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Wahnsinn - und weiter?


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15 Antworten in diesem Thema

#1 Guest_M_*

Guest_M_*
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Geschrieben 15. Mai 2003 - 10:10

geht's euch auch so?

wahnsinn ist ja ein recvht zentrales element des spiels - früher oder später wird der eine oder andere spieler einen mentalen knacks bekommen. und obwohl das kapitel im GRW ja recht dick ist, kommt es mir doch ziemlich unergiebig vor. ich meine nicht damit die regeltechnische komponente des wahnsinns, sondern eher die rollenspielerische. irgendwie kommt mir das so vor, als ob man mit dem aktiven ausspielen von wahnsinn als spieler und als spielleiter recht allein gelassen.
die regeln geben zwar vor, wann man geisteskrankheiten entwickelt, aber wie man diese überzeugend rüberbringen kann - sense.
ich denke, aus diesem grund sind auch die phobien so überdurchschnittlich breit behandelt - angst vor etwas oder jemanden lä?t sich IMO noch am einfachsten darstellen, auch wenn bei reiner ablehnung, unwohlsein und meidung eine phobie wohl eher "flach" rüberkommt. wahrscheinlich dürften phobien auch die geistigen defekte sein, die spieler am meisten entwickeln, weil sie relativ einfach darzustellen scheinen.
bei ECKBERT hab ich das thema mal angesprochen und den anderen ging es ähnlich. jörn meinte dann, da? er es bedauerlich findet, da? gerade phobien eher als spieltechnisches element aufgefa?t werden, da? sie also benutzt werden, um die spieler zu lenken (aquaphobie: mediung von wasserflächen etc.), dem eigentlichen ausspielen von einer das leben beherrschenden angst wenig raum gewidmet wird.

ähnlich ist es beid er paranoia: gutgut, verfolgungswahn und so. aber da ist doch viel mehr, als der klischeehafte paranoiker, der sich ständig umschaut und hinter jedem menschen'nen gegner wittert (Stichwort: Die Caine war ihr Schicksal von Herman Wouk).

und wie bringe ich schizophrenie überzeugend rüber, ohne ständig auf einem "jetzt bin charlie und morgen uwe" rumzureiten. okay, sorry, das mag jetzt alles leicht überzogen wirken, aber eventuell so leichter klar, was ich meine.
"Taint of Madness" sieht da übrigens ähnlich mau aus: behandlungsmethoden schön und gut, aber spielhilfen zum ausspielen von wahnsinn fehlen auch hier. ich finde das relativ schade, denn meiner meinung nach dürften geisteskrankheiten ein sehr gutes stilmittel der spieler nicht nur des spielleiters sein, um das spiel beklemmender zu machen, also etwas, womit auch die "andere" seite des spieltisch etwas an der hand hat, um eine bedrohliche atmossphäre zu kreieren.

natürlich könnte man sich jetzt durch meterweise psychologie-literatur fressen - was sicherlich nicht uninteressant wäre - aber gibt es irgendwas speziell für rollenspiel das da weiterhelfen könnte? etwas, das nicht nur einblick in die psyche von wahnsinnigen gibt, sondern auch vorschläge macht, wie man sowas konkret umsetzen kann? oder noch viel besser: ist sowas vielleicht von pegasus geplant - ein band der sich nur mit geisteskrankheit und rollenspiel beschäftigt?
"Unseen masters" soll ja aus spychologischer hinsicht klasse sein - kann dajemand vielelicht was zu sagen?

#2 Carsten S.

Carsten S.

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Geschrieben 15. Mai 2003 - 10:17

hallo,
hm, wirklich weiterhelfen kann ich dir da auch nicht. aber ich halte es für eine interessante idee, sich diesem thema mal in einem artikel zu widmen - in der CW oder an anderer stelle.
es würde mich doch schwer wundern, wenn es in unseren reihen nicht den ein oder anderen (klinischen) psychologen geben würde. meinereiner hat zwar mal ein bissel sozialpsychologie studiert und kennt auch die ein oder andere therapeutin (privat nicht als klient ;) ), aber so wirklich fit bin ich in dem thema nicht. (sozialpsychologie hat eben nicht wirklich viel mit geisteskrankheiten zu tun)

denn du hast recht. geisteskrankheiten im spiel sind eine haarige sache. hatte das problem auch mal. nun kann man natürlich sagen, da? der entsprechende spieler scheisse war (was auch stimmt ;) ), aber schlie?lich kann man von niemandem, der noch nicht irgendwie mit geisteskrankheiten in berührung gekommen ist, erwarten, da? er derartiges vernünftig ausspielen / ins spiel einbringen kann, ohne gleich in klischees abzurutschen.

