischen Ebene völlig recht! Wollte nur sagen, dass es da einen Weg gegeben hätte.
Was Colonia angeht, stimme ich nur teilweise zu. In der Zeit, in der das Spiel angesiedelt ist, war Latein übliche Schriftsprache, und in der hieß die Stadt Colonia. Französisch hingegen war weder im 15. Jahrhundert noch davor verbreitete Schrift- oder Umgangssprache in Straßburg. Ich habe das Spiel Colonia angeführt, um zu zeigen, dass manchmal bewusst das (potenziell) Unbekannte gewählt wird, um Interesse zu wecken. Jemand, der mit Strasbourg vertraut ist und Straßburg liest, mag eben so wie jemand, der mit Cologne vertraut ist und Colonia liest, dazu angeregt werden, sich das Spiel näher anzusehen. :-)
Wie dem auch sei, viel Erfolg mit dem Spiel!

#8 André Zottmann

André Zottmann

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Geschrieben 12. April 2011 - 16:26

Was Colonia angeht, stimme ich nur teilweise zu. In der Zeit, in der das Spiel angesiedelt ist, war Latein übliche Schriftsprache, und in der hieß die Stadt Colonia.

Wirklich? Laut Wikipedia hieß die Stadt "Colonia Claudia Ara Agrippinensium" und später "Colonia Agrippina" ... ;)
André Zottmann
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#9 draleman

draleman

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Geschrieben 12. April 2011 - 18:49

Habe daraufhin mal die Goldene Bulle aus dem Regal geholt. Sie benutzt das Adjektiv coloniensis und kommt ohne Agrippina aus. Colonia Agrippina war die mittelaterliche Langform, klare Sache. Unterm Strich, denke ich, verhält es sich dabei aber wie mit Freie und Hansestadt Hamburg, d.h. die Langform kam nur selektiv zum Einsatz.




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