gru?,
carsten (der zumindest noch wei?, da? schizophrenie nicht unbedingt was mit "ich bin napoleon" zu tun hat)

#3 Guest_M_*

Guest_M_*
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Geschrieben 15. Mai 2003 - 10:30

(der zumindest noch wei?, da? schizophrenie nicht unbedingt was mit "ich bin napoleon" zu tun hat)


genau das ist es ja eben auch: da? einfach auch grundwissen fehlt, wenn man schizophrenie mit multiplen persönlichkeitsstörungen durcheinanderwirft. also auf der einen seite mü?te man geisteskrankheiten verständlich erklären (vom krankheitsbild her) auf der anderen seite ratschläge geben, wie man dieses wissen anwenden kann.
aber schön, da? du das auch so siehst, dann sind wir [mindestens] schon zu viert. :] ;)

harhar: 600. posting!

#4 Carsten S.

Carsten S.

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Geschrieben 15. Mai 2003 - 10:32

Original von John Maguire
aber schön, da? du das auch so siehst, dann sind wir schon zu viert. :] ;)


ich habe keine multiple persönlichkeit!
gru?,
carsten


ich auch nicht!
gru?,
carsten

;)

#5 Carsten S.

Carsten S.

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Geschrieben 15. Mai 2003 - 10:43

hi nochmal,
habe gerade mal ein bissel gesucht. dabei bin ich auf folgende seite gestossen: www.neuropsychiater.org

dort gibt es links zu verschiedenen krankheitsbildern. leider ist das alles etwas verwirrend, wenn man von vorneherein nicht unbedingt wei?, was z.B. eine borderline störung ist. au?erdem wird soweit ich das sehe nur auf andere seiten verlinkt, die teils auch auf englisch sind.
dazu sehen die autoren dieser seite das (vielleicht, ist nur eine mutma?ung) sehr aus ihrer sicht, sind es doch psychiater. ein psychiater ist aber entgegen der landläufigen meinung kein psychologe, sondern ein mediziner, der eine zusatzausbildung gemacht hat...

vielleicht hilft es ja etwas weiter, wenn man zu einigen krankheitsbildern zumindest mal eine weiterführende beschreibung hat.

gru?,
carsten

#6 Guest_Mr. Joe_*

Guest_Mr. Joe_*
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Geschrieben 15. Mai 2003 - 11:13

Ich habe vor einigen Jahren mal in einer populärwissenschaftlichen Zeitschrift zwei Artikel von Betroffenen zum Theme Schizophrenie bzw. Depressionen gelesen, was recht erhellend war.

Da Schizophrenie eine Geistesspaltung ist, bei der Teile des geistigen Innenlebens als von au?en kommend, also als fremd und bedrohlich erscheinen, ist es der Sache wohl dienlicher, dass der Spielleiter die Rolle der Krankheit übernimmt. D.h. der Spieler wei? nicht, dass er geisteskrank ist, er hört nur immer wieder diese Stimmen. Klar, Stimmen hören, sehr pauschal abgehandelt. Kommt aber auf die Situation an. Falls jemand den Film "Twelve Monkeys" kennt, in dem Cole immer wieder diesen geheimnisvollen Mann hört, dessen Stimme durch den Raum zu wandernd scheint, während er spricht ûádas wäre eine angemessene Umsetzung.
Oder ein Charakter, der plötzlich "Das ist ein Fehler!" in sein Ohr gewispert bekommt, während er eine Entscheidung darlegt û ich glaube schon, dass sich das Auftauchen dieser Stimme sehr schön in einem Rollenspiel darstellen lässt. Vor allem. falls der Spieler denEindruck gewinnt, dass etwas Unsichtbares im Raum anwesend ist, das zunehmend dämonische Züge annimmt und ihn überall hin begleitet, aber sich nie dann meldet, wenn andere anwesend sind, kann man ihn damit gut verunsichern und bearbeiten.

#7 Carsten S.

Carsten S.

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Geschrieben 15. Mai 2003 - 11:23

hallo,
in dem fall könnte (mü?te?) man es vielleicht so handhaben, da? der SL im geheimen buch über den STA wert der SCs führt. damit blieben die spieler im unklaren, ob irgendwelche stimmen wirklich da sind (schlie?lich sind wir in einem rollenspieler über horror und das übernatürliche) oder nur in ihrem kopf. (womit sie natürlich auch "wirklich" da sind, aber ihr wi?t schon, was ich meine)

somit läge es am SL, den spielern die nötigen infos zum weiteren ausspielen ihrer charaktere zu geben, Ó la: "dieser fischige geruch stö?t dich ab - nein, er stö?t dich nicht nur ab, dir wird schlecht. du mu?t hier raus!" (kleine phobie nach einem besuch in insmouth) derlei würden die spieler nach einiger zeit schon selber schnallen und umsetzen. aber die wirklich "lustigen", oder eher *schwierigen* geisteskrankheiten, wie sie von john oben angesprochen wurden, könnte man dann auf die art ins spiel integrieren, wie mr. joe das vorgeschlagen hat. was durchaus reizvoll sein könnte.
was haltet ihr davon? sollten spieler ihren STA-wert kennen? ist sicherlich nicht immer praktikabel und sinnvoll aber IMHO eine überlegung wert.

gru?,
carsten

#8 Carsten S.

Carsten S.

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Geschrieben 15. Mai 2003 - 11:29

bei "cthulhu 6.0" hat es ja schon ganz gut geklappt, einen thread als ideen-sammlung für eine potentielle wie auch immer geartete publikation zu nutzen. vielleicht könnte man auch hier ideen sammeln, um den spielleitern und spielern mal eine hilfestellung zum thema wahnsinn an die hand zu geben.
*regeln* zum thema gibt es ja schon, und ich denke, darüber werden sich die jungs und mädels im "6.0" thread auch noch gedanken machen.
aber so ein beitrag zu spielerischen umsetzung wäre doch auch mal was...

gru?,
carsten

#9 Frank Heller

Frank Heller

    The Great Old One

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Geschrieben 15. Mai 2003 - 12:36

Original von carsten
aber so ein beitrag zu spielerischen umsetzung wäre doch auch mal was...


Die CW wartet auf Deinen Artikel zu diesem Thema :]

#10 Carsten S.

Carsten S.

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Geschrieben 15. Mai 2003 - 12:38

Original von Frank Heller

Die CW wartet auf Deinen Artikel zu diesem Thema :]


ich habs doch gewu?t... kaum sagt man was, schon wird man verpflichtet! ;) aber ich schau erstmal, da? aus meinem regionalia-beitrag, dem tesla und dem smith artikel was wird, okay!? ;)

aber wer wei?, vielleicht verfalle ich ja auch dem wahnsinn...

gru?,
carsten

#11 Guest_M_*

Guest_M_*
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Geschrieben 15. Mai 2003 - 12:40

okay, habe hier auch etwas: http://www.medicine-...iten/index.html

die ansätze sind alle ganz brauchbar die hier kamen, fürchte nur, da? das hier vollkommen untergeht, wenn jeder zu irgendeiner geisteskrankheit irgendwas postet - übersichtlichkeit ade.
wäre doch eigentlich ganz sinnvoll, wenn zu jeder geistigen störung ein eigener thread aufgemacht werden würde. anfangs käme dann eine recht umfassende (und aktuelle!) definition. dann ein abschnitt über ihre symptomatik und einer über ursachen/möglichkeiten des auftretens, da ja nicht jede geisteskrankheit zu jedem ereignis/proze? pa?t.
anschlie?end könnte man über die rollenspielerische umsetzung diskutieren.

#12 Guest_Mr. Joe_*

Guest_Mr. Joe_*
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Geschrieben 15. Mai 2003 - 15:36

aber ich schau erstmal, da? aus meinem regionalia-beitrag, dem tesla und dem smith artikel was wird, okay!?



Nicola Tesla, der Physiker, und Clark Ashton Smith, der Autor?

#13 Carsten S.

Carsten S.

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Geschrieben 15. Mai 2003 - 19:38

Original von Mr. Joe

Nicola Tesla, der Physiker, und Clark Ashton Smith, der Autor?


kurz und bündig: ja! :)

gru?,
carsten

#14 Höchster Patriarch von Lomar

Höchster Patriarch von Lomar

    Truchse? von Olathoe

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Geschrieben 16. Mai 2003 - 01:47

Also, ich habe ja auf dem vorletzten *räusper* EckberT auch nachgefragt gehabt, ob es _Abenteuer_ gibt, die sich auf Geisteskrankheiten/Anstalten konzentrieren. Aber das, was es da (auf englisch) gibt, scheint nicht so weit zu gehen, wie ich es mir wünschen würde.

Von daher würde ich ja eine Artikel-Serie (oder einen Sonderband) für die CW vorschlagen wollen:

ò Krankheitsbilder und ihre rollenspielerische Umsetzung/Spielhilfen
ò historischer Abri? über Medizin, Anstalten, Psychoanalyse in den 1890ern und 1920ern
ò Situation in der Gegenwart (Psychopharmaka, Forschungsmethoden, etc.) für Cthulhu Now/Delta Green
ò 1-2 Abenteuer, die die Auswirkungen allzu intensiver investigatorischer Tätigkeit zum Thema haben
òò "ein Spieler wurde in ein Asyl eingeliefert, um seine Schizophrenie zu heilen und wird statt dessen mit "realem" Grauen konfrontiert" (Insassen werden vom Schwarzen Mann geholt, Menschenversuche, o.ä.)
òò "ein Spieler wird von seinen inneren Dämonen durchs Land gehetzt, die Kollegen immer auf seiner Fährte" o.ä.

Mr. Joes Ansatz halte ich auf jeden Fall auch für den richtigen, auch wenn das eine Menge Arbeit für den SL bedeutet. Aber diese Mühe kann ja im Laufe des Spiels auf den Spieler übergehen, wenn der SL quasi genügend Anregungen geliefert hat weiterzumachen.

Um Johns Vorschlag aufzugreifen: wenn es den Modeartoren nicht übertrieben vorkommt - bestünde genug Interesse, im Forum einen Bereich wie für 6.0 aufzumachen?

Gru? Kostja

#15 Frank Heller

Frank Heller

    The Great Old One

  • Cthulhu Moderator
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  • 3.746 Beiträge

Geschrieben 16. Mai 2003 - 05:41

Original von Höchster Patriarch von Lomar
ò Krankheitsbilder und ihre rollenspielerische Umsetzung/Spielhilfen
ò historischer Abri? über Medizin, Anstalten, Psychoanalyse in den 1890ern und 1920ern
ò Situation in der Gegenwart (Psychopharmaka, Forschungsmethoden, etc.) für Cthulhu Now/Delta Green
ò 1-2 Abenteuer, die die Auswirkungen allzu intensiver investigatorischer Tätigkeit zum Thema haben
òò "ein Spieler wurde in ein Asyl eingeliefert, um seine Schizophrenie zu heilen und wird statt dessen mit "realem" Grauen konfrontiert" (Insassen werden vom Schwarzen Mann geholt, Menschenversuche, o.ä.)
òò "ein Spieler wird von seinen inneren Dämonen durchs Land gehetzt, die Kollegen immer auf seiner Fährte" o.ä.


Genau so ein Band ist bereits in unserer to-do-liste. Unter dem Stichwort "Krankheiten-Band" über normale Krankheiten, Medizin und Geistesstörungen.
Aber, wie bekannt, vor 2006 erscheint der nicht. Daher wäre ein Artikel zum Thema schon vorher in der CW sicher begrü?enswert. Eine ganze Serie halte ich für übertrieben, da dieser Band wie gesagt bereits als Konzept ins Auge gefasst ist. :)

Viele Grü?e
Frank




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